|Rezension| "Der Soundtrack meines Lebens" von Jessi Kirby

6:17:00 PM




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 Das Krachen des ersten Schusses zerreißt den Nachmittag.

Honors Leben zerbricht, als sie die Nachricht erhält, dass ihr älterer Bruder Finn - der wichtigste Mensch in ihren Leben - im Irak gefallen ist. Kurz nach seinem Tod erhält sie jedoch einen Brief von ihm, den Finn Wochen zuvor abgeschickt haben muss. In dem Brief befindet sich ein Geschenk für Honors Schulabschluss - Karten für das letzte Konzert einer Sängerin, die die Geschwister ein Leben lang mit ihrer Musik begleitet hat. Für Honor steht schnell fest, dass sie unbedingt zu diesem Konzert muss, um Finn die letzte Ehre zu erweisen und so startet sie einen Roadtrip quer durch die USA. Jedoch nicht alleine, denn Finns ehemaliger bester Freund Rusty ist auch mit dabei - und der ist nicht nur ziemlich selbstverliebt und derb, sondern tatsächlich ziemlich gutaussehend. Schon bald wird der Trip zu einer Achterbahn der Gefühle, die Honor immer wieder an ihre Grenzen treibt...

Mit Büchern ist man gut unterwegs - das ist eine Tatsache! Reisen ist kostengünstig, bequem und vor allen Dingen schnell möglich - so auch in "Der Soundtrack meines Lebens". Auf rund dreihundert Seiten geht es einmal quer durch die USA, durch die Gefühlswelt eines traurigen Mädchens, eines derben Typens und durch einige schöne Momente. Dabei ist die Geschichte um Honor, Rusty und co. eine solide Mischung aus verschiedenen Attributen wie Freundschaft, Verlust, Familie, Liebe und Hoffnung und erschafft eine sommerliche Wohlfühlatmosphäre. Was ein wenig in den Schatten rückt, ist dieser ganz besondere Zauber, die Magie, die dieses Buch perfekt gemacht hätte und daher bleibt "Der Soundtrack meines Lebens" nur solide und schafft den Sprung zum Lieblingsbuch leider nicht. Dennoch - wer Lust auf einen sommerlichen Roadtrip mit allerhand Gefühlsballast, einem schicken Auto und einem coolen Soundtrack hat, sollte sich mit Honor und Rusty auf den Weg machen!

Warum das Buch den Sprung nicht macht, fragt ihr euch jetzt? Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass es schwer ist, jedes Gefühl zu verstehen, dass Honor hat. Sicher, die Vorgeschichte ist tragisch, die Situation fast schon ausweglos und die Hoffnung groß, aber irgendwie hat mich all das nur selten wirklich erreichen können. Vielleicht liegt es daran, dass man Honors Verlust nur schwer fassen kann, weil man ihren Bruder nicht kennt, obwohl er zwischen den Seiten immer mal wieder charakterisiert wird. Dennoch fehlt stellenweise der Bezug und diese schicksalshafte Bestimmtheit - teilweise wirkt die Geschichte einfach zu konstruiert und aufgesetzt, um wirkliche Gefühle erschaffen zu können, was mir einfach abging. Wenn man ein so heikles Thema anspricht, muss man es auch spüren können, man muss mitweinen können (Tränen in den Augen zählen nicht!) und den Knoten im Bauch fühlen - selbiges gilt übrigens für Honors Beziehung zu Rusty, die zwar dann und wann ganz niedlich war, insgesamt aber doch eher blass wirkte. Rusty ist schon ein ziemlich derber Kerl, den nicht vieles sympathisch machte und da fehlte insgesamt einfach das Prickeln.


Zwar sind die Schlagabtausche, die sich die beiden liefern schon sehr speziell und manchmal auch lustig, im Großen und Ganzen bewegt sich Rusty aber unter der Gürtellinie und war mir fast schon zu hart (obwohl das auch manchmal irgendwo verständlich war - auch er muss mit dem Verlust zurecht kommen!). Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Honor bis zum Ende eher blass wirkt. Sie scheint ohne ihren Bruder leer und irgendwie "wenig", sodass man sich nur selten wirklich mit ihr identifizieren konnte. Trotzdem ist sie eine sympathische Figur, der man nichts schlechtes wünscht, die nur manchmal gerne etwas individueller hätte sein können. Die Nebenfiguren haben mir in diesem Fall fast ausnahmslos besser gefallen - beispielsweise Rustys Mutter und Stiefvater waren sehr amüsant.

Der große Pluspunkt der Geschichte ist am Ende tatsächlich der Road Trip und das Ziel von diesem. Hier gibt es gegen Ende einige wirklich grandiose Szenen, die mich gleichzeitig zum Weinen und zum Lachen gebracht haben. Jessi Kirby gelingt es, die Landschaften, das Auto und die ganze Fahrt unheimlich atmosphärisch zu gestalten und gerade die verschiedenen Stops, die Honor und Rusty einlegen, waren jedesmal Höhepunkte der Geschichte und hätten gerne noch weiter ausgebaut werden können. Hätte Kirby dieselbe Leidenschaft in die Beziehung zwischen Honor und Rusty gesteckt und noch ein wenig mehr Charme in die Geschichte gebracht - das Buch hätte perfekt werden können. Letztendlich blieb es aber stellenweise etwas zäh und blass und auch der sehr jugendliche und simple Schreibstil trug nicht unbedingt zu einem besseren Lesegefühl bei.

In "Der Soundtrack meines Lebens" ist man gut unterwegs - tatsächlich nicht nur im Auto und durch die verschiedenen Staaten, sondern auch in Sachen Gefühl. Die Fahrt im schicken knallroten Chevrolet Impala hat schon stellenweise etwas von einer Achterbahnfahrt - da geht es rauf und runter und so ist auch das Buch eine Mischung aus Hochs und Tiefs. Die Geschichte liest sich solide und sommerlich weg, hat aber definitiv ihre Schwächen, gerade was die Verlustthematik und die Hauptfiguren angeht. Wer Lust auf einen sommerlich Road Trip mit Wohlfühlatmosphäre hat, einige Tränen verkraften kann und sich von einigen Längen nicht abschrecken lässt, sollte in den Chevy steigen und sich eine angenehme Reise mit Honor und Rusty machen - insgesamt gibt es bessere Bücher, aber das heißt nicht, dass dieser Road Trip keinen Spaß gemacht hätte!



Jessi Kirby war früher Englischlehrerin und Bibliothekarin. Sie ist heute Autorin mehrerer Bücher, Ehefrau, Mutter, Strandliebhaberin und Läuferin. Sie liebt zeitgenössische Jugendliteratur, starken Kaffee und dunkle Schokolade. Und zwar in genau dieser Reihenfolge. [via Thienemann]

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9 Wortmalerei(en)

  1. Das Buch hört sich so toll an, schade, dass es dich nicht 100%ig überzeugen konnte :/
    Liebst, Emme ♥

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    1. Es ist auch ganz nett, aber eben nicht das beste, was ich je gelesen habe :)

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  2. Das hört sich - trotz allem - nach einem Sommerbuch an. Ich merke es mir mal für die nächsten Ferien. :)

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    1. Mach das, abraten möchte ich keinem davon :)

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  3. Das Buch könnte meiner Schwester richtig gut gefallen, auch wenn du ein wenig Kritik mit dabei hast, werde ich mir den Titel auf den jeden Fall aufschreiben. Vielleicht wird das ja ihr nächstes Geburtstagsgeschenk (:

    Liebe Grüße,
    Jasi ♥

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    1. Dann bin ich mal gespannt, wie es ihr gefallen wird :) Trotz Kritik ist es ja kein schlechtes Buch :)

      Liebste Grüße <3

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  4. Ah, da ist sie ja, die Rezi zu "Der Soundtrack meines Lebens" :-)
    Und ach, das Buch wollte ich ja noch bei meinen Sommerbüchern reinnehmen .... tja, wenn der Notizzettel entsorgt wird .... aber es sind ja auch so einige geworden :-)

    lg Favola

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    1. Und was ich noch anmerken wollte: Das Foto ist toll! <3
      Werden Roadtrips neu auf der Strasse fotografiert? :-)

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    2. Jaa, endlich, hat lang genug gedauert :)

      Und: Danke :) freut mich, dass es dir gefällt. Und ja, Roadtrips werden jetzt ganz nach Genre fotographiert :D Gut, nech? Man muss sich halt doch weiterentwickeln :D

      :*

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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