Rezension | Das verdammte Chaos im Mikrokosmos von Anke Weber

2:51:00 PM

Oetinger | Klappbroschur | 304 Seiten | €12,99 | Kaufen?

Willkommen im Leben! Inspiriert von einem Spruch auf einer Cornflakes-Packung und aus Angst, das geliebte Zuhause zu verlieren, beschließt die 16-jährige Milla, den Tod ihres Großvaters, bei dem sie aufgewachsen ist, zu verheimlichen. Milla vergräbt die Leiche im Garten und vertraut sich nur ihren besten Freunden an. Kurz darauf lernt sie Tim kennen. Auch Tim wird bald sterben, und Milla plant gemeinsam mit ihm sogar die Details seiner Beerdigung. Doch je besser sie Tim kennenlernt, desto mehr fühlen die beiden sich zueinander hingezogen und entdecken, wie wunderschön das Leben sein kann.



Das Leben ist kunterbunt - und manchmal muss der Tod genauso sein. In ihrem neuen Roman "Das verdammte Chaos im Mikrokosmos" zeigt Anke Weber einmal mehr, dass man selbst die tristen und grauen Dinge im Leben bunt anpinseln muss - und das verpackt sie in eine skurrile wie schöne Geschichte, die in endlos vielen Farben schimmert und gleichzeitig tieftraurig und himmelhochjauchzend schön ist. Eine Kombination, die für mich bisher nur Anke Weber  so eindringlich und lebensbejahend vermitteln kann. Wer also wissen möchte, wie man seinen toten Opa im Garten vergräbt, Särge bunt bemalt und gleichzeitig alles verlieren und haben kann - der sollte dieses Buch lesen. Und genießen.

"Endlich, nach tagelanger Arbeit, sitze ich in meinem bunten Wohnstudio und staune. Über mich selbst. Über die Farbe. Und über das Leben. Wie es sich verändern kann. Jeden Tag. Immer wieder. Und manchmal mit ein paar Pinselstrichen." 
[S.109]
 
Anke Webers Geschichten spielen fernab vom Mainstream. So auch "Das verdammte Chaos im Mikrokosmos". Es ist diese ganz besonders feinfühlige, gleichzeitig aber auch sehr eindringliche Art mit einem Thema umzugehen, das nur schwer vermittelt werden kann, die in diesem Buch besonders auffällig ist. Der Umgang mit dem Tod mag für manche eine durchweg traurige Sache sein, doch dieses Buch vermittelt wie kein zweites, dass es nur einmal zum Leben dazugehört und wie man selbst diese düstere Sache zumindest ansatzweise schön machen kann. In der Geschichte um Milla und ihren toten Opa werden derart viele Themen neben dem Tod behandelt, dass man das Buch beinahe als einen Allrounder beschreiben könnte - und das ist er auch. Freundschaft, Erwachsenwerden, viele verschiedene und facettenreiche Menschen und die Liebe spielen unter anderem eine Rolle und machen das Buch zu einer Geschichte, die aus dem Leben gegriffen sein könnte. Trotz - oder vielleicht auch gerade wegen - skurriler Vorkommnisse.


Hinzu kommt der einfache aber besonders schöne und flüssige Schreibstil der zu der kunterbunten Atmosphäre beiträgt und dem Leser ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl suggeriert. Irgendwie ist man in diesem Buch. Man gehört zu der kleinen Truppe, die Milla um sich versammelt, man malt gemeinsam alles bunt an und lässt alles Grau aus dem Leben. So ist "Das verdammte Chaos im Mirkokosmos" eine vielfältige und tiefgehende Geschichte, die unter die Haut geht, spannend ist und mit einer warmherzigen Atmosphäre gleichzeitig zum Lächeln und zum Weinen bringt. Anke Weber verpackt die schönsten und buntesten Farben, die schönsten und schlimmsten Gefühle und ganz viel Herz und Lebensfreude in einem kleinen, aber feinen Buch, das meine Gedankenwelt mit bunten Farbklecksen versehen hat. Am Ende habe ich eigentlich nur noch eines zu sagen: Lest Anke Webers Bücher. Sie sind bunt und schön im Angesicht unschöner Gegebenheiten und vermitteln das Leben auf eine ganz besondere Art und Weise. Außerdem mag Anke Weber Hundepfotengeruch - und das sagt doch wohl bereits alles aus!

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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