Rezension | "Die Feuerkrone" von Rae Carson

12:47:00 PM

| Heyne fliegt | Hardcover | 496 Seiten | €16,99 | The Crown of Embers | Amazon |
Elisa, die Trägerin des Feuersteins, ist eine Heldin: Sie hat die gefährliche Magier-Armee der Inviernos besiegt, ihr Volk vor dem Untergang bewahrt und den Thron von Joya d’Arena bestiegen. Doch ans Königinsein muss Elisa sich erst noch gewöhnen, denn so ein riesiges Wüstenreich zu regieren, ist auch für eine Auserwählte alles andere als einfach. Gott sei Dank weicht ihr ihre alte Weggefährtin Ximena nicht von der Seite – ebenso wenig wie Hector, der Mann, für den Elisa so viel mehr empfindet als Freundschaft. Doch Elisa ahnt nicht, dass ihre Aufgabe als Trägerin des Feuersteins noch lange nicht erfüllt ist, denn an den Grenzen ihres Reiches versammeln sich die Inviernos erneut. Als deren Macht sogar Elisas eigenen Hofstaat erreicht, braucht die tapfere, junge Königin all ihren Mut, ihre Klugheit und ihre Entschlossenheit, um sich ihren Feinden entgegenzustellen. Doch dann gerät Hector in Gefahr, und Elisa muss sich entscheiden – zwischen ihren Untertanen und ihrer großen Liebe…

Süße Kokosbrötchen, derber Wüstenwind und ein blau funkelnder Feuerstein - wenn "Die Feuerkrone" eines kann, dann ist es Atmosphäre erschaffen, schließlich hat auch der erste Band diese Aufgabe bereits mit Bravour gemeistert. Auch wenn die Reihe um Elisa viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, gehört die Reihe für mich zu den großen und epischen Geschichten und erzählt mit einem faszinierenden Weltentwurf, einem gut durchdachten Plot und vielschichtigen Charakteren eine komplexe Geschichte, bei der es immer ganz anders kommt, als man denkt. Das hat schon "Der Feuerstein" bewiesen und im Nachfolgeband wird dieses Muster konsequent fortgeführt. Allerdings nicht mit derselben süchtigmachenden Intensität, sondern leider etwas zäher, denn auch, wenn viel geschieht, so scheint die Geschichte dennoch zeitweise einfach nur so dahin zu dümpeln. Erst auf den letzten zweihundert Seiten zieht Rae Carson das Tempo ordentlich an und bringt den altbekannten Lesespaß zurück - etwas spät, aber doch.

"Die Feuerkrone" (und im Grunde die ganze Reihe bisher) ist anders. Die Geschichte, der Plot, die Welt und vor allen Dingen die Protagonistin hebt sich sehr von anderen Büchern des Genres ab und bietet so einiges an frischem Wind. Elisa ist tatsächlich eine besondere Figur, was einerseits daran liegt, dass sie sehr viel Identifikationspotenzial besitzt und es dem Leser leicht fällt, in ihre Rolle zu schlüpfen, andererseits aber auch deswegen, weil sie sich entwickelt. Sie ist eine starke Persönlichkeit mit vielen Ecken und Kanten und muss teils erst noch geschliffen werden, doch genau diese imperfekte Art machen sie so authentisch. Auch die anderen Figuren sind sehr vielseitig und facettenreich, was sich besonders an Charakteren wie Ximena und Conde Tristan zeigt - Rae Carson webt hier viele Thematiken in die Grundgeschichte ein und schafft es so, sie lebendig und spannend zu halten. Begleitet wird das von dem atmosphärisch dichten Schreibstil und der besonderen Grundstimmung, die durch die vielen Details erschaffen wird und einfach Spaß macht.

Und auch wenn das nun alles sehr positiv klingt, hat mich der zweite Band der Reihe irgendwie ernüchtert zurückgelassen. Er hat mir nicht ganz so gut gefallen, wie noch Band 1, weil ihm irgendwie der Biss und das besondere Etwas fehlte. Vielleicht liegt es daran, dass es bisher keinen direkten roten Faden gab und man nicht so genau weiß, worauf alles hinauslaufen soll, vielleicht aber auch daran, dass man dieses Mal vieles bereits erahnen konnte. Was es auch ist, die letzte zweihundert Seiten haben die Geschichte wieder stark aufgewertet und machen definitiv Lust auf den dritten Band, der hoffentlich noch übersetzt werden wird. Ich jedenfalls denke, dass diese Buchreihe sehr viel Potenzial besitzt und man als Fantasyfan auf jeden Fall einmal reinlesen sollte.


"Die Feuerkrone" überzeugt durch einen faszinierenden Weltentwurf und eine permanent dichte und authentische Atmosphäre, die mich gefesselt hat. Zwar lässt das Buch im Vergleich zum ersten Band etwas nach und zieht sich dann und wann ein wenig in die Länge, insgesamt hat mir aber auch "Die Feuerkrone" wieder gut gefallen. Mit vielen Details und komplexen Figuren schafft Rae Carson eine besondere Geschichte, die nicht nur immer wieder tiefgehende Thematiken in das Geschehen einflicht, sondern auch durch einen facettenreichen Plot lockt, dessen Ziel man nicht immer sofort erahnen kann. Gerade die letzten zweihundert Seiten haben an Tempo zugelegt und mir mit dem offenen Ende Lust auf mehr gemacht.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]