[Rezension] Ludvig meine Liebe von Katarina von Bredow

5:55:00 PM




 
Das Gehirn ist schon ein recht seltsamer und unzuverlässiger Klumpen.

 
Die Geschwister Amanda und Ludvig sind schon seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Und schon seit ihrer Kindheit spüren sie, dass etwas zwischen ihnen anders ist. Sie sind eifersüchtig auf die festen Freunde/innnen des jeweils anderen und als Amanda ihren Bruder eines Tages porträtiert, kann sie ihre Gefühle kaum noch zurückhalten. Denn das, was sie für ihren Bruder empfindet ist keine reine Geschwisterliebe - es geht viel tiefer, als alles, was sie je kannte. Auch Ludvig sieht Amanda nicht als seine Schwester an und in ihrer Verzweiflung kommen sie sich näher, als sie eigentlich dürften. Doch es ist eigentlich falsch, seinen Bruder zu begehren und warum fühlt es sich trotzdem allem so richtig und gut an? Wer könnte ihnen eine so tiefe Liebe übel nehmen?

 
Einfühlsam und mit lauter Nadeln, die den Leser mit jedem Satz ins Herz treffen, schreibt Katarina von Bredow über das Tabuthema der Geschwisterliebe. Die Geschichte ist abwechselnd rückblickend, in der Gegenwart und in Tagebucheinträgen der Protagonistin Amanda verfasst, sodass man einen recht guten Einblick in ihre Gefühlswelt erhält. Der Schreibstil ist daher umgangssprachlich und weitgehend locker gehalten, wobei ihm dennoch die thematisch nötige Tiefe nicht fehlt. An manchen Stellen ging es mir aber dennoch etwas zu flott voran und die Szenen wurden nur wenig ausgeschmückt, so als würde man sie schnell vom Tisch haben wollen. Dies hat aber gleichzeitig auch das Verbotene reflektiert, was es wieder gerade gebogen hat.

Ein Stück Schokolade, dass man nicht haben darf, ist meistens viel interessanter, als eine Tafel Schokolade, die man sich selbst gekauft hat und immer bereit liegt. Witzigerweise schmeckt das verbotene Stück Schokolade meistens auch viel besser, als die ganze Tafel, die erlaubt wäre. Faszination und Verbot liegen merklich nah beieinander. Natürlich ist das plumpe Beispiel mit der Schokolade nicht der Inhalt des Buches, wenn überhaupt dann nur in absolut minimalisierter Form, denn "Ludvig meine Liebe" behandelt einmal mehr ein Tabuthema, dass gleichzeitig Abschreckung aber auch Faszination auf den Leser ausübt.

Bücher, die ihre Leser an verbotenen Dingen zweifeln lassen und gleichzeitig dafür sorgen, dass man sich mit bestimmten Themen auseinandersetzt, sind meistens die, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben, ganz gleich, ob einem das Buch nun hundertprozentig zusagte oder nicht. So verhält es sich auch mit dieser Geschichte, denn obwohl ich einige Schwächen gefunden habe, ist dieses Buch doch in jedem Fall lesenswert und braucht sich nicht hinter bekannteren Werken, die das selbe Thema behandeln, zu verstecken. Obwohl es etwas schnell erzählte und sich das Buch beinahe schon etwas zu schnell lesen ließ, war ich überrascht, wieviel Gefühl und Nähe von Bredow zwischen die Seiten bringen konnte, denn trotzdessen, dass das Buch eher kurz ist, fand die Protagonistin Amanda schnell einen Platz in meinem Herzen.

Die Geschichte ansich und auch die Lösung selbst ist natürlich nichts Neues. Schwester liebt Bruder und andersherum, die beiden lieben sich heimlich und werden irgendwann erwischt - ich denke, da verrate ich nicht zu viel. Wer Bücher dieser Art kennt, wird vermutlich auch wissen, wie es ausgehen wird und das fand ich ein wenig schade, weil es sehr vorhersehbar ist. Neben diesem typischen Schema fand ich allerdings die Figuren sehr interessant gezeichnet und da sie sich den Stereotypen weitesgehend widersetzen, blieb das Buch trotz Vorhersehbarkeit spannend und faszinierend.

Allen voran ist Protagonistin Amanda eine sehr ehrliche, direkte und liebevolle Persönlichkeit, die sich nichts sagen lässt und stark ist. Mir gefiel ihre etwas derbere Art und die Tatsache, dass sie alles was sie dachte, auch sagte. Auch Ludvig war ein interessanter Charakter, auch wenn er sehr vorhersehbar war. Was mich allerdings doch sehr störte, war, dass den Figuren das Betrügen anscheinend nicht sehr schwer fiel und Amanda sich letztendlich sogar mit einem verheirateten Mann einlässt. Diese Moral hat mir zwar nicht so ganz geschmeckt, aber ich habe darüber hinwegsehen können, da mich die Geschichte ansonsten sehr zu fesseln wusste.

Wie schon beschrieben, gelingt es der Autorin einwandfrei Gefühle zu vermitteln und zwar so, dass man als Leser spürt, wie sich ein Knoten in der Bauchgegend bildet und man sich fragt, warum die Liebe zwischen Bruder und Schwester eigentlich verboten ist. Ich habe jedes Gefühl der beiden Protagonistin nachvollziehen können, was die Geschichte sehr realitätsnah macht. Allerdings hätte man manche Szenen mehr ausbauen können, denn insgesamt ging mir das Geschehen doch etwas zu schnell voran.

 
Wieviel Magie und Leidenschaft ein Stück Schokolade hat, dass man nicht haben darf, zeigt Katarina von Bredow hier eindringlich. Mit einer Offenheit, viel Charme und Humor, aber auch einer tiefgründigen und bedrückenden Stimmung erzählt sie von dem Tabuthema Geschwisterliebe und auch wenn manches zu schnell vom Tisch fällt, so hat sie es doch geschafft, mich zu fesseln. Ihre Figuren sind glaubwürdig und direkt, was mal etwas anderes und erfrischend war, jedoch auch einige Schwächen mit sich brachte. Wer sich mit solchen verbotenen und sehr schwierigen Themen auseinandersetzen will, dem kann ich dieses Buch durchaus empfehlen, obwohl es ein ähnliches Schema verfolgt, wie viele Bücher dieses Genres.


 

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3 Wortmalerei(en)

  1. Danke für die ehrliche und spannende Rezension! Das Buch hab ich auch seit "Forbidden" auf meinem Wunschzettel, ich hab aber ein wenig Angst vor dem vorhersehbaren Ende, von dem du sprichst.

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  2. Wieder mal eine bildreiche & tolle Rezi! Der Vergleich mit der Schoki war jetzt aber echt gemein. Da läuft mir doch irgendwie das Wasser im Munde zusammen. Über das Buch bin ich auch schon öfters gestolpert, aber ich glaube erst mal kommt "Forbidden" an die Reihe. Dann schaue ich mal weiter. Denn deine Pluspunkte klingen eigenlich sehr vielversprechend. Schade, dass es dann nicht ganz überzeugen konnte.

    Liebe Grüße
    Reni

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  3. Ich habe dem Buch auch 3 Feen gegeben. Ich fand es hin und wieder auch zu schnell und gerade das Ende zu ... kurz. Irgendwie war es da so abgehandelt, da hat mir was gefehlt.

    LG
    Lilly

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]