Rezension: Der Todeskünstler von Cody McFadyen

4:52:00 PM


Autor: Cody McFadyen
Titel: Der Todeskünstler
Teil einer Reihe? 2. Teil der Smoky-Barrett-Reihe
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-10: 3785723024 
ISBN-13: 978-3785723029
Preis: 19, 95€
Originaltitel: Face Of Death
Genre: Thriller; Psychothriller
Themen: Rache; Mord; zerstörtes Leben; Menschenhandel; Missbrauch; Wahnsinn
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«Es regnet schon wieder, und das ist okay so, weil es in meinem Inneren ebenfalls regnet. Es ist kein starker Regen, nur ein leichtes beständiges Nieseln. Es gehört zu meinem Job, sinniere ich. Das Wetter in dir drin. Zuhause und Familie ist Sonnenschein, die meiste Zeit. Die Arbeit ist fast immer Regen. Manchmal kommen Blitze und Donner hinzu, manchmal ist es nur ein Nieseln, aber es ist immer Regen.»
[Der Todeskünstler - Cody McFadyen; S.411]

Erster Satz:
Ich träume vom Angesicht des Todes.

Inhalt:
Als die sechzehnjährige Sarah verstört in einem Haus mit drei Leichen, die brutal zugerichtet sind, aufgefunden wird, bleibt nur ein Schluss: Sarah ist die Mörderin. Doch das Mädchen will unbedingt, dass Smoky Barrett ihr Tagebuch liest, in dem sie von einem Künstler berichtet, der sie seit ihrer Kindheit quält und als sein Kunstwerk ansieht, welches er "ein zerstörtes Leben" nennt. Er hat ihre Eltern brutal ermordet und tötet jeden, den sie liebt. Smoky und ihr Team versuchen alles, um den Mörder zu fassen, denn es steht nicht nur ein Leben auf dem Spiel. Bald stößt das FBI auf seine Grenzen und muss hinter eine Fassade voller Schmerz, Blut und Gewalt blicken, um den Künstler zu identifizieren.

Schreibstil:
Auch im Todeskünstler fesselt McFadyen mit seinem klaren Schreibstil, der sich leicht und schnell lesen lässt, jedoch trotzdem eine gewisse Tiefe aufweist. Mit detaillierten Beschreibungen schafft er eine genaue Vorstellung der Tatsachen und verliert sich dennoch nicht in zu vielen Informationen.

Meinung:
Es gibt diese Dinge im Leben, die einen gleichzeitig ekeln und anziehen. Die durch ihre Grausamkeit dennoch oder womöglich gerade deswegen eine gewisse magische Kraft entwickeln, der man sich nur sehr schwer entziehen kann. Für mich gehört die Art und Weise, wie Cody McFadyen schreibt und beschreibt definitiv dazu. Nachdem mich also seine Blutlinie eher zwiegespalten zurückgelassen hat, musste ich einfach direkt danach auch den Todeskünstler kennenlernen, um herauszufinden, wie sich Smoky Barrett und ihr Team weiterentwickeln, ob die Grausamkeit der Blutlinie noch gesteigert werden kann und generell war ich sehr neugierig, wie sich einige Beziehungen noch entwickeln werden würden.

Nach der Lektüre kann ich nun ehrlich behaupten: Ja, die Grausamkeit kann gesteigert werden und ja, die Geschichte kann mich emotional mehr packen und ja, die Charakter fangen - sehr langsam zwar - an sich weiter zu entwickeln. Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass es nicht unbedingt klug war, den Todeskünstler direkt nach dem ersten Teil zu lesen, weil ich nach einiger Zeit gemerkt habe, dass ich ein bisschen zu viel Smoky Barrett intus hatte und ich einfach etwas Abwechslung brauchte. Ganz abgesehen davon hatte ich aber sehr viel Spaß mit der Geschichte, die sich ebenso einfach und flüssig lesen lässt, wie sein Vorgänger. Wieder wird man in einen Mordfall hineingezogen, der dieses Mal jedoch nicht ganz so persönlich ist, wie im ersten Teil. Allerdings bedeutet das nicht, dass er dem Leser nicht nahe geht - ganz im Gegenteil. Emotional hat er mich noch mehr berührt als der Jack-the-Ripper-Fall aus dem ersten Buch.

Auch in "Der Todeskünstler" lernt der Leser neue Gesichter kennen. So wird er direkt zu Beginn des Buches mit der sechzehnjährigen Sarah konfrontiert, die in einem Haus mit drei Leichen aufgefunden wird. Ihre Geschichte wird nach und nach in Form ihres Tagebuches erzählt, welches wie ein eigenes Buch aufgebaut ist, sodass man quasi zwei Geschichten parallel verfolgen kann: Einmal die Gegenwart, in der Smoky Barrett und ihr Team versuchen, den Fall um Sarah zu lösen und einmal die Vergangenheit, in der Sarah von ihrem Leben mit dem Todeskünstler erzählt. Der Fall und Sarahs Lebensgeschichte sind sehr grausam und schocken den Leser immer wieder, auch wenn hier teilweise das Grauen schwerer wiegt als die Spannung. Allerdings versteht McFadyden es, den Leser emotional aufzuwühlen und die kleine Sarah in sein Herz zu schließen, denn was sie durchlebt ist nichts für schwache Nerven. Es gelingt dem Autor, dem Leser Sarahs Gefühle näher zu bringen, sodass man ihr Leiden wenn schon nicht nachempfinden, dann doch zumindest erahnen kann.

Wie auch im Vorgänger fallen die perfekten, teilweise schon übermenschlichen Charakter auf, die nur in wenigen Fällen eine Entwicklung durchmachen und immer wieder in altbekannte Klischees zurückfallen. Was mir jedoch sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass sich Callie von einer anderen Seite zeigt und neben ihrer vermeintlichen Perfektion einige Schwächen auftreten, die sie irgendwie menschlicher und greifbarer machen. Auffällig blieb, dass Dialoge und Charaktere sehr "amerikanisch" wirkten und oft feierlich und in gewisser Art und Weise "groß" beschrieben werden. So haben mich auch einige Reaktionen sehr erstaunt, wie beispielsweise das scheinbar unendliche Aushaltevermögen von Sarah, die im ihrem Leben nur sehr wenig Wärme erfahren durfte und diese sofort wieder verloren hat, wenn sie gerade dabei war, sich daran zu gewöhnen. Es fällt schwer zu glauben, dass jemand, der so viel Leid erlitten hat, noch so klar bei Verstand sein kann.

Die Aufklärung des Falles empfand ich als um einiges spannender und rasanter als noch im Vorgänger, da es mir diesmal wirklich unklar war, wer hinter der Maske des Todeskünstlers stecken mag. Ich hatte einige Vermutungen, die sich letzten Endes jedoch als falsch erwiesen haben. Auchhier gelingt die Verbindung zwischen vergangenen Fällen und Gegenwart wieder sehr gut und zieht den Leser in die grausame, blutige Welt einer FBI-Agentin. Besonders berührend, wenn auch stellenweise etwas kitschig - was das Buch aber letztendlich auch einmal braucht - fand ich das Ende, welches Hoffnung gibt und mich zum weinen brachte.

Fazit:
Wer schon die Blutlinie mochte, wird auch um den Todeskünstler nicht herumkommen, auch wenn man ihn nicht direkt danach lesen sollte. Mit einer grausamen, spannenden und emotional aufwühlenden Geschichte wird der Leser in den Bann gezogen und kann das Buch kaum noch aus der Hand legen, sodass die knapp 600 Seiten ab einem bestimmten Punkt nur noch so dahinfliegen. Die Schwächen aus dem ersten Teil bleiben zwar erhalten, dennoch lassen sich einige Steigerungen erkennen. Sehr unterhaltsam und lesenswert.


Die Smoky-Barrett-Reihe

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2 Wortmalerei(en)

  1. Du scheinst ja langsam auf den Thriller Geschmack zu kommen. :)

    Klingt schon irgendwie sehr blutig/schaurig. Toll umschrieben!
    Meine Kolleginnen sind ja begeisterte Thriller-Leser ... ich nicht mehr. Meine letzte waren, glaube ich, Cupido und Morpheus von Jilliane Hoffman. Sehr spannend und gut geschrieben. Aber langsam mag ich keine Serienkiller mehr. Ich bin mal gespannt, was du da als nächstes aus dem Regal gräbst. ;)

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  2. @ Reni:
    Ich habe das Buch schon gelesen und es ist irgendwie nicht so der typische Serienkiller, finde ich. Mehr kann ich dazu so nicht sagen.
    Insgesamt ist das Buch von der Grundidee anders als die typischen Serienkiller-Thriller.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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