|Rezension| "Wie wir einen Sommer (vergeblich) versuchten, uns nicht zu verlieben" von Elizabeth Eulberg

2:01:00 PM




Ich, Penny Lane Bloom, schwöre hiermit feierlich, nie mehr mit einem Jungen auszugehen, solange ich lebe.

Nach dem Reinfall mit ihrem Sandkastenfreund Nate hat Penny genug von Jungs und Liebeskummer. Als großer Beatlesfan gründet sie den "Lonely Hearts Club" - vorerst mit nur einem einzigen Mitglied: sich selbst. Doch nach und nach erkennt sie, dass auch andere Mädchen von diversen Jungs betrogen worden sind und sich nicht mehr verletzen lassen wollen. Bald schon besteht ihr Club aus unzähligen verletzten Mädchen und die Gruppe verwandelt sich in eine geschlossene Gemeinschaft, in der vor allen Dingen die Freundschaft und das Wohl der Mädchen zählt. Eigentlich alles kein Grund traurig zu sein, wenn da nicht Ryan wäre, der ständig mit Penny flirtet und der ganz anders zu sein scheint, als die anderen Jungs. Doch Penny hat den Lonely Hearts Club gegründet und eine der Regeln besagt, mit einem Jungen auszugehen ist verboten, aber ein richtiges Date wäre das doch nicht, oder?

Die Geschichte ist genauso geschrieben, wie man es erwartet: Locker, leicht, sommerlich und leider auch ein kleines bisschen amerikanisch - dazu aber später mehr. Ansonsten liest sich das Buch flüssig, ist aber auch ohne jegliche Besonderheiten anzusehen, da der Stil sehr jugendlich gehalten ist. Einerseits natürlich ideal für ein Jugendbuch, andererseits auch ein wenig eintönig, da das Buch so einiges an Atmosphäre einbüßt und weder ein schönes Sommergefühl auslöst (wie ich es mir eigentlich erhofft habe), noch die Gefühle der Figuren richtig an den Leser bringen kann. Hier hatte ich eindeutig etwas mehr erwartet, insgesamt liest sich das Buch aber relativ gut.

Wer hat nicht schon einmal überlegt, dem männlichen Geschlecht völlig abzuschwören und sich nur noch auf sich selbst zu konzentrieren, nachdem man eine schlimme Trennung hinter sich hatte? Im Gefühlschaos des Lebens bleibt es allerdings auch nur das: Eine Überlegung, die nie in die Tat umgesetzt wird - na ja, außer man mag prinzipiell keine Männer, aber das ist ein anderes Thema. Penny Lane jedoch setzt diese Überlegung in die Wirklichkeit um, nachdem ihr Freund Nate sie betrogen und mies behandelt hat, einfach, um nicht mehr verletzt werden zu können. Das verspricht natürlich so einigen Stoff für
eine gute, sommerliche und lockere Geschichte, die ab und an ein wenig in die Tiefe geht, aber kann das Buch diesem Erwartungsgerüst standhalten? Oder ist die Geschichte eine, bei der ich (vergeblich) versuchte, sie zu mögen?

Um ehrlich zu sein: Beides. Einerseits bietet "Wie wir einen Sommer (vergeblich) versuchten uns nicht zu verlieben" eine nette Geschichte für zwischendurch, die sich gut wegliest, aber doch relativ seicht bleibt, andererseits war sie mir viel zu pathetisch. Woran das liegt? Hauptsächlich an der Einstellung der Figuren und den Figuren selbst, denn leider ist diese ziemlich einseitig und bietet lediglich einen Scheuklappenblick auf die Thematik, was gerade für ein Jugendbuch sehr schade ist. Die Geschichte vermittelt nämlich, wenn auch nur indirekt, das Männer die "Bösen" sind. Zumindest wirkte es den Großteil der Geschichte so, als würden nur Männer ihre Frauen betrügen und nicht umgekehrt; die weiblichen Mitglieder des Clubs wurden fast alle betrogen oder von Männern schlecht behandelt und tun in ihrem jungen Alter so, als hätten sie ihr Leben lang schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht.

Sicher, Liebeskummer ist nicht schön, aber in diesem Buch stimmte die Darstellung einfach nicht - überzogen, übertrieben und ein wenig zu konsequent wird diese fast bis zum Ende durchgezogen und es wirkte beinahe so, als müsste die Welt untergehen, wenn man mit sechzehn Jahren eine gescheiterte Beziehung hatte. Was mir wiederum gut gefallen hat, war die Freundschaft zwischen den Mädchen der Gruppe und der Zusammenhalt. Endlich mal ein Buch, in dem es nicht nur Zickenkrieg gibt und auch eine beliebte, vermeintlich arrogante Ziege plötzlich eine tragende Rolle und sympathische Position einnimmt - auch wenn mir das hier ein wenig zu schnell ging. Das Zusammenhaltgefühl jedoch bestärkt den Leser und
motiviert ihn, man spürt dieses Gefühl durch das Buch hindurch und das hat einfach Spaß gemacht.

Insgesamt ist die Geschichte natürlich vorhersehbar, aber das ist kein Grund, der mir wirklich stören würde. Manchmal braucht man schließlich solche Bücher, in denen man von vornerein weiß, dass sie sich kriegen werden, weil es einfach Geschichten für das Herz sind. In "Wie wir einen Sommer..." fehlte mir aber das Prickeln zwischen den Figuren ein wenig. Sicherlich, Penny und Ryan sind beide nette und sympathische Figuren, aber ihre das Fehlen von irgendwelchen typischen Macken und Fehlern sorgte leider dafür, dass wenig Gefühl herüberkam. Penny wurde zwischendurch etwas idealisiert, was ich unnötig fand, weil sie trotz ihrer Sympathie die meiste Zeit über blass blieb. Positiv ist allerdings, dass Penny nicht direkt glaubt, den Mann fürs Leben gefunden zu haben und die Geschichte nicht in eine nervige Teenie-Schwärmerei ausartet. Generell geht man mit dem Thema Beziehung (wenn man mal von der oben genannten Einstellung absieht) relativ normal um, man trifft sich bevor man sich richtig verliebt und man hat auch noch ein Leben neben dem Freund - was ja in vielen Jugendbüchern kaum noch zutrifft.

Wie ich seitenlang (vergeblich) versuchte, der Geschichte noch mehr abzugewinnen, wisst ihr ja jetzt, aber insgesamt würde ich das Buch nicht direkt als schlecht betiteln - es fehlte einfach nur das Salz in der Suppe, ein bisschen mehr Chemie und eine weniger pathetisch-amerikanisch Einstellung. Die etwas blassen Figuren sind sympathisch, schaffen es aber nicht, sich bis zum Leserherzen durchzukämpfen, dafür gibt's ein paar witzige und schön lesbare Situationen, die den Lesespaß zwischendurch aufkeimen lassen. Viel Potenzial war auf jeden Fall vorhanden, denn die Idee gefiel mir sehr gut, leider wurde hier vieles verschenkt. Ansonsten ist das beatlesverliebte Buch eine nette, sommerlich leichte Lektüre für Zwischendurch, die zwar nicht im Kopf haften bleibt, dafür aber einige jungsfreie Momente bietet, in denen auch Freundschaft und Zusammenhalt eine Rolle spielt.


Elizabeth Eulberg wuchs in Wisconsin auf, studierte an der Syracuse University und lebt für ihre Musik und ihre Romane. Sie hat mehrere Jugendbücher geschrieben, darunter "Take a Bow" und "Prom & Prejudice". "Wie wir einen Sommer (vergeblich) versuchten, uns nicht zu verlieben" ist der erste ihrer Romane, der auf Deutsch erscheint. Während des Schreibens hat sie versucht, den Männern abzuschwören – vergeblich. [via Arena]

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Für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanke ich mich sehr herzlich bei

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2 Wortmalerei(en)

  1. Ja Schade! Obwohl ich es für ein "Ganz nett für Zwischendurch"-Buch jetzt einfach mal auf meine WuLi setze. Denn was den Mädelsclub und die (vorhersehbare) Liebesgeschichte fürs Herz angeht, bin ich durchaus neugierig geworden. Wobei ich deine Kritikpunkte, vor allem in Bezug auf das betrügende männliche (und brave weibliche) Geschlecht, schon jetzt sehr gut nachvollziehen kann. Das geht wohl ein bisschen an der Realität vorbei. Bleibt zu sagen: lieben Dank für die Review. Wie immer toll und hilfreich formuliert. Wenn ich mal Lesenachschub für Zwischendurch brauche, dann greife ich vielleicht mal spontan zu. :)

    LG, Reni

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    1. Wie gesagt, man kann es lesen, aber man muss nicht! Ja, an der Realität vorbei - das trifft es ganz gut! Falls du es jemals liest, musst du mir unbedingt sagen, ob du ein ähnliches Lesegefühl hattest!

      LG,
      Marie

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]