Rezension: Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond von Sarah Blakley-Cartwright

2:47:00 PM


Autor: Sarah Blakley-Cartwright & David Leslie Johnson
Titel: Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond
Broschierte Ausgabe: 296 Seiten
Verlag: cbt 
ISBN-10: 9783570161241 
ISBN-13: 978-3570161241
Preis: 12,99 €
Originaltitel: Red Riding Hood
Genre: Fantasy; Märchenneuinterpretation
Themen: Rotkäppchen; Tod; Verrat; Verlust; Opfergabe
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»Der vierte Glockenschlag bedeutete nur eins: Er hat wieder getötet. Der Wolf.«

Inhalt:
Zehn Jahre ist es her, dass Valeries Kindheitsfreund Peter verschwand und Valerie beim nächsten Vollmond einem Werwolf gegenüberstand – und von diesem verschont wurde. Nun ist Peter wieder da, und als sie ihn wiedersieht, packt die jetzt siebzehnjährige Valerie dieselbe wilde Leidenschaft wie dereinst. Zwar ist sie dem wohlhabenden Henry Lazar versprochen, aber Valerie würde alles dafür tun, um Peter nicht wieder zu verlieren. Doch dann wird am Tag nach Vollmond der leblose Körper eines jungen Mädchens gefunden. Kratzspuren und Bisse sprechen eine eindeutige Sprache: Der Werwolf ist zurück, und er hat sich ausgerechnet Valeries Schwester Lucie geholt. Alles deutet darauf hin, dass der Wolf allein wegen Valerie gekommen ist und nicht ruhen wird, bis er auch sie in seiner Gewalt hat…

Schreibstil:
Sarah Blakley-Cartwright ist eine gute Freundin der Regisseurin Catherine Hardwicke, die für diesen Film verantwortlich ist und da Blakley-Cartwright wohl eine ambitionierte Schriftstellerin ist, wurde sie dafür ausgewählt, das Drehbuch zu verschriftlichen und leider, leider merkt man das auch. Der Schreibstil ist abgehackt und viele Sätze, die sich nicht miteinander verbinden lassen hintereinandergereiht, sodass das Ganze so wirkt, als hätte man einen Stichpunktzettel in ganze Sätze geformt. Ich denke, dass die Autorin sonst einen relativ guten Schreibstil hat, denn sie verwendet gute Vergleiche und hat eine außerordentlich bildhafte Sprache, die jedoch auf Grund der Art des Buches kaum auffällt. Oft wurden viele Sätze aneinandergereiht, die dann plötzlich etwas völlig neues ansprechen, sodass man leicht verwirrt wird und ich mich oft dabei ertappt habe, wie ich zurückgeblättert habe, um mich wiedr daran zu erinnern, worum es überhaupt ging. Dennoch findet sich der Leser schnell in der Welt von Red Riding Hood ein und auch das mittelalterliche Dorf Daggerhorn kann man sich nur allzu leicht vorstellen.

Meinung:
So groß die Freude auf dieses Buch war, so sehr wurde ich leider auch enttäuscht, denn ich habe um einiges mehr erwartet, wenn ich auch durch viele, eher negative Rezensionen, verunsichert war, die ich nun jedoch absolut nachempfinden kann. Der Klappentext verspricht eine spannende Geschichte mit großen Gefühlen und Emotionen, doch kann er dieses Versprechen leider nur bedingt bis gar nich halten. Spannung kommt die ersten einhundert Seiten leider gar nicht auf, wenn auch eine gewisse, bedrückende Atmosphäre verursacht wird, die dazu bewegt weiter zu lesen. Die Geschichte plätschert dahin und man glaubt bereits zu wissen, wer der Wolf ist, da es sehr offensichtlich scheint. Auch weiß man bereits, wen der Wolf geholt hat, da dies im Klappentext erwähnt wird, was ich sehr schade finde, da man damit sehr viel vorwegnimmt. Auch die großen Gefühle halten sich sehr in Grenzen, denn wer eine schöne, tiefe Liebesbeziehung mit Hindergrund erwartet, wird hier nicht das bekommen, was er sucht. Als Peter nach einigen Jahren zurück nach Daggerhorn kehrt, verliebt sich Valerie ohne großes Wieder-Kennenlernen direkt in Peter und umgekehrt. Man kann daher keine Bindung zu Peter aufbauen und auch nicht verstehen, weswegen die beiden sich plötzlich so bedingungslos lieben, obwohl sie sich doch so lange nicht gesehen haben. Ebenso ist die Liebe von Henry zu Valerie eher unverständlich, obwohl ich diese schon besser nachvollziehen konnte, als erstere.

Auch die Charaktere sind eher farblos, so dass es dem Leser schwer fällt sich Valerie richtig anzunähern, denn als Sympathieträgerin habe ich sie leider nicht empfunden. Sie bleibt stereotypisch und hat mich während des Buches auch öfters mal genervt, einfach weil man oft das Gefühl hat, dass sie als die besonders tolle Protagonistin dargestellt wird, während beispielsweise ihre Freundinnen einfach total dämlich und ohne Tiefe bleiben. Peter ist ein Charakter mit einer sehr düsteren und männlichen Aura, der jedoch manchmal ebenso stereotypisch à la "Ich bin der dunkle Held" wirkt, wie man es aus vielen Büchern des Genres kennt. Sympathisch und irgendwie liebenswürdig fand ich Henry, der einfach nicht so egoistsch ist, wie Valerie oder Peter. Außerdem konnte man seine Gefühle gegenüber Peter und teilweise auch gegenüber Valerie verstehen. Ansonsten wurde Vater Solomon sehr gut dargestellt, auch wenn er natürlich ein böser Charakter ist, den man sicherlich nicht ins Herz schließt - gelungen war er trotzdem. Ebenso mochte ich Valeries Großmutter, die sehr interessant war, weil sie so geheimnisvoll gewirkt hat.

So, nun habe ich wirklich nur kritisiert, allerdings habe ich ja dennoch 2,5 Herzen für das Buch vergeben. Das liegt erstens daran, dass ich die Idee einfach sehr originell und gut finde und auch einige Aspekte der Geschichte wirklich gelungen und überraschend waren. Das ist auch ein Grund dafür, dass ich das Buch letztendlich doch ausgelesen habe und es nicht angebrochen wieder zurück ins Regal gestellt habe. Des Weiteren gab es wirklich einige spannende Stellen, die nicht nur unheimlich oder gruselig, sondern auch blutig und voller Gewalt waren. Ab einem gewissen Zeitpunkt weiß man auch nicht mehr, wer wirklich der Wolf ist. Plötzlich misstraut sich das ganze Dorf und keiner weiß mehr, was wahr und was falsch ist. So habe ich auch oft darüber nachgedacht, ob Peter nun wirklich der Wiolf ist und nach und nach haben sich einige Verdachte widerlegt und andere sind wieder auffälliger geworden...

...während das Ende und die "Auflösung" einfach absolut ungerecht und schlecht sind. Die Geschichte wird nämlich nicht aufgelöst. Am Ende hat man zwar einen Verdacht, aber klar und deutlich wird es nicht gesagt.

*SPOILER*Unverständlich war aber vorallen Dingen die Tatsache, dass Valerie am Ende bei Peter geblieben ist, obwohl sie denkt, dass er der Wolf ist? Ich meine, er hat dann ihre Schwester umgebracht und welches normale Mädchen würde mit dem Mörder eines geliebten Menschen zusammensein wollen? Also, das konnte ich echt überhaupt nicht nachvollziehen und war auch schwer enttäuscht davon. *SPOILER ENDE*

Das letzte Kapitel kann man anscheinend im Internet lesen, wo es hochgeladen wurde. Ich finde es schade und auch irgendwie ungerecht, dass man es nicht einfach abgedruckt hat. Was sollte das denn bewirken? Die Spannung hält es auf jeden Fall nicht oben und vielleicht hätte es sogar noch etwas rumreißen können. Insgesamt kann ich leider nur sagen, dass ich das Buch nicht empfehlen würde, es sei denn, man braucht etwas für zwischendurch, was einen nicht unbedingt vom Hocker reißt, aber auch nicht maßlos schlecht ist. Womöglich habe ich auch einfach schon genug Fantasy dieser Art gelesen, aber das Buch war einfach schlecht umgesetzt. Ich hoffe nun auf den Film, den ich mir höchstwahrscheinlich dennoch ansehen werde.

Edit: *SPOILER* Ach ja, inzwischen habe ich rausgefunden, dass der Wolf Cesaire ist - Der Vater von Valerie. Das macht das Ende in meinen Augen zwar irgendwie gut, aber es ändert ja nichts an dem Buch. Leider. Wenn ihr das letzte Kapitel lesen wollt, könnt ihr das hier auf englisch tun: http://www.redridinghoodbook.com/ *SPOILER ENDE*


Trailer zum Film


Zum Autor (in diesem Fall auch zum Drehbuchautor)

Sarah Blakley-Cartwright
... wuchs in Los Angeles und Mexico auf. Seit ihrer Kindheit verfasst sie Texte, für die sie bereits mehrere Preise erhalten hat. Sie lebt in New York City und Vancouver, wo sie parallel zur Entstehung von Red Riding Hood einen Roman mit gleichem Inhalt verfasste.
David Leslie Johnson
... stammt aus Ohio, studierte dort Fotographie und Filmwissenschaften, arbeitete als Produktionsassistent für den Regisseur und Drehbuchschreiber Frank Darabont, unter anderem für den Oscar-nominierten Film "Die Verurteilten". Er verfasste das Drehbuch zu Red Riding Hood. Johnson lebt im kalifornischen Burbank.


Informationen zum Märchen findet ihr übrigens *hier*! Schaut euch mal die Interpretationsansätze an - finde ich total witzig und interessant, weil ich es nicht gedacht hätte.

Mein Dank für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares geht an

Schon gelesen?

5 Wortmalerei(en)

  1. Ja, ja, ja, .... was soll man da viel sagen. Außer: Empfinde ich genau so, bzw. meine Rezension ist ähnlich ausgefallen. Ich würde den Roman nicht weiterempfehlen. Nicht an jemanden, der sich wirklich etwas erwartet, denn das könnte nur böse in die Hose gehen.

    Ansonst muss man dem Ganzen zu Gute halten, dass Spannung vorhanden ist. Zum Ende hin auch wahrlich viel; noch mal ein Ausgleich für so viel ... Patzer.

    Gute Rezi! :o)

    Liebe Grüße,
    - Marie

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  2. Meine Rezi ist in etwa auch so ausgefallen. Hatte einfach mehr erwartet. Auf den Film freue ich mich aber trotzdem sehr. Der Trailer dazu ist toll!
    LG, Damaris

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  3. Oh, oh, das hört sich ja gar nicht gut an. Aber tolle Rezi! Langsam vergeht mir auch ein wenig die Lust auf dieses Buch, da ich einfach schon zu viel negatives gehört habe. Besonders das mit dem offenen Ende ärgert mich jetzt schon. Geht ja gar nicht! Vielleicht schaue ich mir einfach nur den Film an - bald ist es ja soweit - und verzichte auf das Buch.

    Liebe Grüße
    Reni

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  4. @Reni - Würde ich an deiner Stelle echt machen. Bei dem Buch verpasst du leider nichts. Hab allerdings gehört, dass der Film auch nicht unbedingt so toll sein soll. Na ja, ansehen werde ihc mir trotzdem, weil der Trailer an sich ganz gut ist. Mal schauen :)

    Liebe Grüße <3

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  5. Find ich auch eine tolle Rezension und meine ist fast genauso ausgefallen.
    War doch sehr enttäuscht von diesem Buch.

    LG Rebel

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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