Rezension | Die Sturmschwester von Lucinda Riley

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Goldmann | Hardcover | 576 Seiten | €19,99 | The Storm Sister | Sonja Hauser (Übers.) | Kaufen?

Der Wind und das Wasser, das sind die großen Leidenschaften in Allys Leben, die sie zu ihrem Beruf gemacht hat: Sie ist Seglerin und hat bei manch riskanter Regatta auf den Meeren der Welt ihren Mut unter Beweis gestellt. Eines Tages aber stirbt völlig überraschend ihr geliebter Vater Pa Salt, und Ally reist zu dem Familiensitz am Genfer See. Wie auch ihre fünf Schwestern wurde sie als kleines Mädchen von Pa Salt adoptiert und kennt ihre wahren Wurzeln nicht. Ihr Vater hinterlässt ihr aber einen rätselhaften Hinweis auf ihre Vorgeschichte – die Biographie eines norwegischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert, in dessen Leben die junge Sängerin Anna Landvik eine schicksalhafte Rolle spielte. Allys Neugier ist geweckt, und sie begibt sich auf Spurensuche in das raue Land im Norden. Sofort ist sie zutiefst fasziniert von der wilden Schönheit der Landschaft, aber auch von der betörenden Welt der Musik, die sich ihr dort eröffnet. Und als sie schließlich dem Violonisten Thom begegnet, der ihr auf unerklärliche Weise vertraut ist, fängt sie an zu ahnen, dass ihre jugendliche Liebe zur Musik kein Zufall war...



"Gerade du solltest wissen, dass die Gene nicht alles sind, es kommt viel mehr darauf an, was man daraus macht." S. 561
 
Mit Lucinda Rileys Romanen kann man entweder etwas anfangen oder nicht. Ihre Familiengeschichten sind speziell und wandern auf dem schmalen Grat zwischen Drama und Kitsch - durchaus mit kleinen Ausrutschern. Ich persönlich mag Rileys Geschichten, wenn auch mit vielen kleinen Abzügen. Prinzipiell hat sie das Talent, den Leser auf eine Reise in die Vergangenheit zu entführen, doch die Geschichten in der Gegenwart gelingen ihr nicht immer ganz so gut und die Dialoge der Figuren wirken oft sehr hölzern. Mit dem zweiten Band ihrer Sieben-Schwestern-Reihe, in der es um die zweite Schwester Alkyone, kurz Ally, geht, beweist sie eben diese Tatsache einmal mehr - in der Vergangenheit hui, in der Gegenwart pfui. Man merkt der Vergangenheitsgeschichte die intensive Recherche einfach jeden Moment an und hat das Gefühl, authentisch unterhalten zu werden - der Plot ist dramatisch, geht ins Herz und löst Emotionen aus, die mich richtiggehend gepackt haben. Das kann ich von der Rahmengeschichte um Ally leider nicht behaupten, in der alles viel zu schnell geht und große Wendungen emotionslos und abrupt abgehandelt werden.

Generell wirkt mir Allys Geschichte einfach viel zu konstruiert und ohne jegliche Motivation - die junge Profiseglerin erfährt zwei schlimme Verluste und macht sich dann auf die Spuren ihrer Vergangenheit. Das war's. Eigentlich eine verständliche Reaktion, doch leider schafft Riley es nicht, Allys Gefühle und Gedankengänge authentisch und glaubwürdig an den Leser zu bringen, sodass sie wie eine Figur aus Tinte und Papier wirkt, die von den Fäden ihrer Puppenspielerin da hingeführt wird, wo sie eben hin soll. Auch die Skizzierung der Persönlichkeit gelingt nicht wirklich - Ally wird als Art Tonangeberin beschrieben, doch zu keinem Zeitpunkt des Buches benimmt sie sich so. Eher im Gegenteil: in vielen Fällen bleibt sie merkwürdig passiv und desinteressiert an dem Leben anderer, was sie für mich zu einer farblosen Figur gemacht hat. Diese Konstruiertheit schlängelt sich wie ein roter Faden durch die Rahmengeschichte und führt dazu, dass Handlungen und Gespräche teilweise mittendrin abbrechen, bestimmte Stränge nicht weitergeführt werden und am Ende völlig in Vergessenheit geraten. Das einzige, was mir an der Gegenwartsgeschichte wirklich Freude macht, ist das Rätsel um die Plejaden und Pa Salt, wobei ich das Gefühl habe, dass die Schwestern bisher nicht sonderlich daran interessiert sind, was es damit auf sich hat - in meinen Augen auch ein wenig unrealistisch.



"Niemand kann uns vor uns selber bewahren, egal, wie sehr er uns liebt." S. 122

Im Gegensatz dazu brilliert die Geschichte in der Vergangenheit mit dem einzigen Abzug, dass sie so abrupt endet - auch wenn es hier eine unbefriedigende Erklärung gibt. Anna Landvigs Leben ist so faszinierend und spannend erzählt, dass ich mich kaum von den Seiten lösen konnte und immer mehr erfahren wollte. Leider hat es mir hier und da ein wenig an Details gefehlt und auch in diesem Fall prescht Riley teils ein wenig zu sehr voran, insgesamt hat mir das Szenario in Norwegen jedoch besonders gut gefallen und mich einige Stunden sehr gut unterhalten können. Zurück bleibt ein relativ zwiegespaltenes Gefühl, das sich nicht so recht abschütteln lässt - letztlich gehören beide Geschichten zueinander, auch wenn die eine überhaupt nicht überzeugen konnte. Insgesamt ist "Die Sturm Schwester", wenn auch eine interessante und spannende Geschichte, für mich eher eine Enttäuschung und lässt mich erwartungsvoll auf den dritten Band und somit auch die dritte Schwester, Star, hoffen.


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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]