|Rezension| "Herz aus Eis" von Anne Ursu

12:01:00 AM





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Es schneite, kurz bevor Jack aufhörte mit Hazel zu reden.

Als der Vater der kleinen Hazel die Familie verlässt und Hazel auch die Schule wechseln muss, verändert sich ihr ganzes Leben. Die einzige Konstante in ihrem Leben ist ihr bester Freund Jack, mit dem sie ständig unterwegs ist und vergessen kann, dass sie ansonsten keine Freunde findet. Als sich jedoch auch Jack eines Tages abwendet und schließlich völlig verschwindet, weiß Hazel sich nicht mehr zu helfen und macht sich auf die Suche nach ihrem besten Freund. Ihr Weg führt das junge Mädchen durch einen verzauberten Wald, in dem nichts so ist, wie es scheint und in dem sie schon bald herausfindet, dass Jack von der Hexe mitgenommen wurde und das niemand aus ihrem Eispalast je wieder zurück kommt.

Anne Ursus Schreibstil ist weitesgehend kindgerecht und sehr leicht leserlich. Das Buch ist aus eines auktorialen, allwissenden Erzählers geschrieben und wirkt so manches mal ein wenig distanzierter, liest sich aber allgemein wie ein verschneites und modernes Märchen. Auch atmosphärisch bietet die Geschichte einiges: eine düstere, fast schon bedrohliche Stimmung und viele magische Elemente machen das Buch zu einer lesenswerten Lektüre. Besonders fasziniert war ich von den Kapiteln aus der Vogelperspektive, in denen der Erzähler das Geschehen zusammenfassend kommentiert und quasi komplett herauszoomt, um jedes Detail zu erfassen. Sicherlich ist der Stil eher simpel und mag für manche Person zu kühl wirken, mir hat er aber sehr gefallen.

Geschichten, die sich an bereits bekannte Bücher anlehnen oder sich an verschiedenen Elemtenen bedienen können leicht schief gehen. Manchmal ist es einfach zu viel, wirkt nicht und erzählt keine eigene Geschichte, hat keine eigene Note. "Herz aus Eis" jedoch muss sich vor dieser Kritik nicht fürchten, auch wenn hier merkbar und stellenweise natürlich auch gewollt Elemente aus "Die Schneekönigin", "Die Chroniken von Narnia" und diverse andere Märchenbruchstücke verwendet werden. Entgegen meiner erst sehr skeptischen Erwartungen, hat das in "Herz aus Eis" aber sehr gut funktioniert - diese magische und märchenhafte Mischung mit Dingen, die man schon kennt und liebt, gepaart mit der winterlichen Stimmung und dieser Erzählung, die wie gemacht ist für kalte und dunkle Nächte, in denen man mit Kakao und Kuscheldecke am Fenster sitzt und den Schneeflocken beim Schweben zusieht. Wer also auf der Suche nach einer winterlichen Geschichte für Groß und Klein ist, die sich wie ein (modernes, aber dennoch klassisches) Märchen liest, sollte mal einen Blick auf "Herz aus Eis" werfen.

Die erste Hälfte des Buches ist sehr modern gehalten und erzählt die Geschichte von Hazel und ihrem Leben, das nicht unbedingt einfach ist. Hazel ist ein sehr schüchternes und ängstliches Mädchen - doch ihre Angst bezieht sich eher auf das reale Leben: die Kinder in ihrer Schule zu denen sie keine Bindung aufbauen kann und auch ihre Andersartigkeit in Form ihrer Hautfarbe (sie ist adoptiert) machen ihr zu schaffen. Viel zu oft verschwindet sie, gemeinsam mit ihrem besten Freund Jack, in ihrer Phantasiewelt, in der prinzipiell alles möglich ist. Hazel ist von Anfang bis Ende eine durchweg sympathische junge Protagonistin, die gerade durch ihre ehrlichen und - im wahrsten Sinne des Wortes - phantastischen Gedanken hervor- und besticht. Sie gibt dem Leben eine zauberhafte Note und ist eigentlich genau wie ein Kind - kreativ, lebenshungrig und phantasievoll. In ihrem Umfeld jedoch sind eigentlich fast alle außer Jack eher pragmatisch eingestellt und so fällt es Hazel schwer, sich einzufügen. Ihre familiäre Situation ist ebenfalls schwer, da ihre Mutter ihr ständig einredet, sich erwachsener zu benehmen und ihr Vater ausgezogen ist.


In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann schon phantasievoller und vor allen Dingen magischer zu. Dieser Sprung hat mir sehr gut gefallen, weil er so nahtlos und übergreifend, wenn auch sehr überraschend kam. Hier wird es zwischendurch ziemlich düster und auch gruselig und hat Hazel öfter mal auf die Probe gestellt auf ihrer Suche nach Jack. Viele Situationen sind sehr tiefgründig und spannend erzählt, sodass man sie vermutlich in jedem Alter irgendwie anders verstehen kann. Man beginnt sich gemeinsam mit Hazel auf ein ganz tolles Abenteuer, das sich wichtig und groß anfühlt
Zeichnungen aus der Originalausgabe "Breadcrumbs" von Anne Ursu
und dem man zu jedem Zeitpunkt neugierig gegenübersteht. Besonders gut gefallen haben mir aber die Kapitel, die quasi allwissend noch einmal alles zusammengefasst haben und das auf eine sehr differenzierte, aber auch märchenhafte Art und Weise. Der Leser erhält einen Blick aus der Vogelperspektive und kann so das ganze Geschehen greifen und verstehen.

So spielen Themen wie Mobbing, Familie, Erwachsenwerden, Andersartigkeit und Freundschaft eine große Rolle, doch wer gedacht hat, dass es das schon war, liegt definitiv falsch. In diesem Buch stecken derart viele Werte und Gedanken, dass es fast zu viele für ein solch dünnes Kinderbuch (?) sind. So wirkt die Geschichte stellenweise ein wenig überladen, zu wenig wird ausgeführt oder gelöst - was ist beispielsweise mit dem Mädchen und ihrem Onkel? Welche Rolle haben sie gespielt? Die moralischen Aspekte waren dennoch gut ausgearbeitet und mir zeitweise für Kinderbuch fast schon zu düster. Generell würde ich "Herz aus Eis" aber auch nicht als solches bezeichnen, auch wenn es so ausgelegt ist. Ich würde die Geschichte beinahe schon als zeit-und alterlose Geschichte bezeichnen, die sich lediglich als Kinderbuch getarnt hat. Sie ist einfach etwas für jeden, ob Groß oder Klein, ob Alt oder Jung, weil die Thematik immer aktuell und immer wichtig ist. Gegen Ende ging mir aber doch alles ein wenig zu schnell und abrupt. Hier hätte ich gerne erfahren, wie sich Hazels Leben durch ihr Abenteuer verändert - was vermutlich auch gerade für das jüngere Publikum wichtig gewesen wäre.

Auch Menschen mit einem "Herz aus Eis" werden bei dieser Geschichte für Groß und Klein dahinschmelzen, wenn sie sich auf dieses besondere Abenteuer einlassen. Die Mischung vieler Elemente und Anlehnungen an andere Geschichten wird sicherlich nicht jedem gefallen, doch ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der eine warmherzige und phantastisch märchenhafte Geschichte für dunkle und kalte Tage sucht, die einen ins Zauberland trägt und ein Abenteuer der besonderen Art beschreiten lässt. "Herz aus Eis" ist ein zeit-und alterloses Buch, das sich als Kinderbuch tarnt und mit einer unglaublich süßen und sympathischen Protagonistin besticht. Ein wunderschönes Märchen, dem man kleine Schwächen nur allzu gern verzeiht und ein Must Read für kalte Wintertage - an dieser Stelle eine klare Leseempfehlung für diese verzauberte Geschichte um Freundschaft, Mut und Andersartigkeit.


Anne Ursu unterrichtet Kreatives Schreiben für Kinder- und Jugendliteratur an der Hameline Universität in Minneapolis. Nebenbei arbeitet sie als Journalistin und hat die erfolgreiche Cronus Chronicles Trilogie geschrieben und zwei Bücher für Erwachsene veröffentlicht. [via Aladin]

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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