Mein Freund Pax von Sara Pennypacker

12:17:00 PM


Mit sieben Jahren hat Peter den Fuchswelpen Pax vor dem sicheren Tod gerettet und ihn aufgezogen. Seitdem sind die beiden unzertrennlich - bis der Krieg ausbricht und alles verändert. Peter muss Pax zurücklassen und hunderte Kilometer von ihm entfernt leben, doch weder Peter noch Pax können diese Trennung akzeptieren. Während Pax alles daran setzt, als zahmer Fuchs in der Wildnis zu überleben, macht Peter sich auf den Weg, um seinen Freund zu retten - zwischen den beiden liegen hunderte von Kilometern, unzählige Gefahren und eine tiefe Sehnsucht nach dem jeweils anderen.

Manche Geschichten sind mehr, als sie auf den ersten Blick scheinen - "Mein Freund Pax" ist eine solche. Es ist nicht nur ein optischer Hingucker oder ein hübsch illustriertes Buch mit einem beliebten Tier im Fokus, in dem es um eine einzigartige Freundschaft geht. "Mein Freund Pax" ist weit mehr als das und überrascht den Leser mit einer düsteren wie ehrlichen Geschichte, die keine Angst davor hat, die Dinge ungeschönt auf den Tisch zu legen und dabei dennoch von einer wunderschöner Unschuld ist, die zu Tränen rührt. Das Buch um den Fuchs Pax und seinen Jungen Peter wird als Kinderbuch ab 10 Jahren empfohlen, doch die Geschichte wird garantiert Leser jeden Alters berühren und mitnehmen auf eine ganz besondere Reise, auf der der Weg das Ziel ist.

Das Buch wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt - aus der des Fuchses Pax (markiert mit dem Umriss eines Fuchskopfes) und aus der von Peter (markiert mit dem Umriss eines Menschenkopfes), sodass die Geschichte sich aus zwei Handlungssträngen zusammensetzt.  In Pax' Perspektive verfolgt der Leser Pax zunächst dabei, auf Peter zu warten, um sich dann nach und nach als gezähmter Fuchs an die Wildnis anpassen zu müssen. Dabei lernt er nicht nur die Welt außerhalb von Peters Nähe kennen, sondern findet auch neue Freunde. Peter hingegen reißt aus und muss sich ebenfalls der Wildnis und all ihren Gefahren stellen, auch er findet auf dieser Reise viel mehr, als er dachte. Beide Perspektiven sind spannend, intensiv und gut erzählt - selbst Pax' Perspektive kam mir durchweg authentisch vor, da der Fuchs nicht allzu vermenschlicht und verniedlicht wird, sondern mit all seinen Instinkten dargestellt wird.

"Mein Freund Pax" ist, wie bereits erwähnt, mehr als es zu sein scheint, denn obwohl die Suche nacheinander im Vordergrund steht, wird schon bald deutlich, dass sie mehr in beiden Figuren auslöst, als gedacht. Peters Vergangenheit, seine Wut und seine Ängste werden auf sanfte Art und Weise in das Geschehen eingeflochten und der Selbstfindungsprozess beider Wesen ohneeinander hat mich besonders berührt. Themen und Werte wie Menschlichkeit, Familie, Verlust, Freundschaft, Identität und Zugehörigkeit spielen eine tragende Rolle und sind vor dem Hintergrund des Krieges umso bedeutender. Besonders das Sprichwort "Der Weg ist das Ziel" trifft hier voll und ganz zu, denn "Mein Freund Pax" ist im Grunde genommen eine Reise zu sich selbst, begleitet von einer wunderschönen Freundschaft und einem düsteren Setting. Einzig ein wenig schade fand ich die Tatsache, dass das Buch so abrupt und mit vielen offenen Fragen endet, obwohl mir das Ende ansonsten sehr gefallen hat.

"Mein Freund Pax" ist eines jener Bücher, das im Kopf und im Herzen bleibt, trotz düsterer Atmosphäre, Angst, Wut und Krieg ist es eine wundervolle und reine Geschichte über zwei Wesen, die miteinander verbunden sind, und dennoch ihren eigenen Weg in einer großen Welt finden müssen. Eine absolute Leseempfehlung!

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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