|Rezension| "Rette mich vor dir" von Tahereh Mafi

12:51:00 PM



























http://www.randomhouse.de/goldmann/ http://www.amazon.de/Rette-mich-vor-dir-Roman/dp/344231304X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1383133838&sr=8-1&keywords=rette+mich+vor+dir

Vielleicht ist die Welt heute ein pralles Spiegelei.

 
Nachdem Juliette und Adam die Flucht aus den grausamen Fängen des Reestablishments gelungen ist, finden sie sich nun im Stütz- und Mittelpunkt der Rebellion wieder. Im Omega Point leben all diejenigen Menschen, die, ebenso wie Juliette, besondere Fähigkeiten haben. Doch auch hier fühlt Juliette sich nicht verstanden und sicher, zumal Adams Immunität gegenüber ihrer Macht langsam nachzulassen scheint. Im Kampf gegen ihre Sehnsucht und ihre ständigen Gedanken an Warner, vergisst sie beinahe, dass sie nicht die einzige ist, die Probleme hat - stehen sich die Menschen doch einer viel größeren Thematik gegenüber: dem Krieg gegen das Reestablishment. Und mit ihm dem geheimnisvollen und düsteren Warner, der Juliette nicht aufgeben kann...

Tahereh Mafis Schreibstil ist unverkennbar und ein Markenzeichen der Geschichte um Juliette, daher ist es vielleicht gerade diese Komponente, die die Bücher derart einzigartig und lesenswert macht. Selbstverständlich nach dem offensichtlichen und doppeldeutigen Motto "Das Auge liest mit" ist Mafis Schreibstil nicht nur klangtechnisch ein besonderer Leckerbissen, sondern bietet dazu auch den ein oder anderen Augenschmaus, wenn bestimmte Passagen durchgestrichen oder besonders auffällig formatiert sind. Dabei wird eine metaphorische Welt erschaffen, die voll mit Bildern, Vergleichen und Lebhaftigkeit steckt und eine Atmosphäre, wie dunkler, warbender Rauch - geheimnisvoll, gefährlich und leidenschaftlich. Ab und zu driftet Mafis Stil ins Kitschige ab und die Sprache wird ein wenig zu blumig, doch auch das kann man dem sehr besonders geschriebenen und einzigartigen Werk definitiv verzeihen.

Manche Bücher sind wie eine Tüte Haribo Colorado - kunterbunt, vielfältig und zuckersüß. Und es gibt immer etwas darin, was man absolut nicht ausstehen kann und dann einsam und allein am Boden der Tüte zurückbleiben muss. So oder zumindest so ähnlich verhält es sich mit "Rette mich vor dir", dem zweiten Band um Juliette, Adam und Warner, aus dem man am seine Lieblingssorten gerne rauspickt, ab und an aber leider auch auf eine unliebsame Sorte beißen muss. Wie schon der Vorgänger hat auch "Rette mich vor dir" so manche Schwäche, die der Roman aber durch andere Szenen wieder ausgleichen kann - es ist ein verrücktes Hin und Her der Sympathie, denn hundertprozentig überzeugen konnte mich dieses Buch nicht, andererseits lässt sich die prickelnd spannende und emotionale Geschichte nicht so leicht vergessen - insofern würde ich das Buch als lesenswert, aber definitiv nicht als perfekt einstufen.

Einer meiner größten Kritikpunkte, der mir auch schon im ersten Band sauer aufgestoßen ist, ist der mangelhafte Weltentwurf, der kaum näher beleuchtet wird. "Rette mich vor dir" ist eher ein Charakterroman, ganz klar, aber dennoch fehlte mir oft der Hintergrund, die genauen Zustände, einfach um das Leiden der Welt durch die Augen von jemandem zu sehen, der wirklich ernsthaft unter Hunger und Armut leidet. Wir bekommen aber in diesem Fall nur den Omega Point vor die Augen, in dem es genug zu Essen gibt und der angeblich so große Schrecken der Welt nur im Kriegstraining deutlich wird. Gerne hätte ich noch mehr von der Außenwelt mitgenommen (wie es andeutungsweise in "Zerstöre mich" der Fall war), da ich so vielleicht emotional noch mehr in der Geschichte hätte verschwinden können. So bleibt "Rette mich vor dir" ein Häschen im Faschingskostüm.


Auch Protagonistin Juliette macht sich bis zur Hälfte des Buches keine Freunde. Wie Kenji es so absolut treffend beschreibt, leidet sie "an schwerer mentaler Verstopfung" (S. 157) und leidet die meiste Zeit nur vor sich hin. Ständig muss sie sich wieder klar machen, wie nutzlos und schrecklich sie ist und auch wenn diese Haltung im Hinblick auf ihre Vergangenheit logisch erscheint, ist man als Leser sehr schnell von dieser mitleidigen Art genervt. Erst gegen Ende taut sie ein wenig auf und
wirkt deutlich verändert, doch in diesem Band war mir das noch viel zu wenig und Juliette blieb für mich sehr distanziert. Dasselbe gilt für Adam, den ich schon im ersten Band sehr blass fand. Auch er bleibt in meinen Augen lediglich ein Motiv für Juliettes Sehnsucht berührt und geliebt zu werden und nicht so sehr für ihre große Liebe. Dafür springt sie viel zu schnell und viel zu gerne zu Warner ohne viele Gedanken daran zu verschwenden, dass sie doch eigentlich in Adam verliebt ist. Warner ist der einzige Charakter in der Geschichte, der tatsächlich Tiefe und Vielfalt zeigt. Er ist eine zwiespältige Person, die sich gerade durch das eShort zu einem meiner Lieblingsfiguren gemausert hat.

"Rette mich vor dir" überzeugt gerade auf emotionaler Ebene. So gelingt es Mafi beispielsweise Gefühle und Emotionen sehr authentisch und durch bildreiche Beschreibungen an de Leser zu bringen. Auch wenn so einige Handlungen nicht verständlich sind, durch die emotionalen Bindungen wird das für den Leser relativ unwichtig, denn man spürt die gewaltige Welle an Gefühlen und das ist es, was letztendlich zählt. Besonders Liebesszenen weiß die Autorin sehr gut zu beschreiben, auch wenn es hier ab und zu ein wenig kitschiger werden kann - sie schafft es doch das zu transportieren, was sie möchte. Auch die Kriegsthematik nimmt mehr Form an und zeigt erste Situationen, die  wohl im dritten Band endlich eskalieren werden. Ich hoffe, dass man dann ein wenig mehr auf die Bevölkerung und die Situation eingeht, denn das wird hier weitesgehend außer Acht gelassen. Der Fokus liegt viel mehr auf den unterschiedlichen Begabungen der Bewohner von Omega Point und das wirkte für mich manchmal alles ein wenig zu einfach.

"Rette mich vor dir" ist "Süß wie ein Tropfen Honig, schön wie ein Tulpenfeld im Frühling" (S. 186), aber es ist auch eine bunte Mischung, die nicht jeden hundertprozentig überzeugen wird. Der Fokus im zweiten Band der Reihe um Juliette liegt wie gewohnt auf den Figuren - gerade auf Juliette, die sich auch hier als eher weinerlich erweist - und lässt den Part der Hintergründe und den Weltentwurf leider zu sehr außer Acht. Besonders die Beziehung zwischen Warner und Juliette rückt aber mehr und mehr in den Vordergrund und gerade deswegen ist "Rette mich vor dir" eine brillant geschriebene und lesenswerte Geschichte, die einen trotz Kitsch und einer mitleidgen Protagonistin, irgendwie mitzureißen weiß. Gerade emotional beweist die Autorin wieder viel Geschick und erschafft eine Fortsetzung, die in meinen Augen besser als der erste Band ist.


Tahereh H. Mafi ist 25 Jahre alt. Sie wurde als jüngstes von fünf Kindern in einer Kleinstadt in Connecticut geboren und lebt mittlerweile in Orange County in Kalifornien. Nach ihrem Abschluss an einem kleinen College in Laguna Beach studierte Mafi, die acht verschiedene Sprachen spricht, ein Jahr in Spanien. Danach reiste sie quer durch die Welt und fing nebenbei an zu schreiben. Mit ihrem Debüt "Ich fürchte mich nicht" eroberte sie die amerikanische Romantasy-Gemeinde und Bloggerwelt im Sturm. "Rette mich vor dir" ist der heiß ersehnte zweite Band der Trilogie um Juliette. [via Goldmann]
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4 Wortmalerei(en)

  1. Ich kann das eigentlich genau so unterschreiben. Mir sind diese Schwächen auch aufgefallen, wurden aber immer wieder von tollen Szenen überdeckt. Ich hoffe auch, dass in Teil 3 noch ein wenig mehr auf die äußeren Umstände eingegangen wird - aber ganz ehrlich, ich bezweifle es.

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    1. Ich bezweifle es auch ein wenig, hier ist der Schwerpunkt einfach auf die Figuren gelegt und nicht auf das Rundherum. Das nimmt nur leider ein wenig Atmosphäre, aber gut, ich mag die Bücher dennoch.

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  2. Duep Duep Duep,
    Ich habe mal wieder nur die Bewertung angesehen, weil es bei mir noch auf dem SuB liegt und ich natürlich sehen muss wie gut du es findest, damit es weiter nach oben rutscht ^^
    Ich freue mich nun also schon auf das Buch :D
    Danke dir <3

    Liebst, Lotta

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]