|Rezension| "Leaving Paradise" von Simone Elkeles

7:10:00 PM


























Auf diesen Moment habe ich ein Jahr lang gewartet.

Als Caleb Becker in seinen Heimatort Paradise zurückkehrt, hat er eigentlich vor sich nach seinem einjährigen Gefängnisaufenthalt aus jeglichem Ärger rauszuhalten. Doch wegen Maggie Armstrong, die er betrunken angefahren hat und wegen der er verurteilt wurde, wird sein Leben in Bahnen gelenkt, die er kaum noch zu kontrollieren weiß. Alles hat sich verändert, seit er wieder zu Hause ist und auch Maggies Leben hat sich seit jener verhängnisvollen Nacht einmal um sich selbst gedreht. Mit ihrer durch den Unfall resultierenden Behinderung kann sie nun so manchen Traum nicht mehr verwirklichen. Sie beide wünschen sich nichts weniger, als sich nie wieder über den Weg zu laufen und doch verbindet jene Nacht sie für immer. Und so fühlen sie sich gegen ihren Willen zueinander hingezogen trotz all der ungesagten Dinge, der vielen Ängste und des Hasses. Doch es bleibt nicht so paradiesisch, wie es auf den ersten Blick wirkt, denn ein ungesagtes Geheimnis steht zwischen den beiden und droht alles zu zerstören...

Was kann man anderes über Simone Elkeles Schreibstil sagen, als dass er einfach und jugendlich gehalten ist und dabei trotzdem Tiefgang besitzt? Im Grunde nicht viel, denn obwohl ihre Bücher allesamt gut geschrieben sind, ist ihre Schreibe weder verschnörkelt, noch kitschig oder poetisch. Ganz im Gegenteil: Er schafft es ideal die Figuren widerzuspiegeln, von denen er genutzt wird. Ist Calebs Part männlicher und etwas rabiater, so bleiben Maggies Gedanken zarter und nachdenklicher. Zusammen ergeben sie eine unwiderstehliche Mischung aus Gefühlen und Gedanken, die eine tolle und heimische Atmosphäre erzeugen.

Liest man die Bücher von Simone Elkeles, tut man dies meist mit einer gewissen Erwartungshaltung. Ihre Geschichte drehen sich hauptsächlich um das Thema Liebe - meistens eine Hassliebe, in der einer (oder auch beide) der Protagonisten in eine Situation kommt, die dem jeweils anderen und der Beziehung schadet. Oftmals sind ihre Geschichten ein wenig kitschig oder eben vollgestopft mit einer großen Portion Romantik, die aber niemals triefend wird. Und dann kommt immer dieser Punkt, an dem man überrasch ist. Denn so banal die Geschichten von Simone Elkeles auf den ersten Blick wirken, genau so tiefgehend sind sie, wenn man hinter die Fassade blickt, denn in jedem ihrer Bücher schwingt auch immer ein wenig Gesellschaftskritik mit oder zumindest eine größere Problematik, die in der Geschichte dann eine große Rolle spielt. Auch "Leaving Paradise" hätte ich es eigentlich nicht zugetraut, mehr zu sein, als eine Liebesgeschichte, obwohl mich die Autorin längst eines besseren belehrt hat, denn hinter den Liebesavancen findet man eine ganz besonders feinfühlige Geschichte, die definitiv unter die Haut geht.

Dabei fängt alles doch genau so an, wie es immer ihr Schema ist: Ein attraktiver Draufgänger - in dem Fall Caleb Becker -, der sich in das kleine, schüchterne Mädchen - Maggie Armstrong - verliebt und umgekehrt. Nur das hier diesmal nicht alles so einfach läuft - schließlich hat Caleb Maggie angefahren und saß deswegen sogar im Gefängnis. Die Fronten sind demnach aufgeklärt: Maggie hasst Caleb, weil er ihr Leben und ihre Karrieremöglichkeiten im Sport zerstört hat und Caleb gibt Maggie die Schuld an seinem Gefängnisaufenthalt. Ein schwieriges Thema für ein kleines Taschenbuch! Doch wider Erwartungen fühlt es sich nicht so an, als hätte Elkeles auf den wenigen Seiten Probleme gehabt, ihre Geschichte in irgendeiner Art und Weise zwischen die Seiten zu pressen. Ganz im Gegenteil: Geschickt und fesselnd beschreibt sie, wie sich die beiden von der Gesellschaft etwas ausgeschlossenen Charaktere wieder im Leben ein- und zurechtfinden und all dies ist in jedem Punkt glaubwürdig und realistisch.

Die Geschichte lebt eindeutig durch ihre Figuren, die sich nicht nur im Laufe der Geschichte entwickeln, sondern auch alle durchweg ans Herz gehen. Maggie, die anfangs ein wenig im Selbstmitleid badet und sich in erster Linie selbst ausschließt, ist eine liebenswürdige und sympathische Persönlichkeit. Ebenso wie Caleb, der gleichzeitig beschützerisch und hin und hergerissen zwischen den Ansprüchen seiner Familie und seinen eigenen Plänen ist. Dieser Spagat zwischen Liebesgeschichte und Drama gelingt perfekt. Nicht genug, dass erste prickelnd und leidenschaftlich ist - und sich vor allen Dingen langsam und glaubwürdig entwickelt - spielen auch viele Problemthemen mit ein, die immer wieder interessante Wege gehen. Ein besonderes Schmankerl der Geschichte ist auf jeden Fall Mrs Reynolds, die die beiden Figuren mehr als einmal zusammenhält und die mir so sehr ans Herz gewachsen ist, dass ich sie kaum gehen lassen wollte.

"Leaving Paradise" schafft das, was viele Bücher nicht schaffen: Dieses heimische und warme
Gefühl. Dieses Gefühl, die Geschichte nicht verlassen zu wollen. Und vor allen Dingen punktet sie mit starken und sympathischen Figuren, einer tollen Geschichte, die einen tollen Kontrast zwischen Liebe und Problemthemen bietet. Außerdem ist sie etwas ernster, als noch "Du oder das ganze Leben" und weiß auf jeder Linie zu unterhalten, zum nachdenken anzuregen, zu überraschen und einfach zu begeistern. Auch an Gefühlen hält sie einfach alles bereit: Neben Lachen, wohlfühlen und schmachten, könnte auch das ein oder andere Tränen fließen - zumindest war das bei mir bei einer bestimmte (und wirklich auch sehr traurigen) Stelle der Fall.

In Coldplays Song träumt man vom Paradies, Caleb und Maggie wollen nur weg davon und ich würde gerne noch eine Weile bleiben, aber auch für mich ist es Zeit das Paradies zu verlassen. Allerdings nur wehmütig, denn die Geschichte um Caleb und Maggie ist ganz besonders und steckt voller Überraschungen. Simone Elkeles schafft es einfach jedes Mal, mich in ihren Bann zu ziehen und mehr aus den Liebesgeschichten zu machen, für die geworben wird - auch wenn sie die Liebesgeschichte natürlich ebenfalls mit Bravur zu erzählen vermag. In "Leaving Paradise" findet man daher einfach alles: Unterhaltung, Liebe, Konfliktsituationen und Freundschaft. Eine tolle, atmosphärische Geschichte, hinter der mehr steckt, als man meinen könnte und die konstant spannend und interessant ist. Alle die die Fuentes-Bücher mochten, werden es im Paradies lieben!


Simone Elkeles wurde am 24. April 1970 in Chicago, Illinois geboren. Sie absolvierte die High School in Deerfield, Illinois, einem Vorort von Chicago. Bald nach dem Studium begann Elkeles mit dem Schreiben für Jugendliche. Derzeit arbeitet sie parallel an drei Reihen. Ihren Debütroman »How to Ruin a Summer Vacation« – dem ersten Band der »How to Ruin Trilogy« – veröffentlichte sie 2006. Ihren internationalen Durchbruch erlangte sie jedoch 2008 mit dem ersten Band Ihrer »Perfect Chemistry Trilogy« der Anfang 2011 auch auf deutsch unter dem Titel »Du oder das ganze Leben« veröffentlicht wurde. [Quelle: Lovelybooks]

...mehr? *klick*

Schon gelesen?

0 Wortmalerei(en)

Lasst mir eure Wortmalereien hier!

Powered by Blogger.

Die Wortmalerin

My photo
Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

Leser

Momentaufnahmen