Rezension: Gone - Verloren von Michael Grant

7:25:00 PM


Autor: Michael Grant
Titel: Gone 01 - Verloren
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten 
Verlag: Ravensburger Buchverlag 
ISBN-10: 3473353167 
ISBN-13: 978-3473353163
Preis: 17,95 €
Orginaltitel: Gone
Genre: Science Fiction; Dystopie
Themen: Verhalten in Extremsituationen; Gewalt; Mutationen
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«Die Theorie von mehr als einem Universum oder von Parallelwelten existiert schon lange. Aber vielleicht ist etwas passiert, was dazu geführt hat, dass die Regeln des alten Universums allmählich verändert wurden. Erst nur ein wenig, bloß in einem kleinen Bereich. Aber dies löste weitere Reaktionen aus und irgendwann war es dem alten Universum nicht mehr möglich, diesen Neuerungen Her zu werden. Es entstand ein zweites Universum. Ein sehr kleines. [...] Als hätte jemand ein Virus in die Software des alten Universums installiert.»
 [Gone 01: Verloren von Michael Grant; S. 312]

Erster Satz:
Der Lehrer, der gerade noch über den Bürgerkrieg gesprochen hatte, war auf einmal weg.

Inhalt:
Es ist ein ganz normaler Tag in Perdido Beach, als plötzlich alle Menschen über 15 Jahre einfach so verschwinden - von einem Moment auf den anderen. Kinder verlieren ihre Eltern und Geschwister  und lediglich Erinnerungen, angelassene Backöfen und Bilder sind die einzigen Beweise dafür, dass es sie einmal gegeben hat. Auch Sam Temple ist davon betroffen, denn als er gerade im Geschichtsunterricht sitzt, verschwindet sein Lehrer und ein fünfzehnjähriger Schüler. Zurück bleibt Ratlosigkeit, Angst, Chaos und eine riesige Barriere, die sich um den Ort zieht und unüberwindbar zu sein scheint. Gemeinsam mit Astrid und ihrem kleinen Bruder Pete, Quinn und Edilio macht sich Sam auf die Suche nach den Ursachen und bald finden sie heraus, dass alle Fäden zum Atomkraftwerk führen.

Als wäre das nicht genug, bemerkt Sam bald eine ganz besondere Fähigkeit. Er kann Lichtstrahlen erzeugen und auch andere Kinder aus der Stadt scheinen plötzlich ungeahnte Kräfte zu entwickeln. Auch die ansässigen Tiere verändern sich und entwickeln Eigenarten, die sie eigentlich nicht haben dürften. Als schließlich auch noch ein Kampf der Mächte ausbricht und die Schüler der Coates Academy versuchen die Stadt zu kontrollieren, eskaliert die Situation.

Schreibstil:

Gone 01: Verloren ist in einem sehr jugendlichen Schreibstil gehalten und wirkt daher sehr abgehackt und kurzatmig. Da Grant ein sehr rasantes Spannungstempo an den Tag legt, ist der Schreibstil weder besonders ausgeschmückt, noch unbedingt schön zu lesen. Dennoch schafft er es, den Leser in seinen Bann zu ziehen, da die Spannungskurve immer weiter steigt und eher selten abricht. Dies schafft er auch durch die kurzen Sätze und die eher platte Sprache. Für die Thematik des Buches ist der Schreibstil zwar angebracht und bringt auch vieles besser rüber, jedoch merkt man schon, dass er an eine jüngere Zielgruppe gerichtet ist.

Meinung:

Um ehrlich zu sein: Ich finde es sehr schwer, dieses Buch angemessen zu bewerten, denn ich bin relativ zwiegespalten und noch unsicher, was ich davon halten soll. Potenzial und ein rasantes Tempo hat die Geschichte in jedem Fall, jedoch kam sie mir trotzdem oft sehr weit weg und kalt vor.

Als Leser befindet man sich direkt im Geschehen und erlebt die Situation genau so aktuell mit wie die Helden der Geschichte, sodass man nie mehr weiß, als die Figuren. So hat das Buch von Anfang an eine gewisse Spannung aufgebaut, die sich durch das ganze Buch zog. In jedem Kapitel geschieht etwas Neues unvorhersehbares und auch die Grausamkeiten steigern sich mit jeder Seite. Da fängt auch schon das erste Problem an - die Geschichte ist wirklich brutal. An manchen Stellen hatte ich ein ganz flaues Gefühl im Magen, obwohl es sich doch noch im Bereich des Ertragbaren bewegt. Was mich aber vor allen Dingen an der Brutalität gestört hat, war die Art, wie davon erzählt wird, denn oft hatte ich das Gefühl, dass Michael Grant sehr emotionslos und kalt darüber berichtet, wie die Kinder sich gegenseitig zerstören und töten.

Die Idee an sich ist wirklich gut, obwohl sie nicht unbedingt neu ist. Mich hat der Plot vom Klappentext her direkt an "The Tribe" erinnert - einer Serie, die vor Jahren mal auf dem Kika lief. Einige Ähnlichkeiten lassen sich da schon finden, jedoch unterscheiden sich die Geschichten trotzdem sehr voneinander. Ich fand es auch sehr interessant, wie sich durch die Katastrophe im Buch gleichzeitig auch die Lebensumstände verändert haben und Mensch, sowie Tier in einigen Hinsichten mutiert sind. So entwickeln die Kinder ungeahnte Kräfte und auch die Tiere passen sich den neuen Umständen an. Dabei hat Michael Grant ab einem bestimmten Punkt jedoch ein wenig übertrieben, denn spätestens als ich einem sprechenden Kojoten gegenüberstand, hat mich die Situation doch eher belustigt als gefesselt.

Die Charakter, die man im Buch verfolgt - das sind hauptsächlich Astrid, Sam, Quinn und Edilio - sind allesamt sehr unterschiedlich und glaubwürdig. Jede Figur hat seine eigenen Eigenschaften und seine Schwächen und auch sie brechen oftmals aus der gedachten Persönlichkeit aus und entwickeln sich in ganz andere Richtungen, als man es erwartet hätte. Dennoch habe ich mich den Charaktern nicht so nah gefühlt, wie ich es mir gewünscht habe und meine Favoriten waren meistens die, die eine eher kleinere Rolle hatten. Interessant ist hierbei auch, dass die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß des Öfteren mal verwischen und keine Figur nur durchgehend schlecht oder gut ist, was die Glaubwürdigkeit natürlich hebt.

Obwohl mir die Idee stellenweise etwas zu übertrieben ausgeführt wurde, bleibt die Geschichte von Anfang bis zum Ende spannend und winkt mit einigen Überraschungsmomenten, die immer an genau den richtigen Zeitpunkten auftreten. Teilweise ist die Spannung wirklich nervenzerreißend und hält sich auch wirklich das ganze Buch über konstant aufrecht. So stehe ich diesem Buch letztendlich sehr zwiegespalten gegenüber, denn wo es mich auf der einen Seite faszinierte, hat es mich auf der anderen Seite auch moralisch in die Ecke gedrängt und mich das ein oder andere Mal nachdenken lassen.

Fazit:

Ein Buch, dass durch seine Grausamkeit und seine fast schon nervenzerreißende Spannung besticht und sicherlich nichts für schwache Nerven ist. Die Geschichte ist teilweise etwas zu phantastisch und stellenweise einfach zu übertrieben, dennoch unterhält sie den Leser über 500 Seiten wirklich gut und lässt am Ende sehr viele Fragen offen. Dabei wird der Leser auch oft zum nachdenken angeregt, was mir wirklich gut gefallen hat. Alles in Allem ein gutes Jugendbuch für Mädchen, sowie für Jungen mit viel Spannung und einigen Schwächen.


Zum Autor
Michael Grant hatte eine bewegte Kindheit. Die Familie zog aufgrund der Arbeit des Vaters beim US-Militär oft um - Grant besuchte zehn Schulen in fünf amerikanischen Staaten und verbrachte auch einige Zeit in Frankreich. Derzeit lebt er mit seiner Frau, der Autorin Katherine Applegate, und seinen zwei Kindern in North Carolina.





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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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