Rezension: Der Sommerfänger von Monika Feth

4:02:00 PM


Autor: Monika Feth
Titel: Der Sommerfänger
Teil einer Reihe? 5. Teil der Jette-Thriller
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: cbt
ISBN-10: 9783570307212 
ISBN-13: 978-3570307212
Preis: 9,99 €
Originaltitel: -
Genre: Jugendthriller
Themen: Mafia; Mord; Liebe; Freundschaft; Verfolgung
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«Es fiel ihm schwer zu begreifen, wie es möglich war, in diesem Land mit einer Tarnkappe durchs Leben zu gehen. Jeder hatte eine Familie, Bekannte, Nachbarn. Über jeden wusste irgendwer irgendwas, und sei es ein winziges Detail, das diesen Menschen von anderen unterschied. Nicht so bei Lukas Tadikken.»
[Monika Feth - Der Sommerfänger; S. 214]


Erster Satz:
Die Luft war so heiß, dass sie beim Einatmen schmerzte.

Inhalt:
Der Sommer ist so schwül und verheißungsvoll, wie in dem Jahr, als Jette sich in den Jungen verliebte, der sie beinahe getötet hätte. Noch immer verfolgen sie die Albträume und Ängste, die sie in jener Zeit empfunden hatte. Gerade erst hat sie einen neuen Menschen in ihrem Leben gefunden - Luke, der geheimnisvoll ist und dem sie endlich wieder vertrauen kann. Als dann jedoch Lukes Mitbewohner Albert ermordet aufgefunden wird und Luke verschwunden ist, merkt Jette, dass sie gar nicht so viel von dem Jungen mit den vielen Geheimnissen weiß, wie sie dachte. Um ihren Freunden, dem Kommissar und vor allen Dingen sich selbst Lukes Unschuld zu beweisen, nimmt sie seine Spur auf und begibt sich dabei in große Gefahr. 

Schreibstil:
Monika Feth hat einen ungewöhnlichen Schreibstil, der eine ganz besondere Atmosphäre zaubert, in der man sich immer wieder zu Hause fühlt. Sie versteht es mit Worten zu spielen und sie mit den richtigen zu kombinieren, so dass sie wichtig und schön klingen. Jedes Gefühl, jede Temperatur und jede Farbe beschreibt sie derart dreidimensional, dass man beinahe die schwüle Sommerluft spüren und den Duft von Regen riechen kann. Die Sätze sind meist eher kurz und dennoch sehr bedeutungsvoll, sodass sich das Buch leicht lesen lässt und dennoch nicht platt geschrieben ist. Was mich vor allen Dingen fasziniert hat, ist ihre Gabe jedem Charakter einen eigenen Stil zu verpassen, sodass man mit jedem ersten Satz eines Perspektivenswitchs weiß, mit wem man es zu tun hat. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sich viele Umschreibungen und Sätze nach einer Zeit ähneln und ich am Anfang oft dachte, einige Sätze in dem Buch schon in ihren anderen Büchern der Reihe genau so oder ähnlich gelesen zu haben. 

Meinung:
Jeden Sommer warte ich auf ein neues Monika Feth Buch, weil diese Geschichten immer in dieser Jahreszeit spielen und mich schon über so einige Urlaubstage begleitet haben, weswegen sie für mich immer die heißesten Tage wiederspiegeln. Außerdem wächst man ja irgendwie mit den Charaktern und ich finde es immer gut, wenn man sie über mehr als ein Buch in ihrem Leben begleiten kann. Nachdem Der Schattengänger jedoch schon ein wenig nachgelassen hatte, klebten meine Erwartungen natürlich an dem Nachfolger, dem Sommerfänger, fest und ich muss sagen, dass sie nur halbwegs erfüllt worden sind.

Wie alle Jette-Thriller, ist auch Der Sommerfänger aus vielen unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, wobei lediglich Jettes Sicht in der Ich-Form verfasst ist. Der ständige Wechsel der Perspektiven gelingt der Autorin wie immer sehr gut und wie bereits geschrieben, schafft sie es jedem Charakter einen ganz besonderen Schliff zu verpassen, sodass man allein am Schreibstil merkt, welche Person gerade denkt. Allerdings gibt es so viele unterschiedliche Perspektiven, die teilweise so viele unnötige und überflüssige Informationen an den Leser weitergeben, die man locker auch anders hätte verpacken können, dass sich die Geschichte doch ein wenig in die Länge zieht und ein wenig braucht, um in Fahrt zu kommen.

Das Problem ist hierbei vor allen Dingen, dass man auch die Sicht des Mörders miterlebt und man daher von Anfang an weiß, wer was warum tut oder gemacht hat. Ich konnte mir leider schon nach den ersten 30 Seiten denken, was in der Geschichte Sache ist und warum, was ich sehr Schade fand, weil es dem Buch einiges an möglicher Spannung genommen hat. Ein weiterer Minuspunkt ist die Tatsache, dass die Idee langsam unglaubwürdig und ausgelutscht ist, denn so viel Gefahr kann ein einziger Mensch in einem Leben gar nicht erfahren wie Jette, die ja nun schon beinahe fünfmal gestorben wäre. Auch die Beziehung zwischen dem Kommissar Melzig und Imke Tahlheim kommt nicht voran, sodass im Sommerfänger alles noch einem runtergerattert wurde, was man als Leser der Reihe eigentlich schon weiß. Auf der einen Seite wiederholt sich daher alles und ich hatte oft das Gefühl, ganze Passagen so schon einmal gelesen zu haben.

Die Geschichte und die Idee an sich, empfinde ich aber als wirklich gut und man kann ja wirklich nichts anderes sagen, als dass Feths Bücher immer gut durchdacht und atmosphärisch dicht sind. Mit ihrer Art zu schreiben entführt sie den Leser einfach immer wieder in die Welt von Jette und ihren Freundinnen und die Charakter, die sie hier geschaffen hat, sind wirklich komplex und glaubwürdig. Ihre Reaktionen, sowie die psychischen Folgen sind gut herausgearbeitet und verständlich beschrieben und da Monika Feth sich ohnehin größtenteils mit der menschlichen Psyche beschäftigt, bleiben die Bücher interessant.

Das Buch wird auch ab einem bestimmten Punkt wirklich spannend und mehr als einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich das Zimmer nach möglichen, unheimlichen Schatten abgesucht habe. Dabei wird es auch oftmals sehr blutig und grausam und von einer bestimmten Szene (der Katzenszene - für alle, die es schon gelesen haben), hatte ich nach dem Lesen sogar einen Albtraum. Einige mehr oder weniger überraschende Wendungen gab es aber doch, sodass die letzten Seiten nur so dahin gefolgen sind. Nun nachdem ich das Buch ausgelesen habe, sehne ich mich wieder nach der tollen Stimmung und dem tollen Schreibstil zurück und da einige Geschichten noch nicht erzählt sind, gehe ich stark davon aus, dass wir uns im nächsten Sommer auf einen neuen Jette-Thriller freuen können, in dem es hoffentlich ein wenig rasanter zugeht.

Fazit: 
Für Fans der Jette-Reihe ist das Büch natürlich ein Muss, denn wieder zeigt uns Monika Feth ihr Schreibertalent und entführt uns in die menschliche Psyche. Gefühlvoll und atmosphärisch schreibt sie die Geschichte um Luke, Jette und ihren Freunde, sodass man nach einem eher schwachen Anfang gar nicht mehr zu lesen aufhören kann und sich in der Geschichte wohl fühlt, obwohl viele Grausamkeiten und blutige Szenen dazu führen, dass man sich schon ein wenig gruselt. Sieht man von den vielen Wiederholungen ab und der sich langsam abnutzenden Idee, ist das Buch eine spannende Geschichte für zwischendurch, die von mir mit Bauchschmerzen noch vier Herzen bekommt.


 Zum Autor
Monika Feth wurde 1951 in Hagen geboren. Nach ihrem literaturwissenschaftlichen Studium arbeitete sie zunächst als Journalistin und wandte sich dann dem Bücherschreiben zu. Heute lebt sie in einem kleinen Ort in der Nähe von Köln, wo sie vielfach ausgezeichnete Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene schreibt. Durch den sensationellen Erfolg der Bestseller "Der Erdbeerpflücker", "Der Mädchenmaler" und "Der Scherbensammler", den Krimis um Jette, wurde sie über die Grenzen des Jugendbuchs hinaus bekannt, denn auch Erwachsene lieben ihre Romane. Monika Feths Bücher wurden in 15 Sprachen übersetzt. Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfährt man auch auf www.monika-feth.de. [Quelle: cbt Verlag]


Die Jette-Thriller

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4 Wortmalerei(en)

  1. Schöne Rezi ;-)
    Ich kann deinen Wunsch was an deinemBlog zu verändern nachvollziehen, habe gestern auch mal ein wenig rumprobiert...und finde es, dafür dass ich auch keine Ahnung habe sehr schön ;-)
    Kannst ja mal vorbeischauen
    Liebe Grüße ♥
    Sabrina

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  2. Mal wieder eine gelungene Rezension. Ich habe vor auch mal die Reihe zu lesen, weil sie wirklich spannend sein soll. Da es sich, wie du sagst, super für den Sommer eignet, werde ich den ersten Teil in den Sommerferien lesen. Vielen Dank. Lg Diti

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  3. Tolle Rezi! ... und jetzt habe ich es endlich mal geschafft sie zu lesen. Die Reihe kenne ich jetzt gar nicht (das Cover kommt mir aber bekannt vor), hört sich aber nicht schlecht an. Ein bisschen neugierig bin ich jetzt schon geworden, wenngleich die Reihe wohl ein bisschen nachgelassen hat. Mal sehen... :)

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  4. Als erstes will ich zu den Nachteilen dieses Buches kommen. Nachteile sind erstens, dass ich diese Autorin und diese Buchreihe um Jette erst jetzt entdeckt habe, Nachteil ist auch, dass ich die Vorgänger noch nicht gelesen habe!

    Ein bißchen hat es mich schon geärgert, dass ich so „mittendrin“ aus einer Reihe ein Buch gelesen habe. Allerdings ist es für das Verstehen der Geschichte unerheblich, ob man die Vorgänger gelesen hat.

    Von Beginn an spannend bleibt es auch so bis zum Ende der Geschichte.

    Jette ist wieder verliebt, doch leider läuft mit Luke nicht alles so gut. Er zieht sich oft tagelang zurück und Jette weiß eigentlich nichts über ihn. Nur dass sie Luke liebt. Als der Mitbewohner von Luke ermordet wird, beginnt eine Hetzjagd, bei dem die Liebe zwischen Jette und Luke und das gegenseitige Vertrauen auf eine harte Probe gestellt wird bis es schließlich zum Showdown kommt.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]