Rezension: Bleeding Violet - Niemals war Wahnsinn so verführerisch von Dia Reeves

7:48:00 PM


Autor: Dia Reeves
Titel: Bleeding Violet - Niemals war Wahnsinn so verführerisch
Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
Verlag: Baumhaus Verlag 
ISBN-10: 3833938455 
ISBN-13: 978-3833938450
Preis: 14,99 €
Originaltitel: Bleeding Violet
Genre: Fantasy
Themen: Wahnsinn; Abenteuer; Gewalt; Verrücktheit; Familie; Liebe 
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«"Habt ihr das gehört?", fragte ich vorsichtig, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mir den Schrei nicht nur eingebildet hatte. "Was", sagte Carmin. "Den Schrei?" Er winkte ab. "Das ist nur eine Selbstmordtür. Die Kiddies drehen bei denen immer total durch." "Das ist so siebte Klasse", höhnte Lecy.»
[Dia Reeves - Bleeding Violet; S. 117]

Erster Satz:
Der LKW-Fahrer ließ mich am falschen Ende der Straße raus.


Inhalt:
Nachdem die sechzehnjährige Hanna ihre Tante Ulla beinahe erschlagen hätte, um abzuhauen, trampt sie nach Portero, wo ihre Mutter, die sie noch nie zuvor gesehen hat, lebt. Der Empfang dort ist allerdings ganz anders, als Hanna es sich vorgestellt hätte, denn ihre Mutter will sie nicht da behalten und die Stadt ist noch verrückter, als sie selbst. Mit ihrer Mutter geht sie eine Wette ein, durch deren Gewinn sie bei ihrer Mutter bleiben könnte: Sie muss versuchen sich in die Gemeinschaft Porteros zu integrieren und bei den merkwürdigen Geschöpfen und den völlig durchgeknallten Menschen, die hier leben, ist das wirklich alles andere als einfach. Schließlich lernt Hanna auch den gut aussehenden Wyatt kennen, der gegen die Kreaturen Porteros kämpft, um die Bevölkerung zu schützen. Gemeinsam mit ihm begibt sie sich auf ein Abenteuer der besonderen Art.

Schreibstil:

Der Schreibstil war nicht unbedingt etwas Besonderes, obwohl er leicht und flüssig zu lesen war. Man merkt doch, dass das Buch sehr jugendlich gehalten ist und sollte hier nicht zu viel erwarten. Dennoch lässt sich das Buch angenehm lesen, denn es gab auch nichts, was mich übermäßig gestört hätte. Er trifft ungefähr die goldene Mitte, denn er ist weder unzumutbar, noch unglaublich gut. Manchmal haben einige unbekannte Worte den Lesefluss zwar ein wenig gedämpft, doch da diese im Laufe der Geschichte erklärt werden, ist das nur nebensächlich zu erwähnen.

Meinung:

Dieses Buch ist vermutlich das verrückteste und durchgedrehteste, was ich jemals gelesen habe und das liegt nich nur an der abgedrehten Protagonistin, sondern auch am ganzen Rest. Ich denke, dass ist ein Buch, was nicht jedem gefallen wird, da es einfach so kurios und anders ist. Es hat keine wirklich tiefsinnige Handlung oder vermittelt dem Leser irgendwelche Werte, trotzdem ist es irgendwie lesenswert, da es den Leser in eine Welt entführt, die so erfrischend ist und vom Mainstream abweicht, dass man die Merkwürdigkeit beinahe wieder gut findet.

Angefangen bei der jungen Hanna, die halb Schwedin und halb dunkelhäutig/halb weiß ist, wird man schon auf den ersten Seiten geschockt, in denen Hanna ihre Tante beinahe erschlägt. Das Mädchen hört und sieht ihren toten Vater und hat noch viele andere Halluzinationen. Sie müsste eigentlich diverse Tabletten nehmen, tut das jedoch nicht, da sie dann keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater aufnehmen könnte. Hanna trägt lediglich lilafarbene Kleidung, da es die Lieblingsfarbe ihres Vaters ist und sie natürlich an ihn erinnert. Außerdem näht sie ihre Kleidung ausschließlich selbst. Ich denke, allein das zeigt, dass man hier kein stereotypisches Buch vorgesetzt bekommt, sondern eine Geschichte, die von dem abweicht, was man erwarten würde. Auch charakterlich unterscheidet sie sich von vielen anderen Mädchen in Büchern, denn sie ist völlig selbstbewusst und mutig und während andere ihrer Genrekolleginnen fürchterliche Angst vor ihrem ersten Mal hat, schläft sie mit den Jungs aus ihrer Klasse in alphabetischer Reihenfolge. Ihr war nie jemand wirklich wichtig bis sie Wyatt kennenlernt.

Auch von Wyatt wird man vermutlich überrascht sein, denn er führt das abgedrehte Schema weiter. Von Hanna und Wyatt hat definitiv Hanna die Hosen an, obwohl Wyatt eher ein Beschützertyp ist. Diesem Drang kann er bei Hanna jedoch nicht nachgehen, da diese nicht beschützt werden will. Wyatt ist der erste Junge, in den Hanna sich wirklich zu verlieben scheint, da sie die Jungs vor ihm zumeist nur ausgenutzt hat. Neben all der Verrücktheit spielt auch die Liebe zwischen den Beiden eine große Rolle. Auch Hannas Mutter Rosalee ist sicherlich nicht die typische Mutter. Sie ist Hanna charakterlich sehr ähnlich, denn auch sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung auf das männliche Geschlecht. Rosalee sieht die Liebe als Falle an und will deswegen keine Bindung zu ihrer Tochter aufbauen, sondern diese so schnell wie möglich wieder loswerden. So wird auch das Mutter-Tochter-Verhältnis zum Thema und wächst innerhalb des Buches immer mehr zusammen.

In Bleeding Violet erwarten einen derart viele neue Idee, dass man sich teilweise sehr überschüttet fühlt. So viele verrückte neue Geschöpfe und Eigenarten strömen auf den Leser ein, dass man das Buch nur sehr langsam lesen kann, um die neu gewonnen Eindrücke überhaupt verarbeiten zu können. So habe ich auch länger dafür gebraucht, endlich eine Rezension zu dem Buch zu schreiben, da ich als sehr schwer empfinde, all diese Eindrücke in ein paar Worte zu quetschen. Die Geschichte ist einfach absolut verrückt, ebenso wie die Stadt, die Menschen, die Protagonistin, der Bösewicht... alles ist anders und weicht von dem altbekannten Schema ab, was ich als sehr erfrischend und gewagt empfinde.


Man findet in dem Buch auch relativ viele Gewaltszenen, da Wyatt gegen die Kreaturen Porteros kämpft und Hanna ihm zeitweise dabei hilft. So gibt es teilweise schon sehr abartige Beschreibungen von fliegenden Gedärmen und Blut. Allerdings sind diese Szenen zumeist eher kurz beschrieben. Auch auf Sexualität trifft man in dem Buch, wobei die Szenen nicht groß beschrieben, sondern lediglich angedeutet worden sind.

Mir war es teilweise schon beinahe etwas zu abgedreht, doch trotzdem hatte ich viel Spaß mit dem Buch. Man muss sich eben auf die Geschichte einlassen und darf sich nicht davon abschrecken lassen. Viel Tiefgang sollte man allerdings nicht erwarten, denn auch wenn die Geschichte tief in die Merkwürdigkeitskiste greift, kratzt sie lediglich an der Oberfläche.


Fazit:

Wer sich in einer Geschichte verlieren will, die stellenweise entfernt an Alice im Wunderland erinnert und offen für eine überaus verrückte und kuriose Geschichte ist, der sollte sich Bleeding Violet einmal näher anschauen. Mehr als einmal wird man überrascht von der Kreativität und der Verrücktheit, die diese Geschichte zu bieten hat, ekelt sich, lacht und wird einfach mitgerissen.


Und noch ein Porteroabenteuer:

Zum Autor

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2 Wortmalerei(en)

  1. Die Geschichte wäre nichts für mich, auch wenn es ganz interessant klingt. Trotzdem ne süße Rezi ;) Ich weiß ja, wie lange du dich mit dem guten Stück abgemüht hast ;)

    was fängst das nächstes an?

    Fühl dich gedrückt!
    :-*

    ReplyDelete
  2. Tolle Rezi. Ich hätte zwar mindestens 4 Sterne vergeben, aber ich kann deine Bewertung nachvollziehen - die Story ist schon sehr abgedreht und ja, in die Tiefe geht das Buch nicht wirklich. Trotzdessen fand ich das Mutter-Tochter-Verhältnis sehr interessant und auch, dass es mal etwas vollkommen anderes war. Hanna hat mich schon von den ersten Seiten an fasziniert. Diese Selbstverständlichkeit, wie sie auf die Menschen zugeht und sich bei ihrer Mutter einnistet... fand ich genial. Also ich freue mich schon auf das neue Porteroabenteuer. :)

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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