Rezension: Ein Tag ohne Zufall von Mary E. Pearson

12:49:00 PM


Autor: Mary E. Pearson
Titel: Ein Tag Ohne Zufall
Gebundene Ausgabe: 313 Seiten 
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (11. Februar 2011)  
ISBN-10: 9783596854073 
ISBN-13: 978-3596854073
Preis: 14,95 €
Originaltitel: The Miles between
Genre: Realitätsbuch
Themen: Täuschung; Zufälle; Selbsttäuschung; Trauerbewältigung
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»[...] aber wie es einem auch ergeht, wo man auch steht, es gibt immer Augenblicke, die einen in dieser Welt halten, auch wenn man ihr eigentlich lieber entfliehen möchte. Flüchtige Augenblicke, zauberhafte Augenblicke, in denen auf einmal alles einen Sinn und Zweck hat. Augenblicke, die so wunderschön sind, dass es weh tut.« 
[aus Ein Tag ohne Zufall]

Inhalt:
Destiny wird von ihren Eltern von einem Internat ins nächste verfrachtet, seit sie sieben ist. Sie lässt niemanden an sich heran, denn Freundschaften schließen hat keinen Zweck, wenn man ohnehin bald wieder gehen muss. Doch dann ist da plötzlich dieser perfekte Tag, an dem sich die Zufälle überschlagen oder sollte es Schicksal sein? Jedenfalls steht da auf einmal zufällig diese blassrosa Luxuslimousine mit hochgeklapptem Lederverdeck und laufendem Motor, und zufällig finden sich drei Mitschüler, die aus den unterschiedlichsten Gründen nichts gegen eine Spritztour haben. So beginnt ein spontaner Roadtrip voller sonderbarer Begegnungen, an dessen Ende Destiny ihren Schutzschild fallen lassen kann. Und plötzlich weiß sie, dass die Wahrheit ganz anders aussieht, als sie immer dachte.

Schreibstil:
Eine große Besonderheit an diesem und auch dem ersten Buch, welches ich von Mary E. Pearson gelesen habe, ist meiner Meinung nach der außergewöhnlich tiefgehende und besondere Schreibstil der Autorin. Sie versteht es einfach Worte so zu Sätzen zu verweben, dass man als Leser im ersten Moment einfach nur fasziniert ist. Im Grunde schreibt sie relativ simpel, doch sie benutzt Worte miteinander, die einfach gut klingen und tiefgehen. Damit schafft sie eine Wohl-Fühl-Atmosphäre, die mich letztendlich auch zum weiterlesen gebracht hat. Ich finde, das Buch versprüht ein Frühlingsfeeling, auch wenn es im Oktober spielt. Wer größeren Wert auf einen schönen Schreibstil legt, der sich flüssig lesen lässt und gleichzeitig auch in die Tiefe geht, kann diesen in den Büchern von Mary E. Pearson finden.

Meinung:
Ich finde es sehr, sehr schwer dieses Buch angemessen zu bewerten, da es mich auf den ersten 150 Seiten eigentlich nicht so gepackt hat. Ausschlaggebend dafür, dass ich es letztendlich doch nicht aus der Hand gelegt habe, war dieses Wohlfühlen zwischen den Worten und den Seiten, sowie das Frühlingshafte, was für mich irgendwie sehr erfrischend war. Die Geschichte kommt sehr leise und unauffällig daher, hat daher ihren ganz eigenen Charme, dennoch hat sie es zu Beginn einfach nicht geschafft mich zu fesseln. Ich hatte es mal angelesen und dann wieder weggelegt. Mit der Zeit habe ich dann aber irgendwie immer mehr das richtige Gefühl für die Geschichte bekommen und habe es schließlich weitergelesen - und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Leser begleitet vier grundsätzlich verschiedene Menschen auf eine Reise durch einen Tag, der merkwürdiger nicht sein könnte, denn irgendwie geschieht viel unerklärliches. Seth, der immer Freundliche und Fröhliche, Aidan, der Streber und Vorsichtige, Mira, die immer lebendig und viel zu neugierig ist und natürlich Destiny, die nicht an Zufälle glaubt und immer verschlossen ist. Jeder von ihnen hat seine Geheimnisse und eigentlich kennen sie sich untereinander auch noch nicht besonders gut. Vermeintlich zufällig findet Destiny das Auto und dann stoßen auch die drei anderen dazu und fahren verbotenerweise vom Schulgelände. Diese Idee war für mich anfangs irgendwie abwegig und unspektakulär, denn was sollte daran schon besonders sein? Spätestens da, als die vier Lucky finden, das kleine Lämmchen, habe ich aber irgendwie Gefallen daran gefunden. Denn, ganz ehrlich, wer würde nicht gerne einmal mit einem Lämmchen, dass sich für einen Hund hält, durch die Gegend fahren und die merkwürdigsten Dinge erleben? Auf ihrer Reise entdecken die vier nämlich derart viel unmögliches, dass sie es sich nicht erklären können. Da kann Aidan schon mal neben dem Präsidenten pinkeln oder Mira den Rock finden, den sie schon immer haben wollte.

In diesem Buch findet man nichts, was mit Fantasy zu tun haben könnte, man findet keine Fabelwesen und keine Zukunftsvisionen. Man taucht ein in eine scheinbar gewöhnliche Geschichte, die immer mehr Geheimnisse birgt und aufklärt, die leise Töne anbringt, aber dennoch irgendwie spannend ist. Es ist keine gefährliche Spannung, die man in der Luft knistern hört, sondern eine leise, unbewusste Spannung, die man wahrnehmen kann, aber nicht direkt vorhanden ist.
Ich für meinen Teil war nach den ersten 150 Seiten und dem eher schweren Start in die Geschichte, wirkich angetan - auf diese stille Art und Weise eben. Ein Tag ohne Zufall ist für mich ein Buch, dass seinen ganz eigenen Zauber hat, ich jedoch nur einmal lesen kann.

Mit viel Gefühl und Tiefgang erzählt die Autorin von Freundschaft, vom Schicksal, von Zufällen, Liebe und Familie, von den Geheimnissen, die jeder Menschen nun einmal eben hat und bringt einem Destiny immer näher. Es war zwar anfangs sehr schwer sich mit ihr zu identifizieren, aber die Sympathie des Lesers hat sie dennoch von Anfang an. Besonders spannend an ihr ist es, dass man zwar alles über sie zu wissen glaubt, am Ende dann aber dennoch überrascht wird - und zwar zu Tränen, denn das Ende berührt und schockiert und war dennoch oder gerade deswegen genau richtig für das Buch.

Ein Tag ohne Zufall ist eine faszinierede Geschichte mit kleinen Schwächen, die unter die Haut geht und eine ganz besondere Atmosphäre hat. Ein Buch, in welchem man sich wohlfühlt und auch skeptisch sein kann, seine Vorurteile über Bord wirft und die Menschen so kennenlernt, wie sie hinter ihrer Fassade sind. Eine Leseempfehlung, für diejenigen, die eine erfrischend andere Geschichte lesen wollen, die nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern sie durchbricht und den Leser auf eine ganz besondere Reise mitnimmt. Ich will jetzt auf jeden Fall auch ein kleines Lämmchen haben!


Unglaubliche Zufälle (einige davon werden auch im Buch erwähnt)
  • Abraham Lincoln wurde 1846 in den Kongreß gewählt.
  • John F. Kennedy wurde 1946 in den Kongreß gewählt.
  • Abraham Lincoln wurde 1860 zum Präsidenten gewählt.
  • John F. Kennedy wurde 1960 zum Präsidenten gewählt.
  • Die Namen Lincoln und Kennedy enthalten beide sieben Buchstaben.
  • Beide Präsidenten setzten sich für die Menschenrechte ein.
  • Die Ehefrauen beider Präsidenten verloren ihre Kinder, während sie im Weißen Haus lebten.
  • Beide Präsidenten wurden an einem Freitag erschossen.
  • Beiden wurden durch einen Schuß in den Kopf getötet.
  • Lincoln hatte einen Sekretär namens Kennedy.
  • Kennedy hatte einen Sekretär namens Lincoln.
  • Beide wurden von einem Südstaatler ermordet.
  • Sowohl Lincolns als auch Kennedys Nachfolger hieß Johnson.
  • Andrew Johnson, der Nachfolger Lincolns, wurde 1808 geboren.
  • Lyndon Johnson, der Nachfolger Kennedys, wurde 1908 geboren. 
[Quelle: *klick*

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für dieses Rezensionsexemplar bedanken bei 

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]