Rezension: Love Story von Erich Segal

10:00:00 AM


Autor: Erich Segal
Titel: Love Story
Broschiert:
160 Seiten 
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (September 2004)
Originaltitel: Love Story
Themen: Liebe; Verlust; Leben


«Als sie wieder mal mich und alle diese Musikertypen in einen Topf warf, fragte ich sie, in welcher Reihenfolge sie uns liebte und sie antwortete lächelnd: "In alphabetischer." Damals lächelte ich auch. Aber jetzt sitze ich da und überlege, ob sie mich unter meinem Vornamen eingereiht hat - in welchem Fall ich hinter Mozart käme - oder unter meinem Nachnamen, dann müßte ich mich zwischen Bach und die Beatles klemmen. In beiden Fällen komme ich nicht an erster Stelle, worüber ich mir aus irgendeinem blöden Grund ein Loch in den Bauch ärgere [...].»
                                                           [Love Story, S. 7]

Erster Satz: 
"Was kann man sagen über ein Mädchen von fünfundzwanzig Jahren, das gestorben ist?"

Inhalt:
In dem Buch geht es um den reichen Oliver Barrett, der an seinem College ein beliebeter Eishockeyspieler ist und sich in die mittellose, aber intelligente und musikbegabte Jennifer Cavelleri verliebt. Die beiden lernen sich am College kennen, wo Oliver sich ein Buch ausleihen will. Aus den anfänglichen Neckerein ("Du siehst aus, als wärst du reich und dämlich!") entwickelt sich eine tiefe Liebe, woraufhin das ungleiche Paar, trotz der Widerstände von Olis Eltern, beschließen zu heiraten. Oliver wendet sich deswegen von seiner Familie ab, wodurch er keine finanzielle Unterstützung mehr erhält. Die beiden ziehen daraufhin in ein kleines Appartement und halten sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Nachdem sich die finanzielle Situation halbwegs stabilisiert hat, beschließen die beiden ihren Kinderwunsch zu verwirklichen und treffen dabei auf ungeahnte Probleme.

Schreibstil:
Love Story besticht durch einen einfachen, aber sehr emotionalen Schreibstil, der den Leser von der ersten Seite an bannt und faszinieren kann. Nur allzu schnell wird man in die Geschichte gezogen und fühlt sich in dieser auch direkt wohl. Das Buch ist klar und deutlich geschrieben, ohne irgendwelche blumigen Passagen und das hat es auch nicht nötig, denn auch ohne einen poetischen Schreibstil, erwartet den Leser hier eine ergreifende Geschichte, die unter die Haut geht und noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Trotzdem kann man sagen, dass das Buch gut geschrieben ist, denn der Autor schafft es mit simplen Worten eine riesige Welle an Gefühlen zu vermitteln und die meisten Sätze sind trotz ihrer Banalität so wahr, dass ich sie mir am liebsten rausschreiben würde.

Meinung:
Ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen, als ich es in der Bücherkiste meiner Mutter fand und es einfach aufschlug um den ersten Satz zu lesen. Erste Sätze haben in Büchern für mich immer eine große Bedeutung, denn meistens zeigen sie schon, ob mir das Buch gefallen wird oder nicht. Und als ich diesen ersten Satz (s.o.) gelesen hatte, war ich irgendwie sehr fasziniert von dem Buch und habe es kurzerhand mit mir genommen, um es zu ganz zu lesen. Ich kann hier also ehrlich von mir behaupten, dass ich von dem ersten Satz an völlig begeistert von dem Buch war und auch immernoch bin.

Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte völlig normal und ohne große Besonderheiten. Mann trifft Frau, die beiden verlieben sich, Eltern sind dagegen und so weiter und so fort. Das mag auch hier zutreffen, doch Love Story hat einfach einen ganz eigenen Charme. So sind die beiden Protagonisten Oliver und Jenny einfach wunderbar gezeichnet und begleiten den Leser mit viel Gefühl und Humor durch die Geschichte. Jenny wird von Oliver auf den ersten Blick als Brillenschlange und kurz darauf als Zicke betitelt, doch trotzdem will er sich mit ihr treffen und auch Jenny, die ihn als "Preppie" bezeichnet, zeigt trotz ihrer kalten Schulter Interesse an ihm. Gerade dieses "flirtende" Verhalten macht die Beziehung zwischen den beiden so erfrischend und prickelnd, denn die Dialoge zwischen den beiden spritzen gerade zu vor Humor, Ironie und Gefühl. So schließt man beide direkt in sein Herz und freut sich auf jede weitere Begegnung zwischen ihnen.

Ich habe mich während des Lesens oft erwischt, wie ich schmunzeln oder laut auflachen musste, doch das ist nicht das einzige, was dieses Buch in mir ausgelöst hat. Ich habe mich verliebt, ich habe geweint, getrauert, nachgedacht, gehasst, geliebt, geflucht und habe einfach jedes Gefühl mit Jenny und Oli miterleben können. Selbst die Wendug des Buches, die ich anfangs nicht erwartet hatte, macht das Buch nicht schlechter, auch wenn das Ende traurig und für viele sicherlich nicht akzeptabel ist, so gehört es doch zum Leben dazu und zeigt einmal mehr, wie sehr Love Story das Alltägliche so schön und gleichzeitig traurig wiederspiegelt.

Man erlebt die vielen Hochs und Tiefs im Leben und der Beziehung zwischen Oliver und Jennifer mit, was die Geschichte glaubwürdig und daher umso schöner macht. Sie wirkt wie aus dem Leben gegriffen und hat deswegen auch ein hohes Identifikationspotenzial. Auch wenn die Geschichte vielleicht simpel und auch nicht unbedingt etwas neues ist, vermittelt sie unglaublich viele Gefühle und bringt einfach Freude beim Lesen, dass es sich unbedingt lohnt sie zu lesen. Für mich ist Love Story einfach ein All-Time-Klassiker, den ich immer wieder lesen kann und der immer wieder schön ist, bei dem ich immer wieder lachen und immer wieder weinen kann.

Abschließend kann ich sagen, dass ich das Buch wirklich jedem ans Herz legen kann, weil es einfach eine herzerwärmende Geschichte ist, die man weglesen, lieben und nochmal lesen kann, ohne das sie langweilig wird. Man findet eine traurig schöne, lebhafte, witzige, romantische und viel zu kurze Geschichte, die trotz ihrer Alltäglichkeit einfach wunderbar lesenswert ist.


Zum Film
Love Story wurde - Gott sei Dank - auch verfilmt und das sogar sehr gut. Das Drehbuch dazu schrieb ebenfalls Erich Segal und der Film erschien im Jahr 1970. Einen Trailer habe ich zwar nicht gefunden, dafür aber ein Video mit der Filmmusik von Francis Lai - die ich total liebe - und einigen Szenenausschnitten aus dem Film.
Achso, ab 3:00 Min. solltet ihr vielleicht auf Stopp drücken, weil ihr ansonsten, glaube ich, wissen würdet, wie es ausgeht. Und das wäre ja nicht soooo toll ;P



Zum Autor

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2 Wortmalerei(en)

  1. Das Buch hab ich 2009 gelesen. War nicht so mein Fall, ein bisschen kitschig und irgendwie zu kurz, um interessant zu sein.

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  2. Ich hab den Film damals als 14-jährige gesehen und habe mir die Augen ausgeheult. Später habe ich ihn wieder mal im TV gesehen und fand ihn noch immer schön....
    lg
    Martina

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]