Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern

3:28:00 PM


Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.


EIN ZIRKUS VOLLER MAGIE, GESCHICHTEN UND WUNDER

Selten liest man Geschichten, die einen glücklich und traurig zugleich machen und von denen man sich gleichsam wünscht, man könne sie schnell verschlingen und sie würden niemals enden. Erin Morgenstern braucht dafür nur einen wunderlichen Zirkus, eine dramatische Liebesgeschichte und ganz viel Magie - ehe man es sich versieht ist man ein rêveur (frz. für Träumer) geworden, ein Anhänger des Nachtzirkusses, und fühlt sich wie einer der Menschen, die dem Zirkus in jede Stadt hinterherreisen, nur um dessen Magie nicht zu verlieren. Erin Morgenstern hat ein Händchen für's Erzählen, für das Kombinieren verschiedener, zusammengehörender Handlungsstränge und ein Händchen für das Zeichnen von Charakteren. In "Der Nachtzirkus" erzählt sie eine um 1900 spielende, verträumte, ruhige und atmosphärisch unheimlich dichte Geschichte  um zwei große Zauberer, die in einem Duell auf Leben und Tod ihre Fähigkeiten beweisen wollen. Aber eigentlich geht es um viel, viel mehr.

"Der Zirkus kommt überraschend. 
Es gibt keine Ankündigung, keine Reklametafeln 
oder Plakate an Litfaßsäulen, keine Artikel und Zeitungsanzeigen. 
Plötzlich ist er da, wie aus dem Nichts." Seite 7


Inhaltlich ist das Buch tatsächlich schwer zusammenzufassen und ich kann nur jedem raten, sich einfach darauf einzulassen und ohne großes Vorwissen in der Geschichte zu versinken. Man muss ein aufmerksamer Leser sein, um die kleinen Nuancen erfassen zu können und die einzelnen, manchmal etwas verworrenen, Handlungsstränge einzuordnen. Durch kleinere und größere Zeitsprünge, viele Perspektivenwechsel und unterschiedliche Erzählstile erhält "Der Nachtzirkus" nicht nur eine sehr spannende Dynamik, sondern führt auch das ein ums andere Mal dazu, dass man kurz innehalten muss. Doch auch das passt zu der Geschichte und fügt sich passend in das Geschehen ein. Wenn es um den Inhalt geht, will ich auch gar nicht viel mehr sagen, außer, dass man eine Affinität für Magie, Melancholie und Poesie haben sollte, wenn man den Nachtzirkus besuchen möchte. Und dass man ruhige Geschichten mögen sollte, auf die man sich einlassen muss, und die eine breitgefächerte und großflächige Geschichte erzählen und wie ein filigranes Uhrwerk wirken.

EINE VERWORRENE TRAUMWELT IN SCHWARZ UND WEIß, AUS DER MAN NICHT ERWACHEN MÖCHTE

Es ist beinahe widersprüchlich, dass eine Geschichte, in der es um einen Zirkus geht, der nur aus Schwarz, Weiß und Silber zu bestehen scheint, so farbenfroh und facettenreich daherkommt, dass man glauben könnte, sie wäre real. Vielleicht liegt das daran, dass Erin Morgenstern eine so talentierte Erzählerin ist und wie eine Artistin mit Worten jongliert. Durch ihre Worte werden die schwarz-weiß gestreiften Zirkuszelte zu einem lebendigen, ganz eigenem Mikrokosmos, in dem es an jeder Ecke etwas zu bestaunen gibt. Vielleicht liegt das an der betörenden Atmosphäre, der nach Karamell duftenden Luft und den faszinierenden Attraktionen. Oder vielleicht an der Art, wie Morgenstern Magie ins Alltägliche einzuflechten weiß, sodass es nicht verwunderlich erscheint, der Cirque des Rêves könne tatsächlich existieren. Vermutlich ist es das Zusammenspiel von all diesen Elementen, die "Der Nachtzirkus" letztlich zu dem machen, was er ist: eine filigrane, exquisite und bestaunenswerte Attraktion, ein schwarz-weißes Kunstwerk voller Farben, eine verworrene Geschichte wie aus einem Traum, aus dem man nicht aufwachen möchte. Und wenn man dann doch irgendwann erwacht, fühlt man sich als wäre man aus einer warmen und magischen Welt wieder in der eiskalten und grauen Realität gelandet - ein kleiner Kulturschock!

"Die Leute sehen, was sie sehen wollen. Und in den meisten Fällen sehen sie das, was man ihnen sagt." Seite 29

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5 Wortmalerei(en)

  1. Liebe Marie,
    ich habe mich ehrlich gesagt noch nie näher mit diesem Buch beschäftigt, ich habe zwar schon oft das Cover gesehen, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen auch nur einen Blick in den Inhalt zu riskieren, dabei fand ich das Cover immer so schön. Irgendwie hast du mir das Buch jetzt sehr sehr schmackhaft gemacht. :D :D Verdammt. ^^ Ich habe es auf die Wunschliste gesetzt. Manchmal muss es einfach so ein Buch sein. :D

    Liebst, Lotta

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    1. Yaaay, ich freue mich :) Ich bin sicher, dass es dir gefallen wird, denn es ist einfach total besonders und so atmosphärisch :)

      Alles LIebe,
      Marie

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  2. Ich mochte das Buch auch so sehr, dass ich mich doch immer wieder freue, so poetische und positive Rezensionen dazu zu lesen. Ich habe es damals gelesen und danach leider verschenkt (weil ich es jemandem versprochen hatte), was ich danach zutiefst bereut habe. Ich werde es mir auf jeden Fall irgendwann nochmal fürs Regal kaufen, denn es ist eines der wenigen Bücher, die man sicherlich irgendwann ein zweites Mal lesen möchte.

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    1. Das glaube ich, ich würde das auch bereuen! Bei Amazon gibt es das HC gerade für 5€ falls du in nächster Zeit darüber nachdenkst, das Buch wieder ins Regal einziehen zu lassen :)

      Ich glaube auch, das ich es eines Tages noch einmal lesen werden!

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  3. Hallo Marie,
    das Buch liegt bei mir schon ne Weile auf dem SuB und dank dir hab ich das Gefühl diesen Zustand schnellst möglich ändern zu müssen ;) Hoffentlich hab ich bald Zeit dafür....

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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