|Rezension| "Was geschah mit Mara Dyer?" von Michelle Hodkin

4:56:00 PM

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 Ich heiße nicht wirklich Mara Dyer, aber meine Anwältin meinte, ich müsse mir einen Namen zulegen, ein Pseudonym.

Der Tag an dem Mara Dyers Leben sich von grundauf veränderte, fehlt in ihrer Erinnerung. Sie leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und Wahnvorstellungen. Ein Umzug soll anders verändern, doch auch die ersten Tage an der neuen Schule helfen Mara nicht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Überall sieht sie Dinge, die gar nicht da sein sollten, die sonst niemand sehen kann und Mara droht an ihrer Angst zu verzweifeln. Bis sie schließlich Noah Shaw kennenlernt, den geheimnisvollen Womanizer, der versucht, sie wieder in die Realität zurück zu holen. Doch auch er hütet ein Geheimnise, das mit Maras verbunden zu sein scheint und als die Erinnerungen zurückkehren, weiß Mara, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

Die Geschichte um Mara Dyer ist sehr einfach und jugendlich gehalten ohne in irgendeiner Weise besonders zu sein. Zwar erschafft Hodkin einen relativ flüssigen Schreibstil, der sich leicht weglesen lässt, doch insgesamt ist ihr Stil etwas holprig und unausgereift. So leidet auch die Atmosphäre ab und an am Stil, denn obwohl viel Potenzial vorhanden gewesen wäre, wird dieses nicht vollends ausgeschöpft. Hier hätte man viel mehr Spannung und Grusel allein durch den Schreibstil aufbauen können, die Geschichte bleibt jedoch sehr eindimensional und platt.

Was geschah eigentlich mit der richtig guten Urban Fantasy, die einen noch so richtig in den Bann gezogen hat und
in der der geheimnisvolle Bad Boy noch glaubwürdig und nicht lächerlich war? Vielleicht bin ich aus dem Genre herausgewachsen, vielleicht fehlt es der heutigen Jugendliteratur aber auch ein an Originalität und eigenen Konzepten, denn auch das, was mit Mara Dyer geschah, ist eine dieser altbekannten Klischeegeschichten, die weder mit Spannung, noch mit einem intelligenten Plot aufwarten können. Nach dem Spruch "So packend wie Blair Witch Project" habe ich mir unter "Was geschah mit Mara Dyer?" eine spannende paranormale Horrorgeschichte für Jugendliche vorgestellt, die dem Leser das Gruseln lehrt - leider hat die gute Mara Dyer weitesgehend gar nichts mit dem Blair Witch Project gemein und so bleibt die Geschichte um das verrückte Mädchen doch eine von vielen und ließ mich mit der einen Frage zurück: Warum?

Warum hatte die Geschichte derart viel Potenzial, das nicht genutzt wurde? Lockt der Anfang noch mit Horror- und Gruselelementen, so wird er nach einigen Seiten zu der typischen High School Paranormal Romance mit unglaubwürdigen Figuren, einer unausgereiften Ideen und einem nicht aufgelösten Ende. Die Seiten plätschern dahin und erst gegen Ende scheint der Autorin eingefallen zu sein, dass dann ja doch noch etwas passieren sollte, sodass die letzten hundert Seiten wie der höchste Punkt einer Achterbahn sind: Man guckt hinunter in den Abgrund und will eigentlich gar nicht mehr runterfahren. Und ja, ich wollte tatsächlich gar nicht unbedingt weiterlesen und habe mich ab der Mitte nur noch durch die Geschichte gequält. Dabei ist es ein ungeheures Hin und Her: Manchmal baut Hodkin spannende Elemente ein, die mich denken lassen: Ja, ja! Genau SO! - aber Pustekuchen. Kurz darauf brechen die ganzen Erwartungen und Hoffnungen wieder in sich zusammen wie ein Kartenhaus, das man immer wieder neu aufzubauen versucht.

Das Todesurteil für "Mara Dyer" war der Moment, als Noah ins Spiel kommt. Ich habe in diesem Buch gar nicht so sehr mit einer dramatischen Liebesgeschichte gerechnet, aber sie kommt - natürlich kommt sie. Und sie kommt in Form des spindeldürren ("schlacksiger, fast magerer Körper" - S.36) Noah Shaw, der als Sexgott und Bad Boy der Schule deklariert wird, denn "Noah geht nicht mit Mädchen. Er fickt sie [...]" (S. 127). Liebe Autoren: Wieso? Macht die Jugend von heute tatsächlich den Eindruck, dass sie auf extrem dürre Sexmonster steht, die Mädchen nur benutzen? Ist es das, was
heutzutage in ist? Das alles wäre ja auch noch halbwegs zu ertragen gewesen, wenn Noah nicht absolut unglaubwürdig gewesen wäre. Doch es ist die typische Liebe auf den ersten Blick, denn Mara ist auch eine der weiblichen Exemplare, die Bad Boys innerhalb eines Tages zähmen können und - Hurra - da bindet er ihr sogar schon die Schuhe zu. Merke: Liebe in Jugendbüchern ist gleichbedeutend mit der Unfähigkeit sich selbst die Schuhe zubinden zu können.

Mal ganz davon abgesehen, dass die Liebesgeschichte absolut platt und beschämend uninnovativ ist, begegnen uns auch weiterhin so einige Handlungsstränge, die ins Nichts verlaufen und noch dazu konstruiert wirken. Die gruseligen Momente mal ganz außer Acht lassend (denn die haben mir wirklich gefallen), genau wie die Rückblenden, so lebt das Buch lediglich von Maras Angst und Zweifeln, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen. Das geht sogar so weit, dass sie sich am Ende total hasst und ihr Geheimnis, dass ich mir tatsächlich spektakulärer vorgestellt habe, einfach hinnimmt und nicht in Frage stellt. Man hätte hier einige elegantere Lösungen finden können - wieso muss eigentlich immer alles paranormal erklärt werden? Wie interessant wäre es mal, tatsächlich die menschliche Psyche zu betrachten, die in Maras Fall doch mal wirklich breitgefächerter gewesen wäre? So nimmt die Story leider den gewohnten Verlauf und obwohl sie gegen Ende noch einmal mit so einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann, hat sie mich nicht überzeugen können.

Was geschah mit Mara Dyer? Leider bin ich auch nach dieser Lektüre nicht wirklich schlauer geworden und kann nicht einmal diese Frage befriedigend beantworten. Ein unausgereifter, teils sehr klischeehafter und teils lächerlicher Auftakt einer Trilogie, die extrem viel Potenzial gehabt hätte, sich letztendlich aber auf längst geschriebenen Geschichten ausruht und sich nicht traut, einen Schritt in eine andere Richtung zu wagen. Die wenigen Gruselmomente wussten mich zu unterhalten und auch einige überraschende Wendungen haben dazu geführt, dass ich das Buch zu Ende gelesen habe, ohne diese sähe es aber ziemlich übel für Mara Dyer aus, denn so richtigen Spaß macht ihre Geschichte nicht. Solltet ihr aber noch immer nicht genug von Christian Grey ähnlichen Typen haben und flotte Liebesgeschichten mit paranormalen Elementen mögen, könnte es euch eventuell interessieren, was mit Mara Dyer geschah.


 
Michelle Hodkin wurde in der Nähe von Miami geboren und wuchs im Süden Floridas auf. Sie besuchte das College in New York und später die juristische Fakulät in Michigan. Wenn sie nicht schreibt, kümmert sie sich um ihre Tiere. ›Was geschah mit Mara Dyer?‹ ist ihr erster Roman. [via dtv]

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Für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanke ich mich sehr herzlich bei

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5 Wortmalerei(en)

  1. Nach so vielen Lobhymnen war ich von diesem Buch auch mehr enttäuscht als alles andere. Kann mich jetzt schon gar nicht mehr an alles erinnern, aber das zeigt wohl auch, wie "einprägsam" es war.

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  2. Ich habe (im Gegensatz zu den anderen Bloggern xD) vom Buch noch nie gehört, und durch deine Rezi landet das Buch erst recht nicht auf meine WL. :D

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  3. Hahaha ich habe ja deinen Kampf gegen das Buch auf Twitter verfolgt <3
    Und mich hat dieses Buch noch nie wirklich angesprochen und jetzt noch weniger :D Vielen Dank für diese aufschlussreiche Rezension.

    Liebst, Lotta

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  4. Ich fand den Roman großartig. Er hat mich emotional und auch handlungstechnisch sehr ergriffen und die Charaktere waren mir auch mehr als sympathisch. Es war eines der Bücher, die ich geschlossen habe und noch Tage danach Gänsehaut hatte. Kann dementsprechend nur widersprechen, ABER jeder hat ja seinen eigenen Geschmack und es ist schön, dass du deine Meinung so frei heraus schreibst. :)

    Liebe Grüße,
    Nazurka

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  5. Obwohl dir das Buch ja nicht so gefallen hat, finde ich das Cover extrem schön, ein wahrer Blickfang *_* Und deine Rezension erst! Wirklich wunderschön :)

    Du hast einen neuen Leser :D Nämlich mich. Freue mich bei jedem Gegenbesuch :)

    Liebe Grüße!
    switching-sides.blogspot.de

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]