Rezension: Bis das Feuer die Nacht erhellt von Becca Fitzpatrick

5:15:00 PM


Autor: Becca Fitzpatrick
Titel: Bis das Feuer die Nacht erhellt
Teil einer Reihe? 2. Teil einer Reihe
Broschierte Ausgabe: 410 Seiten
Verlag: Page & Turner
ISBN-10: 3442203902 
ISBN-13: 978-3442203901
Preis: 16,99€
Originaltitel: Crescendo
Genre: Urban Fantasy; Romantasy; Jugendbuch
Themen: Engel; Verrat; Schutzengel; Trennung; Rätsel; Verfolgung
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 «Ich konnte nicht einmal daran denken, was sie ihm antun würden, ohne das Gefühl zu bekommen, in Eis eingesperrt zu sein, kalt vor Angst und eingefroren im blanken Schrecken. Patch hatte mir nie gesagt, wie die Hölle war. Aber er wusste es. Und die Tatsache, dass er mir nicht davon erzählte, zeichnete ein sehr lebendiges, trostloses Bild. Ich hielt den Blick auf das Wohnzimmer gerichtet. "Ich habe Scott ein Glas Wasser versprochen." "Du verbringst eine Menge Zeit mit einem Typen, den ich als ziemlich finster bezeichnen würde. Und wenn man meine Maßstäbe so bedenkt, dann ist das ein Titel, den man von mir nicht so leicht bekommt" " Muss man ein dunkler Prinz sein, um einen anderen zu erkennen?" "Es freut mich, dass du dir deinen Sinn für Humor bewahrt hast, aber ich meine es ernst. Sei vorsichtig."»
[Becca Fitzpatrick - Bis das Feuer die Nacht erhellt; S. 253 f.]

Erster Satz: 
Die Zweige des Stechapfelbaums kratzten an der Fensterscheibe hinter Harrison Grey.

Inhalt:

Nora ist endlich mit ihrem Patch zusammen, der nun ihr Schutzengel ist, doch neben all ihren Liebesbekundungen, wirkt er distanziert und zieht sich zurück. Als wäre das noch nicht genug, scheint er ein ungesundes Interesse an Noras Erzfeindin Marcie zu entwickeln. Nora trennt sich schließlich von Patch, obwohl ihr dieser dennoch öfters über den Weg läuft, als ihr lieb ist. Nebenbei lernt sie den geheimnisvollen Scott, einen Freund aus ihrer Kindheit, erneut kennen und während sie spürt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, holt sie auch ihre Vergangenheit wieder ein, denn Nora träumt von ihrem Vater, der vor langer Zeit auf mysteriöse Weise ums Leben kam, und hat einige merkwürdige Erscheinungen. Wieder scheint ihr jemand nach dem Leben zu trachten und irgendwie wird Nora den Verdacht nicht los, dass Patch etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun haben könnte. Auf der Suche nach Antworten wird sie immer tiefer in einen Strudel von Ereignissen gesogen und nach und nach offenbaren sich ihr Wahrheiten und Geheimnisse, die sie am liebsten nie erfahren hätte.

Schreibstil:
Wie bereits in "Engel der Nacht" überzeugt Becca Fitzpatrick mit einem einfach gehaltenen Schreibstil, der vor Bildhaftigkeit nur so strotzt. Der Leser kann sich alles sehr detailliert vorstellen und versinkt deswegen geradezu in der Geschichte. Man hat dieses Gefühl, als würde man die Straßen und Häuser von Maine kennen und auch die Menschen wirken greifbar und dreidimensional. Abermals schafft Fitzpatrick eine atmosphärisch dichte Geschichte zu schreiben, die den Leser mitzureißen vermag.

Meinung:
Viele Reihen und Trilogien haben es so an sich, dass der zweite Teil meistens nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist. Oft wirkt die Geschichte wie ein Lückenfüller oder riecht nach Geldmacherei. Den Eindruck hatte ich bei "Bis das Feuer die Nacht erhellt" zwar nicht, jedoch hatte ich mehrmals das Gefühl, dass die Autorin viel zu viel auf einmal in ein Buch quetschen wollte, wobei es an manchen Stellen getrost hätte gekürzt werden können. Ich muss sagen, dass ich dem Buch eher zwiegespalten gegenüberstehe, denn obwohl es mich auf der einen Seite sehr fesseln konnte, hatte es nicht den unwiderstehlichen, unnachahmlichen Charme des ersten Teils.

"Bis das Feuer die Nacht erhellt" ist auf jeden Fall anders, als noch der erste Teil. Die Geschichte beginnt rasant und man wird direkt unvorbereitet ins Geschehen geworfen. Schon auf den ersten Seiten bekommt man die erwartete Trennung von Nora und Patch serviert, was mich doch etwas ernüchtert hat, da ich hoffte, mehr über die Beziehung der Beiden zu erfahren. Außerdem hatte ich so ein leichtes Twilight-Déjà-Vu, auch wenn man die Reihe um Patch und Nora garantiert nicht damit vergleichen kann, jedoch kam mir das Schema bekannt vor: Im ersten Buch versuchen sie, sich zu kriegen und im zweiten Buch haben sie sich und trennen sich auf Grund äußerer Einflüsse. Allerdings war das Ganze um Längen nicht so melodramatisch gestaltet, wie in Twilight, denn die Trennung und die Beziehung die die Beiden immer noch zueinander haben, wirkt trotz Allem realistisch und wie aus dem Leben gegriffen.

Noras Gefühle werden einfach sehr gut dargestellt und man kann sich immer in ihre Lage hineinversetzen, auch wenn sie manchmal etwas sehr übertrieben zickig und übertrieben reagiert. Ich denke, als Außenstehender ist es immer leicht so etwas zu beurteilen, aber wenn ich mich mal in ihre Situation versetze, könnte ich mir vorstellen, dass ich teils ähnlich reagieren würde. Man erfährt auch sehr viel mehr von Nora als im ersten Band und das macht sie auf der einen Seite sehr sympathisch und auf der anderen Seite stehe ich auch ihr etwas zwiegespalten gegenüber. Sehr gefallen hat mir ihre Kämpfernatur, die sie dazu bringt, nicht aufzugeben und die Geheimnisse hervorzukramen, die Patch und weitere Charaktere vor ihr geheim halten. Sie fühlt sich hintergangen und möchte nicht mehr im Dunkeln tappen. Für mich hat sie das zu einem sehr starken Charakter gemacht. Andererseits war sie doch oft etwas melodramatisch, was die Beziehung zu Patch angeht, obwohl ich es sehr positiv fand, dass sie ihren Stolz aufrechterhält und ihm nicht hinterherdackelt, wie ein Hündchen. Außerdem klebt sie nach Außen hin nicht so sehr an ihm, wie manch anderer Charakter - sie denkt sich zwar ihren Teil, doch sie ist auch auf ihr eigenes Leben und ihre Zukunft fixiert.

Patch hingegen bleibt abermals sehr im Dunkeln, zumal er in "Bis das Feuer die Nacht erhellt" ohnehin nur als Randfigur auftaucht. Es wird zwar viel über ihn geredet, doch er selbst taucht nur in wenigen Szenen im Geschehen auf und bleibt auch nur wenige Seiten. Das war auf der einen Seite enttäuschend, da er einfach einer meiner Lieblingscharakter ist, auf der anderen Seite jedoch natürlich auch notwendig. Trotz der wenigen Informationen - oder womöglich gerade deswegen - bleibt er eine interessante Persönlichkeit, die ihre düstere Aura bewahrt hat und die ebenso stark wirkt, wie schon im ersten Teil - auch wenn dort noch mehr das Geheimnisvolle und Unbekannte mit eingespielt hat. Auch die anderen Charakter haben mir relativ gut gefallen - vor allen Dingen Vee wurde mir seltsamerweise wieder sympathischer. In den meisten Rezensionen lese ich, dass sie als nervig und unsympathisch bewertet wird, aber meiner Meinung nach lockert sie das Geschehen immer sehr gut auf und bringt viel Schwung und Humor in die Geschichte. Außerdem ist sie ehrlich und direkt, was ich einfach sehr schätze. Trotz der Trennung sind auch die Dialoge zwischen Nora und Patch wieder sehr energiegeladen und leidenschaftlich. Auch die öfters aufkeimende Ironie und das ständige Kontern zieht sich durch die Passagen mit Patch und machen Spaß beim Lesen.

Ich muss sagen, dass ich zu Beginn des Buches nicht wirklich einen roten Faden erkennen konnte. Teilweise kam es mir so vor, als würde einfach ständig nur etwas passieren und man würde von einer Situation in die nächste rutschen, sodass man gar nicht mehr so genau weiß, wohin das nun alles führen soll. Den Leser in die Irre zu führe ist unter Umständen natürlich sehr spannend, doch man sollte schon einen gewissen Weg erkennen können und das fiel mir zum Teil sehr schwer, da sich immer mehr Fragen und Rätsel angehäuft haben, die ich nach einiger Zeit wieder vergessen hatte und die später wieder relevant wurden. Dennoch wirkte das ständige Hin und Her und Noras Zweifel sehr stark auf den Leser, der nach einiger Zeit gar nicht mehr weiß, wem er trauen kann, ständig Angst hat, dass irgendetwas geschehen wird und hinter jedem Baum ein Verbrechen vermutet hat. Im letzten Drittel des Buches wird dann alles auf einmal aufgelöst und das kam dann doch sehr plötzlich und ging viel zu schnell. Nachdem so lange auf diesen Klimax hingearbeitet wurde, hätte ich mir irgendwie eine ausführlichere Erklärung gewünscht. Allerdings soll das nicht heißen, dass mich das Ende ernüchtert oder mich emotional nicht gepackt hätte - ganz im Gegenteil: Die spannungsgeladene Stimmung, die Fitzpatrick mit der ersten Seite aufbaut, fällt endlich in sich zusammen und die Lösung war für mich unvorhersehbar und sehr gut durchdacht. Ich war überrascht, wie logisch sich letztendlich alles erklären ließ, wo ich anfangs derart im Dunkeln getappt bin.


Fazit:

Als spannungsgeladenes, irreführendes Urban-Fantasyabenteuer, sollte man "Bis das Feuer die Nacht erhellt" nicht verpassen, denn auch wenn der Charme aus dem ersten Teil auf der Strecke bleibt, so schafft Fitzpatrick doch abermals ein Buch voll von düsterer Atmosphäre und einer Spannungskurve, die es in sich hat. Greifbar, humorvoll und teilweise etwas zu rasant geht man mit Nora abermals auf eine Jagd nach Antworten, mit denen man nicht gerechnet hätte. Ich empfinde "Bis das Feuer die Nacht erhellt" zwar nicht unbedingt als MUSS, da er etwas schwächer ist als sein Vorgänger und dieser getrost auch hätte alleine stehen können, doch letztendlich habe ich einige unterhaltsame Stunden mit dem Buch verbracht.



Herzlichen Dank für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares an

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1 Wortmalerei(en)

  1. ich muss dir ja leider sagen das teil 3 noch schwächer ist :( ich hab ja bisher alle teile durch die beiden letzten auf englisch ;D

    lg july

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]