Rezension: Amy on the summer road von Morgan Matson

5:54:00 PM


Autor: Morgan Matson
Titel: Amy on the summer road
Teil einer Reihe? Nein 
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
Verlag: cbj
ISBN-13: 978-3570401323
Preis: 8,99€
Originaltitel: Amy & Roger's Epic Detour
Genre: Jugendbuch; Realität; Romance
Themen: Road Trip; Verlust; Liebe; Schuld; Selbstfindung; Trauerverarbeitung; Loslassen; Trennung
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«Die größten Entdeckungen wurden von denen gemacht, die gar nicht danach gesucht hatten. Kolumbus und Amerika. Pinzón, der eigentlich auf der Suche nach Westindien war und dabei zufällig auf Brasilien gestoßen ist. Stanley, der mal eben bei den Victoriafällen vorbeikam. Und du. Amy Curry, als ich am allerwenigsten mit ihr gerechnet hatte.»
 [aus "Amy on the summer road" von Morgan Matson; S. 466]

 
Ich saß auf der Eingangstreppe unseres Hauses und sah zu, wie der beigefarbene Subaru Kombi zu schnell in unsere Sackgasse gefahren kam.

 
Seit dem tödlichen Autounfall ihers Vaters fährt Amy Curry kein Auto mehr, was zum Problem wird, als ihre Mutter umzieht und Amy das Auto von Kalifornien nach Connecticut bringen soll. Ihre Mutter plant eine Reiseroute und schickt Amy mit ihrem Kindergartenfreund Roger, der natürlich fahren soll und an den sich Amy nicht mehr erinnern kann, auf die Reise. Doch die Route ihrer Mutter entpuppt sich als absolut langweilig, sodass Amy und Roger kurzerhand ihren eigenen Roadtrip planen und quer durch Amerika fahren, wobei sich die beiden nicht nur ihren größten Ängsten stellen müssen, sondern sich gleichzeitig auch näher kommen.

 
Mit einem einfachen Schreibstil, der keine besonderen Schnörkel enthält, erkundet man gemeinsam mit Amy und Roger die vereinigten Staaten. Morgan Matson schafft es präzise Gefühle, Landschaften und Städte zu beschreiben, sodass diese greifbar und bildhaft wirken, allerdings hätte ich mir dann und wann etwas mehr Farbe im Schreibstil gewünscht, sodass dieser etwas mehr an Wiedererkennungswert gewinnt. Das Buch ist durchgehend aus der Ich-Perspektive von Amy geschrieben.


Jedes Buch nimmt seinen Leser mit auf eine Reise. Man erkundet fremde Kontinente, Länder und Städte zwischen den Zeilen, stolpert über Kultur und neue Gesichter und jedes Mal, mit jedem Umblättern der Seite, erfährt man ein bisschen mehr - und das in jedem Buch unterschiedlich: In manchen lernt man indirekt, in manchen werden dem Leser die Informationen auf dem Silbertablett serviert. Auch "Amy on the summer road" ist ein Buch, dass den Leser mit auf eine ganz besondere Reise quer durch Amerika nimmt und dabei neben einer tiefgründigen Geschichte auch noch interessante Informationen über die USA und die verschiendenen Staaten einwebt.

Meine Erwartungen an dieses ja sehr hochgelobte Buch waren dementsprechend hoch und auch die schöne innere Gestaltung, die Amy & Rogers Roadtrip mit Kassenzetteln, Fotos und Einträgen ins "Travel Scrapbook" untermalen, haben mich auf eine unvergessliche Geschichte hoffen lassen. Dass ich da etwas zu hochgepokert habe, fiel mir vor allen Dingen mit dem Schreibstil auf, der entgegen meiner Erwartungen leider etwas flach und überhaupt nicht besonders war. Dennoch erzählt "Amy on the summer road" eine wirklich schöne, warme und hoffnungsspendende Geschichte über Verlust, Trauerverarbeitung und einen Road Trip, der es in sich hat.

Das und mehr gibt's im Buch.
Das Besondere an der Geschichte ist einfach dieses Erkundungsgefühl, welches durch die Fotos und Playlists noch einmal unterstrichen wird und realistischer wirkt und man sich somit selbst wie auf einem Road Trip fühlt. Dazu tragen auch die glaubwürdigen Protagonisten Amy und Roger bei, die durch ihre natürliche Art und Ehrlichkeit glänzen. Beide machen eine verständnisvolle Entwicklung durch und müssen erst herausfinden, wie man über seinen eigenen Schatten springt und loslassen kann. Dabei spielt die Liebesgeschichte zwischen den beiden eine verhältnismäßig kleine Rolle, wobei es natürlich darauf hinausläuft, dass sie sich am Ende ineinander verlieben. Erfrischend langsam und nicht Hals über Kopf flammen die Gefühle hier auf und machen sie daher realistischer, auch wenn mir hier stellenweise die prickelnde Chemie gefehlt hat.

Die tiefgründigen und melancholischen Themen wie Tod und Trennung werden in dem Buch gut beschrieben und verständlich an den Leser geführt, der sich in einigen Situationen sicher auch selbst wiederfinden kann. So verarbeitet Amy ihre Schuldgefühle erst nach und nach, wobei das, was wirklich geschehen ist, häppchenweise in kleinen Rückblicken an den Leser gebracht wird. Neben Amy und Roger spielen auch andere Nebencharaktere eine Rolle, die zwar nur kurz im Geschehen auftreten, aber dennoch jedes mal absolute Sympathieträger sind und bleiben im Gedächtnis - auch wenn die Taten mancher nicht unbedingt nachvollziehbar waren.

Insgesamt klingt das ja nach einem ziemlich soliden Buch, das Spaß macht und ganz besonders greifbar ist, allerdings hat mir doch dieses gewisse Etwas gefehlt, welches ich nach den vielen positiven Rezensionen erwartete. Es macht Spaß mit den Protagonisten einen Staat nach dem anderen zu besuchen und faszinierende Details zu erfahren, die man in einem normalen Reiseführer sicherlich nicht gefunden hätte. Vermutlich waren meine Erwartungen hier einfach etwas zu hoch, dennoch hat mir die Geschichte um Amy und Roger gut gefallen - wenn auch nicht so gut, wie ich es mir erhofft habe. Schade.

 
Wenn ihr zusammen mit Amy (und Roger) on the summer road gehen wollt, dann rüstet euch gut mit Root Beer, Cream Soda und Knabberzeug aus, denn der Road Trip durch die USA ist ein spannendes, witziges, aber auch melancholisches Abenteuer, das beinahe schon so auf den Leser wirkt, als wäre man live dabei. Zwar wurden meine Erwartungen nicht hunderprozentig erfüllt, dennoch macht das Buch Spaß und Lust darauf, auf einen eigenen Road Trip zu gehen und bringt dem Leser nicht nur einige amerikanische Kulturen, sondern auch Musik und Themen wie Tod, Trauerbewältigung und Verlust nahe.


 
Morgan Matson studierte Schreiben für junge Leser an der New School. Road-Trips quer durchs Land sind ihre große Leidenschaft und sie hat schon drei Mal die USA durchreist ... bis jetzt. Derzeit lebt die Autorin in Los Angeles.

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5 Wortmalerei(en)

  1. Schöne Rezension! :)
    "Amy on the summer road" steht bereits auf meiner Wunschliste & hört sich für mich, auch aufgrund deiner Rezension, wie ein gutes Buch für warme Tage an!

    Liebe Grüße.

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  2. Klingt interessant. Ich glaub das Buch kommt auf meine Wunschliste :D

    LG

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  3. Hab das Buch auch am Samstag in der Mayerschen gesehen und fands interessant. Nach deiner Rezension kommts jetzt auf meine Wunschliste :-)

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  4. Als ich den Titel zu deinem Post gelesen habe, dachte ich zuerst, dass du ein englisches Buch vorstellst und habe mich deswegen "reingeklickt".

    Deine Rezension gefällt mir wirklich gut. Ich glaube ich werd mir mal eine Leseprobe von dem Buch besorgen und dann entscheiden, ob ich es mir wünsche oder nicht.

    liebe Grüße und einen guten Start in die Woche
    deine Emma

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  5. Ich habe jetzt mal nur das Fazit gelesen. Aber in etwa stimme ich da überein (und mit deinem Kommi) - bisher ist es eher melancholisch als witzig, was aber nicht schlimm ist. Auf einen Road Trip bekomme ich da spotan aber auch Lust. Ich fahre Angang Juni mit meiner Sis nach Nürnberg zu Rock im Park. Wer weiß, wenn wir am Ende noch genügend Kleingeld haben, vielleicht sollten wir dann mal einen Deutschland Roadtrip machen. Lust macht das Buch auf jeden Fall drauf und 2 ungeplante Wochen Urlaub haben wir im Anschluss auch. :)

    LG Reni

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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