Rezension: Tod oder Liebe von Manuela Salvi

1:14:00 PM


Autor: Manuela Salvi
Titel: Tod oder Liebe
Teil einer Reihe? Nein.
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Fischer FJB
ISBN-13: 978-3841421432
Preis: 14,99€
Originaltitel: E sarà bello morire insieme - Una storia d'amore e di mafia
Genre: Realität; Jugendbuch;
Themen: Mafia; Familie; Geheimnisse; Liebe; Gewalt
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«Wenn dir plötzlich jemand eine Waffe vor die Nase hält, glaubst du im ersten Moment gar nicht, dass sie echt ist. [...] Du stehst fassungslos da und sagst dir, dass es nicht sein kann, dass solche Dinge nur im Fernsehen passieren, dass du nichts getan hast, um so etwas zu verdienen. Vielleicht ist es mit der Liebe genauso. Wenn du merkst, dass du ihr schon bis zur letzten Faser deines Körpers verfallen bist, ist es zu spät, sie rankt sich bereits wie Efeu um dein Herz. Dein Leben hängt von ihr ab.»
[aus "Tod oder Liebe" von Manuela Salvi; S. 113]

 
Lieber Daniele, wenn du noch bei mir wärst, würdest du mir raten, nicht fortzugehen.

Die siebzehnjährige Bianca Prandi ist zunächst nicht sonderlich begeistert davon mit ihrem Vater für eine Weile von Mailand in eine kleine Stadt 900 Kilometer wegzuziehen, andererseits kann sie in Mailand auch nicht bleiben, da ihr Geheimnis ihr dort auflauert und sie in eine dunkle Ecke drängt. Bianca ist genau das Gegenteil von den Mädchen auf ihrer neuen Schule, denn mit ihren schwarzen Klamotten, dem ungeschminkten Gesicht und ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen wird sie dort schief angesehen. Im Gegensatz dazu haben einige Jungen ein besonderes Interesse an ihr, doch Bianca sieht nur denen einen: Manuel Lambiase, der von allen gemieden wird, weil das ein oder andere unheimliche Gerücht über ihn umgeht - Er soll im Gefängnis gewesen sein. Manuel gehört zu einem Mafia-Clan und hat ein zwielichtiges Geschäft am Laufen und obwohl er Bianca immer wieder rät, ihm fernzubleiben, schaffen es beide nicht und das wird nicht nur zu einer Gefahr für Manuel...

Manuela Salvi hat einen einfachen, aber sehr bildhaften Schreibstil, der sich leicht lesen lässt. Mit einem allwissenden Erzählstil bekommt der Leser einen guten Einblick in die Innenwelt von Bianca und Manuel, auch wenn es mir besser gefallen hätte, wenn das gesamte Buch in der Ich-Form geschrieben wäre, so wie die nach jedem Kapitel eingefügten Briefe, die einfach einen wunderschönen Schreibstil an den Tag legten, sehr nachdenklich und poetisch geschrieben waren und mir demnach auch sehr gut gefielen. Insgesamt lässt sich das Buch mit kleinen Schwächen dennoch sehr flüssig lesen und durch ihren flotten Schreibstil kommt die Autorin auch immer direkt "zur Sache".

 
Einige Male im Jahr braucht mein Leserherz eine bittersüße und gefährliche Liebesgeschichte im modernen Stile von Romeo und Julia - gern mit einer ganzen Ladung Kitsch, Vorhersehbarkeit und Dramatik. Die Begriffe "Tod", "Liebe" und "Mafia" auf dem Buchdeckel von "Tod oder Liebe" haben mich daher direkt angelockt und versprachen ein romantisches Liebesdrama vollgestopft mit Gefahren, Leidenschaft und Herzklopfen. Die Geschichte der verzweifelt Liebenden ist zwar schon ziemlich plattgetreten und wird in jeder Liebesgeschichte auf die eine oder andere Art thematisiert, doch trotzdem gibt sie immer neuen Stoff für Jugendmafiabadboygeschichten und auch hier wird das Genre nicht neu erfunden, aber auf jeden Fall in vollen Zügen ausgeschöpft - jedoch ohne mich vom Hocker zu hauen.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir vorerst eher schwer gefallen. Das mag an dem Erzählstil liegen, der auf mich erst distanziert wirkte und mich dadurch nicht richtig mitfiebern ließ, später dann jedoch irgendwie besser wurde. "Tod oder Liebe" beginnt wie beinahe jedes Jugendbuch dieser Art mit einem eher schüchternen, zurückhaltenden und andersartigen Mädchen, dass mit ihrem Vater in eine kleine Stadt weit weg von Mailand zieht. Ein Pluspunkt für die Geschichte war für mich auf jeden Fall die Kulisse Italiens, die für eine Mafiageschichte ja geradezu geschaffen ist und hier überzeugt Salvi mit präzisen Orts- und Atmosphärebeschreibungen. Auf den ersten Blick wirkt das trotzdem eher ernüchternd und altbekannt und der Anfang zieht sich meiner Meinung nach auch ein wenig, obwohl Manuel und Bianca sich schon sehr früh kennenlernen.

Dieses frühe kennen- und auch viel zu schnelle liebenlernen ist für mich auch schon wieder so eine Sache und führt nicht dazu, dass die Geschichte authentischer wird. Ich bin ein wenig durch die Geschichte gestolpert, weil mir schon wieder alles viel zu schnell ging. Für mich sind hier beide Charaktere irgendwie aus ihren Rollen gefallen, denn plötzlich taut die doch eher introvertierte Bianca auf und der von klein auf erzogene Mafioso Manuel vergisst viel zu schnell all seine Prinzipien und seine doch scheinbar sehr strenge Erziehung. Ich finde, das hätte sich alles etwas langsamer und nach und nach aufbauen müssen, damit es in diesem Fall wirklich glaubwürdig wirkt.

Bianca war mir leider von Anfang an eher unsympathisch und obwohl man ihre Vergangenheit, die sie in Form von Briefen verarbeitet erst nach und nach kennenlernt, passen da einige Sachen doch nicht so ganz ins Bild. Zu Beginn der Geschichte ist sie unnahbar, beinahe schon herablassend und urteilt über alle ihre Mitschüler und gegen Ende wurde sie immer naiver und handelte in meinen Augen nicht mehr glaubwürdig. Manuel hingegen fand ich interessant, was daran liegt das mir die bösen Jungs in Geschichten immer am besten gefallen, allerdings ist er auch viel zu schnell aus seiner Rolle gefallen. Ich hätte mir da noch etwas mehr Tiefgründigkeit gewünscht, da die Themen, die im Buch behandelt werden ja auch alles andere als oberflächlich sind, denn neben der Liebe geht es um Verlust, Trauerbewältigung, Selbstfindung und Kraft, Stärke und Selbstbewusstsein. Manuel hätte diese Seite des Buches sehr gut wiederspiegeln können, hat dies meiner Meinung nach aber nur bedingt gut erfüllen können.

Spannend, wenn auch vorhersehbar, ist die Geschichte allerdings trotzdem. Es gab Passagen, die mir wirklich gut gefallen haben und auch die Tatsache, dass Sexualität endlich mal in einem Jugendbuch eine Rolle spielt, fand ich erfrischend. Meistens wird dieses Thema vollkommen ausgelassen, obwohl es doch mit dazu gehört. Trotz der Schwächen und Fehlerchen habe ich das Buch gerne gelesen und meine Ladung Kitsch und Gefahr bekommen, obwohl es mich nicht hundertprozentig überzeugen konnte. Das Buch beginnt eher zäh und altbekannt, entwickelt sich aber schon bald zu einer rasanten und leidenschaftlichen Geschichte, die mich letztendlich doch zu fesseln wusste.

Trotz der kleinen Schwächen würde ich mich hier ganz klar für "Liebe" entscheiden, denn obwohl das Buch nicht völlig authentisch und überzeugend ist, so hat es seinen Zweck dennoch erfüllt und mir eine gefährliche und leidenschaftliche Mafiageschichte geliefert, die langsam beginnt, dann jedoch immer rasanter und aufregender wird. Auch wenn die Charaktere mich nicht allzu sehr gefesselt haben, hat es die Geschichte letztendlich doch und wer Geschichten mit Dramatik, Liebe und Gefahr mag und seine alljährliche Dröhnung noch nicht hatte, ist mit "Tod oder Liebe" sicherlich gut bedient.


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3 Wortmalerei(en)

  1. ich hab einen award für dich, schau doch mal auf meinem blog vorbei
    http://bookworm-julia104.blogspot.de/2012/04/award.html

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  2. Ach ja, mal wieder ein Buch, das wir beide ganz ähnlich empfunden haben. Mir hat der Prolog und das erste Kapitel zunächst recht gut gefallen, trotz der zunächst gewöhnungsbedürftigen Erzählweise ... bis die beiden sich treffen. Ja, das war wirklich ein Lovestory auf der Überholspur, nur kam man da als Leser nicht ganz mit. Eine sehr schöne Rezi! Mir ist aufgefallen, bei "Schreibstil" steht bei dir Manuel Salvi statt Manuela Salvi. Bei dem männlichen Prota-Namen auch kein Wunder! :)

    LG Reni

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    Replies
    1. Ach, danke :D Wieso nennt die Olle ihren Protagonisten auch so? Unglaublich, das macht die sicherlich nur um Leute wie uns zu verwirren ;P

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]