|Rezension| "Zersplittert" von Teri Terry

9:43:00 PM

| Coppenrath | Hardcover | 400 Seiten | €17,95 | Amazon |











 Regen ist für vieles gut.

Kylas Gedächtnis wurde gelöscht, ihre Persönlichkeit ausradiert, ihre Erinnerungen sind für immer verloren. Denkt sie. Doch als Kyla im Wald von dem aufdringlichen Wayne Best angegriffen wird, setzt schlagartig ihr Erinnerungsvermögen wieder ein . Trotzdem stellen sich der 16-Jährigen weiterhin jede Menge rätselhafter Fragen: Wer ist das Mädchen mit den zertrümmerten Fingern, die in ihren Albträumen auftaucht? Und welche Rolle hat sie bei Free UK, einer terroristischen Gruppe im Untergrund, gespielt? Als ein mysteriöser Mann namens Hatten in Kylas Leben tritt, besteht für sie endlich die Möglichkeit, mehr über ihre Vergangenheit und das System der Lorder herauszufinden. Doch Hatten verfolgt als Anhänger von Free UK seine eigenen Ziele und Kyla wird immer mehr zum Spielball zwischen Lordern und Terroristen … [via Amazon]

 
Bei manchen Büchern weiß man nicht, wo man steht, weil Schwarz und Weiß ineinander übergehen und eine graue Masse ergeben, in der man niemandem trauen kann. Mit "Zersplittert" erschafft Teri Terry einen Folgeband, der genau dieses hilflose Gefühl im Leser erzeugt und definitiv zu fesseln weiß, sich dann und wann aber auch ein wenig im Kreis dreht. Da gehen schon einmal einige Seiten ins Land, ohne, dass außer einigen Spekulationen wirklich viel passiert, die emotionale Ebene des Buches ist aber definitiv nicht zu verachten und wartet mit einigen philosophisch relevanten Fragen auf, die man immer wieder zu beantworten versucht. Spannungstechnisch bleibt das Buch die meiste Zeit auf einer Ebene, sodass von einer rasanten Story nicht unbedingt die Rede sein kann. Dennoch: Wer den ersten Teil mochte, wird um den zweiten nicht herum kommen und so liest sich "Zersplittert" trotz einiger Schwachstellen durchweg flüssig weg.

Dabei ist gerade interessant zu sehen, wie beide Seiten immer schwammiger werden und man sich selbst als Leser nicht positionieren kann - nicht einmal, was die Protagonistin angeht. Hier wird ein spannender Konflikt geschaffen, der das Buch für einige Durststrecken definitiv entschädigt. Diese könnten unter anderem daher rühren, dass die Bindung zu Kyla zeitweise ein wenig schwierig ist, eben weil sie so eine komplexe Figur ist. Sie weiß selber nicht, wer sie wirklich ist, ist aufgespalten und unsicher - da ist es im Umkehrschluss natürlich auch für den Leser schwierig, die echte Kyla zu sehen, zumal sie sich immer unterschiedlich verhält und denkt. Dennoch bleibt sie eine Sympathieträgerin und führt den Leser mit ihren Gedanken durch die verworrene Geschichte. Außer Kyla gibt es natürlich noch viele andere Figuren, doch auch hier ist es schwierig Konstanten zu finden, weil man kaum weiß, wem man wirklich trauen kann. Abgesehen davon sind die Charaktere aber durchweg plastisch und gut gezeichnet.

Vielleicht hängt aber die Tatsache, dass es kaum Konstanten gibt, damit zusammen, dass ich zwischendurch ein paar Probleme mit der Geschichte hatte. Sie hat mich unterhalten, das auf jeden Fall und ich habe viel über die verschiedenen Problematiken nachgedacht, aber irgendetwas hat mir gefehlt, was im ersten Band noch gegeben war. So ist "Zersplittert" sicherlich ein würdiger Nachfolger, kommt aber in meinen Augen nicht ganz an seinen Vorgänger heran. Nichtsdestotrotz wird dem Leser hier eine philosophische, spannende und kluge Geschichte serviert, in der man selbst mitdenken muss und immer wieder neu entscheiden muss, auf welcher Seite man steht, da Schwarz und Weiß immer wieder vermischt werden und ineinander übergehen.

Mit "Zersplittert" legt Teri Terry einen faszinierenden Nachfolger hin, der zwar nicht ganz an Band 1 herankommt, aber dennoch spannend und durchweg gut geschrieben ist. Viel Stoff zum Nachdenken und eine große Palette an unterschiedlichen Figuren, bei denen die Farben sich vermischen und stetig unklar ist, wer auf welcher Seite ist, ergeben eine facettenreiche Story, die stellenweise ein wenig mehr Tempo hätte haben können und manchmal ein wenig zu distanziert bleibt. Dennoch - kleine Schwächen verzeiht man gerne und so ist "Zersplittert" von Teri Terry ein gelungener Nachfolger, der Lust auf den finalen Band der Trilogie macht. Um dieses Buch kommt man nicht drumherum!


Die Autorin mit dem ungewöhnlichen Namen Teri Terry hat schon in Frankreich, Kanada, Australien und England gelebt - mehr Länder als sie zählen kann. Da sie als Kind so oft umgezogen ist, hat sie eine besondere Sicht auf das Leben und mag Charaktere, die nicht dazugehören oder sich an fremden Orten eingewöhnen müssen. Erst kürzlich hat sue ihren Job bei einer Bibliothek in England aufgegeben, um ihrer Leidenschaft Vollzeit nachzugehen: dem Schreiben.
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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]