|Rezension| "Obsidian: Schattendunkel" von Jennifer L. Armentrout

3:29:00 PM




http://www.carlsen.de/ http://www.amazon.de/Obsidian-Band-1-Obsidian-Schattendunkel/dp/3551583315/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1398951125&sr=8-1&keywords=obsidian

Ich blickte auf den Stapel Kartons in meinem neuen Zimmer und wünschte mir, das Internet würde schon funktionieren.

Gemeinsam mit ihrer Mutter zieht die sechzehnjährige Katy in ihrem Abschlussjahr von Florida nach West Virginia, in ein verschlafenes Örtchen, in dem es nur eine einzige Ampel gibt und in dem die Post nicht nach Hause geliefert wird - eine Tatsache, die für Buchbloggerin Katy die reinste Katastrophe darstellt. Eigentlich möchte Katy nur ganz schnell das angehende Schuljahr zu Ende bringen, doch als ihre Mutter sie dazu ermuntert bei den Nachbarn zu klingeln, um neue Kontakte zu knüpfen und sie dabei den attraktiven Daemon und seine nicht weniger gutaussehende Schwester Dee kennenlernt, ändert sich sofort alles. Während Dee sofort mit Katy sympathisiert, ist Daemon alles andere als begeistert von der neuen Nachbarin - ganz im Gegenteil, er versucht alles, um Katy zu vergraulen und sie von Dee fernzuhalten. Schon bald merkt Katy, dass noch mehr hinter Daemons großen Hass stecken muss und es dauert nicht lange, bis sie hinter ein Geheimnis kommt, dass sie niemals hätte herausfinden dürfen...

Die großen Bücher machen mich immer skeptisch. "Obsidian: Schattendunkel" wurde schon gehyped, als es hierzulande noch gar nicht erschienen war, war schon ein Bestsellerkandidat noch bevor man überhaupt wusste, dass es hier erscheinen würde. Solche Bücher machen mich einfach skeptisch, zumal sie zumeist Repräsentanten für Schema F sind und in etwas abgewandelter Form genau das erzählen, was dreizehntausendfünfhundert andere Bücher vor ihnen schon lang und breit erzählt haben. "Obsidian: Schattendunkel" kann man diese Tatsachen einfach nicht absprechen, denn egal, was man sagt, ich erkenne extrem viele Parallelen in diesem Buch, die ich bereits anderswo zur genüge gelesen habe. Und trotzdem habe ich mich unterhalten gefühlt, dennoch habe ich bis drei Uhr nachts gelesen, damit ich bloß nicht aufgeregt einschlafen muss, ja, trotzdem habe ich die Figurenkonstellationen interessant und eingängig gefunden. Die daraus resultierende Frage bleibt: Warum funktioniert es immer noch?

Warum wird man von etwas unterhalten, was man schon unzählige Male zuvor, wenn auch etwas abgewandelt, gelesen hat? Wenn ich im Monat zehn Tüten Gummibärchen essen würde, könnte ich die jahrelang nicht mehr sehen, aber warum kann ich dann immer wieder dasselbe Schema lesen und auch noch merken, dass es derselbe Einheitsbrei wie immer ist und es trotzdem gut finden? Was heißt gut - mehr als genug Kritikpunkte haben mit der Zeit dazu geführt, dass ich ein wenig genervt von einigen Dingen in diesem Buch war, was aber nichtsdestotrotz nichts daran geändert hat, dass ich nicht die Finger von der Geschichte um Daemon und Katy lassen konnte. Vielleicht ist es die Tatsache, dass man im Grunde von vorne herein weiß, was geschieht - nicht, was die Details angeht, sondern was die Grundstory betrifft. Man weiß, dass es ein Happy End geben wird, wird abgelenkt von der Unbeständigkeit der Wirklichkeit und kann deswegen so gut in solche Bücher abdriften - was auch immer es ist, Schema F funktioniert immer noch, auch in "Obsidian: Schattendunkel". Von Anfang an wird eine knisternde und unterschwellige Spannung geschaffen, die sich durch das ganze Buch zieht und von Anfang an, weiß man im Grunde, was geschehen wird.

Und wie gesagt, es funktioniert. Schnell lässt man sich auf die Hass-Liebe-Beziehung zwischen Daemon und Katy ein, schnell beginnt man ihre Schlagabtausche witzig und prickelnd zu finden, schnell fängt man an, Daemon wirklich zu hassen und gleichzeitig ziemlich heiß zu finden - ja, die Autorin weiß schon, welche Hebel sie ziehen muss, um genau das zu erreichen. Die Protagonisten sind daher schon echte Typen, obwohl ich nur einmal mehr sagen kann, wie unglaublich nervig ich die typische Rollenverteilung finde - Daemon, (ständig) halbnackter Bad Boy (super muskulös, super braungebrannt, super heiß), spielt Spielchen mit Katy, Mauerblümchen (super zurückhaltend, super langweilig, super 'komplexig') und Buchbloggerin (was ein wenig ausgebauter und relativ sinnloser Fakt über sie war) und schafft es immer wieder, sie durch seine unglaublich dominante Art zu unterwerfen. Zwar merkt man deutlich, dass Armentrout immer wieder versucht, Katy gegen Daemonankommen zu lassen, aber letztendlich hat immer er die Oberhand, was ich wirklich schade finde. Hier hätte Katy sich gerne mehr trauen können, denn wie sie sich teilweise rumschubsen lässt und dann auch noch Dinge bereut, die ich feiern würde, ist zeitweise wirklich nur schwach zu ertragen. Prinzipiell bringt Obsidian in dieser Hinsicht also kaum neuen Wind mit sich, nur das Daemon wirklich ganz schön fies ist und die Liebesgeschichte bis zum Ende hin nicht 'gelöst' wird.

Das einzige, was dieses Buch von anderen Büchern seiner Art abhebt, sind die Wesen, um die es letztendlich hauptsächlich geht, zu denen ich hier aber gar nicht so viel sagen möchte, weil ich eigentlich ganz froh war, dass ich bis zu einem bestimmten Punkt nicht wusste, worum es geht - das erhält einfach die Spannung. Was ich aber sagen kann ist, dass ich diese Wesen stellenweise doch etwas überzeichnet fand - sie waren einfach in jeder Hinsicht viel zu perfekt und haben sich so herablassend den Menschen gegenüber benommen, dass ich schnell nur wenig Toleranz übrig hatte. Sicherlich klingt das alles jetzt ziemlich negativ, aber ich kann nur sagen, dass ich dennoch viel Spaß mit dem Buch hatte. Ganz gleich wie nervig es stellenweise war, die Schlagabtausche und die Beziehung zwischen Daemon und Katy hat dem Buch viel Schwung und Abwechslung gegeben, sodass man immer nur darauf gewartet hat, wann die beiden sich wohl das nächste Mal wieder streiten. Wäre das nicht gewesen, hätte ich das Buch wohl schnell relativ langatmig gefunden, aber insgesamt und trotz aller Kritikpunkte, ist der Unterhaltungwert einfach extrem hoch - auch wenn "Obsidian: Schattendunkel" prinzipiell nicht viel neues bietet, Cliffhanger inklusive. Ich bin gespannt, wie die Autorin die Folgebände füllen wird.

Das Schema F funktioniert auch nach den vielen Jahren noch, auch wenn "Obsidian: Schattendunkel" definitiv kein perfektes Buch ist. Der Unterhaltungswert ist enorm groß und das Buch hat mich tatsächlich wachgehalten, aber prinzipiell kann man sich das Buch sparen, wenn man von den typischen Jugendbüchern genug hat. Die Mischung aus Urban Fantasy und Science Fiction ist zwar gelungen, bringt aber letztlich nicht viel frischen Wind mit sich. Einzig die prickelnde Liebesgeschichte, die gar keine wirkliche Liebesgeschichte (bisher) ist, bringt Schwung in die Geschichte und macht neugierig. "Obsidian" ist der erste Band einer Reihe und das merkt man dem Band auch definitiv an - gerade zum Ende hin. Trotz aller Kritik konnte ich aber dennoch irgendwie nicht die Finger von der Geschichte lassen, weswegen ich mich sehr auf die Folgebände freue und das Buch jedem empfehlen würde, der mal wieder Lust auf ein Jugendbuch mit paranormalen Elementen hat.


Jennifer L. Armentrout lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Hunden in West Virginia. Wenn sie nicht gerade mit dem Schreiben eines neuen Buches beschäftigt ist, schaut sie sich am liebsten Zombie-Filme an. Ihre E-Books waren in den USA auf Anhieb so erfolgreich, dass sie kurze Zeit später in den Druck kamen und sofort auf die Spitze der New-York-Times-Bestsellerliste kletterten. Ihre Zeit verbringt sie mit Schreiben, Sport und Zombie-Filmen. [via Carlsen & Randomhouse]

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8 Wortmalerei(en)

  1. Huhu :)
    Deswegen warte ich immer auf deine Rezi: Weil du nie nur gutes zu einem Buch schreibst. Ich hab immer das Gefühl, dass Ich immer viel zu begeistert von einem buch bin und im Dauertakt 4 oder 5 Sterne vergebe, ohen je wirklich auf die negativen Dinge einzugehen, die ich zwar manchmal sehe, aber nie wirklich ausschlachte, sondern akzeptieren.
    Und bei dir ist es so, dass du in deinem Rezis unglaublich aussagekräftig bist und einen genau zeigen kannst, was Sache ist.
    "Obsidan. Schattendunkel" liegt immernoch auf meiner Wunschliste, aber nach deiner Rezension glaube ich, dass ich es mir ruhig kaufen kann. Leider wurde in einer anderen Rezi gespoilert, was für ein Wesen Daemon ist.
    Ich glaube, jetzt ist für mich dass ganze Buch versaut, oder?
    Naja, ich hoffe, dass es trotzdem unterhaltsam wird :)
    Tolle Rezi, mach weiter so
    Kücki ♥

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    Replies
    1. Hey Kücki,

      DANKE für diesen tollen Kommentar - genau das möchte ich in meinen Rezis auch vermitteln. Ich finde Rezis, in denen nur geschwärmt wird, immer etwas schwierig z bewerten, weil sie mir eigentlich nicht viel brngen. Lieber lese ich auch ein wenig negative Kritik, um zu wissen, ob mir ein buch gefällt oder eben nicht. Freut mich sehr, dass dir das auch hilft :)

      Ich muss sagen, ich wurde auch schnell gespoilert, als ich eine Rezi gelesen habe, aber das ändert eigentlich nicht allzu viel, also kannst du das Buch ruhig getrost lesen :) Ich wünsche dir schon einmal viel Spaß damit - sag doch mal bescheid, wie es dir gefalllen hat, wenn du es gelesen hast!

      Liebste Grüße,
      Marie

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  2. Ich finde das Cover soo wunderschön *-*
    Ich möchte das Buch auch irgendwann mal lesen, ich hoffe, ich komme dazu :)Liebst, Emme ♥

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    1. Ja, das Cover ist wirklich toll.. vor allen Dingen leuchtet es so wunderschön <3 Hach :)

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  3. Hey :)

    ich dachte mir, ich lasse mal ein Lob für deine tollen Rezi's hier. Da versuch ich mir doch mal eine Scheibe abzuschneiden. :D
    Obsidian ist auch schon länger auf meiner Wunschliste unterwegs, finde es zwar gut, dass es auf deutsch erschienen ist, aber ich glaube, ich kaufe sie dann doch lieber auf englisch. Das ist jetzt schon die zweite gemischte Rezension, die ich dazu lese, so dass ich fürchte, dass die Reihe eventuell gar nicht zu Ende übersetzt wird. -.-

    Ich glaube, wir brauchen einfach auch mal etwas "Stereotypes", um besser abschalten zu können. Manchmal macht es beim Lesen ja auch einfach Spaß, wenn man nicht immer über Gott und die Welt nachdenken muss. Deshalb kann ich gut verstehen, wieso diese Bücher immer noch so gut verkauft werden. :)

    Ganz liebe Grüße,
    Kim

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    1. Hey Kim,

      dann ganz lieben Dank für dein Lob :) Das hört man doch immer super gerne :)

      Oh, ich denke, die Reihe wird auf jeden Fall fortgesetzt. Im Carlsen Programm ist es ja momentan ein großes Highlight und das Buch kam bisher auch ziemlich gut weg. Aber ich bin auch am überlegen, die Reihe auf Englisch weiter zu lesen. Ist ja sehr simpel geschrieben.

      Ja, das kann ich mir auch gut vorstellen, aber manchmal wünsche ich mir doch ein wenig mehr Abwechslung.

      Liebste Grüße und danke für deinen Kommentar :)
      Marie

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  4. Richtig, es ist zwar Schema F, aber bei mir hat es auch wieder voll zugeschlagen, der Unterhaltungswert war einfach zu groß und ich habe lachend verfolgt, wie sich Katy und Daemon ihren verbalen Schlagabtausch liefern. :-D

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  5. Ich fand auch dass das Buch ein Schema F ist und z.B. viele Parallelen zu der Biss-Reihe von Stephanie Meyer aufweist, aber-! Ich konnte dieses Buch trotzdem nicht aus der Hand legen! Ich fand es unglaublich spannend, da ich unbedingt herausfinden wollte, was Daemon und Dee für ein Geheimnis hüten. Außerdem hat mich Katys schlagfertiges Mundwerk sehr unterhalten... Unsere Protagonistin fand ich auch sehr authentisch und sympatisch da sie auch Buchbloggerin ist:)
    Im Großen und Ganzen ein sehr gelungenes Buch!

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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