Rezension: Heiter bis Himmlisch von Cally Taylor

5:39:00 PM


Autor: Cally Taylor
Titel: Heiter bis Himmlisch
Teil einer Reihe? Nein
Taschenbuchausgabe: 416 Seiten
Verlag: Goldmann
ISBN-10: 3442472326 
ISBN-13: 978-3442472321
Preis: 7, 95€
Originaltitel: Heaven can wait
Genre: Frauenbuch; Unterhaltung; Komödie
Themen: Liebe; Tod; Geister; Verlust; Hilfe; Menschlichkeit
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«Ich fühlte, wie seine Blicke prüfend meinen Po musterten, während ich lässig durch den Raum schlenderte. "Hmm, was haben wir denn da?", gab ich in meiner besten Imitation eines Radiomoderators von mir. Die oben liegenden CDs waren für meinen Geschmack etwas zu sehr Heavy Metal, deswegen ging ich in die Hocke, um die unten einsortierten zu begutachten. Dabei entfuhr mir ein Furz. Es klang wie das triumphierende Trompeten eines Elefanten in der Wildnis, nur noch viel, viel schlimmer. Ich erstarrte. Wenn ich reglos blieb, wäre es vielleicht, als sei nichts geschehen (ach bitte, lieber Gott, mach, dass Dan aus irgendeinem wundersamen Grund nichts gehört hat.). Ich presste die Hände gegen meine blutroten Wangen und sagte, ohne nachzudenken: "Ihr Parkett knarrt aber ganz schön, was?"»
[Cally Taylor - Heiter bis Himmlisch; S. 14f.]

Erster Satz:
Was würden Sie tun, wenn sie glauben, Sie müssten sterben?

Inhalt:
Lucy Brown ist glücklich mit ihrem Verlobten Dan, doch an dem Tag vor ihrer Hochzeit, kommt sie bei einem Unfall ums Leben. Im Limbo - einer Zwischenwelt - hat sie nun die Möglichkeit zwischen Himmel und Erde zu entscheiden. Da fackelt sie natürlich nicht lange, denn als Geist könnte sie wieder bei Dan sein. Doch die Sache hat einen kleinen Haken. Lucy muss - bevor sie ein Geist werden kann - eine Aufgabe erfüllen. Sie muss für Archie - einem schüchternden, unscheinbarem Computerfreak - die Liebe seines Lebens finden. Und dafür hat sie nur 21 Tage Zeit. Als sich ihre beste Freundin dann auch noch an Dan heranmacht, muss sie sich beeilen und tappt dabei immer wieder ins Fettnäpfchen und ins absolute Chaos.

Schreibstil:
Cally Taylor schreibt in einem frischen und flotten Schreibstil, sodass Heiter bis Himmlisch eine leichte Lektüre für zwischendurch ist, die schnell gelesen ist. Nur selten findet man Stellen, die sich ein wenig ziehen, doch im Großen und Ganzen bekommt man hier einen flüssig zu lesenden, sehr unterhaltsamen Schreibstil serviert, der Spaß macht und den Leser das ein oder andere Mal zu schmunzeln zu bringen vermag.

Meinung:
Frauenromane und ich - das ist eine Kombination, die es eigentlich selten bis gar nicht gibt, denn es ist eines der Genre, die ich immer versuche zu vermeiden. Klar, Cecelia Ahern ist selbst an mir nicht vorbei gegangen, aber das ist nochmal eine komplett andere Welt. Ich hatte einfach nie viel für Bücher übrig, in denen es um Shopping, Männer und Tratsch geht. Wahrscheinlich ist das voreingenommen und klischeebelastet, doch die meisten Frauenbücher schrecken mich schon wegen der Titel und/oder Cover ab. Außerdem versuchen die meisten Bücher dieser Art zwanghaft witzig zu sein, was jedoch in vielen Fällen überhaupt nicht funktioniert und für mich einfach einschläfernd und uninteressant ist. Bei "Heiter bis Himmlisch" war es irgendwie anders, was hauptsächlich daran liegt, dass das Buch auch phantastische Elemente beherbergt und irgendwie eine gewisse Frische versprüht.

Das Buch ist witzig und zwar auf die Art und Weise, bei der man zwischendrin auflachen, schmunzeln oder kichern muss. Auf den ersten Seiten gibt es einige Stellen, die wirklich zum wegschmeißen komisch sind, wie beispielsweise die oben zitierte Szene, über welche ich noch immer lachen kann. Allerdings ist dieses Buch nicht nur eine Komödie, denn hauptsächlich behandelt es Lucys Tod, dennoch kommt keine depressive, düstere Stimmung auf, auch wenn es Szenen gab, die mich zu Tränen rührten. Es ist das gut durchdachte Gleichgewicht zwischen Humor und Traurigkeit, was "Heiter bis Himmlisch" so besonders und charmant macht.

Dazu tragen jedoch auch die liebevoll ausgearbeiteten Charakter bei, die stellenweise zwar in Klischees abrutschen, aber deswegen nicht weniger liebenswürdig sind. Vor allen Dingen die lebhafte (wenn auch zu Zeiten des Buchs mehr tote als lebendige) Protagonistin Lucy, die chaotisch und verrückt ist und garantiert kein Fettnäpfchen auslässt, strahlt eine gewisse Wärme aus, die dem Leser direkt ans Herz wächst. Der schüchterne und etwas "nerdige" Archie lebt in einer Welt, die ich zwar nicht nachvollziehen konnte, doch auch seine Art wird dem Leser nach und nach etwas näher gebracht. Auch die vielen Beziehungen und Verbindungen der Charakter kommen gut raus und sind realitätsnah beschrieben. Vor allen Dingen die Entwicklungen der Figuren waren interessant zu beobachten.

Besonders spannend fand ich die Tatsache, dass die Geschichte auch phantastische Elemente birgt und Lucy quasi das ganze Buch über als Zwischenmensch auftrifft. Sie kann essen, trinken, ganz normal leben und mit denen reden, die sie nicht kennen. Sie hat ihre Identität völlig verloren und wenn sie zu einem ihrer ehemaligen Freunde oder gar zu Dan gehen würde, würde sie nicht von diesen erkannt werden. So hat es doch einige Haken, dass sie erst Archie verkuppeln muss, was auch viel schwieriger als gedacht ist, denn in dem Fall ist Lucy oft oberflächlich. Auch sonst geht das Buch nur selten in die Tiefe, obwohl einige Szenen, in denen Lucy um Dan trauert und umgekehrt, sowie die Probleme mancher Charakter doch sehr viel in dieser Hinsicht herumgerissen haben. An manchen Stellen hat sich das Buch dann auch etwas gezogen, doch das macht nur ein Minimum der Geschichte aus und macht diese nicht schlechter.

Das Ende kam unerwartet und heftig und obwohl es manchen womöglich nicht so gut vorkommen mag, hat es mich berührt und irgendwie war ich am Ende glücklich und konnte das Buch guten Gewissens zur Seite legen.

Fazit:
Wer sich bisher noch nie so richtig mit Frauenromanen anfreunden konnte, sollte "Heiter bis Himmlisch" eine Chance geben. Zwar wird hier nicht das Rad neu erfunden, doch Cally Taylor schafft es mit einem lockeren Schreibstil, einer erfrischenden, peinlichen Protagonistin, viel Wärme und Humor eine Geschichte zu schreiben, die Spaß macht und gleichzeitig berührt. Eine kurzweilige Lektüre, die zwar größtenteils oberflächlich bleibt, aber Unterhaltung pur bietet.



Zum Autor

Cally Taylor wurde im englischen Worcester geboren und wuchs in Brighton auf. Mit 8 Jahren schrieb sie ihre erste Kurzgeschichte, bekam aber vom Verlag eine Absage.Dies hielt sie jedoch nicht vom Schreiben ab. Während des Studiums belegte sie einen Kurs in Kreativem Schreiben und gewann für ihre Kurzgeschichten zahlreiche Preise. "Heiter bis himmlisch" wurde 2009, ca. 25 Jahre nach ihrem ersten Versuch, zum Bestseller. Cally Taylor lebt in Brighton. [Lovelybooks]


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2 Wortmalerei(en)

  1. Eine wunderschöne Rezension; es macht fast mehr Spaß, diese zu lesen, als das Buch selbst (zumindest gehe ich davon aus, nachdem ich schon einige deiner Rezensionen gelesen habe ;) ). Die Wahl des Zitates ist einfach fantastisch, ich finde es überaus sympathisch, dass du diese Stelle ausgesucht hast und sie auch genauso lustig fandest, wie ich selbst, als ich sie hier gelesen habe. Auch ich habe bisher Abstand von "Frauenromanen" gehalten, doch jetzt werde ich langsam unsicher, ob ich diese Einstellung nicht doch ein wenig ändern sollte. Mach bitte weiter so, Gruß, Erster

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  2. Also ich liebe ja Frauenromane. Die lesen sich immer so leicht und locker :) Klar es gibt auch schlechte, aber ich habe bis jetzt irgendwie noch keinen schlechten Frauenroman erwischt. Lese zur Zeit "Die Mütter-Mafia" von kerstin Gier und bis jetzt ist es super! Richtig lustig :D
    Hast einen tollen Blog!
    Liebste Grüße
    Corinna :)

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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