Rache und Rosenblüte von Renée Ahdieh

7:00:00 AM

Nachdem Shahrzad den Palast von Ray verlassen hat, kommt sie einem Lager zwischen den Grenzen des Reiches unter und wird von den Feinden des Knabenkönigs skeptisch überwacht. Dort sind allerdings auch ihre Schwester Isra und ihr Vater, der noch immer nicht ansprechbar ist. Doch Shahrzad kann Chalid nicht seinem Schicksal überlassen und will einen Krieg um jeden Preis verhindern. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg, um ihre merkwürdigen Fähigkeiten weiter auszubauen und so womöglich auch den Fluch zu brechen, der auf Chalid lastet.

Manche Geschichten haben es nicht leicht. Erwartungen, Hoffnungen und Vertrautheit spielen da eine tragende Rolle und manchmal hält dieses wackelige Fundament aus schwammigen Gefühlen nicht stand - das ist ein bisschen, wie die Enttäuschung, nachdem man etwas, was man früher einmal geliebt hat, plötzlich gar nicht mehr so faszinierend findet. Die Luft ist raus, Enttäuschung macht sich breit. Und es braucht eine ganze Weile bis das Gefühl wieder zurückgekehrt ist, das man sich so sehr gewünscht hat. "Rache und Rosenblüte" ist ein solches Buch. Nach einem grandiosen ersten Band fehlt dem Nachfolger der Dilogie der Pfeffer und die prickelnde Chemie und Magie, die in "Zorn und Morgenröte" an jeder Ecke zu finden war. Der Einstieg wirkt holprig, kaum etwas wird noch einmal wiederholt, um ebendiesen etwas zu erleichtern und auch die träge Stimmung in der Geschichte trägt dazu bei, das der Leser erst einmal in der Luft hängt. Knapp auf der Hälfte der Geschichte hat mich "Rache und Rosenblüte" dann wieder und mit der phantastischen und eigenwilligen Protagonistin ist es ohnehin schwer, dieses Buch nicht zu mögen. Aber der Reihe nach...

Ich sage es wie es ist: "Rache und Rosenblüte" ist unterhaltsam. Es ist gut, spannend und magisch. Aber lange nicht so gut, spannend und magisch wie "Zorn und Morgenröte". Das liegt weder an Shahrzad, Chalid, der Beziehung zwischen den beiden oder dem Setting, sondern schlichtweg am Plot, der auf wackeligen Pfeilern steht und sich lange Zeit etwas zäh liest. Erst gibt es viel Drumherum und dann muss alles ganz schnell gehen, sodass das lange Luftholen am Anfang beinahe ein wenig deplatziert wirkt. Wie bereits im ersten Band, ist auch "Rache und Rosenblüten" aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, die Teil eines Ganzen sind und nach und nach zueinander finden. Mehrere Handlungsstränge laufen Parallel und haben das Potenzial zu einer komplexen Geschichte, doch irgendwie lösen sich die Dinge zu simpel und zu schnell. Der einfache, aber durchaus auf das Setting angepasste Schreibstil, der das Geschehen wunderbar einfängt und sich nicht davor scheut, ein ums andere Mal ein wenig ins Detail zu gehen, hat mir aber auch im zweiten Band wieder sehr gefallen.

"Rache und Rosenblüte" punktet vor allen Dingen mit starken Figuren, allen voran natürlich Shahrzad, die sich bereits im ersten Band als eine eigenwillige Heldin mit Rückgrat und Charisma herausgestellt hat. Shahrzad ist schlichtweg eine Powerfrau und diese leicht feministische Struktur wird immer wieder mehr oder weniger diskret in das Geschehen eingeflochten. Auch wenn die Männer die hohen Positionen inne haben - die Frauen in diesem Roman halten die Fände in ihren Händen und verweben das Geschehen nach ihrem Willen. Besonders für ein Jugendbuch finde ich diese nebensächliche Aussage toll und liebe die Dilogie alleine für diese Tatsache! Insgesamt ist "Rache und Rosenblüte" einer unterhaltsamer und gut erzählter zweiter und abschließender Band, in dem vor allen Dingen die weiblichen Figuren einmal mehr zeigen, was sie können - der Plot allerdings schwächelt hier und da vor sich hin und wirkt stellenweise leicht konstruiert.

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]

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