Rezension: Crashed von Robin Wasserman

8:48:00 PM

»Ich bin, woran ich mich erinnere, sagte ich mir. Ich bin, was ich denke, wie ich denke.«

Inhalt:

Sechs Monate sind vergangen, seit Lias Wirklichkeit auf den Kopf gestellt wurde. Sechs Monate voller Zweifel, Angst und Auflehnung gegen die Tatsache, dass ihr Körper tot ist und Lia Kahn nur in einer menschenähnlichen Maschine weiterexistieren wird. Jetzt ist Lia bereit, ihr neues Dasein zu akzeptieren: Sie ist ein Mech und sie gehört zu ihresgleichen. Es ist eine wilde, sorglose Existenz, die sie führen, ohne Regeln, ohne Angst. Denn es gibt nichts zu fürchten, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Doch dann wird Lia von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie muss eine Wahl treffen zwischen ihrem alten Leben und ihrer neuen Freiheit, zwischen den Menschen und den Mechs. Sie muss sich entscheiden zwischen dem Mädchen, das sie war, und dem Jungen, den sie einmal geliebt hat...

Schreibstil:

Ich muss sagen, dass ich dieses Mal eher schwer in das Buch hineingekommen bin, wobei ich allerdings nicht genau festlegen kann, woran es gelegen hat. Womöglich lag es daran, dass zu Beginn einfach sehr viel beschrieben wurde und kaum Dialoge vorkamen. Das hat den Lesefluss teilweise etwas erschwert, jedoch nur auf den ersten 50 Seiten. Besonders auffällig an Wassermans Schreibstil sind die schönen Vergleiche, die sie öfters benutzt. Sie schreibt einfach so, dass es durchaus leicht zu lesen ist und gleichzeitig schafft sie auch eine schöne Atmosphäre für diejenigen, die Wert auf einen angenehmen Schreibstil legen. Dieser Ausgleich schafft einen guten Lesefluss, einige Sätze, die ich mir gerne rausgeschrieben hätte und sehr viel Spannung und Tiefgang, den man zwischen und hinter den Worten finden kann. Sprachlich ist das Buch meiner Meinung daher sehr gut gelungen.

Meinung:
Mit sehr viel Tiefgang und Spannung entführt Robin Wasserman ihre Leser erneut in die faszinierende, grauenhafte Welt von Lia Kahn, schafft es dabei immer die richtige Portion in die Geschichte zu bringen und sorgt dafür den Leser immer wieder mit unvorhersehbaren Wendungen und Geschehnissen zu überraschen. Wurde der Schwerpunkt im ersten Teil eher auf die Gefühle und Situation von Lia gelegt, so beschäftigt sich Crashed eher mit der politischen Lage und deren Auswirkungen auf die Mechs und somit auch auf Lia. Dabei stolpert man als Leser natürlich über die vielen philosophischen und ethischen Fragen, die man sich immer wieder während des Lesens stellt: Was macht den Menschen aus? Wann ist ein Mensch ein Mensch? Ist Lia eine Maschine, die nur so programmiert wurde, wie sie nunmal ist oder kann sie eigenständig denken und entscheiden?

Doch man bewegt sich nicht nur auf dieser Ebene, denn in Crashed wird auch das Misstrauen gegeneinander deutlich. Lia weiß nicht, wem sie vertrauen kann und wem nicht. Nach der gescheiterten Mission in der Konzernanlage stellt sie immer mehr die Menschen um sie herum und auch ihre Erschaffer in Frage, sodass eine bedrückende und vorsichtige Atmosphäre entsteht, in der man immer auf der Hut ist und nicht viel preisgibt. Hierbei kommen erneut tausende von Fragen auf den Leser zu: Hat Jude etwas mit dem Überfall auf den Konzern zu tun? Kann man BioMax vertrauen? Wie weit würden die Erleuchteten gehen?

Auch die Spannungen in dem System sorgen für eine erdrückende Atmosphäre, denn inzwischen haben sich viele Menschen zusammengetan, mit ihnen der "Erleuchtete" Savona und zum Schrecken von Leser und Lia auch Auden, die Versammlungen und Reden gegen die Mechs halten und diese unterdrücken wollen. Für sie sind sie keine Menschen, sondern lediglich programmierte Maschinen, die unberechenbar und gefährlich für die Gesellschaft sind. Wasserman spannt ein Netz aus Verrat, Manipulation und Misstrauen, das kaum zu durchschauen ist und schafft so Spannung und gleichzeitig ein hin- und hergerissenes Gefühl im Bauch, denn nicht nur Lia beschäftigt sich mit der Frage nach dem Sein. Auch der Leser wird sich immer wieder fragen, was den Menschen denn nun ausmacht, ob die Erleuchteten recht haben oder ob Lia eine Maschine ist. Oft kann man beide Seiten nachvollziehen und verstehen und oft fühlt man bei Savonas Reden diese große Ungerechtigkeit, dieses Gefühl machtlos zu sein.

Der Leser wird jedoch nicht nur in die Welt der Mechs entführt, er lernt nun auch andere Teile dieser grausamen neuen Erde kennen, die ihm vorher verborgen blieb. Gemeinsam mit Lia und Riley betritt man die Stadt, in der die armen Menschen leben, die wirklich überhaupt nichts besitzen, die in großen, heruntergekommenen Wohnblocks leben müssen - viele Menschen auf engstem Raum. Hierbei wird vorallen Dingen der Unterschied zwischen arm und reich hervorgehoben, der wirklich erdrückend und unglaublich ist. Die Situation der Menschen in der Stadt ist zu vergleichen mit höchster Armut. Hier kann sich keiner leisten, Geld in das Aussehen eines Kindes zu stecken - hier zählt das nackte Überleben. Sehr oft kann man das Buch auf die heutige Zeit beziehen und merkt immer wieder Parallelen und Kritik. So kann man hierbei auf die Präimplantationsdiagnostik eingehen, auf die immer größer werdende Schlucht zwischen Arm und Reich. Das hat das Buch noch greifbarer und realistischer gemacht, sodass sich oft die Frage stellt, ob es nicht ganz genau so werden könnte, wenn man so weiter macht.

Besonders spannend wurde das Buch für mich, als Lia Riley näher kommt und sich die beiden ineinander verlieben, was ich als sehr passend empfunden habe. Erfrischend ist hierbei, dass das Buch nicht auf dieser Liebesgeschichte beruht, sondern andere Grundstützen hat. So wird das Buch nicht schnulzig, bleibt aber auch in der Hinsicht nicht reizlos, denn auch die Szenen zwischen den beiden wurden sehr gefühlvoll und zart beschrieben. Riley wird auch nicht als perfekt dargestellt. Er ist eine Persönlichkeit mit Fehlern und Schwächen und nicht immer der starke Typ, der er vielleicht vorgibt zu sein. Auch seine Beziehung zu Jude ist spannend und interessant. Ebenfalls nachvollziehbar und interessant ist die Entwicklung von Lia und ihren Gefühlen und Gedanken. Sie weiß einfach nicht, wem sie trauen soll und kann und es ist verständlich, dass sie sich oft zurückzieht und nicht weiß, was sie tun soll. Allerdings ist sie ein sehr starker Charakter, der nicht aufgibt und für das einsteht, was er tut. Generell sind die verschiedenen Charaktere in den Büchern sehr gut ausgearbeitet und liebevoll gemalt.

Insgesamt trifft man in diesem Buch auf sehr viele unterschiedliche Bereiche, während die Geschichte spannend weiter geflochten wird und zwischen Verrat und Manipulation hängt. Das Ende lässt viel offen und bringt daher Interesse an dem Nachfolger auf, den ich nun gespannt erwarten werde. Für mich eine gelungene Fortsetzung mit vielen neuen Aspekten, überraschenden Wendungen und einer rasanten Geschichte, die mich mitgerissen hat.

Romantik:
♥♥♥♥
Humor:
♥♥♥♥♥
Spannung:
♥♥♥♥♥
Schreibstil:
♥♥♥♥
Grundidee:
♥♥♥♥♥


Autor:
Robin Wasserman
Titel:
Crashed
Gebundene Ausgabe:
431 Seiten
Verlag:
Script5 (6. September 2010)
Originaltitel:
Crashed

Mein herzlicher Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares geht an

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1 Wortmalerei(en)

  1. Eine wirklich schöne Rezi! Ich bin von den beiden Büchern "Skinned" und "Crashed" ja auch total begeistert und freue mich schon riesig auf den dritten Teil "Wired" - wenn er denn endlich mal auf deutsch erscheint.

    Liebe Grüße und dein Blog gefällt mir übrigens sehr gut...

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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