Rezension: Die Sterne leuchten immer noch von Sarah Ockler

3:40:00 PM


Autor: Sarah Ockler
Titel: Die Sterne leuchten immer noch 
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten 
Verlag: cbj (21. März 2011) 
ISBN-10: 9783570137499 
ISBN-13: 978-3570137499
Preis: 16,99 €
Originaltitel: Twenty Boy Summer
Genre: Jugendbuch; Realitätsbuch
Themen: Verlust; Freundschaft; Selbstfindung; Trauerbewältigung
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«Wenn ich gewusst hätte, dass er sterben würde, dann hätte ich als allerletzten Satz zu ihm irgendetwas gesagt, was bedeutungsvoll gewesen wäre. [...] Nein, ich hätte ihm gesagt, was ich alles für ihn empfand. Ganz stark und direkt. Kein Flirten mehr, kein verschämtes Flüstern nachts im Garten. Ich hätte ihm direkt in die Augen geblickt, damit er wusste, sein Anblick würde für immer in mein Gedächtnis eingebrannt sein.»
[Die Sternen leuchten immer noch; S. 111]

Erster Satz: 
An dem Tag hatten Frankie Perino und ich Glück.

Inhalt:
»Das bleibt unser Geheimnis«, sagte Matt, der Bruder von Annas bester Freundin Frankie, als er und Anna sich ineinander verliebten. Doch dann stirbt Matt bei einem Autounfall, und zu Annas unendlicher Trauer und dem Verlust kommt noch das Geheimnis ihrer ersten Liebe, das Matt mit ins Grab genommen hat. Ein Jahr später fährt Anna mit Frankies Familie in den Sommerurlaub nach Kalifornien. Dort sollen sie beide, so Frankies erklärtes Ziel, endlich einmal wieder Spaß haben und eine richtige Sommerromanze erleben. Von Annas Angst, sich auf etwas Neues einzulassen und darüber womöglich Matt zu vergessen, weiß Frankie ebenso wenig wie von den Gefühlen, die Matt und Anna füreinander hegten. Doch dann trifft Anna Sam, und völlig unerwartet verliebt sie sich tatsächlich … [Quelle: Amazon]

Schreibstil:
Mit ihrem besonders bildhaften und federleichten Schreibstil gelingt es Sarah Ockler wahnsinnig gut, Gefühle und Gedanken glaubhaft und bewegend einzufangen und wiederzugeben, sodass man sich in die verschiedenen Personen reinfühlen kann. Das bringt den Leser mehr als einmal in einen inneren Konflikt, da man irgendwie alle Seiten verstehen kann, aber dann auch wieder nicht. Manchmal hat sie zwar ein wenig zu viel beschrieben, doch es wurde nie so viel, dass das Buch langatmig oder uninteressant gewesen wäre. Aus Annas Sicht schreibt sie die Geschichte, jedoch fällt auf, dass jede Figur ihre eigene Stimme hat und das macht das Buch greifbarer und  dreidimensionaler.

Meinung:
Ich mag Bücher mit solchen schweren Themen und erwarte daher auch immer besonders viel. Vorallen Dingen wenn der Klappentext so vielversprechend klingt, wie von Die Sterne leuchten immer noch. Nachdem ich von Über mir der Himmel voll und ganz begeistert war, was ja ein ähnliches Thema birgt, war ich gespannt darauf, wie die Autorin diese Geschichte erzählt und ich muss sagen, dass ich sehr überzeugt von dem Buch bin. Es hat eine andere, besondere sommerliche Atmosphäre, die mich dem Buch noch näher gebracht hat.

Die Sterne leuchten immer noch ist ein Buch das von Gefühlen lebt - viel Spannung im herkömmlichen Sinne sollte man daher nicht erwarten, jedoch bringt das Buch eine derart emotionale und bewegende Geschichte, dass man es trotzdem unbedingt verschlingen will und muss. Sehr ergreifend beginnt die Autorin die Geschichte und man erlebt mit, wie Matt und Anna sich näher gekommen sind, wie sie das Geheimnis ihrer Liebe vor Frankie versteckt gehalten haben und schließlich Matts unerwarteter Tod und die Last, die Anna nun neben der tiefen Trauer auf den Schultern tragen muss. Dann geht die Geschichte ein Jahr nach dem Unfall weiter. Alles hat sich verändert, Frankie ist von einem schüchternen zu einem selbstbewussten und scheinbar oberflächlichen Mädchen herangewachsen, während Anna noch immer von ihren Schuldgefühlen und ihrer Angst geplagt wird. Man lernt hier zwei Mädchen kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und durch ihre Trauer zusammengehalten werden. Während Anna immer versucht Frankie zu schützen, benimmt diese sich teilweise sehr egoistisch.

Auch während des Urlaubs machen beide eine große Entwicklung mit, die dem Leser sehr nahe geht. Ich finde, dass beide Mädchen sehr zu ihren Namen gepasst haben: Frankie - witzig, verrückt, selbstbewusst. Anna - vernünftig, ängstlich, ruhig. Und auch wenn ich mich oft darüber geärgert habe, dass Frankie so selbstbezogen ist, während Anna sich zurückzieht und die Rolle der stillen Nebenperson einnimmt, aber man kann trotzdem beide verstehen, da sie auf unterschiedliche Weisen versuchen, den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Als Anna Sam kennenlernt, plagen sie tiefe Schuldgefühle und nach und nach deckt sich ein Geheimnis nach dem anderen auf und die Freundschaft zwischen Frankie und Anna wird auf eine harte Probe gestellt, denn kann sie den vielen Geheimnisse, der Trauer und der Wut standhalten?

Die Geschichte ist wirklich sehr ergreifend und mehr als einmal standen mir die Tränen in den Augen, weil die Autorin die Gefühle einfach sehr bildhaft beschrieben hat und man sich viel zu gut in die Figuren hineinversetzen kann. Trotzdem wurde sie nie zu schwer oder wehmütig, sodass man trotz der traurigen Geschichte viel Spaß beim Lesen hat und das Meer beinahe rauschen hören kann. Es vermittelt einfach Lebensfreude trotz Verlust und wie man immer weiter machen muss, obwohl es schwer fällt.

Was mir zwar ein bisschen gefehlt hat, war Sam besser kennenzulernen, da ich mich ihm nicht so nah gefühlt habe wie Matt. Klar, ist das nicht das Thema des Buches, doch ich hätte es mir schon irgendwie gewünscht.

Fazit:
Eine sommerliche, leichte und gleichzeitig schwere Geschichte, bei der man sich auf jeden Fall Taschentücher bereitlegen sollte und die einen bittersüßen Nachgeschmack hinterlässt. Mit viel Gefühl werden hier die unterschiedlichsten Gefühle vermittelt und serviert und immer wieder kann man sich am Strand verlieren. Ich kann sie jedem empfehlen, der ein sommerliches Buch über ein ernstes Thema lesen und dabei trotzdem nicht der Wehmut verfallen will.

Cover:
Wie ihr seht, ist das US-Cover einfach wunderwunderwunderwunderschön - Ich liebe es total und es passt so wahnsinnig gut zum Buch, weil Matt immer die Glassteine am Strand gesammelt hat. Die roten sind die seltesten, weswegen auch nur eins auf dem Cover abgebildet ist. Ich finde es einfach toll. Das deutsche Cover ist meiner Meinung nach etwas kitschig, obwohl es im Grunde auch zum Buch passt. Das niederländische Cover finde ich auch ganz hübsch anzusehen, aber an das US-Cover kommt es nicht ran.

Titel:
Der englische Titel gefällt mir nicht nur besser, er passt auch um einiges besser zum Buch. Die Sterne leuchten immer noch passt zwar auch an manchen Stellen und mag auch eine schöne Botschaft enthalten, jedoch hat er so einen kitschigen Beigeschmack, der mir nicht so gut gefällt. Außerdem planen Frankie und Anna in dem Buch den "Zwanzig-Jungs-Sommer" (Klar, hört sich auf deutsch doof an, aber man hätte ihn ja auf Englisch lassen können) und daher mag ich Twenty Boy Summer einfach lieber.


Zum Autor
Sarah Ockler lebt mit ihrem Mann in New York, und weil sie immer noch an den Spätfolgen ihrer turbulenten Teenagerjahre leidet, hat sie sich aufs Verfassen von Jugendbüchern spezialisiert. Die Sterne leuchten immer noch ist ihr erster Roman.

[Quelle: cbj]

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Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an

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5 Wortmalerei(en)

  1. hach, deine Rezi kann ich unterschreiben. Ein wirklich tolles Buch ... ich habe geheult wie ein Schlosshund (hust) ... das mit Sam sehe ich genauso, er war mir irgendwie zu blass, aber die Momente zwischen den beiden waren trotzdem sher schön - an Matt reichte er trotzdem nicht heran. Blöder Herzfehler. :(

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  2. Danke für diese schöne Rezi, jetzt weiß ich, dass ich mir das Buch auch zulegen werde, zumal ich "Über mir der Himmel" auch einfach großartig fand.

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  3. Hab mir das Buch heute zugelegt und es im Zug für nach Hause gleich verschlungen... Manchmal stand ich den Tränen echt nahe... Als ich dann ausgestiegen bin, musste ich echt wieder realisieren, dass das alles gar nicht stimmt, also das es keinen Matt gibt der gerade gestorben ist etc.

    Danke für die tolle Rezi! :)

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  4. Scheiße das Buch :@

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  5. Tolle Rezi! Werde diese Woche noch mit dem Buch beginnen und bin gespannt, ob ich auch das ein oder andere Taschentuch brauchen werde ;)

    Liebste Grüße
    Juliana

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]