|Rezension| "So geht Liebe" von Katie Cotugno

1:19:00 PM

| Heyne fliegt | Hardcover | 320 Seiten | €15,99 | Amazon |






























Ich suche schon eine halbe Ewigkeit nach Sawyer, als ich ihn im Supermarkt auf dem Federal Highway vor der Slush-Maschine stehen sehe.

Seit sie denken kann ist Serena in den gutaussehenden Sawyer LeGrande verliebt, doch ihre Gefühle würde sie ihm niemals gestehen - zu groß ist die Angst, zurückgewiesen zu werden. Als die beiden eines Tages doch zusammenfinden, ist viel geschehen, viel, das Sawyer dazu gebracht hat, sich zu verändern und als er eines Tages die Stadt verlässt und nicht zurückkehrt, lässt er Reena unwissend mit einem Baby zurück, denn Reena ist schwanger - und allein. Plötzlich sind all ihre Träume vom reisen und studieren ferner denn je - bis Sawyer nach zwei Jahren wiederkommt und mit ihren alten Gefühlen für ihn, auch die Vergangenheit mit sich bringt.

Eine Anleitung zum Lieben gibt es in diesem Roman zwar nicht, doch diese unglaublich einfühlsame und tiefgehende Geschichte über Verlust, Freundschaft, Liebe und Familie zeigt einem dennoch dann und wann, wie Liebe eigentlich geht. So geht Liebe ist eine dieser Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte - voller Makel und Fehler, Traurigkeit und Hoffnung - und diese Authentizität und Ehrlichkeit hat mich tief berühren können. Und das obwohl - oder vielleicht gerade auch genau weil - das Buch voller komplizierter Figuren steckt, die definitiv nicht ganz einfach sind und zwischenzeitlich sogar eher unsympathisch wirken. Und vielleicht auch obwohl - oder gerade weil - dieses Buch ein Themengebiet behandelt, dass viele Jugendbücher gerne mal übergehen, nämlich ein Kind in jungen Jahren zur Welt bringen und verlassen zu werden - all das ist so untypisch Jugendbuch, aber so typisch Leben, dass ich So geht Liebe für ein ganz außergewöhnliches Buch mit vielen Facetten halte, dass mich zum Weinen und zum Lachen bringen konnte. Ein Buch, das mich verzaubert hat.

Bestimmt wird die Geschichte definitiv von ihren Figuren; So geht Liebe ist ein Charakterroman, der von verschiedenen Schicksalen erzählt, die so echt wirken, als wären sie tatsächlich irgendwo so geschehen. Dabei sind die Figuren tatsächlich sogar ziemlich vielschichtig und komplex, gleichzeitig aber auch nicht gerade einfach, was - in Hinblick auf ihre Vergangenheit - aber auch verständlich und glaubwürdig wirkte. Protagonistin Serena (auch Reena genannt) ist eine zurückhaltende Protagonistin, die sehr verletzlich und in sich gekehrt ist, gerade in den Rückblenden. Dennoch ist sie ein starker Mensch, denn sie hat ihre zweijährige Tochter Hannah großgezogen und versucht immer weiterzumachen. Das klingt noch ganz einfach und das ist es auch im Vergleich zu Sawyer. Sawyer ist eine Figur, die man entweder hasst oder hasst. Ich glaube, es gibt wirklich nicht viel anderes, was man für ihn empfinden könnte und es ist wirklich schwer, ihn zu mögen - das liegt aber auch daran, dass Reena einfach nicht von ihm loskommt und er ihr die meiste Zeit das Gefühl gibt, eigentlich gar nicht wirklich etwas für sie zu empfinden. Hier ist die Kombination aus Rückblenden und Gegenwart sehr interessant, um die Entwicklungen und Veränderungen zu beobachten.


Doch auch die Nebenfiguren erschaffen ein realistisches Bild und viele habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Da das Buch abwechselnd von der Zeit "Vorher" und der Zeit "Nachher", also der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt, gelingt es dem Leser nach und nach das Mosaik zusammenzusetzen und man bekommt eine Geschichte erzählt, die viel mit der Vergangenheit, aber auch ebenso viel mit der Gegenwart zu tun hat. Tatsächlich geschieht nämlich so einiges in diesem Buch, gerade auch viele Schicksalsschläge, die aber nicht übertrieben wirken, sondern vielmehr ins Bild passen. Dabei beschäftigt sich das Buch mit Verlust, Freundschaft, Loslassen, der (unerwiderten) Liebe, Einsamkeit, (zerplatzten) Träumen und dem Leben, so wie es eben spielt - und letztendlich auch geht.

Ich weiß nicht genau, was es ist, das dieses Buch so eindringlich und groß macht. Vielleicht ist es diese Melancholie, die gleichzeitig immer mit Hoffnung verbunden ist, vielleicht sind es auch die Figuren, die so voller Makel sind, dass sie nur realistisch wirken können. Aber auch die Atmosphäre, die Cotugno mit ihrem jugendlichen aber dennoch anspruchsvollen Schreibstil erschafft und die immer wieder wechselt, gibt dem Buch einfach das besondere Etwas. Dabei ist So geht Liebe eher ein ruhiges Buch, das für viele vermutlich zwischendurch auch einfach so dahinplätschert, aber ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass irgendetwas in diesem Buch zu viel oder zu wenig ist - ganz im Gegenteil, mir hat es unglaublich gut gefallen. So geht ein gutes (Jugend)Buch!

So geht Liebe und so geht ein außergewöhnliches Buch, denn die Geschichte um Reena und ihr Leben, diese sanfte Liebesgeschichte mit all ihren Facetten hat mich einfach verzaubert. Ich habe geweint, gelacht, genervt die Augen verdreht, wollte die Figuren schütteln, wollte, dass sie endlich zueinander finden und gleichzeitig, dass Reena nicht so naiv ist und endlich einmal ihr eigenes Leben lebt. Einfach ist diese Geschichte nun wirklich nicht, genauso wenig wie ihre Figuren, die allesamt besonders, aber auch schwierig sind. So geht Liebe ist eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen sein könnte, sie ist voller Makel und Fehler - und dennoch, oder auch vielleicht gerade deswegen, hat mich diese Geschichte ergreifen und mitreißen können, hat mich neugierig dazu getrieben einen Blick hinter all die Geheimnisse werfen zu wollen und deswegen möchte ich So geht Liebe jedem ans Herz legen, der ein tiefgehendes und außergewöhnliches Jugendbuch über das Leben und die Liebe lesen möchte.



(c) Lisa Burton
Katie Cotugno landete bereits auf der Shortlist für den begehrten Pushcart Prize, bevor sie mit SO GEHT LIEBE ihr erstes Jugendbuch veröffentlichte. Sie ist eine hoffnungslose Romantikerin, liebt Mozzarella-Honig-Sandwiches, ihre kleine Schwester und ihren Freund Tom, mit dem sie in wilder Ehe in Boston zusammenlebt. [via RandomHouse]

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10 Wortmalerei(en)

  1. Wow, damit hast du mich gerade unfassbar neugierig gemacht! Wunderbar geschrieben, da MUSS das Buch einfach auf der Wunschliste landen! :)

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    1. Das freut mich :) Vielleicht gibt es ja dann bald wieder eine Videorezi von dir, das würde mich total freuen! Bin gespannt, was du von dem Buch hälst, solltest du es mal lesen!

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  2. Hallihallo :)
    Autsch, nun ärger ich mich doch glatt, dass ich es gerade nicht einfach doch mitbestellt habe :(((
    Bei der nächsten Bestellung wird es dann wohl definitv gekauft!
    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Richtig so, schön ärgern :D Es ist nämlich echt sehr toll und deswegen bin ich auch super gespannt, was du davon hälst, wenn es in deinem Warenkorb landet. Was hast du denn gerade so bestellt, wenn ich fragen darf? :)
      Liebste Grüße,
      Marie

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    2. Streu nur Salz in die Wunde :P
      Die Bestellung wird wahscheinlich nicht mehr lange auf sich warten lassen!
      Habe mehrere Bücher bestellt, so u.a. Callie und Kayden 1 (will nun auch endlich wissen, was es mit den beiden auf sich hat) und "Du und ich und all die Jahre"...
      Vielleicht habe ich ja noch Glück und die Schätze trudeln morgen noch bei mir ein!
      Liebste Grüße
      Steffi

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  3. Wie schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat :D Ich fand es damals auch sehr schön, hatte ich gar nicht erwartet. Sawyer war mir auch nicht gerade sympathisch und genau deshalb fand ich das Ende nicht ganz so glücklich gewählt :/

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    1. Ja, das hatte ich auch gar nicht erwartet. Ich muss zugeben, dass ich mich immer schwer tue, wenn es in Jugendbücher auch um Schwangerschaften und Kinder geht, aber hier ist das irgendwie ganz natürlich und realistisch rübergekommen. Das Ende.. ja darüber kann man streiten. Fand es auch ein wenig zu happy, gerade weil Sawyer auch sehr schwer ist, aber eigentlich bin ich ganz zufrieden damit.Das Buch war ja doch sehr schwer zwischenzeitlich, da war ich eig nur froh, dass Reena endlich mal was gutes passiert ;)

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    2. Ich finde Teenieschwangerschaften sind ein total interessantes Thema (solange es nicht ein Plottwist in so einem überdramatisierten GZSZ-Drama ist :P), aber ich finde auch, dass das ganze hier irgendwie anders behandelt wird. Vielleicht weil Reena so extrem erwachsen und verantwortungsbewusst mit der Sache umgeht.

      Bin mir halt nicht sicher, ob das Ende wirklich so gut sein wird für Reena :P Es hätte einfach ein wenig offener enden sollen, damit man sich nicht so sicher sein kann, was nun aus Sawyer und ihr wird.

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  4. Ganz so toll wie du fand ich das Buch leider nicht. Schuld war leider Sawyer, den ich sehr unsympathisch fand. :( Bei mir kann schon mal die Bewertung leiden, wenn mir eine Figur unangenehm auffällt. Im nachhinein ärgere ich mich fast, dass mein Eindruck vom Buch wegen meiner Probleme mit Sawyer so leiden musste. :o/
    Serena hingegen gefiel mir sehr und ihre kleine Tochter ist ja sehr süßer Zwerg. Wie authentisch die Autorin auch das Thema und die damit verbundenen Probleme anging, fand ich sehr realistisch.

    Liebe Grüße

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  5. Tolle Rezension ^^
    Ich kannte das Buch nicht, aber jetzt ist es in meiner Wunschliste gelandet. Ich hoffe mir gefällt das Buch auch so sehr :)
    LG Elsa.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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