|Rezension| "Weisst du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?" von Jess Rothenberg

8:09:00 PM


 Es gibt da immer diesen einen Jungen, der dich einfach nicht mehr loslässt.

 
Die fünfzehnjährige Aubrie Eagan, auch Brie genannt (wie der Käse), ist ein ganz normales Mädchen bis zu dem Tag, an dem ihre große Liebe Jakob ihr
die allseits verhassten Worte sagt: "Ich liebe Dich nicht." Es sind nur vier Worte und doch reichen sie aus um Bries Herz brechen zu lassen - im wahrsten Sinne des Wortes. Schon bald befindet sie sich in ihrem Stück des Himmels und lernt dort den charmanten Patrick kennen, der mit ihr zurück zur Erde geht, um Rache zu üben, denn Jakob scheint nicht nur mit ihr Schluss gemacht zu haben, sondern birgt noch ein anderes großes Geheimnis. Doch nicht nur bei Jakob läuft etwas völlig schief, auch Aubries Familie entfernt sich immer weiter voneinander und schon bald muss Aubrie sich entscheiden - zwischen der Rache und dem Seelenfrieden.

Jess Rothenberg hat einen Schreibstil wie Schlagsahne, der fluffig leicht auf der Zunge zergeht und nicht schwer im Magen liegt. Sehr jugendlich und mit einigen Seitenhieben und Einschüben erzählt sie atmosphärisch dicht von dem Teil des Lebens, der uns wohl allen die größten Sorgen bereitet und schafft es dabei gleichzeitig schräg, humorvoll und herzzereißend (im wahrsten Sinne des Worts!) melancholisch zu sein. Der Spagat zwischen Tiefgründigkeit und Humor gelingt hierbei gut, dennoch bleibt die Geschichte jugendlich und leicht lesbar.

Den Stich im Herzen kennt jeder, vor allen Dingen den, der Widerhaken hat und gar nicht mehr verschwinden will. Was aber, wenn ein sprichwörtlich gebrochenes Herz zum Tode führen kann? Wenn es uns umbringt, Kummer zu haben? Diese skurrile, wie originelle Idee finden wir in "Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?", ebenso wie eine erfrischend liebevolle und ergreifende Geschichte, die es schafft auf eine leichte Art und Weise herzzereißend zu sein. Das geht nicht? Jess Rothenberg beweist das Gegenteil, in dem sie Humor mit Traurigkeit und einer ziemlich prikären Situation paart und so eine Geschichte erschafft, die einem wohl definitiv die Tränen in die Augen treiben wird - und wenn nicht, müsste man schon ein Herz haben, das überhaupt nicht brechen kann.

Das Herz der fünfzehnjährigen Aubrie jedenfalls kann auf jeden Fall brechen - nein, es ist sogar schon gebrochen, denn um es ganz klar zu sagen: Aubrie ist tot. Und Aubrie stirbt mit Klasse (und einer ganzen Menge Witz!). Das macht Brie aber nicht weniger lebendig - zumindest im literarischen Sinne -, denn mit ihr hat die Geschichte eine besonders sympathische Protagonistin, die nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie hängt an ihrem Leben und an ihrer Familie, muss nun aber mit der Situation zurecht kommen (was ihr nicht immer gelingt) und durch die verschiedenen Stadien der Akzeptanz gehen: Verleugnung, Wut, Seelenhandel, Traurigkeit und Frieden - zumindest laut Patrick, ebenfalls tot (und das schon seit einer Weile!), der sich direkt an Aubrie hängt und ihr im Laufe des Buches so ziemlich jede Käsesorte als Spitznamen gibt.

Die Figuren sind eigentlich durchweg sympathisch und liebevoll gezeichnet, auf den ersten Blick ein wenig stereotypisch, um dann doch ganz anders zu sein, als gedacht. Rothenberg erschafft viele unterschiedliche Szenarien mit ihrer Geschichte, in denen sich die unterschiedlichen Figuren beweisen und zeigen können, was nicht nur dem Leser hilt, sich zurecht zu finden - auch Brie lernt dazu. Den Facettenreichtum der Geschichte hatte ich definitiv nicht erwartet, als ich angefangen habe zu lesen, ist doch das Buch insgesamt eher leicht und jugendlich gehalten, sodass es teils überraschte mit vielen Themen sich das Buch letztendlich beschäftigt (Homosexualität, Betrug, Trauerbewältigung, Wiedergeburt, Liebe, Freundschaft...) und wie tiefgründig es an manchen Stellen doch wurde. Nur gegen Ende wurde es dann ein wenig viel des Guten und ich fand es ein wenig schade, wie die Geschichte mit Patrick aufgelöst wurde, auch wenn das natürlich sehr romantisch war. Es ist ein leichter Weg, den die Autorin da gewählt hat, dennoch kann ich es so akzeptieren.

Auch die Aufteilung des Buches in die verschiedenen Phasen gelingt und gefällt. Aubries Weg bis hin zu ihrem Seelenfrieden ist verständlich und glaubwürdig beschrieben und weiß zu bewegen. Ich hätte mir nur gerne mehr Szenen aus der Vergangenheit mit den verschiedenen Personen aus ihrem Leben gewünscht, die Brie und die jeweilige Person mehr als Einheit gezeigt hätte und gemeinsame Situationen schildert - das kommt zwar das ein oder andere Mal vor, war mir aber doch zu wenig, um wirklich große Beziehungen zu den unterschiedlichen Figuren aufzubauen. Vor allen Dingen eine größere Bindung zu Jakob wäre schön gewesen, weil er ja doch angeblich eine so wichtige Figur für Aubrie ist und letztendlich die meiste Zeit über wie ein Fremder auf mich wirkte. Ebenfalls interessant fand ich die Beschreibung des Himmels (bzw des Jenseits), in dem sich Brie befindet. Ich mag die verschiedenen Auffassungen und Sichtweisen, die Autoren von dem Leben nach dem Tod haben und auch diese hier hat mir sehr gut gefallen.

Liebes "Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?" - weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast? Du hast mich nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Weinen gebracht und diesen skurrilen Spagat zwischen Tränen und Lachen mit Bravour gemeistert. Das Wort "herzzereißend" bekommt hier eine völlig neue Bedeutung und wer mit sympathischen Figuren einen Blick hinter die so gefürchtete Kulisse des Todes wagen will und tiefgründige Jugendgeschichten ohne viel Paranormalität mag, wird mit Raclette und Patrick sicherlich seinen Spaß (und seine Traurigkeit) haben. Denn "Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?" ist eine bewegende, wie schöne Geschichte über die Konsequenzen von Handlungen, der Freundschaft, der Liebe und dem Loslassen. Über kleine Macken sieht man da gerne hinweg - Lesen, lesen, lesen!


Jess Rothenberg, 1983 geboren, studierte Englisch und Soziologie, und arbeitete viele Jahre als Jugendbuchlektorin bei Penguin Razorbill. Nebenher begann sie ein Studium für professionelles Schreiben. Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast? ist ihr Debüt, das in den USA für großes Aufsehen sorgte und dessen Übersetzungsrechte in alle wichtigen Länder verkauft wurden. Bei Hanser erscheint es im Herbst 2012. Jess Rothenberg lebt in Brooklyn, New York, und lebt inzwischen vom Schreiben. [via Hanser]

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11 Wortmalerei(en)

  1. Das Buch liegt seit ewigen Zeiten auf meinem SuB, ich hatte es sogar schon einmal angefangen und bin einfach nicht reingekommen... nach dem ich jetzt deine Rezension gelesen habe, werde ich es aber wohl demnächst doch noch einmal in die Hand nehmen ;-)

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    1. Ich glaube, du musst einfach weiterlesen, dann wird es dir ganz bestimmt auch gefallen :) Bin gespannt, was du dazu sagst!

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  2. Ich muss dieses Buch lesen. JETZT! xD Verdammt, deine Rezi ist voll toll und ich hab das Buch doch noch nicht und ich will es jetzt so dringend lesen! xD Schmuu! xD

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    1. :D:D Hach, du bist so süß. Wenn du es noch nicht hast, bis wir uns treffen, kann ich es dir gerne ausleihen :)

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  3. Wieder mal eine klasse Review! "Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?" gefiel mir damals auch sehr und ich war positiv überrascht. Bei der schlussendlichen Auflösung um Top-Gun Patrick ging es mir wie dir. Im Enddeffekt hat es mich aber auch nicht allzu zu sehr gestört, weil die Geschichte einfach schön und anders war, als erwartet. Die ganzen Käsespitznamen haben mich auch des Öfteren zum Schmunzeln gebracht und die Trauerphasen wurden super umgesetzt. Ach ja, wenn ich deine Review so lese, könnte ich das Buch glatt nochmals lesen. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Hey Reni, danke :) So richtig gestört hatte es mich auch nicht, aber ich finde einfach, dass es sich die Autorin damit sehr leicht gemacht hat. Man musste nicht noch irgendeine Story erfinden, die Patrick und Brie zusammengebracht hätte und das hat mir einfach gefehlt. So richtig verlieben konnte ich mich nicht in die zwei. Trotzdem ein superschönes Buch und ich fand die Käse und Deine Mutter Witze auch ganz klasse :)

      Liebste Grüße,
      Marie

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  4. Will ich lesen! *.* Diese Rezension ist so gelungen, man rennt ja schon fast zum nächsten Buchladen, um das Buch zu kaufen! Auch wenn es acht Uhr abends ist.. xD

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    1. Ohh, wie lieb :D Danke :) Wenn du es mal lesen solltest, sag gerne bescheid, wie es dir gefallen hat! Würde mich total interessieren :)

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  5. Wirklich wunderschön und sehr treffend rezensiert, liebe Marie! Mich hatte das Buch auch unglaublich berührt. Es gab Tränen, Gelächter...Es ist eine sehr emotionale Geschichte. Genau die richtige Mischung halt.

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  6. Hallo Liebe Paperdreams! Ich habe heute das Buch "Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?" zu Ende gelesen und verstehe das Ende mit Patrick nicht. :S Hat Brie zwei mal gelebt? Wurde sie nach dem Motorradunfall mit Patrick wiedergeboren? Ich bitte um Erklärung :(

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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