Rezension: Das Lied der Träumerin von Tanya Stewner

9:23:00 PM


Autor: Tanya Stewner
Titel: Das Lied der Träumerin
Gebundene Ausgabe: 388 Seiten
Verlag:
Fischer Fjb; Auflage: 1 (10. März 2011)   
ISBN-10: 3841421164 
ISBN-13: 978-3841421166
Preis: 16,95 €
Originaltitel: -
Genre: Realitätsbuch; Jugendbuch
Themen: Träume; Selbstfindung; Leben; Sexualität; Musik
Kaufen? 

»Darum ging es. Das Leben würde mir eine Schramme nach der anderen verpassen. Aber das war okay. Das konnte mich nicht davon abhalten, mich dennoch kopfüber hineinzustürzen. Denn im Grunde ging es immer nur um den Augenblick, um das Jetzt. Wenn man Angst vor irgendeiner zukünftigen Verletzung hatte, war es unmöglich, das Leben so intensiv zu leben, wie ich es wollte - wie ich es für mich entschieden hatte. Sollte der Schmerz ruhig kommen. Ich war stark genug, ihn zu ertragen.«
[Das Lied der Träumerin, S. 328]

Inhalt:
Die lebenshungrige Angelia Fortis möchte ihr Leben selbst in die Hand nehmen - und sie möchte es mit allen Aufs und Abs spüren, schmecken, sehen und fühlen. Nach dem Tod ihres Vaters, der sie die Musik gelehrt hat und der Entfremdung von ihrer Mutter, deren mittelmäßiges Leben sie nicht führen will, zieht sie nach London, um dort ihr Glück zu machen, denn London ist die Stadt, in der Träume wahr werden und Angelia ist eine Träumerin. Sie träumt davon Sängerin zu werden und mit ihren Liedern tausende von Menschen zu berühren. Sie zieht zu den beiden Brüdern Jeremy und Josh, die unterschiedlicher nicht sein könnten und muss schon bald erfahren, dass ein Traum nicht immer reicht, um das zu schaffen, was man möchte.

Schreibstil:
Ich bin hellauf begeistert von der Art, wie Tanya Stewner es schafft flüssige und einfach lesbare Sätze zu schreiben hinter denen derart viel Bedeutung und Schönheit steckt. Ich habe jeden Satz verschlungen und genossen und habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich Sätze doppelt gelesen habe und wie ich mich in ihren Worten verloren habe. Mit viel Gefühl und Leidenschaft erzählt die Autorin diese Geschichte und wird dabei auch sehr tiefgründig und man hat oft das Gefühl, dass jedes einzelne Wort von Bedeutung ist und gelesen werden will. Ich bin einfach jemand, der einen besonderen Schreibstil braucht und Bücher erst dann richtig liebt,
wenn sie auch gut geschrieben sind und das habe ich in diesem Buch zur Genüge gefunden. Es gab so viele Zitate, Lyriks und Lebensweisheiten, die ich mir am liebsten rausschreiben wollte. Gut und überzeugend waren auch die Dialoge, die spritzig und mit viel Gefühl und Humor geschrieben sind. Philosophisch, poetisch und einfach wunderschön!

Meinung:
Ich muss sagen, dass ich mich lange um die Rezension zu diesem Buch gedrückt habe, da ich ehrlich gesagt nicht weiß, wie ich sie beginnen soll, denn dieses Buch hat mich zwiegespalten zurückgelassen und das ist wirklich nur sehr selten der Fall. Um es vorweg zu nehmen: Ich liebe es! Ich habe es innerhalb von wenigen Tagen gerade zu verschlungen und mich positiv überrascht und mitgerissen. Nicht nur das schöne Cover und die passenden und gut gewählten Zitate am Anfang jedes Kapitels haben mich schlichtweg begeistert, sondern auch die Charakter (fast alle) und wie schon erwähnt, der unglaubliche Schreibstil. Auch die Geschichte hat mich absolut überzeugt und ich hatte an jedem Kapitel wahnsinnig viel Spaß und wollte immer wissen, wie es weitergeht.

Sehr erfrischend und positiv war die Protagonistin Angelia/Jana, die einfach von dem stereotypischen Mädchenbuchcharakter abgewichen ist. Sie ist eine Träumerin, was sie sehr gut selbst definiert:

»Für mich ist ein Träumer jemand, der ein festes Ziel vor Augen hat. Jemand, der sich mit Haut und Haaren ins Leben stürzt, um seinen Traum zu verwirklichen. Jemand, der es wagt, für seinen Traum zu leben.« [Das Lied der Träumerin, S. 19]

Ihr merkt also, dass es hier nicht um ein benebeltes, "verträumtes" Mädchen geht, die nicht aus sich herauskommt und sich hängen lässt. Angelia ist vielmehr das genaue Gegenteil: Sie ist selbstbewusst, talentiert, intelligent, tiefgründig, verrückt und weiß genau, was sie will. Ich konnte mich daher auch sehr gut mit ihr indentifizieren, da sie endlich mal ein Charakter ist, der die Schönheit im Leben sieht und nicht blindlings irgendeinem Kerl hinterher läuft - zumindest am Anfang des Buches. Dennoch erschien sie mir manchmal etwas zu perfekt, da sie wirklich alles zu sein schien. Sie ist nämlich gleichzeitig schön, an Literatur und guter Musik interessiert, lebensfroh und wirklich sehr von sich überzeugt. Ihr Makel, der mich teils etwas gestört hat, war, dass sie immer behauptete, ein normales, in ihren Augen "mittelmäßiges" Leben sei nicht lebenswert. Dennoch hat man eine große Entwicklung sehen können.

Durch Josh wird zeitgleich das Thema Homosexualität bearbeitet, was ebenfalls sehr erfrischend war und meiner Meinung auch sehr gut beleuchtet wurde. So wurde gezeigt, wie Josh teilweise darunter leidet, da auch heute noch nicht jeder Homosexualität akzeptiert hat und sich selbst die eigene Familie gegen einen stellen kann. Ich finde es wichtig, dass solche Themen auch in Jugendbüchern aufgefasst werden, da es (leider) immer noch sehr aktuell ist, dass Schwule diskriminiert werden. Joshs anderes Geheimnis, was sich erst gegen Ende des Buches offenbart, fand ich dann jedoch etwas zu viel und ich denke, man hätte es auch weglassen können. So bringt die Autorin nämlich noch ein Thema hinzu, dass beinahe ebenso komplex ist, wie Homosexualität und dadurch eine gewisse Schwere aufkommt, die mich etwas gestört hat.
So hat sich die Geschichte gegen Ende leider etwas zu sehr von Angelias Traum wegbewegt und sich eher mit Jeremy und dessen Leben beschäftigt. Jeremy ist ein sehr interessanter, aber auch düsterer Charakter, dessen Ansichten und Meinungen ich leider nur sehr schwer verstehen und akzeptieren konnte. Auch hat er mich sehr oft etwas genervt, weil er mir so allwissend und natürlich arroganz vorkam. Dennoch war es interessant ihn als Kontrast zu Angelia zu sehen, die ja voller Träume und Tatendrang steckt, während Jeremys Leben auf der Stelle zu stehen scheint. Ich fand es schade, wie sich die Geschichte am Ende gedreht hat und Angelias Traum nur noch nebensächlich wurde und hätte mir, auf Grund des tollen Starts, etwas mehr gewünscht, dennoch war es notwendig, um zu zeigen, dass jeder Traum, gleichgültig wie banal oder normal er erscheinen mag, gut und lebenswert ist.

Das Buch zeigt, wie man einen Traum hat und ihn verwirklichen kann, dass man dafür arbeiten und auch oft mit Stolpersteinen rechnen muss. Es klappt nie beim ersten Mal, doch man sollte nie aufgeben und sein Leben selbst in die Hand nehmen. So begleitet man Angelia auf ihrem Weg und entdeckt mit ihr die Schönheit der Welt, die sich in jedem noch so kleinen Sonnenstrahl und hinter jedem Menschen verstecken kann. Die Autorin zeigt die vielen unterschiedlichen Lebensstile und Glauben auf und so gibt es zu jedem auch einen eigenen Charakter. Sie spricht das Thema Religion an, die Musik, Träume im Allgemeinen und zeigt, wie sich Träume und Denkweisen verändern können. Das Buch ist auch größtenteils sehr unvorhersehbar und daher dauerhaft spannend und interessant. Da Themen wie Sex und Gewalt angesprochen und ersteres auch teilweise über Szenen beschrieben wird, ist es jedoch kein Buch, was ich jedem in die Hand geben würde. Vorallen Dingen gegen Ende wird die Stimmung sehr düster und deprimierend, was einerseits geholfen hat, die Botschaft zu verstehen, andererseits aber auch schade um den Anfang des Buches war, der soviel Lebensfreude ausgestrahlt hat.

Insgesamt ist "Das Lied der Träumerin" von Tanya Stewner jedoch eine wunderschöne, inspirierende Geschichte voller Spaß, Humor, Freundschaft und Träume, in der man sich, einmal eingetaucht, verlieren kann und die einen nicht mehr loslässt. Oftmals hat man zwar den Eindruck, dass einfach zu viele komplexe Themen aufgegriffen werden, jedoch ist das Buch allgemein gesehen einfach erfrischend und bringt neuen Wind mit sich. Ich kann es jedem ans Herz legen, der das Leben auf eine völlig neue Weise erkunden will oder der, ähnlich wie ich, über die Schönheit des Lebens trotz der "Schrammen", die es einem zufügen kann, lesen möchte. Da es allerdings sehr anders und mutig ist, könnte es nicht für jeden etwas sein. Für mich wa es jedoch eine bewegende, schöne und tiefgründige Geschichte.

 


Zum Autor
Tanya Stewner wurde 1974 im Bergischen Land geboren und begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben. Sie studierte Literaturübersetzen, Englisch und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Wuppertal und London und widmet sich inzwischen ganz der Schriftstellerei. Ihre Kinderbuchreihen ›Liliane Susewind‹ und ›Wie weckt man eine Elfe?‹ sind riesige Erfolge. Die Autorin lebt und arbeitet in Wuppertal. [Quelle: *klick*]

Website der Autorin: *klick*

Der Soundtrack zum Buch
[Quelle: *klick*]

Ich finde, dass da einige echt tolle Lieder dabei sind, die ich selbst wirklich liebe. Gut reingepasst hätte auch "Big Jet Plane" von Angus and Julia Stone, welches mich im Nachhinein irgendwie an das Buch erinnert hat.

Mein herzlicher Dank gilt der Autorin, Tanya Stewner, sowie dem Fischer Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

Schon gelesen?

5 Wortmalerei(en)

  1. Das Buch habe ich gerade begonnen! Und die von dir zitierte Stelle soeben gelesen. Jetzt bin ich aber mal gespannt wie es weiter geht. Du klingst ja sehr begeistert :-)
    LG
    Marie

    ReplyDelete
  2. Wow, das klingt ja nach nem absoluten Hammmer!

    ReplyDelete
  3. Eine sehr ausführliche schöne Rezi, hmm aber ich denke ich werde nicht lesen, aber der Soundtrack ist toll

    ReplyDelete
  4. So meine Liebe :)
    habe jetzt auch die Rezi gelesen, wie versprochen.
    Klingt wirklich total toll.
    Ich denke so eine Geschichte wäre wohl gerade was für mich, wie?
    Deine Rezi kann sehr gut die Stimmung des Buches einfangen.
    Jetzt bin ich umso gespannter.

    Denk ganz doll an dich! Muss nämlich jetzt zum Arzt!

    Du fehlst mir so!

    :-*

    ReplyDelete

Lasst mir eure Wortmalereien hier!

Powered by Blogger.

Die Wortmalerin

My photo
Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

Leser

Momentaufnahmen