|Rezension| "Hope Forever" von Colleen Hoover

3:54:00 PM

| dtv | Taschenbuch | 528 Seiten | €9,95 | Amazon |

Die siebzehnjährige Sky lebt mit ihrer Adoptivmutter Karen in einem Haushalt ohne jegliche Technik: Fernsehen, Internet und Smartphones - dies alles sind Fremdwörter für das Mädchen. Ebenso sehr wie die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch, die sie nicht einmal dann spürt, wenn sie mit Jungs rummacht. Ganz im Gegenteil: Sky genießt die Leere, die sich in ihr breit macht, wenn sie von einem Jungen geküsst wird. Bis zu dem Tag, an dem sie Holder kennenlernt und sich vom ersten Moment an in seine strahlend blauen Augen und seine Intensität verliebt. Doch Holder scheint etwas über Sky zu wissen, dass alles verändert, denn Sky hat eine Vergangenheit, die sie immer wieder einzuholen droht...





Colleen Hoover ist ein Garant für Kitsch. Und das sage schreibe ich nicht einmal im negativen Sinne, denn dann und wann braucht der Mensch einfach eine Extraportion davon. Colleen Hoover ist aber genauso sehr auch ein Garant für überzogenes Drama, und das ist eine Sache, die mir schnell zu viel werden kann. So auch geschehen in ihrem neuesten Roman "Hope Forever", der vielversprechend beginnt, gut weitergeht, vorhersehbar wird und schließlich in einer einzigen Soße aus Kitsch, Gesülze und Drama endet - oder anders gesagt: Einfach zu viel für meinen Geschmack! Da hilft weder die eigentlich ziemlich niedliche Liebesgeschichte zwischen Holder und Sky, noch der flüssig lesbare Schreibstil der Autorin, am Ende war ich einfach froh, dass es vorbei ist, nachdem ich bereits ungefähr auf Seite 20 ahnte, worauf die ganze Geschichte hinauslaufen wird und was denn nun das große (düstere) Geheimnis ist, das hinter Skys Vergangenheit steckt.

Und das ist sicherlich kein leichtes Thema. Ganz im Gegenteil. Dennoch hatte ich zeitweise das Gefühl, dass es einfach zu überzogen war, um dem Leser (in diesem Fall Ich, ich weiß, dass es da vielen anders geht!) wirklich berühren zu können. Das Geschehen habe ich oft wie durch eine Glasscheibe relativ nüchtern betrachtet, ohne das Gefühl zu haben, mit den Figuren mitleiden zu müssen, was gerade bei einem Thema wie diesem, einfach sehr schade ist. Hinzu kommt wieder Colleen Hoovers Leidenschaft ein unglaublich schlimmes Drama immer weiter auszuschmücken und zu pushen, sodass ich zwischen unpassenden Liebesbekundungen, haltlosen Anschuldigungen und dem großen Höhepunkt der Geschichte irgendwann einfach so verloren gegangen bin und mich bis zum Ende nicht wiedergefunden habe. Ja, irgendwann habe ich mein Gehirn einfach ausgeschaltet, damit ich nicht einfach zu lesen aufhöre.




Und das, obwohl mir die erste Hälfte des Buches wirklich gut gefallen hat. Die toughe Sky, die sich nicht hänseln lässt, obwohl ihr ihre Mitschüler übel zusetzen, die witzige und charmante Beziehung zwischen Holder und Sky, deren kleine Beleidigungen mich permanent zum Grinsen brachten, die Rückblenden, die mich zwar schnell ahnen ließen, worum es ging, die aber dennoch im Rahmen waren - all das hat mich unterhalten und mir Spaß gemacht. Auch wenn Holder am Anfang wirklich sehr gruselig wirkt und ich (wäre ich Sky) dem Jungen sicherlich aus dem Weg gegangen wäre. aber gut - Geschichten schreiben sich nun einmal nicht ohne kleine Mutproben und daher kann man das dem Buch dann doch sehr schnell verzeihen, zumal sich die Beziehung zwischen den beiden als sehr prickelnd und liebevoll erweist. Nur am Ende, da wurde es mir dann - wie gesagt - einfach zu liebevoll. Und schwülstig. Nee, danke.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und auch bei mir hat sie lange überlebt, bis ich mir schließlich sicher war: Dieses Buch beginnt gut und endet schlecht. Zumindest für mich. Colleen Hoover würzt ihre Geschichten für meinen Geschmack mit zu viel Drama, so als würde ihr ab und zu mal der Drama-Streuer in die, sonst eigentlich sehr schmackhafte, Suppe fallen. Mit viel Charme und Humor beginnt Skys Geschichte und wird dann ziemlich schnell zu einer überdramatischen, schwülstigen Liebesschnulze, bei der ich irgendwann ziemlich ernüchtert war. Viele werden diese Geschichte lieben, da bin ich mir sicher, deswegen möchte ich sie niemandem ausreden, aber für mich reicht es jetzt erstmal mit der lieben Frau Hoover. Manchmal ist weniger schließlich mehr!

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9 Wortmalerei(en)

  1. Schade, dass dir das Ende nicht so gut gefallen hat, ich finde es hört sich echt gut an.
    Aber vielleicht gefällt es mir, manchmal mal ich Kitsch ganz gerne :D
    Liebe Grüße,
    Jana

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  2. Das Buch steht auf meiner WuLi. Nach deiner Rezi bin ich mir unsicher, ob mich das Buch überzeugt, aber ich glaube ich werde es einem Versuch geben.
    Schöne Rezi.
    Liebste Grüße
    Sara

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  3. Oh man, also Bücher mit Sky kann ich mittlerweile eher weniger lesen. Aus Gründen. xD Besonders weil das generell immer Weiber sind und Sky ist für mich männlich. :'D

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  4. Es ist irgendwie auch mal gut, keine ganz so begeisterte Rezension zu dem Buch zu sehen. Ich werde es wohl dennoch lesen, es steht ja schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste. Mal sehen, wie es mir gefallen wird. Ob ich mich eher dir anschließen werde oder ob ich am Ende auch total begeistert sein werde ;)

    Liebe Grüße
    Maura

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  5. Lautes Jaa! Das ist so krass überzogenes Drama! Ich muss sagen, dass mir das Buch ja dadurch wieder gefallen hat. Also im Sinne von, ich fand es so unterhaltsam wie Nachmittagsfernsehen und hab gespannt darauf gewartet, was für einen Brüller die Autorin als nächstes aus dem Ärmel zaubert ;D War schon arg. Doof fand ich auch wie manche Sachen total romantisch dargestellt werden. Ich glaube, es gibt eine Szene mehr am Anfang als Sky Holder bittet zu gehen und er das einfach nicht macht sondern sie weiterküsst und dann findest sie es auch plötzlich okay. Find ich nicht gut, wenn ein Typ gebeten wird zu gehen oder jemanden in Ruhe zu lassen, soll er das gefälligst auch machen und wenn er es nicht tut, soll das bitte auch schlecht dargestellt werden und nicht "hach na ja, er küsst ja so gut, dann halt doch nicht".

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  6. Das Problem mit zu viel Drama, das hatte ich auch bei "Weil ich Layken liebe". Viel Luft um nichts, wie man so schön sagt. Wobei die Fans der Bücher da wohl nicht zustimmen ;)
    Ich werde es mit dem Buch mal auf Englisch versuchen. Vielleicht ist es dann ja besser. Ich hoffe es zumindest.

    Liebe Grüße

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  7. Ich fand es hier leider auch viel zu viel von allem - im Großen und Ganzen konnte mich die Autorin zwar mit den Themen recht positiv überraschen, aber gerade gegen Ende wurde es viel zu überzogen.

    Sehr treffende Rezension!

    Liebe Grüße,
    Jess

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  8. Huhu Marie ♥
    Das ist wirklich schade. Aber ich mag solche Too-Much-Bücher auch nicht. Ich meine so ist das im Leben doch auch niemals :o Klar gibt es Drama, aber das kommt doch nach und nach und nicht auf einmal & zerstört ALLES.
    Ich werde das Buch trotzdem mal lesen und wenigstens den Anfang genießen.

    Tolle Rezi ♥
    Liebe Grüße,
    Jasi ♥

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  9. Hallo :)
    Ich bin ganz deiner Meinung. Auch ich brauche zwischendurch immer mal wieder leichte Kost. Aber hier hat mir das Ende auch nicht gefallen.
    LG
    Nina

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]