Rezension: Der Junge aus dem Meer von Aimee Friedman

1:43:00 PM


Autor: Aimee Friedman
Titel: Der Junge aus dem Meer
Gebundene Ausgabe: 388 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN-10: 9783351041311 
ISBN-13: 978-3351041311
Preis: 14,95 €
Originaltitel: Sea Change
Genre: Roman mit Fantasyelementen
Themen: Erste Liebe; Meerjungfrauen/männer; Legenden; Selbstfindung; Familie  
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«Ich nickte und lauschte dem Ozean, der gegen das Ufer rauschte und sich wieder zurückzog. Plötzlich dachte ich, wie sehr doch die Vergangenheit - nein, nicht nur Vergangenheit, sondern auch Geschichte und Familie den Gezeiten des Meeres ähnelten. Es war zwar immer derselbe Ozean, doch die Wellen ließen ihn jedes Mal neu und unverbraucht aussehen.»
[Der Junge aus dem Meer - Aimee Friedman; S. 275]

Erster Satz:
Das wartende Fährschiff - elfenbeinfarben und mit Ober- und Unterdeck ausgestattet - ähnelte einem Stück Torte.

Inhalt:
Die junge Miranda ist vor allem naturwissenschaftlich und mathematisch begabt. Mit Literatur, Jungs und Legenden kann sie so gut wie gar nichts anfangen, weswegen sie auch etwas skeptisch ist, dass sie die Sommerferien auf Grund des Todes ihrer ihr unbekannten Großmutter auf Selkie Island verbringen soll, um ihrer Mutter bei dem Verkauf des geerbten Hauses unter die Arme zu greifen. Bereits auf dem Fährschiff auf die kleine Insel, erzählt ihr ein Matrose Legenden über Selkie und seine Bewohner. Miranda jedoch stempelt dies als reinen Blödsinn ab - schließlich glaubt sie nichts, was man nicht auch belegen kann. Auf der Insel lernt sie dann den gut aussehenden Leo kennen, der sie in seine eigene Welt entführt und ihr zeigt, dass die Welt nicht immer logisch und erklärbar sein muss. Dabei taucht Miranda immer tiefer in die Legenden und Mythen ein, die sich um Selkie Island ranken...

Schreibstil:
Friedman hat einen sehr ausgeglichenen, schönen Schreibstil, mit welchem sie es schafft die verschiedenen Emotionen und Atmosphären sehr gut herauszuarbeiten. So fühlt man sich als Leser wirklich auf eine geheimnisvolle Insel versetzt, durchlebt jede Laune mit Miranda und verfällt dem Charme der Insel. Man merkt zwar, dass es sich bei Der Junge aus dem Meer um ein Jugendbuch handelt, jedoch schafft es Friedman ein besonderes Gleichgewicht zu finden, was das Buch auch für ältere Jugendliche noch interessant macht.

Meinung:
Dieses Buch hat mich wirklich zwiegespalten zurückgelassen. Ich habe es mit gemischten Gefühlen und auch eher langsam gelesen, weil ich nie das Gefühl hatte, wirklich in der Geschichte zu sein. Die sommerliche Atmosphäre, die Friedman erschafft, hat mich zwar das ganze Buch über begleitet, doch trotzdem gab es für mich einige Kriterien, die mir nicht so gut gefallen haben.

Zuerst sei gesagt, dass das Buch leider einem sehr eingängigen, altbekannten Schema folgt. Miranda kann nicht so richtig mit Jungs. Sie ist zwar wunderschön - was sie selber nicht weiß -, versteht es aber nicht, sich schön zu kleiden. Sie will alles logisch erklären können und weiß nicht so richtig, was sie eigentlich will. Für mich klingt das immer so, als könnten intelligente Mädchen nicht beides sein. Als könnten sie nicht gleichzeitig selbstbewusst und intelligent sein, vielschichtig und sich gut kleiden. Im Kontrast dazu stehen nämlich die Mädchen, die Miranda auf Selkie kennenlernt - diese sind oberflächlich, hübsch und wissen dies und lieben es, sich schön zu machen. Dabei wird oft betont, dass sie eben nur das zu können scheinen und sich für Gefühle oder zwischenmenschliches nicht interessieren. Ich muss sagen, dass mich das nach einer Zeit wirklich genervt hat. So kamen mir die Figuren teilweise sehr platt und eindimensional vor. Figuren, wie sie klischeehafter und stereotypischer eigentlich nicht sein könnten.

Jedoch - und Gott sei Dank - machen die Figuren, wenn auch nicht immer merklich, Entwicklungen durch und Miranda beginnt an sich selbst zu zweifeln und an ihrer braven, immer gehorchenden Art. Sie möchte aus dem Kreis ausbrechen, sie selbst sein und sich nicht hinter ihrem Pferdeschwanz verstecken. Dies schafft sie vor allen Dingen durch Leo, der ein sehr interessanter Charakter war. Er ist geheimnisvoll und bleibt dabei dennoch nahbar und menschlich. Nachdem Miranda mehr über die Legenden von Selkie in Erfahrung gebracht hat, findet sie einige Parallelen zu Leo, was man zwar erwartet hat, seinen Reiz jedoch trotzdem nicht verlor.

Auch die Geschichte braucht etwas Zeit bis sie in Fahrt kommt. Zwar wird der Leser von Beginn an mit den wirklich interessanten und spannenden Legenden von Selkie konfrontiert, jedoch verliert sich das irgendwie zwischen den oben genannten Tatsachen. Dennoch hat mich dieser leichte Hauch von Mythen und Legenden sehr fasziniert und in seinen Bann gezogen und ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin sich noch näher damit befasst hätte. Was ich allerdings erfrischend fand, war die Tatsache, dass die Autorin das Geheimnis bewahrt hat. So wird am Ende nicht klar, ob Mirandas Vermutungen um Leo wirklich wahr sind oder ob ihr ihre Fantasie lediglich einen Streich gespielt hat.

Die Liebesgeschichte zwischen Leo und Miranda habe ich auch als sehr erfrischend empfunden, da sie nicht so weit hergeholt wirkt und nicht ins Kitschige abdriftet, wobei sie dennoch sehr verträumt und verzaubernd ist. Sie ist ganz leicht, wie eine Sommerbrise und auch hier ist das Ende weitesgehend offen und der Fantasie des Lesers überlassen.

Fazit:
Ein leichtes Sommerbuch mit einem Hauch Mythen und angedeuteten Fantasyelementen, welches womöglich eher die etwas jüngeren Leser begeistern wird. Es ist simpel, aber dennoch schön geschrieben und entführt den Leser mit kleinen Schwächen auf Selkie Island und ihre Legenden. Zusammen mit Miranda geht man auf die Suche nach der eigenen Identität und findet sie schließlich durch die erste Liebe, von der hier verträumt und leicht erzählt wird.


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1 Wortmalerei(en)

  1. Ich habe mir jetzt extra mal nur das Fazit durchgelesen, um mich jetzt nicht beeinflussen zu lassen - will es selbst bald lesen... es hört sich jetzt gar nicht so schlecht an, aber auch nicht total begeistert... ich bin echt gespannt ... dann lese ich die komplette Rezi. ;)

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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