Rezension: Die Enklave von Ann Aguirre

11:53:00 AM


Autor: Ann Aguirre
Titel: Die Enklave
Teil einer Reihe? 1. Teil einer Trilogie
Broschierte Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: blanvalet
ISBN-10: 3442268125 
ISBN-13: 978-3442268122
Preis: 14,00 €
Originaltitel: Enclave/Razorland
Genre: Dystopie; Science Fiction
Themen: Endzeitszenario; Unterdrückung; Gewalt;
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«Es gab verschiedene Arten von Stärke. Das wusste ich jetzt. Stärke hatte nicht immer mit Messern zu tun oder der Bereitschaft zu kämpfen. Manchmal bedeutete sie Beständigkeit und Durchhaltevermögen, wie eine stille verborgene Quelle. Manchmal bedeutete sie Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zu verzeihen.»
[Ann Aguirre - Die Enklave; S. 325]

Erster Satz:
Ich wurde während des zweiten Holocaust geboren.

Inhalt:
In den Tunneln weit unter der Erde lebt die junge Jägerin Zwei in einer Enklave. Die Erde, wie wir sie kennen wurde zerstört und durch glühende Hitze und Säureregen unbewohnbar gemacht, so erzählen die Ältesten den Bewohnern der Enklave. Unter der Erde gilt das Gesetz des Stärkeren und ein völlig neues System des Zusammenlebens wurde erschaffen. Jeder Bewohner hat eine Aufgabe, die er sein Leben lang ausführen muss. So gibt es Jäger, Schaffer und Zeuger und keiner von ihnen darf aus dem ihm zugedachten Platz ausbrechen. So lebt auch Zwei unterdrückt von den Ältesten und glaubt alles, was ihr erzählt wird bis sie eines Tages die Jagdpatnerin von dem ungewöhnlichen Bleich wird, der behauptet, von "Oben" zu kommen. Außerdem nähern sich die Freaks, die immer hungrig sind und schon eine andere Enklave völlig ausgelöscht haben. Als Zwei dann von ihrem Volk nach Oben verbannt wird, ist sie erstaunt zu sehen, dass Bleich freiwillig mit ihr gehen will. Doch ist ein Leben auf der Erde überhaupt noch möglich? Oder haben die Ältesten lediglich Lügengeschichten erzählt, um die Gesellschaft nicht selbst denken zu lassen? Könnte irgendjemand überlebt haben?

Schreibstil:
Mit einem einfachen und leserfreundlichen Schreibstil, zieht Ann Aguirre ihre Leser in den Bann. Sie versteht sich darin, mit ihren Worten eine gewisse Spannung aufzubauen, die sich beinahe durch das ganze Buch zieht. Dabei schafft sie es, eine gute Mischung aus einem guten, ehrlichen und gleichzeitig simplen Schreibstil, aufrechtzuerhalten und scheut nicht davor zurück, auch brutale Situationen zu beschreiben. Dies vollzieht sie, ohne dabei zu ausführlich und abschreckend zu werden und währenddessen auch die prickelnde Spannung am Leben zu halten. Durch ihre Art zu schreiben, fällt es dem Leser leicht, sich in der Geschichte zurecht zu finden und die dystopische Welt, die Aguirre beschreibt, besser kennen zu lernen.

Meinung:
Ein Buch, für welches geworben wird, dass es mit der Spannung von Die Tribute von Panemmithalten kann, muss wirklich gut sein und zumindest einige gute, neue Ideen an den Tag bringen, damit man es nicht mit dem eben genannten Buch vergleichen kann. Ich finde es immer sehr fraglich, wenn für Bücher mit anderen geworben wird, da es letztendlich nur Geldmacherei ist. Zwar bewegen sich Die Enklave und die Tribute von Panem im selben Genre, doch die Geschichte ist grundverschieden und weist kaum Parallelen auf. Einzig eine kleine Dreiecksgeschichte ist zu finden, die fern an Panem erinnert. Die versprochene Panemspannung trat zwar nicht auf, aber dennoch ist Die Enklave ein kurzweiliges Buch, dass man durchaus flüssig lesen kann und den Leser das ein oder andere mal zu überraschen versteht.

An die Geschichte und die Idee der Enklave muss man sich ersteinmal gewöhnen. So braucht die Geschichte einige Seiten, um das Grundgerüst der neuen Gesellschaft zu erklären, was durchaus angebracht ist. Die Namensgebung wird erklärt, damit man als Leser nicht allzu sehr hängen bleibt, wenn man die merkwürdigen Namen wie "Fingerhut", "Stein" und "Seide" liest. Außerdem wird die Hirarchie, sowie die neue Ordnung nicht zu ausschweifend erzählt, sodass das Interesse bestehen bleibt. Auf den Leser wirkt diese neue Welt zunächst sehr befremdlich - Das Individuum zählt nicht mehr, alles was getan wird, soll nur der Allgemeinheit nützlich sein und dienen, richtige Pärchen existieren nicht, denn es gibt nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, die sich, auf Grund ihrer Gesundheit oder ihrer Attraktivität, vermehren dürfen.

Auch die Welt der Tunnel wirkt düster und unheimlich. Mit viel Spannung beschreibt Aguirre diese unterirdische Welt und nicht nur einmal bekommt man hier einige sehr brutale und blutige Sznen serviert, in denen die Jagdpartner Bleich und Zwei gegen die Freaks kämpfen. Die Freaks sind eine Art Zombies, die sich in der Dunkelheit entwickelt haben und lediglich von ihrem unersättlichen Hunger (nach allem, was sich bewegt - oder eben nicht mehr) getrieben werden. Diese neue Spezies hat mich zunächst eher skeptisch gemacht und stellenweise war es mir auch irgendwie "zuviel". Zwar ist es eine interessante Idee, jedoch musste ich mich erst einmal daran gewöhnen.

Die Charakter sind allesamt recht vorhersehbar und eher oberflächlich beschrieben. Das Buch istzwar aus der Ich-Perspektive geschrieben, bringt aber dennoch nicht die daher erwartete Nähe zur Protagonistin Zwei. Auf mich hat sie immer sehr differenziert gewirkt und hat einfach keine neuen Impulse gebracht, obwohl sie durchaus eine Entwicklung durchmacht. Nur war diese irgendwie von Anfang an voraussehbar und nicht befriedigend genug erklärt. Im Gegensatz dazu war Bleich, der von den anderen Menschen in der Enklave ausgeschlossen wird, da er, wie er behauptet, von "Oben", kommt, ein sehr spannender Charakter, dessen Gefühle und Taten nicht immer verständlich waren und deswegen das Interesse gehoben haben. Ansonsten sind die Figuren jedoch eher stereotypisch und tun eben das, was man von ihnen erwartet.

Ein paar Längen ließen sich nicht vermeiden, dennoch bekam die Geschichte eine ganz neue Atmosphäre, als Bleich und Zwei nach "Oben" gelangen, die mir sehr gefallen hat. Es war faszinierend, wie die Autorin die Situation gelöst und die Welt beschrieben hat. Einige Fragen bleiben dennoch ungeklärt, was daran liegt, dass Die Enklave der Beginn einer - wer hätte das gedacht? - Trilogie ist.

Fazit:
Oberflächlich, brutal, primitiv, aber dennoch gut lesbar - so kann man Die Enklave kurz und knackig zusammenfassen. Die versprochene Panemstimmung bleibt zwar aus, dennoch war das Buch stellenweise spannend und gruselig. Der Autorin ist es gelungen eine völlig neue Zukunftsvision zu erschaffen, in der Zombies und unterirdische Tunnel durchaus zusammenpassen und eine faszinierende Geschichte kreieren, die sich flüssig und gut lesen lässt. Trotz einiger kleiner Schwächen und der Befremdlichkeit, die sich das ein oder andere mal auftut, kann ich Die Enklave allen empfehlen, die sich gerne mit Endzeitszenarien beschäftigen und eine nette, kurzweilige Geschichte lesen wollen.


Zum Autor


In ihrem Leben war Ann Aguirre schon ein Clown, eine Angestellte, die Retterin verirrter Kitten und eine Synchronsprecherin - nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Sie wuchs in einem gelben Haus neben einem Kornfeld auf, lebt jetzt jedoch mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern im sonnigen Mexiko, die nur manchmal das tun, was sie sollen. 
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8 Wortmalerei(en)

  1. Schöne Rezension. Das Buch steht ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Hört sich echt gut an.. LG Diti

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  2. Hey ho,

    sehr schöne Rezi! Habe das Buch auch vor kurzem gelesen und mir auch genau das Zitat in meine kleines Büchleich geschrieben, welches du da oben stehen hast^^
    Die Autoreninfo war klasse:-)

    LG
    Paralauscher

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  3. Das schlimmste ist, dass das mit dem 2.Teil noch Jahre dauern kann.*heul* Sie hat ja noch nicht mal angefangen, den 2.Teil zu schreiben, wurde aber schon dafür bezahlt. :(

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  4. Ich hatte "Die Enklave" jetzt schon unheimlich oft im Buchladen in der Hand, aber irgendwie habe ich es immer wieder weggelegt. Es hört sich zwar spannend an, aber so ganz überzeugen kann es mich noch nicht und auch nach so einigen Rezensionen bin ich noch skeptisch :D Außerdem finde ich die Namen extrem komisch und dann noch Zombies, hm :/
    Das Cover finde ich allerdings grandios, vorallem im Vergleich zu den ausländischen Covern.
    Ich finde es übrigens auch schrecklich, wenn man für ein neues Buch mit anderen Büchern / Autoren Werbung macht. Wenn ich allein daran denke, wie viele Autoren als 'neuer Tolkien' betitelt wurden. Das mag ich überhaupt nicht

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  5. Tolle Rezi,
    Wollte/Will das Buch für die Dystopien Challenge lesen, vorallem weil es ein eher kurzweiliges Buch ist und ich auch momentan nicht so super viel Zeit habe, aber irgendwie scheue ich mich davor 14€ zu bezahlen. Habe es schon so oft in der Hand gehabt aber dann stelle ich es wieder weg. Mal sehen wann ich es endlich mal mitnehme.
    LG Jessi

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  6. Auf der Suche nach Büchern für die Dystopie Challenge klingt dieses hier doch sehr interessant. LG, Katarina :)

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  7. OK, das klingt jetzt zwar nicht durchweg positiv, aber dennoch optimistisch. Ich bin beruhigt, da sich das Buch ja bereits in meinem Besitz befindet. Puh! :)

    Das mit dem Buchvergleich bzw. - der werbung finde ich ebenfalls echt blöd und manchmal extrem unangebracht. Wenn ich da nur an "Göttlich verdammt denke", das ja mit der Panem- und Bis(s)-Reihe beworben wurde. Muss das denn sein? Wenn ein Buch wirklich gut ist, dann hat es das gar nicht nötig. Aber sonst würde die Fans der anderen Bücher wohl nicht so schnell auf den Zug mit aufspringen und das neue Buch so gut verkauft/vermarktet werden... Geld regiert eben die Welt!

    LG Reni

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  8. 1. schöner Blogg
    2. Schöne Rezi
    3. bin dein neuer Leser
    4. Schau doch bei mir vorbei :) http://angiibuchlounge.blogspot.com/

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]