Rezension: Teach Me von R.A. Nelson

5:59:00 PM


Autor: R.A. Nelson
Titel: Teach Me
Gebundene Ausgabe: 350 Seiten 
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 2 (2006) 
ISBN-10: 3473582808 
ISBN-13: 978-3473582808
Originaltitel: Teach Me
Themen: Lehrer-Schüler-Verhältnis; Stalking; Erwachsenwerden
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«Das Licht erlischt. Der Film beginnt. Atemloses Staunen. Der Nebel zuckt, pulsiert, riesengroß, lebendig. Ein gigantisches, großes Herz mit einem Durchmesser von zehn Lichtjahren. So fühlt sich der Schmerz meiner Sehnsucht nach ihm an.»
[Teach Me, S. 139-140]

Erster Satz: "Willkommen in meinem Kopf."

Inhalt:
Nine hat sich verliebt. Unsterblich, unbedingt, grenzenlos. Verliebt in ihren Lehrer Richard Mann. Mann ist neu an der Schule und begeistert durch seine unkonventionelle Art Literatur zu unterrichten, durch sein Aussehen, seine jugendliche Aura. Er ist fasziniert von der Klugheit Nines, lässt sich auf sie ein. Nine verliert nach und nach alle sicheren Koordinaten ihrer Daseinsmatrix und schließlich sich selbst. Dann der harte Aufprall: Richard Mann verlässt sie. Nine gibt nicht auf, verfolgt wie besessen den "Verräter". Erst als sie beginnt, das Geheimnis dieses Mannes, der in ihr Leben einbrach, zu entzaubern, findet sie zu sich selbst zurück.

Schreibstil:
So einen außergewöhnlichen und verrückten Schreibstil findet man selten. Mit Wahnsinn, versteckten Bedeutungen und Worten mit doppelten Boden erzählt R.A. Nelson die Geschichte derart lebendig und gleichzeitig unterhaltsam und tiefgründig, dass man sich dem Zauber, der dieser Schreibstil mit sich bringt nur sehr schwer entziehen kann. Mit den ersten Sätzen war ich wie gebannt und konnte mich kaum mehr von dem Buch losreißen. Der Autor schafft es einfach gewöhnliche Worte miteinander zu verbinden, sodass sie sich wichtig und groß anhören und das macht den Lesespaß einfach doppelt so groß. Ich bin schlichtweg begeistert und muss unbedingt mehr von diesem Autor lesen.

Meinung:
Um dieses Buch zu berschreiben muss man wirklich die richtigen Worte finden, denn sie ist einmalig, anders, mutig und absolut erschreckend, wie tiefgehend. Es gibt soviele Adjektive, die auf die Geschichte passen würden und doch reichen sie alle nicht um es zu beschreiben, denn es ist nur sehr schwer in Worte zu fassen. Das Thema ist selbstverständlich sehr schwierig und ich war gespannt, wie der Autor es umsetzen würde. Das was mir dann in Teach Me präsentiert wurde, hatte ich so nicht erwartet und ich war positiv überrascht.

Zu Beginn lernt man Carolina kennen, die von allen "Nine" genannt wird; aus ihrer Sicht ist die Geschichte beschrieben. Wie dieser Spitzname kann man sich ihren Charakter vorstellen, denn Nine ist hochintelligent und sie weiß einfach alles, vorallen Dingen über das Universum und die Sterne. Gerade deswegen fällt es ihr schwer, sich wirklich zu integrieren und so steht sie als Außenseiterin da. Allein ihr bester Freund Schuyler, der ebenso intelligent und anders ist wie Nine, steht immer hinter ihr, auch wenn Nine mehr als einmal sehr egoistisch und unhöflich auftritt. Ich fand es die ganze Zeit über sehr schwer, mich wirklich mit ihr zu identifizieren, da sie sich von ihrer Umwelt derart abkapselt und teilweise auch sehr unsympathisch daher kommt. Zwar hat sie teilweise interessante und tiefgründige Gedankengänge, aber es geht doch meistens nur um sie selbst und dabei vernachlässigt und demütigt sie ihren besten Freund sogar des Öfteren. Auch Mr Mann wird dem Leser vorgestellt. Er ist dieser typische, interessante Charakter, dem man als Leser sehr geheimnisvoll und anziehend findet. Man will mehr über ihn heraus finden und er wird einfach als sehr attraktiv beschrieben.

Die Beziehung, die sich nach und nach zwischen den beiden entwickelt und eigentlich von Anfang an in der Luft schwebt, ist sehr prickelnd und man spürt in dem Buch die leise Spannung. Ich denke, gerade deswegen, weil sicher viele, wenn nicht sogar alle jungen Mädchen schon irgendwann einmal von einer älteren Person oder sogar dem eigenen Lehrer irgendwie angezogen worden sind, kann man die starken Gefühle, die Nine Mr Mann gegenüber aufbaut, bis zu einem bestimmten Punkt nachvollziehen und das kommt in dem Buch sehr gut rüber. Der Apfel, die verbotene Frucht, auf dem Cover stellt diese Beziehung noch einmal sehr gut da, denn sie ist verboten und muss geheim gehalten werden. Irgendwann ist dann jedoch abrupt Schluss und Mr Mann trennt sich ohne jegliche Erklärung von Nine. Diese ist natürlich aufgewühlt und will unbedingt herausfinden, weswegen er sich ohne weiteres von ihr trennt. Dabei entwickelt sie sich mehr und mehr zum Wahnsinn hin, was auf der einen Seite sehr befremdlich, aber irgendwo auch verständlich ist. Der Autor versteht es hierbei Nines Verzweiflung zu verdeutlichen, sodass man sie sogar irgendwo verstehen kann.

Es ist natürlich sehr schwer, sich mit Nine zu identifizieren, als sie beginnt Mr Mann geradezu zu terrorisieren und es war sehr erschreckend, wie sich alles entwickelt hat und dennoch hat man immer beide Seiten verstanden, auch wenn das Rästel der Trennung sich oft in den Vordergrund geschoben hat. So konnte ich Nines Trauer nachempfinden und gleichzeitig Mr Mann bemitleiden und verstehen. Des Rätsels Lösung gegen Ende ist zwar nicht so erschreckend oder verwunderlich, wie man es vielleicht denken könnte und im Grunde genommen recht vorhersehbar, dennoch macht es das Buch dadurch nicht schlechter.

Was zwischendurch dennoch etwas nervig wurde, war das ewige Gejammer von Nine und die Art, wie sie alles und jeden aus ihrem Leben ausschließt und lediglich noch mit Mr Mann und sich selbst beschäftigt. Teilweise war es wirklich erschreckend, wie sie mit Schuyler umgeht oder ihre Eltern belügt. Natürlich gehört das zu der Geschichte dazu und hebt Nines Gefühle hervor, trotzdem haben ich mit der Zeit schon leichte Aggressionen gegen dieses Mädchen entwickelt. Als sehr gut habe ich die Gedichte von Emily Dickinson empfunden, da sie erstens gut in die Geschichte gepasst und all die Gefühle und ungesagten Worte noch einmal kompakt zusammen gefasst haben und zweitens da sie in der Originalsprache gelassen worden sind und lediglich im Anhang die deutschen Übersetzunge zu finden sind.

Hope is the thing with feathers
That perches in the soul,
And sings the tune--without the words,
And never stops at all,

And sweetest in the gale is heard;
And sore must be the storm
That could abash the little bird
That kept so many warm.

I've heard it in the chillest land,
And on the strangest sea;
Yet, never, in extremity,
It asked a crumb of me.
[Emily Dickinson]

Insgesamt erwartet den Leser hier eine spannende, tiefgründige und andersartige Geschichte, die erschreckend und unglaublich gut geschrieben ist. Ich kann sie jedem ans Herz legen, der gerne eine etwas andere, intelligente Geschichte lesen will, in der er an die Abgründe des Menschen stößt und erfährt, was Besessenheit bedeutet.



Zum Autor

R.A. Nelson ist der Autor von Teach Me, Breathe My Name, Days Of Little Texas und Throat. Bisher sind zwei seiner Bücher, nämlich Breathe My Name mit dem deutschen Titel Shine, sowie Teach me in Deutschland erschienen. Seine Bücher wurden für die "YALSA Best Books for YA" - Liste nominiert. Nelson lebt mit seiner Familie in North Alabama und arbeitet bei der NASA.

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8 Wortmalerei(en)

  1. Hach, das Buch mochte ich sehr sehr gern =)

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  2. Süße Rezi meine Liebe :)
    Besonders oeben das Zitat ist der Wahnsinn!
    Soooo toll! :)

    :-*

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  3. Tolle Rezi! Das Buch klingt interessant!

    Liebe Grüße
    Anka

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  4. Klingt lesenswert. Freut mich, dass es dir so gut gefallen hat. LG :)

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  5. Ein anderes Buch zum Thema: Taming the Beast (oder Zähme mich - ist beschissen übersetzt) von Emily Maguire. Dieses ist ausschließlich für Erwachsene geschrieben und sehr gut.

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  6. @KatarinaLiest - Ui, super. Danke, habe ich direkt auf meinen WZ gepackt. Und schon wieder ein Apfel auf dem Cover ;P Passt ja.

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  7. Supertolle Rezension! ...schnell notieren.
    ;) Liebe Grüße, Tanja

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  8. Ich liebe R.A. Nelsons Schreibstil und finde es so schwer in Worte zu fassen wie genial dieser Autor sich ausdrücken kann, aber du hast das wirklich gut beschrieben!

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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