|Kleine Buchgedanken| Von Lieblingsleseplätzen und Leseritualen

8:17:00 PM



Es weht ein eiskalter Wind und ich weiß, dass mir kalt ist - mehr als kalt. Ich überlege, warum ich nicht den dicken Mantel angezogen habe, bevor ich heute morgen aus dem Haus gegangen bin. Beim nächsten Mal muss ich unbedingt daran denken. Die Umgebung ist grau. Grau und laut. Die Menschen sind gehetzt oder starren ins Leere - das kommt ganz drauf an, ob sie den Zug bekommen müssen, der gerade eingefahren ist oder sie auf den nächsten warten. An Bahnhöfen steht die Zeit für einige Zeit still und man kann diese merkwürdige Ruhe vor dem Sturm genießen. Trotz Kälte, trotz Lautstärke, trotz dem ewigen Grau. Wie das geht? Mit Buch! Es ist verrückt, aber manchmal, wenn man an einem Ort liest, der eigentlich nicht sonderlich bequem ist, schafft das Buch eine solch schöne Atmosphäre, dass man auch woanders sein könnte. Kennt ihr das? Ihr friert, aber ihr seid so sehr in einem Buch, dass ihr es kaum merkt und irgendwann blickt ihr auf, weil euer Zug durchgerufen wird und seid überrascht, weil ihr gar nicht in Hogwarts seid. Oder in Narnia. Oder sonstwo. Weil es aber auch Orte gibt, die das Lesen nur noch schöner machen oder geeignet sind, um völlig in einer Welt verloren geht, gibt es heute kleine Buchgedanken über meine liebsten Leseplätze und Leserituale.



Kerzen, Lichterketten und die kuschelige Wärme einer dicken Decke, die immer knistert, wenn man sich anders hinlegt - zum Lesen definitiv eine der schönsten Szenarien. Wenn es einem ganz warm ist und der Protagonist sich durch eisige Wälder schlagen muss - diese Behaglichkeit zu spüren, ist eine der schönsten Dinge am Lesen. Einziges Manko: Ich lasse mich gerne mal ablenken.



Zugegeben, sonderlich gemütlich ist es im Zug nicht. Harte Sitze, volle Waggons, muffiger Geruch. Alles keine Attribute, die man sich für einen Lieblingsleseplatz vorstellen würde. Aber hier trifft wohl tatsächlich die Beschreibung von oben zu - es ist egal, wenn man liest. Außerdem hat man Zeit. Der Zug ist wie eine Blase, in der man einige Momente verbringt. Man ist an keinem wirklichen Ort, befindet sich zwischen zwei Orten und ist deswegen irgendwie für einige Augenblicke wirklich dazu in der Lage, ruhig Dinge zu tun - lesen zum Beispiel. Oft wundern sich Menschen in meiner Umgebung und fragen mich, wie ich nur während der Uni so viel lesen kann, aber im Grunde ist es ganz einfach, wenn ich am Tag ungefähr zweieinhalb Stunden Zug fahre. Daher ist der Zug (und auch der Bahnhof an sich) ein Ort, an dem ich wirklich gerne lese.




Um dann doch mal wieder ein gemütlicheres Örtchen aufzugreifen, ist da natürlich noch die Badewanne. Vor allen Dinge meine Badewanne mit unzähligen Kerzen (Ja, ihr seht, ich bin ein Kerzenfan) und unheimlich viel Schaum. Ich kann zwar nie lange drin bleiben, aber die Zeit, in der ich darin lese, ist irgendwie immer etwas ganz besonderes und bleibt mir im Kopf. Ich könnte einige Bücher aufzählen, die ich in der Wanne gelesen habe, einfach, weil ich mich genau an die Momente erinnere.


Das ist wohl etwas, was die meisten Bucheulen unterschreiben können: Zum Buch gehört eine Tasse Tee. Oder Kakao. Oder meinetwegen auch Kaffee. Was macht mehr Spaß, als immer mal wieder an der warmen Tasse zu schlürfen und sich von Innen und Außen aufzuwärmen, während man liest? Gut, vielleicht Kekse essen. Aber das heiße Getränk darf auf keinen Fall fehlen. In dem Fall ist es wohl eines der Klischees, die tatsächlich zutreffen - Bücher und Tee.

Was sind eure liebsten Leseplätze? An welchen Orten, die eigentlich nicht schön oder gemütlich sind könnt ihr besonders gut lesen? Habt ihr irgendwelche Rituale beim Lesen?

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15 Wortmalerei(en)

  1. Oh Marie, ein richtig richtig schöner Post! <3 Ich kann das alles nur unterschreiben! Übrigens wartet auf dich eine kleine Überraschung. Okay, ich hab keinen kleinen Briefumschlag mehr, also wohl erst so in 1-2 Wochen, aber freu dich drauf, weil das gut zu diesem Post passt. xD

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    1. Daaanke, Denüzchen <3 Wenns dir gefällt, bin ich glücklich!

      Waaaaaaas, ich bin gespaaaannt :o

      :**

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    2. Denüsschen. Danke. Wird immer besser mit den Spitznamen bei dir. :D Ich weiß echt nicht, ob ich es witzig, süß oder schrecklich finden soll. xDDD

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    3. Du LIEBST ES, Hasepüchen. Ich weiß das :D:D <3

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  2. Huhu,
    eigentlich habe ich immer am liebsten auf meiner Couch gelesen. Schön eingekuschelt und mit einem Getränk in der Nähe, konnte ich Stunden so verbringen. Seitdem unser 2. Nachwuchs da ist, lese ich am liebsten in der Badewanne. Das ist die einzige halbe Stunde, in der ich mal wirklich Ruhe zum lesen habe. :)

    Liebe Grüße
    Yvonne

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    1. Hey liebe Yvonne :)

      das klingt doch schön - besser eine halbe Stunde, als gar nicht, oder?:) Wünsche dir noch viele schöne halbe Stunden in der Badewanne. Da lese ich ja selbst auch sehr gern.

      Ganz liebe Grüße,
      Marie

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  3. Hey Marie,
    ganz schöner Post und vor allem liebe ich meine Lesezeit im Zug genauso! Oft fliegt die Zeit dann nur so (ganz geschweige von den Haltestellen, die ich fast oder wirklich schon verpasst habe). Meist lese ich auch sehr gerne auf dem Sofa, aber weil das im Wohnzimmer steht, wo auch der Rest der Familie (und somit Lärm, Ablenkung und Platzmangel) ist, verzieh ich mich dann ins Bett. Nach harten Tagen schlafe ich dort allerdings ein oder schaffe es gar nicht mehr, nach einem Buch zu greifen... Im Sommer ist mein Lieblingsplatz ungeschlagen am Fluss/Rhein bzw. Garten/Balkon. Aber deine Leseorte sind auch ganz toll !

    Liebe Grüsse,
    Lese-Echse Mona

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  4. Ich mag es gar nicht im Bett zu lesen, weil ich nie weiß wie ich mich hinlegen/sitzen soll! Am liebsten lesen ich im Hofgarten oder auf meinem Sitzsack.
    Wenn ich mir eine Tasse Tee mache vergesse ich immer sie zu trinken und dann ist der Tee schon ganz kalt...

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  5. Deine Beschreibung von der Zeit im Zug trifft es genau - man ist zwischen zwei Orten und deshalb irgendwie losgelöst von allem. Da lese ich auch sehr sehr gerne. Einfach, weil man erstens nichts anderes (gegebenenfalls wichtigeres und dringenderes) tun kann und zweitens ja auch nicht unproduktiv ist - schließlich bewegt man sich fort :D Vor allem spricht es sehr für ein Buch, wenn es einen so einwickelt, dass man die hektische Betreibsamkeit einer Umgebung ausschalten kann.

    Ansonsten lese ich auch klassisch am liebsten im Bett oder in meinem riesigen Sitzsack. Auf jeden Fall in einer tendenziell liegenden Position :D

    Liebste Grüße
    MelMel

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  6. Ich lese immer im Bett oder auf dem Sofa. Früher habe ich auch viel im Bus gelesen, aber jetzt wo ich Auto fahren kann, fällt das natürlich weg. In der Badewanne kann ich überhaupt nicht lesen! Ich hab immer Angst, dass ich das Buch ruiniere :D

    Liebe Grüße
    Chianti

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  7. Hey!
    Dein Artikel hat mir sehr gut gefallen!
    Ich lese auch am liebsten im Bett, weil es da einfach am kuschligsten ist :)

    Während der Schulzeit habe jch auch manchmal in meinen Freistunden gelesen, aber das klappte nicht ganz so gut, weil man doch nicht immer in die Geschichte hineinkam.

    schönen Sonntag dir! :)
    Alles Liebe
    Caro

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  8. Oh was für ein unglaublich süßer Post!
    Krass dann liest du ja um die 5 Stunden täglich!
    Ich fahre nie Zug, aber in meinem Bett lese ich auch am liebsten. Da fällt mir ein : Ich sollte mal besser langsam schonmal ins Bett gehen, denn "The Lost Hero" wartet auf mich ;)

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  9. Hallo :)
    Toller Post !
    Gerade in den dunkleren Wintermonaten, ziehe ich mich zum lesen,genau wie du, immer gerne in mein Bett zurück. Im Sommer lese ich immer gerne draußen auf unserer Wiese, mit einer Decke auf dem Rasen und leckeren Früchten :)
    Ansonsten würde ich furchtbar gerne in der Badewanne lesen (Da ich ein größer Fan von jeglichen Badezusätzen bin) traue mich aber nie da ich Angst habe, dass mir mein Buch ins Wasser fallen könnte ;D Ist dir das schon mal passiert ?
    Liebe Grüße
    Sharleen

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  10. Hey Marie,
    ich lese auch gerne in meinem Bett. Es ist sooo gemütlich und wenn man dann noch in fremde tolle Welten entführt wird... Im Zug konnte ich anfangs nicht lesen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, wenn aber jemand laut redet oder Musik hört, dann geht es trotzdem nicht. Ich finde es echt toll im Zug zu lesen, man hat eh nichts anderes zu tun und ist losgelöst von allem. Ich versinke jedes Mal total, wenn ich lese und das schaff ich auch oft im Zug, dann schreck ich immer voller Angst auf, ob ich nicht schon viel zu weit gefahren bin :D
    Tee kann ich beim Lesen nicht trinken, essen auch nicht. Das stört mich einfach, weil ich dann kurz von den Seiten hochschauen muss und so nicht richtig in die Geschichte reinkomm.
    lg. Tine =)

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]