|Filmgedanken| Der große Gatsby

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Der junge Aktienmakler Nick Carraway zieht in ein bescheidenes, kleines Haus direkt neber der imposanten Villa des geheimnisvollen Jay Gatsby,
der jede Nacht legendäre Partys für die New Yorker Gesellschaft feiert, bei denen ihn jedoch nie jemand zu Gesicht bekommt. Um den jungen Mann kursieren einige fragwürdige Gerüchte und als Nick ihm zum ersten Mal begegnet ist er fasziniert von dem undurchsichtigen Gatsby. Dieser jedoch will nichts anderes erreichen, als die Vergangenheit und somit die Liebe seines Lebens - Daisy - zurückzugewinnen. Doch in der Zeit, in der Gatsby im ersten Weltkrieg kämpfte, heiratete Daisy den millionenschweren Tom Buchanan, der sie regelmäßig mit seiner Geliebten Myrtle betrügt. Nick soll Gatsby dabei helfen, sich Daisy anzunähern, was zu einer Kette von Ereignissen führt, die nicht mehr aufzuhalten ist...


Der nun mehr zum fünften Mal verfilmte Klassiker "Der große Gatsby", der auf der berühmten Romanvorlage von F. Scott Fitzgerald basiert, ist wohl aus Film und Literatur nicht mehr
wegzudenken. Einen Klassiker derart oft zu verfilmen, dürfte schon aufzeigen, wie beliebt die Thematik um Nick, Jay und Daisy tatsächlich ist. Auch ich habe die Romanvorlage in meiner Schulzeit lesen dürfen und war schon damals sehr von dem Roman fasziniert, der vor allen Dingen durch viele stilistische Mittel, Gesellschaftskritik und einem tollen Schreibstil glänzt. Die Verfilmung von 2013 ist die erste, die ich bisher gesehen habe, weswegen ich keinen Vergleich zu den anderen Filmen anführen kann - was ich aber sagen kann ist, dass Baz Luhrmann hier ein unvergleichliches Werk geschaffen hat, welches nicht nur unterhaltsam, sondern auch was fürs Auge ist.

Schließlich wurde der Film in 3D gefilmt, was anfangs auch oft auf imposante Art und Weise demonstriert wurde, im Laufe des Films aber immer mehr in den Hintergrund rückt. Zwar gaben Filmart und 3D Effekte durchaus einige unglaubliche schön anzusehende Szenen, doch insgesamt ist es mir ein Rätsel, warum man einen Film wie diesen in 3D filmen muss - denn das hat er absolut nicht nötig. Dafür glänzt er viel zu sehr mit seiner tollen Atmosphäre, die den Zuschauer tatsächlich in die 20er Jahre entführt und letztendlich dafür sorgte, dass ich fast schon enttäuscht war, als ich den Saal verlies und draußen keine Old Timer durch die Straßen fuhren. Doch nicht nur das ist definitiv bemerkenswert, auch die Tatsache, dass der Film sehr nah am Buch (zumindest an dem, woran ich mich erinnern kann) ist und die stilistischen Mittel in jeder Hinsicht würdigt (das grüne Licht, die Augen des Arztes, die Vorhänge, etc), trägt nur zur Faszination bei.

Ich muss gestehen, dass ich nicht unbedingt ein Fan von Leonardo DiCaprio bin und es wahrscheinlich auch nie sein werde, der hier die Rolle des Jay Gatsby spielte, aber in diesem Fall hat er mir sogar relativ gut gefallen. Die Rolle von Gatsby stand ihm ziemlich gut, weil er für solche Rollen wohl einfach gemacht ist - der Schmachtblick, die Verzweiflung, die Hoffnung, die Illusionen und gleichzeitig diese leichte Unsicherheit: all das konnte er überraschend gut einfangen! Doch auch Tobey MacGuire, bei dem ich ebenfalls ziemlich skeptisch war, ist positiv aufgefallen, auch wenn er oft nicht vielmehr tut, als zu grinsen. Leider ist die Liebesgeschichte zwischen Jordan und Nick hier ein wenig in den Hintergrund gerückt, auch wenn die Chemie schon aufgefallen ist - zwar ist das nur ein Nebenstrang, aber doch ein wichtiger. Ebenfalls eine gute Figur machten Tom (Joel Edgerton) und Daisy Buchanan (Carey Mulligan), die ihre Emotionen sehr gut an den Zuschauer bringen konnten.

Was auch besonders ins Auge fällt, ist, das die Chemie zwischen den Figuren sehr stimmig ist. Nicht nur die Beziehung zwischen Gatsby und Daisy, die die Zerrissenheit und die Hoffnung sehr schön
unterstrichen hat und so für Authentizität sorgte, sondern auch das Verhältnis zwischen Tom und Myrtle, Gatsby und Tom und die vielen Illusionen und Geheimnisse sind super zur Geltung gekommen. Kleine Merkmale und Eigenschaften, die die Figuren auch schon im Buch hatten, wurden ebenfalls beachtet, wie auch die gut ausgearbeiteten Dialoge. Man muss das Buch definitiv nicht gelesen haben, um den Film zu verstehen und obwohl er sehr nah am Buch ist, lässt sich der Film als eigenständiges Werk betrachten - die Mischung aus Eigenständigkeit und Nähe zum Buch ist daher sehr gelungen.

Das, was diesen Film so besonders macht, ist einfach die unglaublich authentische Atmosphäre, die den ganzen Film über nicht abnimmt. Die Kostüme, die Umgebung und die Liebe zum Detail fielen immer wieder ins Auge. Noch dazu kommt die Tatsache, dass der Film eine kleine Hommage an das Buch ist, denn immer wieder wurden Sätze aus dem Roman mit schönen Effekten eingeblendet, sodass man das Gefühl hatte, das Buch noch einmal zu lesen. Nichts und niemand fiel aus der Rolle, alles wirkte authentisch bis ins kleinste Detail und hat einfach Spaß gemacht, unterhalten und ging gleichzeitig ans Herz. Gleichzeitig wirkte auch die Gesellschaftskritik, die zeitweise einen bitteren Beigeschmack hinterlassen hat. Ein weiteres Lob verdient der Soundtrack zum Film, der eine Mischung aus modernen Liedern ist, die auf alt getrimmt worden sind und so sehr gut die filmische Atmosphäre einzufangen wussten - mein Favorit an dieser Stelle: Jack White - Love is Blindness!

Liebe macht nicht nur blind, sondern den großen Gatsby auch völlig besessen. Die außergewöhnliche Geschichte von Fitzgerald wurde hier auf eine schöne Art und Weise neu umgesetzt. Visuell und stilistisch auf jeden Fall bemerkenswert und definitiv Unterhaltung mit Tiefe. Der Film ist erstaunlich nah an der Romanvorlage und kann durch die Liebe zum Detail auch als kleine Hommage an diese gesehen werden. Die Schauspieler haben ihre Rolle durchweg gut gemeistert (auch wenn ich kein großer Fan von Leo bin!) und mich in die Welt der 20er Jahre entführt. Atmosphärisch dicht, tiefgründig und herzzerreißend wird die Geschichte des großen Gatsby noch einmal erzählt - und das hat sie auch verdient!


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1 Wortmalerei(en)

  1. Eine KLASSE Filmreview! Bisher habe ich mich mit dem Film noch so gar nicht beschäftigt. Denn 1. muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich weder das Buch, noch eine der Verfilmungen kenne. Und 2. mich der Kinotrailer irgendwie nicht so richtig mitnehmen konnte. Und dass, obwohl ich Leo mittlerweile eigentlich ganz gerne schaue. Der Typ hat sich von damals "Titanic"-Jack zu heute sehr gemausert. Nur, hier haben mich die kurzen Bilder mit ihm irgendwie abgeschreckt. Frag mich nicht warum! Umso überraschter bin ich nun über deine Filmgedanken, die mich doch glatt neugierig machen. Hört sich ganz danach an, als würde ich was Großartiges verpassen, wenn ich ihn mir nicht anschaue. Mal sehen, obs den Film bei mir irgendwo noch in der Nicht-3D-Version zu sehen gibt. Ich bin nämlich nicht wirklich gewillt soviel Geld dafür auszugeben, wenns auch wunderbar ohne geht. Wie es leider bei vielen Filmen der Fall ist. Kino ist ja so schon teuer genug geworden! Vor allem, wenn man oft und gerne hingeht. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]