Rezension | Die Farben des Blutes: Die rote Königin von Victoria Aveyard

5:54:00 PM

Carlsen | Hardcover | 512 Seiten | €19,99 | Birgit Schmitz (Übersetzerin) | Red Queen | Kaufen?

In der Welt der siebzehnjährigen Mare spielt die Farbe des Blutes die größte Rolle. Während sie als Rote in Armut und ständiger Angst davor lebt, mit achtzehn Jahren in den Krieg eingezogen zu werden, leben die privilegierten Silbernen im Überfluss. Sie sind die herrschende Rasse, denn ihr Blut ist silbern und viele von ihnen haben besondere Fähigkeiten. Als Mare durch einen Zufall in das Königsschloss gelangt, stellt sich jedoch schnell heraus, dass Mare anders ist. Ihr Blut ist rot, doch plötzlich entfaltet sich eine ungeahnte Fähigkeit, die alles ändert. Als Verlobte des zweitgeborenen Prinzen lebt sie nun das Leben einer Adligen - und unterstützt dabei heimlich die Machenschaften der roten Rebellion...


Die Welt ist silbern, aber sie ist auch grau. Es gibt weder Schwarz noch Weiß. ~ Seite 208
 
Es ist oft der Fall, dass schwer gehypte Bücher mich am Ende überhaupt nicht tangieren - weder positiv, noch negativ. Nach den vielen sehr ungleichen Meinungen zu Die rote Königin hatte ich das Gefühl, dieses Buch entweder lieben oder hassen zu müssen, doch nach dem Lesen des Genremix' aus High Fantasy und Dystopie steht für mich fest, dass die Geschichte um Mare nicht wirklich mein Fall ist. Und dass ich viel zu lange für ein Buch gebraucht habe, dessen knapp fünfhundert Seiten sich durch den ziemlich einfachen und flüssigen Schreibstil eigentlich relativ schnell hätten lesen lassen sollen. Die rote Königin hat mich völlig kalt gelassen und mich weder in einen Zustand der Hysterie, noch in euphorische Lobgesänge gebracht - vielmehr bin ich ernüchtert und enttäuscht und frage mich, wieviele Rebellionen die Jugendbuchwelt noch braucht.

Nun aber zu den harten Fakten, denn schließlich bleibt zu erklären, was genau mir an Die rote Königin nicht zugesagt hat. Einerseits ist es der Weltentwurf und alles, was damit zusammenhängt, diese Mischung aus dystopischen und phantastischen Elementen. Die Gesellschaft in Mares Welt wirkt eher wie aus einem Fantasyroman, wird aber immer wieder durch moderne Artefakte durchbrochen - es gibt eine Monarchie, eine privilegierte Adelsschicht und die arbeitende, arme Schicht, die unterjocht wird. Es gibt magische Fähigkeiten wie Gedankenkontrolle, das Beherrschen der Elemente und Metalle. Und es gibt Fahrstühle, Motorräder und Kameras. Victoria Aveyard erschafft eine widersprüchliche Welt, die sicherlich hätte funktionieren können, wenn ein wenig mehr von dem Ursprung dieser erklärt worden wäre. Wie ist es dazu gekommen, dass die Welt sich in Rote und Silberne spaltet - war das schon immer so? Woher kommt die Magie und wie genau kam es zu der Monarchie?

"Eins steht fest, Mädchen", sagt Julian schließlich leise. "Du bist nur eine Schachfigur im Spiel eines anderen." ~ Seite 216
 
Viele Fragen, wenige Antworten. Dafür eine Protagonistin die das Gesicht einer Rebellion darstellt und sich die meiste Zeit des Buches selbst bejammert, ganz gleich, in welcher Position sie sich befindet. Der Fokus wird zudem viel zu sehr auf das unglaubwürdige Liebesdreieck gelegt, welches sich in eine Richtung entwickelt, die ich als eher abstrus erachte. Zumal sich die Gefühle der Figuren untereinander schnell und gestellt entfalten. Auch hier bleiben zu viele Fragen offen, die sich vermutlich in den Folgebänden klären werden, jedoch zumindest in Die rote Königin einige Antworten verdient hätten. Gegen Ende nimmt der etwas träge Plot an Geschwindigkeit und Spannung zu und das letzte Drittel war dann sogar recht unterhaltsam, doch das Anfangsgeplänkel kann es irgendwie auch nicht wieder gut machen. Für mich ist Die rote Königin ein weiterer Jugendroman, der sich in die viel zu große Anzahl immergleicher Bücher einreiht und mich leider kaum erreichen konnte.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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