Rezension: Ascheherz von Nina Blazon

10:09:00 PM


Autor: Nina Blazon
Titel: Ascheherz
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten 
Verlag: cbt (10. Januar 2011)  
ISBN-10: 3570160653 
ISBN-13: 978-3570160657
Preis: 18,99 €
Originaltitel: -
Genre: High Fantasy
Themen: Gedächtnisverlust; Tod; Ewiges Leben; Krieg
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Inhalt:
Es fällt schwer den Inhalt in wenigen Worten zusammenzufassen, denn die Geschichte vereint soviele Handlungsstränge, wie ein ganzes Leben. Im Groben geht es um Summer, das menschenscheue Mädchen, welches ihr Gedächtnis verloren hat und ein, so nennt sie es selbst, Katzenleben führt. In ihren Träumen wird sie immer wieder von einem Henker heimgesucht, der sie töten will und als der Traum sich plötzlich mit der Realität vermengt und der Blutmann in ihrem Leben auftaucht, muss sie vor ihm fliehen. Sie lernt Anzej kennen, der weder ihre Sprache spricht, noch besonders viel von ihrer Welt zu kennen scheint, doch trotzdem fühlt sie sich mit ihm verbunden. Auf ihrer Flucht in seine Heimat, dem Nordland, spürt sie jedoch, dass Anzej nicht der ist, der er vorgibt zu sein und das auch ihre Vergangenheit ein Geheimnis birgt, das größer ist, als sie bisher angenommen hat. Immer wieder treffen sie die Erinnerungen an ihr früheres Leben, doch nie kann sie diese ganz erfassen. Auf der Reise zu ihr selbst, trifft sie auf ihre Vergangenheit und ihr wahres Ich, findet den Menschen, den sie insgeheim immer gesucht hat und lernt das Ausmaß ihres Geheimnisses erst richtig kennen.

Aufmachung des Buches:
Allein schon durch das schöne Cover, welches in kühlen, aber magisch wirkenden Farben gehalten ist, hat das Buch mein Interesse geweckt. Auch der Titel, der sehr poetisch klingt hat dazu beigetragen. Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, welche alle einen Abschnitt auf dem Weg zu Summers Ich darstellen und immer wieder Überraschungen bereithalten.

Schreibstil:
Schon mit dem ersten Satz hat Ascheherz mich in seinen Bann gezogen, denn Nina Blazons Schreibstil ist nicht nur unglaublich poetisch und verträumt, sondern gleichzeitig auch detailliert, flüssig und tiefgehend. Viele Sätze hätte ich mir am Liebsten rausgeschrieben, weil sie so wahr und gleichzeitig schön sind. (wie z.B.: „Es ist so leicht, jemand zu werden und so schwer, jemand zu bleiben.“ ) Durch die schönen und vorallen Dingen bildhaften Beschreibungen mit denen sie die neue, unbekannte Welt bescheibt, fühlt man sich in die Geschichte hineinversetzt und kann sich alles genau vorstellen. Nina Blazon geht zwar auf jede Situation sehr detalliert ein und doch schafft sie es, nie zu langatmig über die verschiedenen Orte und Wesen zu schreiben. Ich bin sehr beeindruckt von diesem ausgewogenen Schreibstil und habe mich teils auch oft an Tintenherz erinnert gefühlt, weil die Wortwahl einfach immer perfekt gepasst hat, nie zu überladen, aber auch nie zu schlicht war. Nie hatte ich das Gefühl, dass er an irgendeiner Stelle nachgelassen hat oder langweilig wurde.

Meinung:
Vermutlich merkt man bereits, dass ich hin und weg von der Geschichte um Summer mit den tausend Gesichtern und Namen und ebenfalls ein wenig traurig bin, dass sie schon zu Ende ist. Ascheherz ist wie eine Abenteuerreise – Nicht nur für Summer, sondern auch für den Leser, da man schnell in die Geschichte hineingezogen wird. Startschwierigkeiten hatte ich zwar doch, da Nina Blazon mich ohne Umschweife in ihre Welt gezogen hat, doch die verflogen sehr schnell.
Die Welt aus Ascheherz (von vielen habe ich gehört, dass es die selbe, wie in Faunblut ist, was ich allerdings nicht beurteilen kann, da ich es nicht gelesen habe) ist eine völlig neue und zum Teil magische. Um die Orte besser zu sehen, hätte ich mir zwar zu Beginn eine Landkarte oder Ähnliches gewünscht, doch mit der Zeit war es leichter, sich alles genau vorzustellen.
Nicht nur die schönen Namen der Städte, sondern auch die Beschreibungen habe mich dem Ort und den Menschen, sowie den anderen Wesen dort näher gebracht.
Nina Blazon schreibt mit soviel Phantasie und Begeisterung, dass man selbst nicht mehr zu lesen aufhören kann und sich teilweise selbst im Geschehen gefühlt hat.
Am Anfang steht man als Leser jedoch eher im Dunkeln, da man in direkt in die Geschichte geworfen wird und nichts davon weiß, dass Summer ihr Gedächtnis verloren hat, nur das sie irgendwie anders ist. Mit der Zeit lernt man ihre vielfältige Persönlichkeit jedoch sehr gut kennen.

Summer ist ein Mädchen mit vielen Gesichtern, die gut lügen kann und sich verstellt, da sie sich nirgendwo richtig zugehörig fühlt. Außerdem schreckt die Nähe mit vielen Menschen sie eher ab und obwohl sie sich immer wieder andere Identiäten gegeben hat und weder der Leser, noch die Menschen in dem Buch und noch sie selbst, sie wirklich durschschauen konnten, ist sie mir von Anfang an ans Herz gewachsen. Sie ist ein sehr mutiger, aber auch stolzer und verletztlicher Mensch und immer darum bemüht ihre Ängste vor den anderen zu verbergen. Mit ihren vielen Lügen um ihre Person war sie sehr glaubwürdig, da sie selbst nicht wusste, wer oder was sie war. Sie ist weder durchgehend gut oder freundlich, noch böse oder schlecht.

Zu Beginn ebenfalls ein sehr interessanter Charakter war Anzej, dessen Rolle ich erst als sehr zentral empfand, dann aber eines besseren belehrt wurde. Man wird irgendwie immer wieder in falsche Richtungen gedrängt und wie Summer begegnet man verschiedesten Menschen und ist sich nicht sicher, ob man ihnen wirklich trauen kann oder nicht. Immer wieder hat man Zweifel und immer in dem Moment, in dem auch Summer sich die Frage stellt, ob sie vertrauen kann. Anzej ist ein junger Mann, der angeblich unterirdisch gearbeitet hat und Summers Sprache nicht kennt, diese aber schnell lernen kann. Er kommt aus dem Nordland, in welches die beiden fliehen wollen, erzählt aber eher weniger darüber. Ich fand ihn zu Beginn sehr symphatisch und interessant, da er Summer oft beschützt hat und die beiden sich im Laufe ihrer Reise auch immer Näher kommen, doch mit der Zeit bekam ich immer mehr Zweifel, wie auch Summer.

Interessanter war jedoch der Blutmann, der in Summers Träumen und schließlich auch in ihrem richtigen Leben eine wichtige Rolle einnimmt. Er verfolgt sie und will sie scheinbar töten, doch mit der Zeit klärt sich seine geheimnisvolle Person immer mehr auf und man findet heraus, was Summer mit ihm verbindet.

Ich wurde häufig in die Irre geführt, da ich immer glaubte, dass gewisse Personen Summers Gegenstück sind und die Rolle der „zweiten“ Hauptfigur einnehmen, doch immer wieder wurde ich eines besseren belehrt. Durch die vielen Fragen, die durch jeden Handlungsstang entstehen bleibt die Geschichte stets spannend und immer wieder geschehen neue Dinge, die man zuerst nicht fassen kann. Alle Fragen klären sich jedoch erst zum Schluss und verweben sich somit zu dem Gesamtbild. Für mich war vieles bis zum Ende hin nicht vorhersehbar und es gab immer wieder Überraschungseffekte.

Ascheherz ist ein sehr vielfältiges Buch, das viele Geschichten und Handlungsstränge verbirgt, die am Ende zu dem Gesamtbild verwoben werden können. Es ist wie eine Reise, die man zusammen mit Summer antritt, denn man entdeckt immer wieder neue Menschen, Orte und Wesen. Die Geschichte ist allerdings nicht nur eine gewöhnliche Liebesgeschichte, wie es vielleicht zu Beginn den Anschein hat. Sie besitzt eine Tiefe, die ich ihr nicht zugetraut hätte und behandelt teils sogar einige moralische Aspekte über das Leben. Für mich ein absolutes Highlight, welches ich jedem empfehlen kann, der sich ein paar schöne Abende mit Kuscheldecke und Tee machen und dabei zu einem Abenteuer aufbrechen will. 



Vielen lieben Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an

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3 Wortmalerei(en)

  1. Eine wirklichg super schöne Rezension! Ich kann deine Meinung auch in den meisten Punkten teilen, da ich das Buch auch einmalig und wunderschön fand.
    Die Liebesgeschichte hat mich besonders bewegt, weil sie mal anders war und wirklich keinesfalls vorhersehbar, was eine gekonnte Abwechslung zu manch anderen Jugendbüchern ist.
    Bei mir gab es lediglich einen Punkt abzug, da sich der Anfang etwas hinzieht und nicht wirklich viel passiert ist...
    doch alles in allem ein wirklich wunderbares Buch, welches ich sicherlich irgendwann nochmal lesen werde :)

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  2. Ich bin über Jenny Mai nuyen bei Facebook auf deinen tollen Blog gestoßen und stöbere mich im Moment hier durch., was schon großen Einfluss auf meine Wunschliste genommen hat. Ascheherz hab ich mir nach deiner Rezension direkt auf meinen Kindle gezogen. Vorher muss ich noch Die Königliche zu Ende lesen.
    Ich bin auf Ascheherz gespannt, hab von der Autorin noch nie ein Buch gelesen.

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  3. ich hab das auch gelesen. Ich finde es richtig toll. Die Liebesgeschichte find ich am schönsten, weil sie mich richtig bewegt hat und unvorhersehbar ist. Die Flucht hat sich über das halbe Buch ausgestreckt und es war richtig spannend. Nina Blazon hat einen klasse Schreibstil. Ich will auch noch andere Bücher von ihr lesen.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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