Rezension: Zwischen jetzt und immer von Sarah Dessen

9:40:00 PM


Autor: Sarah Dessen
Titel: Zwischen jetzt und immer
Teil einer Reihe? Nein.
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: dtv
ISBN-10: 3791526251 
ISBN-13: 978-3791526256 
Preis: 9,95 € 
Originaltitel: The Truth about forever
Genre: Realitätsbuch; Jugendbuch
Themen: Verlust; Leben; Ängste; Perfektion; Chaos; Selbstfindung
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«Ich glaube nicht, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert», meinte sie schließlich. «Es ist bloß so... ich denke, manche Dinge sollen einfach nicht heil sein. Nicht perfekt, sondern chaotisch, improvisiert. Auf diese Weise sorgt das Universum für Gegensätzlichkeit, für Abwechslung. Auf der Straße müssen ein paar Löcher sein, genau wie im Leben. Weil es so ist.»
[ Zwischen jetzt und immer - Sarah Dessen; S. 130]

Erster Satz:
In ein paar Stunden flog Jason also ab, ins Schlaumeiercamp.

Inhalt:
Nach dem Tod ihres Vaters für den sich Macy die Schuld gibt, versucht sie all ihre Schwächen und Fehler abzulegen und eine völlig perfekte Fassade nach außen zu tragen, die es ihr unmöglich macht, noch einmal derart verletzt zu werden. Sie findet den perfekten Freund, Jason, der ihr zwar die Sicherheit von Wissen und kaltherziger Stärke vermitteln kann, jedoch nicht die Wärme und Zuneigung, die sie eigentlich viel dringender notwendig hat. Auch ihre Mutter kommt mit ihrer Trauer nicht klar und kapselt sich immer mehr ab und steckt alles in die Arbeit, so dass Macy in ihrem perfekt geordneten Leben zwar alles hat, jedoch immer mehr daran kaputt geht. Nachdem Jason sie jedoch verlässt, bricht die letzte Stütze in ihrem Leben ab und um sich von der Trauer zu befreien, nimmt Macy einen Nebenjob bei Wish Catering an, wo nichts so läuft, wie es sollte und Chaos in jeder Lebenslage die Oberhand gewinnt und langsam, aber sicher, auch Macy wieder ins Leben zurück bringt.

Schreibstil:
Sarah Dessen begeistert mit ihrem ehrlichen und realitätsnahen Schreibstil, der derart viel Menschlichkeit und Normalität in sich trägt, dass es dem Leser leicht fällt, sich mit den jeweiligen Figuren zu identifizieren. In vielen ihrer Sätze finden sich Lebensweisheiten und kleine Botschaften, die zum nachdenken anregen und dem Buch eine gewisse Tiefe verleihen. Oftmals schweift Dessen aber zu sehr ab und ihre Beschreibungen sind zu detailreich, wenn man eigentlich nur einen Bruchteil dessen wissen muss, was sie beschreibt. So hat die Geschichte durchaus seine Längen und teilweisefehlt ihr etwas an Spannung und Überraschungsmomenten. Ansonsten weiß Dessen aber mit Worten umzugehen, zwar fehlt noch das gewisse Etwas, irgendeine besondere Note, die dem Ganzen den letzten Schliff verpassen würde, doch Alles in Allem lässt sich sagen, dass die Autorin einfach einen schönen, nicht allzu blumigen Schreibstil an den Tag legt, der tiefgründing ist und dem Leser Identifikationsfreiraum lässt.

Meinung:
Seit Wochen drücke ich mich nun schon vor der Rezension zu diesem Buch, weil ich einfach nicht so richtig mit den Eindrücken umzugehen weiß, die sich mir eröffnet haben. Auf der einen Seite ist dieses Buch wirklich atemberaubend berührend, realistisch und tiefgründig, auf der anderen Seite erinnert es teilweise schon sehr an "Just Listen", einem weiteren Buch von Dessen, und zieht sich an manchen Stellen, wie Kaugummi.

Ich denke, zu der Geschichte muss man nicht mehr allzu viel sagen - sie ist einfach typisch Dessen: jugendlich, realistisch, bewegend und glaubhaft, voller Probleme und Konflikte innerhalb eines jungen Menschen, einer Familie und dem Leben selbst. So lernt man auch die Protagonistin Macy kennen, die keine sonderlich schöne Vergangenheit verzeichnen kann, große Verlust zu beklagen hat und eine Familie, die immer mehr auseinanderbröselt. Um all diese Probleme irgendwie zu kompensieren, versucht sie ihr Leben so geordnet und perfekt wie möglich zu gestalten - hauptsache weit weg von Chaos und Gefühlen. So wirkt Macy distanziert und kühl auf den Leser und es ist schwer irgendwie an sie heran zu kommen, was die Geschichte zwar glaubhafter macht, den Start des Buches aber dennoch holprig.

Allerdings schafft Dessen es, Macys Gefühle derart klar und deutlich an den Leser zu bringen, dass sich aus der anfänglichen Distanz bald Sympathie entwickelt, die jedoch des Öfteren in leichte Aggressionen umschlägt - zumindest habe ich es so empfunden, denn selbst nach der Hälfte des Buches hatte Macy kaum eine Entwicklung durchgemacht und auch sonst ist relativ wenig geschehen. Klar, auch das macht das Buch irgendwo realistischer, aber im Grunde passiert doch immer das Gleiche. Die Geschichte lebt eindeutig durch ihre Charakter, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten und auf ihre Art und jeder für sich einen ganz besonderen Charme haben. So steht jede Figur für sich und ist nicht von einer anderen abhängig. Jeder ist irgendwie interessant, wenn auch einige teilweise ein wenig genervt haben, denn jeder ist auf eine Art merkwürdig.

Besonders interessant war natürlich Wes, der Macys Leben noch mehr durcheinander bringt. So entsteht sehr langsam eine tiefe Freundschaft zwischen den Beiden, die wirklich lange braucht, um insRollen zu kommen. Schön ist hierbei, dass sich die Liebe, die sich offensichtlich aus der Freundschaft entwickelt nicht oberflächlich ist, sondern aus nachvollziehbaren Gründen heranreift und erst einmal akzeptiert werden muss. So muss man zwar lange darauf warten bis überhaupt irgendetwas passiert, aber dennoch hat man das Gefühl etwas ganz Besonderes vor sich zu haben.

Es war auch sehr bewegend mitzuerleben, wie sich nach und nach die Schlösser öffneten und jeder ein bisschen was von seinem Innenleben zeigte, Gefühle losließ und Geheimnisse offenbarte. Alles geschah langsam und bedächtig und mit jeder Seite zog sich der Konflikt ein bisschen mehr zusammen, bis er dem Druck am Ende nicht mehr standhalten konnte. Mit viel Gefühl hat Sarah Dessen es geschafft, eben dieses beklemmende Gefühl auf den Leser zu übertragen und all die ungesagten Worte, die am Ende ausgesprochen wurden, haben die Geschichte nicht kitschig oder überladen wirken lassen, sondern schienen ganz natürlich und notwendig.

Fazit:
Wieder hat Dessen ein faszinieredens Jugendbuch geschrieben, dass den Leser in die Psyche des Menschen entführt und mit auf eine - teilweise zu lange - Reise durch Entwicklung, Chaos, Angst und Akzeptanz nimmt. Mit einzigartigen Figuren, die durch Stärken und Schwächen glaubhaft und realitätsnah werden erzählt Sarah Dessen diese Geschichte und versteckt in vielen Sätze kleine, wahre Botschaften über das Leben, durch die man zum nachdenken angeregt wird. Trotz einiger Längen und der Parallelen zu Just Listen kann ich das Buch denen ans Herz legen, die gerne realistische Geschichten lesen, in denen es um Konflikte geht, die nicht an der Oberfläche kratzen, sondern viel tiefer gehen.


Zum Autor

Sarah Dessen, geboren 1970 in North Carolina, hat mit 26 ihren ersten Roman veröffentlicht und war ein Shootingstar in der amerikanischen Jugendliteraturszene. Nach sieben äußerst erfolgreichen Romanen gehört sie längst zur Top-Liga und ist bei ihren Leserinnen so beliebt, weil sie die Gefühlslage junger Mädchen genau erfasst.

[Quelle? Amazon]





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3 Wortmalerei(en)

  1. Klingt auf jeden Fall interessant, ich habe noch kein Buch von Frau Dessen gelesen. Das Einzige was ich mal von ihr in der hand hatte war "Because of you" aber aus irgendeinem Grund hatte ich es wieder zurück gelegt. Vielleicht werde ich mir ja mal "Zwischen jetzt und immer" zulegen.

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  2. Ihre Bücher hab ich als Jugendliche sehr gerne gelesen :)

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  3. Na, das klingt doch jetzt gar nicht mal so schlecht. Ich werde das Buch auf jeden Fall mal wieder im Auge behalten. Vorher werden erst einmal die anderen Bücher von Frau Dessen gelesen, die schon sehnlicht auf mich warten - ich könnte dringend mal wieder was realistisches gebrauchen. Mit den phantastischen Büchern habe ich derzeit kein Glück! Keines kann mich wirklich fesseln und mir vergeht bald die Lust darauf (irgendwie ist es immer das Gleiche). An meinen jetzigen Büchern hänge ich fest und schmökere lieber in Blogs rum, als in meinen zahlreichen Büchern... Ach ja, schöne Rezis mal wieder. Ich habe sie vermisst. ;)

    LG Reni

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]