Rezension: Solange du schläfst von Antje Szillat

7:00:00 PM


Autor: Antje Szillat
Titel: Solange du schläfst
Teil einer Reihe? Nein
Gebundene Ausgabe: 252 Seiten
Verlag: Coppenrath Verlag 
ISBN-10: 3649602911 
ISBN-13: 978-3649602910
Preis: 14,95 € 
Originaltitel:
Genre: Jugendbuch; Realitätsroman; Thriller
Themen: Mobbing; Liebe; Rassismus; Unfall; Drogen; Wunder
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«Er spürte die Gefahr. Sie war da, umspannte alles, drohte im die Luft abzuschnüren. Er musste Anna von ihrem Plan abbringen. Er musste ihr ein Zeichen geben, dass er sie gehört hatte. Sie daran hindern einen großen Fehler zu begehen. Sie musste aufhören, um ihn zu kämpfen, musste ihn loslassen.
Und dann war nur noch Stille.
Dunkelheit.
Kein Stern mehr am Himmel.
Irgendwo weit weg hörte er Schritte und eine Tür, die ins Schloss fiel.
Ein letztes Aufbäumen, der verzweifelte Versuch, sie aufzuhalten. Eine Hand, die sich bewegte. Nur der Ansatz einer Bewegung, kaum mehr als ein Zucken.
Doch niemand war mehr da, der es sehen konnte, der sein Zeichen verstand...»
[aus "Solange du schläfst" von Antje Szillat; S. 189]

Erster Satz:
Er lag auf dem Feldweg, völlig unbeweglich, ein Bein eigenartig vom Körper weggedreht, das Gesicht blutüberströmt. 

Inhalt:
Die sechzehnjährige Anna hasst es die Neue zu sein und ist somit auch alles andere als glücklich, als ihre Eltern beschließen mit ihr in das winzige Dorf Malhausen zu ziehen. Durch ihre Nervosität fühlt sie sich schnell unwohl und nur die Ausritte mit ihren Pferden helfen ihr zu entspannen bis sie schließlich Jérôme kennenlernt, der ebenso ein Außenseiter wie sie ist. Doch bald merkt sie, dass Jérôme nicht nur Außenseiter ist, sondern regelrecht gemobbt wird. Trotz vieler Stolpersteine finden die beiden zueinander und verlieben sich. Nach dem Dorffest jedoch verschwindet Jérôme spurlos und wird am nächsten Tag halbtot aufgefunden. Während er im Koma liegt und es nicht sicher ist, ob er jemals wieder aufwacht, verbreitet sich im Dorf das Gerücht, das Jérôme mit Drogen gedealt haben soll. Geschockt von den Anschuldigungen versucht Anna das Geheimnis um Jérôme zu lösen und hört dabei eine ihr vertraute Stimme im Kopf, verknüpft mit Erinnerungen, die nicht ihre sind...

Schreibstil:
Von Antje Szillats Schreibstil habe ich mir mit dem verträumten und verschnörkelten Schreibstil um einiges mehr erhofft, als ich letztendlich bekommen habe. Die Sätze und Worte bleiben eher flach und wirken wie ein Mittel zum Zweck. Vor allen Dingen ist bei mir einfach nicht DAS Gefühl übergesprungen und es fiel mir sehr schwer überhaupt eine Bindung zu der Geschichte aufzubauen, sodass ich mich immer sehr distanziert vom Geschehen gefühlt habe. So war es auch schwer mitzufühlen und leider hat der Schreibstil schon sehr dazu beigetragen, dass dies so blieb. Das Buch ist aus der Sicht von Anna geschrieben und wechselt sich teilweise mit der von Jérôme ab, wobei ich die kurzen Passagen aus Jérômes Sicht immer um einiges interessanter fand. Leider ändert dies jedoch nichts daran, dass ich kein Gefühl für die Geschichte bekommen habe.
 
Meinung:
Manche Bücher sehen lediglich im Regal schön aus, können jedoch das äußere Niveau nicht wirklich halten. Nachdem ich mir durch die Optik derart viel von "Solange du schläfst" versprochen hatte, war ich überrascht nicht direkt auf den ersten Seiten begeistert zu sein und schließlich geradezu enttäuscht, als die Geschichte sich als flach und vorhersehbar entpuppte. Ich hatte mir eine gefühlvolle und tiefgründige Geschichte erhofft und ein Buch serviert bekommen, dass man heutzutage zu Hunderten hinterhergeworfen bekommt. Allein schon die Idee gleicht tausenden von bereits gelesenen Büchern und ist leider alles andere als originell. Besieht man sich Cover und Klappentext denkt man direkt an ein modernes Märchen, vor allen Dingen an eine moderne Version von Dornröschen, doch man bekommt etwas völlig anderes - daher finde ich den Klappentext und den Titel auch ziemlich irreführend.

Richtig schlecht ist das Buch allerdings auch nicht und genau das ist eigentlich das Problem, denn es bewegt sich im einfachen Mittelmaß, ist nichtssagend und plätschert die meiste Zeit nur so dahin. Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte ganz interessant, obwohl man die Masche mit dem Umzug und der schlechten Einfügung irgendeines nervösen Mädchens nun schon ziemlich gut kennt. So erwartet man also nach diesem altbekannten Start eine spannende Geschichte, die den Leser vom Hocker reißt, doch leider bleibt das Schema so, wie man es kennt. Das Mädchen lernt einen hübschen jungen Mann kennen, der irgendein Geheimnis hat und schon nach kürzester Zeit und aus unempfindlichen Gründen ist Anna unsterblich verliebt und andersherum.

So hat mir schon die Liebesgeschichte von Anfang an nicht gefallen. Es gibt kaum eine Chemie zwischen Anna und Jérôme und die Gefühle wirken einfach unglaubwürdig und springen nicht auf den Leser über. Wie oben bereits genannt, hat mich die Beziehung sehr kalt gelassen und oft habe ich mich gerade zu distanziert gefühlt. Womöglich wäre das anders gewesen, wenn sich die Liebe etwas langsamer entwickelt hätte und es auch wenigstens Gründe außer dem Aussehen für diese gegeben hätte. Ebenso wie die Liebesgeschichte bleiben auch die meisten Charakter eher blass. Mit der Protagonistin Anna konnte ich mich leider überhaupt nicht identifizieren, was jedoch auch eine Alterssache sein könnte. Womöglich ist mir ihre Sicht und ihre Art sich auszudrücken einfach zu platt vorgekommen, ist aber vielleicht für jüngere Mädchen ansprechender. Jérôme hingegen fand ich schon einigermaßen interessant, auch wenn ich gerne mehr über ihn erfahren hätte. Positiv anzumerken ist vor allen Dingen die Tatsache, dass er Ausländer ist, was ich bisher in keinem Jugendbuch wirklich gelesen habe. Auch die Diskriminierung war gerade durch ihre Aktualität einmal ein erfrischender Teil in einem solchen.

Die Geschichte hält durchaus einige spannende, jedoch keinesfalls überraschende Momente bereit. Und das ist ein Hauptproblem des Buches, denn es ist einfach absolut vorhersehbar. Schon nach den ersten Seiten ist beinahe alles klar und man hat nur noch wenig Antrieb, um weiterzulesen. So geht viel Potential verloren, denn es ist ja nicht so, dass man aus der Idee an sich nichts hätte machen können. Hätte man die Geschichte nun in eine ganz andere Richtung gelenkt, wäre beispielsweise mehr auf die Ebene des Rassismus gegangen, dann hätte man durchaus viel heraus holen können, doch leider bleibt das aus. Auch der Mix aus Fantasy und Realität gelingt nicht ganz, auch wenn man diesen leichten Hauch Phantastik nicht wirklich als "Fantasy" betiteln kann. Es ist nur ein ganz kleiner Bestandteil des Buches, doch letztendlich macht er viel aus und hat die Geschichte etwas unglaubwürdig gemacht. Am Ende ging doch alles viel zu schnell und zu einfach und das wirkt einfach nicht, weder spannungs- noch gefühlstechnisch. 

Fazit:
In "Solange du schläfst" wurde eine mittelmäßig, altbekannte Idee ebenso mittelmäßig und altbekannt umgesetzt. Viel Potential wurde vertan und zu wenig aus den interessanten Ansätzen herausgeholt, die das Buch unter Umständen hätten gefühlvoller wirken lassen. Die Magie springt hier leider gar nicht über und es ist schwer eine Bindung zu den Figuren und der Umgebung aufzubauen, sodass der Lesespaß nur gering oder zum Ende hin kurz aufkeimt. Man sollte sich nicht von dem schönen Cover in die Irre führen lassen, denn so verschnörkelt und verträumt, wie es wirkt, ist die Geschichte leider nicht. Eine schwache Geschichte, blasse Charakter und eine unglaubwürdige Liebesbeziehung - Keine Leseempfehlung und wenn, dann lediglich für jüngere Mädchen.


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4 Wortmalerei(en)

  1. Oh verdammt, das klingt ja gar nicht gut. Ich hatte sowieso nicht vor, das Buch zu kaufen, aber jetzt muss ich es nicht mal mehr ausleihen. Hm, schade... Dabei sieht das Cover so toll aus.

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  2. Ja, das Cover ist wirklich absolut gelungen, aber das Buch an sich hat mich leider enttäuscht. Das ist natürlich immer Geschmackssache - Ich habe auch schon 5-Sterne-Bewertungen gesehen, aber wenn ich das Buch mit anderen Büchern des Genres vergleiche, dann kann ich dem Buch wirklich keine 3 Sterne mehr geben. Ich fürchte, ich bin einfach zu alt für das Buch oder habe eben einfach schon viel Besseres gelesen :)

    Liebe Grüße,
    Marie

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  3. Kann dir nur voll und ganz zustimmen. Wunderschönes Cover, aber das Buch war sehr schwach.

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  4. Gute Rezi! Ich habe ähnliche Kritikpunkte wie du und konnte mich in die Liebesgeschichte auch nie wirklich einfinden, dafür schritte sie einfach zu rasch voran.Und ich dachte schon, es liegt vielleicht an meinem Alter und könnte eher ein typischer Mädchenroman sein. Ach, ist das schön dich wieder in der Rezensionszunft zu haben. ;)

    LG Reni

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]