Rezension: Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs

4:22:00 PM


Autor: Ransom Riggs
Titel: Die Insel der besonderen Kinder
Teil einer Reihe?
Ja
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: PAN 
ISBN-10: 3426283689 
ISBN-13: 978-3426283684
Preis: 16,99€
Originaltitel: Miss Peregrine's Home for Peculiar Children
Genre: Urban Fantasy; Mystery; Jugendfantasy
Themen: besondere Kinder; Zeit; Zweiter Weltkrieg; Monster; Geheimnisse; Verlust
Kaufen?

«Ich lief nicht weit, spazierte nur gemächlich um den Garten herum und betrachtete den Himmel, der jetzt klar war und an dem Millionen Sterne funkelten. Sterne waren [...] Zeitreisende. Wie viele dieser uralten Lichtpunkte waren wohl der letzte Nachhall längst vergangener Sonnen? Wie viele waren bereits geboren, aber ihr Licht war noch nicht bei uns eingetroffen? Wenn alle Sonnen außer unserer heute Nacht erloschen, wie viele Menschenalter würde es dauern, bis wir merkten, dass wir allein waren? Ich hatte immer gewusst, dass der Himmel voller Geheimnisse steckt - bisher hatte ich jedoch nicht geahnt, wie viele es erst auf der Erde gab.» 
[aus Ransom Riggs - Die Insel der besonderen Kinder; S. 398f]

Erster Satz:
Gerade als ich mich an den Gedanken zu gewöhnen begann, dass dieses Leben keine großen Abenteuer für mich bereithalten würde, geschah etwas Seltsames.

Inhalt:
Manche Kinder bekommen Märchen erzählt - Jacob nicht. Seit er klein ist, erzählt ihm sein Großvater Abraham Geschichten über besondere Kinder, die unsichtbar, unglaublich stark oder Feuer mit ihren bloßen Händen entfachen können, und Monster, die diese jagen. Dabei bleibt es nicht bei Erzählungen, denn sein Großvater hat auch einige Fotos von den Kindern, mit welchen er vor einigen Jahren in einem großen Haus auf einer walisischen Insel zusammenlebte. Als Jacob größer wird, werden die Geschichten für ihn immer unglaubwürdiger und er stempelt sie als Kriegsverarbeitung seines Großvaters ab. Als dieser jedoch in einer Nacht tot im Wald aufgefunden wird und Jacob zwischen den Bäumen eine unheimliche, monsterartige Gestalt ausmacht, beginnt er zu zweifeln. Auf der Jagd nach den Rätseln von Abraham stößt er auf ein uraltes Geheimnis, von welchem er ein Teil ist.

Schreibstil:
Ransom Riggs schreibt in einem sehr flüssig lesbarem Stil, dem es aber trotzdem nicht an Niveau und Tiefe fehlt. Das Buch lässt sich schnell und leicht lesen, sodass nur selten Langeweile aufkommt. Es ist dennoch nicht als rasant zu beschreiben, jedoch gelingt es Riggs eine gewisse Neugierde im Leser zu entflammen, die bewirkt, dass man unbedingt wissen möchte, was aus welchem Grund geschieht. An manchen Stellen schafft Riggs außerdem eine magische Atmosphäre, von der ich mir dennoch etwas mehr versprochen habe.

Aufmachung/Gestaltung:
Normalerweise nenne ich diesen Unterpunkt in meinem Rezensionen nicht, da es meist nicht viel zu sagen gibt oder ich es aber in meiner Meinung unterbringe. In dem Fall der "Insel der besonderen Kinder" ist dieser Unterpunkt jedoch beinahe schon nötig, denn die Geschichte baut quasi auf der inneren Gestaltung des Buches auf - Außerdem war die Gestaltung ebenfalls ein Kaufgrund für mich. Neben den schön gestalteten Kapitelseiten, die in einem braunen Muster gehalten sind, finden sich in dem Buch nämlich ganz besondere Fotos und Bilder wieder, die die Geschichte unterstützen und ihr eine greifbare und gruselige Atmosphäre geben. Die Fotos sind laut dem Autor bis auf wenige Ausnahme authentisch, was dem Ganzen eine schaurige Stimmung verleiht. Durch die Fotos wirkt die Geschichte stellenweise beinahe schon real und man kann sich alles sehr gut vorstellen, allerdings merkt man oft, dass die Geschichte zu den Bildern geschrieben worden, da die Beschreibungen manchmal sehr kurz und abgehackt sind, wodurch es so wirkt, als wären die Bilder eigentlich das Beste des Buches. Im Großen und Ganzen aber eine wirklich gute Idee, die den Leser mehr in die Geschichte einbezieht und viel Spaß beim Lesen bereitet.

Meinung:
Es gibt diese Bücher, die vom ersten Moment an eine gewisse Magie ausüben; Bücher mit schönen, außergewöhnlichen Covern und einer bemerkenswerten Gestaltung. Es sind Bücher, die eine Geschichte erzählen wollen, die mit einem spannenden Klappentext locken und durch eine ansprechende Leseprobe fesseln. "Die Insel der besonderen Kinder" ist für mich, allein schon der Aufmachung wegen, ein solches Buch gewesen, noch bevor ich es überhaupt im Regal stehen - geschweige denn, es gelesen - hatte. Leider haben solche Bücher oft die Eigenschaft letztendlich doch nicht so magisch zu sein, wie sie den Anschein erwecken und leider hat auch "Die Insel der besonderen Kinder" meine Erwartungen nicht vollständig erfüllen können.

Vorerst sei gesagt, dass die Idee, die hinter dieser phantastischen Geschichte steckt, sehr originell und wenn auch nicht unbedingt eine Weltneuheit, dann doch zumindest frischer Wind in der Jugendfantasy ist. Zwar ist die Hauptthematik keine vollkommen neue Idee, jedoch habe ich zuvor noch kein Buch dieser Art gelesen, was es einfach erfrischend und geheimnisvoll gemacht hat. Ich möchte in dieser Rezension gar nicht einmal so sehr auf das Geheimnis eingehen, dass dieses Buch hinter seinen Deckeln bereit hält, da ich denke, dass es schöner ist, dies selber herauszufinden und ich sonst auch einen Großteil der Geschichte spoilern würde.

Was für mich einen Großteil der "Magie" des Buches ausgemacht hat, ist die geheimnisvolle, beinahe schon mystische Atmosphäre, die sich durch die gesamte Geschichte zieht und dann und wann ins Düstere und Unheimliche abrutscht, was das Buch zu etwas ganz Besonderem macht. Ein holpriger Anstieg der Spannungskurve ist hier sehr deutlich zu spüren, denn wo das Buch erst aufregend beginnt, verliert es nach einer Zeit etwas an der Spannung und nimmt dann ungefähr ab der Mitte wieder Fahrt auf. So ist es jedoch auf den ersten Seite etwas schwieriger dabei zu bleiben, da ich nach dem wirklich vielversprechendem Start, der mir eine Gänsehaut bereitet hat, einfach sehr viel mehr und eine konstante Spannungskurve erwartet habe. Nach diesem plätschert die Geschichte eine Weile dahin und während Jacob versucht sein traumatisches Erlebnis bei einem Therapeuten zu verarbeiten, verspürt der Leser doch das ein oder andere Mal den Wunsch, einfach ein bisschen vorzublättern. Hier hätte man durchaus mehr herausholen können, um die Spannung aufrecht zu erhalten.

Auf der Insel angekommen wird das Ganze dann wieder ein wenig interessanter, denn diese wirkt unheimlich, zivilasationsfern und geheimnisvoll auf den Leser. Auch als Jacob das Haus entdeckt, geschehen einige seltsame Ereignisse, die neugierig machen. Nach und nach wird das Netz der Geheimnisse enger um Jacob und auch um den Leser gelegt und bald findet man heraus, was mit den besonderen Kinder geschehen ist, ob diese wirklich so besonders sind, wie Jacob's Großvater immer behauptete und ob diese überhaupt (noch) existieren. Dabei wird man von einem Gefühl begleitet, was man hat, wenn man uralte, verstaubte Fotoalben oder Tagebücher aufschlägt und durchblättert. Es fühlt sich merkwürdig an, als würde man in eine andere Zeit versetzt werden (*SPOILER* und das wird man ja auch! *SPOILER*) und vielleicht auch, als würde man etwas Verbotenes tun.

Währenddessen lernt man auch die Charakter näher kennen, wobei eigentlich so gut wie alle relativ blass und eindimensional bleiben. Lediglich Jacob und Emilia, die etwas später im Buch auftaucht, waren für mich wirklich interessant und haben eigenwillige, selbstständige Charakterzüge an den Tag gelegt. Jacob habe ich als einen sehr tiefgründigen Charakter empfunden, der seinen Platz in der Welt finden muss und nebenbei noch sehr viel Ironie und einen eigenen Humor in die Geschichte einbringt, sodass es durchaus auch etwas zum Schmunzeln gab. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl, dass er alles ein wenig zu schnell und leicht glaubt, was ihm geschieht und was er erfährt, sodass die Geschichte an manchen Stellen unglaubwürdig wirkte. Die besonderen Kinder waren, bis auf einige, wenige Ausnahmen sehr blass und bis auf die besonderen Gaben hat man nicht sonderlich viel über sie erfahren, obwohl es in manchen Fällen angebracht gewesen wäre, etwas über deren Vergangenheit zu erfahren. Da es sich bei "Die Insel der besonderen Kinder" jedoch um den ersten Teil einer Reihe handelt, gehe ich davon aus, dass man in den Folgebänden einiges mehr über die Kinder in Erfahrung bringen wird. Kaum erwähnenswert waren die Eltern, die nicht nur blass waren, sondern auch voller Klischees und Stereotypen steckten, was sie zeitweise sogar unsympathisch machte. Im Gegensatz dazu hätte ich gerne mehr über Abraham, Jacobs Großvater, erfahren, der mir von Anfang an sympathisch war, aber leider viel zu schnell von der Bildfläche verschwindet.

Die, in die Geschichte eingewobenen, Bilder, die sich auf vielen Seiten finden lassen und die Geschichte quasi noch einmal bildlich erzählt, haben zweierlei Wirkung auf den Leser: 1. Machen sie die Geschichte etwas greifbarer und verursachen eine schaurige, unheimliche Atmosphäre, die mehr Lesespaß garantiert, jedoch wirken sie auch 2. teilweise etwas störend. Es ist nämlich meiner Meinung nach sehr auffällig, dass die Bilder zuerst da waren und aus ihnen die Geschichte geformt wurde. So wirken einige Passagen abgehackt und wie nachträglich hinzugefügt, was den Lesefluss teilweise etwas gestört hat und mich auch nach einiger Zeit ein wenig genervt hat. Im Großen und Ganzen empfinde ich die Aufmachung jedoch als großen Pluspunkt, die zwar, wie erwähnt, manchmal stört, jedoch das Leseerlebnis einfach verstärkt.

Fazit:
Zusammenfassend kann man sagen, dass "Die Insel der besonderen Kinder" ein eher ernüchternder Auftakt einer neuen Fantasyreihe für Jugendliche ist, die mehr verspricht, als sie letztendlich halten kann. Zwar winkt das Buch mit einer originellen Idee, die unglaublich viel Potenzial an den Tag legt, jedoch hat es mich einfach nicht so sehr mitgerissen und gefesselt, wie ich es mir erhofft hatte. Mit eher blassen Charaktern, aber einem schönen, magischen Schreibstil erlebt man mit Jacob das Abenteuer seines Lebens und muss oft darüber nachdenken, was Einbildung und was Realität ist.


Trailer zum Buch



Zum Autor

Schon gelesen?

2 Wortmalerei(en)

  1. Das Cover der englischen Ausgabe ist auch gut gelungen!

    Liebe Grüße,
    papillionis

    ReplyDelete
  2. Wie heist denn der 2. Teil ? Bis jetzt weis ich noch nix. ...

    ReplyDelete

Lasst mir eure Wortmalereien hier!

Powered by Blogger.

Die Wortmalerin

My photo
Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

Leser

Momentaufnahmen