Rezension: Laurie Halse Anderson - Wintermädchen

3:23:00 PM


Autor: Laurie Halse Anderson
Titel: Wintermädchen
Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN-10: 3473353213 
ISBN-13: 978-3473353217
Preis: 16,95 €
Originaltitel: Wintergirls
Genre: Realitätsroman
Themen: Magersucht; Psychische Probleme
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Inhalt:
In der Silvesternacht haben sich Lia und Casse geschworen, die dünnsten Mädchen der Schule zu werden. Während Cassie Bulemie hat, hungert Lia einfach nur und hat wenn es zu einem Notfall kommt immer Abführmittel parat. Doch dann streiten sich beide und reden nicht mehr miteinander, bis Cassie Lia 33 mal auf dem Handy anruft. 33 mal hebt Lia nicht ab. Und am nächsten Tag ist Cassie tot. Eine Reise durch Schuldgefühle, Hass, Hunger und Perfektionszwang beginnt.

Aufmachung/Cover:
"Wintermädchen" hat mich lange Zeit wegen dem zart wirkenden Cover angesprochen. Es ist in hellen Blautönen gehalten und zeigt einen ausgestreckten Arm mit einer geöffneten Hand in der ein Schmetterling sitzt. Die Farben und das Bild sind verstörend, wirken so sanft und liebevoll, als könnten sie zerbrechen und haben mich dadurch angezogen, denn immer wieder wollte ich wissen, was mir dieses Buch erzählen wird.

Schreibstil:
Von der ersten Seite an hat mich der Schreibstil sehr geprägt, mitgerissen und auch sehr schockiert, denn im Gegensatz zu dem Cover springt einem hier die reine, schonungslose Wahrheit entgegen, die brutal und hart ist. Dennoch hat es Laurie Halse Anderson geschafft diese heftige Realität mit Poesie zu verbinden, sodass der Schreibstil unglaublich malerisch und außergewöhnlich ist. Ich habe die Sätze und Worte sehr gern verschlungen, denn dieser Schreibstil ist ein ganz besonderer. Interessant fand ich auch, dass einige Sätze durchgestrichen und "verbessert" wurden, was Lias Zerissenheit sehr gut dargstellt hat.

Meinung:
Viel bleibt mir nicht mehr zu sagen, denn ich bin sehr geschockt von dem Buch. Es ist aufwühlend und verstörend und konfrontiert den Leser mit Gedanken, wie er sie sicherlich noch nie gehabt hat. Für mich war es besonders schwer alles nachzuvollziehen, was Lia denkt und tut, denn ich konnte mir kaum vorstellen, dass man so etwas wirklich denken kann. Ich konnte mich zwar schon mit Lia identifizieren, aber gleichzeitig hatte ich immer diese Wut im Bauch, dieses Gefühl einschreiten zu wollen und dem Mädchen irgendwie zu helfen.

Die Charakter waren allesamt sehr glaubwürdig gemalt. Vorallen Dingen die achtzehnjährige Lia, die eigentlich ein sehr soziales und nettes Mädchen ist, allerdings völlig am Ende ist. Sie zählt Kalorien, kann nichtmal eine Glas Orangensaft trinken, ohne sich schlecht zu fühlen und versucht ihren Eltern vorzuspielen, dass sie wieder normal isst. Sie war bereits zweimal im Krankenhaus auf Grund ihrer Magersucht, hat sich jedoch immer wieder durchgelogen, um am Ende wieder genau so zu hunger, wie sie es vorher getan hat. Sie kann ihre Eltern nicht verstehen, begreift nicht, dass sie ihr nur helfen wollen und glaubt, alle würden ihr schaden wollen, was mich zeitweise sehr wütend gemacht hat. Allerdings war sie psychisch und physisch so am Ende, dass das kaum verwunderlich war.
Auch ihre Eltern waren sehr gut dargestellt. Sie leben getrennt und während sie mit ihrer Mutter kaum zusammensein kann, ohne sich mit ihr zu streiten, ist ihr Vater eher von sanfter Natur. Beide wissen kaum mit der Situation umzugehen, wollen Lia jedoch trotzdem helfen. Manchmal wirkt es so, als wären sie sehr streng und "böse", allerdings ist das durch Lias Sicht so, denn sie versteht es einfach nicht.

Am Ende war ich einfach nur fassungslos und war sehr geschockt. "Wintermädchen" ist das erste Buch über Magersucht, dass ich lese und vermutlich auch das letzte. Ich finde das Thema sehr interessant, aber gleichzeitig auch wahnsinnig erschreckend und vorallen Dingen in die möglichen Gedanken einer Magersüchtigen einzutauchen war heftig und schwer greifbar. Dennoch hat mir Wintermädchen sehr gut gefallen, denn es ist authentisch, gut zu lesen und hilft dem Leser sich besser in die Krankheit hineinzufühlen. Vorallen Dingen das Ende hat mir gut gefallen, denn es war verständlich und nicht überzogen oder unrealistisch, denn aus der Magersucht kommt man, wenn überhaupt, nur sehr schwer wieder hinaus.

"Wintermädchen" ist ein Buch mit einem sehr schwierigen Thema, dass den Leser schockiert und aufwühlt und nur für diejenigen zu empfehlen, die sich mit dem Thema Magersucht auseinander setzen wollen und keine allzu schwachen Nerven haben. Es ist schön und gleichzeitig verstörend geschrieben und hinterlässt noch lange nach dem lesen einen bitteren Nachgeschmack auf der Zunge, denn so leicht wird man dieses Buch nicht mehr vergessen können.


Zum Autor
Laurie Halse Anderson, 1961 in New York geboren, studierte Sprachen und arbeitet seit 1996 als erfolgreiche Schriftstellerin für Kinder und junge Erwachsene. Sie schreibt auch historische Romane. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr mit dem preisgekrönten Buch "Speak" aus dem Jahr 1999, welches sogar (mit Kristin Stewart) verfilmt wurde. Für Wintermädchen hat sie intensiv recherchiert und mit Fachleuten und Betroffenen gesprochen.



Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an den
Ravensburger Buchverlag.

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3 Wortmalerei(en)

  1. Tolle Rezi, das Buch ist mir schon vor längerer Zeit ins Auge gefallen, muss ich wohl auch mal lesen. Die Thematik spricht mich wirklich sehr an.

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  2. ich kann bookah0lic nur zustimmen :D

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  3. ich werde es mir nun wirklich kaufen, habe nun schon so viel gutes darüber gehört nun also ein muss!

    danke :D

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]