Rezension: Ich wünschte, ich könnte dich hassen von Lucy Christopher

4:08:00 PM

»Wie lange willst du mich festhalten«, fragte ich. Du zucktest mit den Achseln. »Natürlich für immer.«

Inhalt:
Sein Blick ist intensiv, die Augen tiefblau. Niemand hat Gemma je so angesehen. Noch hält sie die Begegnung mit Ty am Flughafen für Zufall.
Dann erwacht Gemma im Nirgendwo. In einem Haus mitten im australischen Outback.
Umgeben von Sand und Hitze und Dreck und Gefahr. Allein mit ihrem Entführer und weg von allem, was sie kennt. Da begreift Gemma, dass ihre Begegnung kein Zufall war. Dass Ty sie ausgesucht hat. Und er glaubt tatsächlich, sie wird sich in ihn verlieben! Und dort im Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr, verliebt sich Gemma in Ty. Doch sie wünschte, sie könnte ihn hassen.

Schreibstil:
Das Buch ist in Form eines Briefes verfasst und spricht Ty an, den Entführer. Es hat daher auch seine Zeit gedauert, bis ich mich mit dem Schreibstil und dem "Du" wirklich anfreunden konnte. Allerdings passt zu der Thematik des Buches die Briefform einfach am Besten. Das Buch ist außerdem sehr detailliert geschrieben und entführt seinen Leser in eine völlig unbekannte, fremde und gleichzeitg schöne Welt. In die Wüste Australiens, in die man sich nach und nach verliebt, die ebenso wie Ty abschreckend und anziehend ist. Lucy Christopher hat außerdem einen sehr schönen, ausgeschmückten Schreibstil, mit welchem sie Gemmas Situation, ihre Gefühle und Gedanken sehr gut herausgeschrieben hat, sodass man sich in die Protagonistin hineinfühlen kann und dieselben Gefühle hegt, wie sie selbst. Ich wünschte, ich könnte dich hassen lässt sich flüssig und gut lesen und zieht den Leser bereits sehr schnell in den Bann.

Meinung:
Ich bin um ehrlich zu sein sehr hin und hergerissen, was nicht nur an Ty liegt, obwohl er schon sehr dazu beiträgt. Ich habe es als sehr schwer empfunden, in das Buch hineinzukommen, war schließlich aber ab einem bestimmten Punkt sehr gebannt von der Geschichte. Das Buch habe ich eben erst ausgelesen und muss sagen, dass ich noch sehr sprachlos bin und geschockt, erschüttert, aber auch überrascht. Es ist einfach etwas komplett anderes, etwas neues, nicht das, was ich erwartet hatte und einfach atemraubend.

Der Hauptkonflikt - und das nicht nur für Gemma, sondern auch für den Leser selbst - ist natürlich Ty, den man auf der einen Seite hasst, verabscheut und als abstoßend empfindent, auf der anderen Seite jedoch auch die sanfte, zärtliche und besondere Seite an ihm entdeckt und trotzdessen, dass sich alles in einem streubt, diesen Mann zu mögen, baut man nach und nach Sympathie für ihn auf. Bei mir hat es zwar etwas länger gedauert, weil ich es gehasst habe, dass Ty wirklich geglaubt hat, er hätte Gemma gerettet und nicht unbedingt entführt und er immer so selbstgefällig war und keine Fehler eingesehen hat. Allerdings habe ich ihn schließlich doch irgendwie gemocht. Das Besondere an dem Buch war, dass ich keine Zeit brauchte um Gemma zu mögen, da ich sie schon mit der ersten Seite zu kennen geglaubt habe und daher auch viel Sympathie für sie empfand. Man kann sich einfach in sie hineinversetzen, ist beinahe sie und erlebt alles aus ihrer Sicht. Dieses Gefühle habe ich nur bei wenigen Büchern - auch wenn sie in der Ich-Perspektive geschrieben sind, doch bei Ich wünschte, ich könnte dich hassen, war es sehr ausgeprägt und hat mit dafür gesorgt, dass mir das Buch sehr gefallen hat.

Man verliebt sich jedoch nicht nur in Ty und hasst ihn gleichzeitig, ich für meinen Teil habe mich auch in den Ort verliebt und ihn zur selben Zeit grausam gefunden. Für mich hat die Wüste Australiens Ty dargestellt. Sie war irgendwie wie eine Metapher für ihn, wie ein Spiegelbild, denn auch sie schien Gemma festzuhalten und auch sie war unberechenbar, launisch, schön und anders. Es gibt die raue Seite, die endlose Wüste, das Herbe und Harte, aber auch die sanften, besonderen Seiten, wie die Wasserquelle. Sehr gefallen hat mir übrigens auch das Kamel, vorallen Dingen, als es sich übergeben hat. Das war eine Stelle, bei welcher ich laut aufgelacht habe und ebenso schadenfroh wie Gemma war.

Die Geschichte schockiert jedoch auch, denn sie zeigt die Psyche eines Menschen, der absolut kaputt ist, der mit neunzehn Jahren ein zehnjähriges Mädchen gestalkt und bereits gewusst hat, dass er sie will und entführen wird. Es ist kaum greifbar für mich gewesen, dass es wirklich solche Menschen gibt und dennoch wirkte alles glaubwürdig und real. Für mich war das Buch eine aufregende, schockierende und mitreißende Reise durch Australien, durch Gefühle und die Psyche zweier Menschen. Eine willkommene Abwechslungzwischen all den Fantasygeschichten, in der man die männliche Hauptperson im Grunde nur liebt. Es war fesselnd von einem derartig schwierigem Thema zu lesen und sich immer zu fragen, wie die Autorin den Konflikt lösen wird. Man merkt, dass es nicht richtig ist und hat trotzdem diese Sympathie, dieses Mitleid für Ty.

Eine absolute Leseempfehlung, für diejenigen die etwas erfrischend Anderes lesen wollen, die damit klar kommen, in einen großen inneren Konflikt gezogen zu werden und die die raue Schönheit Australiens kennenlernen wollen. Von mir gibt es 4/5 Sternen für diese Geschichte, da sie fesselt und mitreißend ist, ich jedoch schwer hineingekommen bin.

  
Romantik: ♥♥♥♥♥
Humor: ♥♥
Spannung: ♥♥♥♥
Schreibstil: ♥♥♥♥
Grundidee: ♥♥♥♥♥

Autor: Lucy Christopher
Titel:
Ich wünschte, ich könnte dich hassen
Taschenbuch: 368 Seiten 
Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 1 (Februar 2011)
Originaltitel: Stolen

Zum Autor
Lucy Christopher wurde 1981 in Wales geboren und wuchs in Australien auf. Bis zum Hauptstudium lebte sie in Melbourne. Nachdem sie sich als Schauspielerin, Kellnerin und Wanderführerin versuchte hatte, zog sie nach England und machte ihren Magister in Kreativem Schreiben. Sie unterrichtet an der Bath Spa University und forscht über die Darstellung wilder Orte in der australischen Literatur. Ich wünschte, ich könnte dich hassen ist ihr Debüt. Weitere Informationen unter: www.lucychristopher.com. [Quelle: *klick*

Ich habe auch noch einiges an Zusatzmaterial erhalten, was ich sehr interessant fand und daher auch euch nicht vorenthalten möchte.

***

Lucy Christopher über...

… ihre Grundidee:
Mich hat interessiert, wie es sich anfühlt, in einer Beziehung zu stecken, in die sich eine junge Frau nicht aus freiem Willen begeben hat. Ich wollte über die Auswirkung eines sanften psychischen Missbrauchs in einer Extremsituation schreiben. Und über die Verführung durch einen scheinbar starken, aber neurotischen Mann … und wie der Ort und die Isolation diese Versuchung beeinflussen können.

… ihre Intention beim Schreiben:
Wir verlieben uns in Ty und gleichzeitig hassen wir ihn auch. Wir haben ein ambivalentes Verhältnis zu ihm. Und genau das war meine Intention. Ich wollte, dass die Leserinnen Ty ähnlich erlebenund wahrnehmen wie Gemma. Ty stößt sie ab und zieht sie an und Gemma ist verwirrt darüber und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Sie ist wie besessen von ihm, will ihn nicht loslassen und weiß doch, dass sie es tun muss. Ihr Herz kämpft mit ihrem Kopf. Ich wollte, dass die Leserinnen genau das miterleben und fühlen.

… Impulse:
Gemma muss all ihre Stärke und ihre Vernunft aufbringen, um sich von Ty zu distanzieren. Es ist ein Prozess bis man realisiert hat, dass man sich von jemandem angezogen fühlt, der einem nicht gut tut, und erkennt, dass man die Kraft aufbringen muss, sich aus dieser ungesunden Beziehung zu befreien. Ich möchte, dass Mädchen und junge Frauen anfangen nachzudenken. Wo sind die Grenzen zwischen Liebe, Kontrolle und Obsession? Und wie finden wir die Stärke und die Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, uns von dieser falsch verstandenen Liebe, der Dominanz und letztlich dem Partner zu trennen?

***

Vielen Dank für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares an

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7 Wortmalerei(en)

  1. wow! was für eine tolle und ausführliche rezi! dein schreibstil gefällt mir. das buch muss ich lesen ;)

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  2. Auf das Buch bin ich auch schon sehr gespannt. Nur schade, dass das deutsche Cover so furchtbar ist ...

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  3. @Anka - Wow zurück, danke :)) Freut mich, dass es dir gefällt!

    @Stephie - Oh ja, das deutsche Cover ist wirklich unschön. Da hätte man das englische sehr gerne übernehmen können.

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  4. hachhh schöne rezi :D das buch ist ja auch klasse nicht ^^

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  5. Jetzt habe ich auch deine Rezension gelesen und muss sagen, dass sie mir auch sehr gut gefällt. Und die Gedanken der Autorin finde ich sehr schön und nochmal ein Stückchen mehr erleuchtend.
    Danke für den Link bei mir :)

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  6. Das Buch hatte ich letztens im Buchladen in der Hand. War unsicher, ob ich es mitnehmen soll oder nicht.
    Und jetzt seh' ich das englische Cover und merke, dass mir das von Amazon auch mal empfohlen wurde und es mich interessiert hat. Wusste allerdings nicht, dass es sich um das selbe Buch handelt. Jetzt wird es vielleicht doch gekauft dank deiner Rezension (:

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  7. hab dieses Buch auch gelesen,
    war aber richtig enttäuscht, vielleicht auch, weil ich so viel anders gemacht hätte.

    aber trotzdem toller Blog :)

    Würde mich über einen Gegenbesuch freuen

    LG
    Weisselilie
    (http://www.eintauchen-in-eine-andere-welt.blogspot.com/)

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]