Eden Summer von Liz Flanagan

10:17:00 PM

Obwohl Eden und Jess unterschiedlicher nicht sein könnten, sind sie beste Freundinnen - die eine beliebt und schön, die andere schüchtern und gothic. Bis Eden am Ende des Sommers spurlos verschwindet und nichts als Fragen hinterlässt. Mit der Suche nach Eden, wird Jess mit ihrer eigenen, düsteren Vergangenheit konfrontiert, doch sie weiß: Wenn Sie Eden nicht findet, zerstört das auch ihr eigenes Leben. Gemeinsam mit Liam, Edens Freund, versucht Jess herauszufinden, was mit Eden geschehen ist.

Eingebettet in das spätsommerliche Setting eines kleinen, malerischen Örtchens in England, besitzt "Eden Summer" neben einer fesselnden Geschichte, eine unvergleichliche Atmosphäre, die den Leser bis zum Ende begleitet und den besonderen Charme des Buches ausmacht. Leicht düster, ein wenig verschlafen und sehr ländlich fügt sich das Geschehen beinahe perfekt in die Landschaft - irgendwie scheint sie dahin zu gehören, diese düstere und beinahe thriller-esque Geschichte, die vor allen Dingen mit der Vergangenheit der Figuren zusammenhängt. So setzt sich "Eden Summer" abwechselnd aus Auszügen der Vergangenheit und zeitlich markierten Abschnitten der Gegenwart zusammen, wobei letztere lediglich einen ganzen Tag einnehmen. Der fesselnde Genremix aus Drama- und Thrillerelementen funktioniert bis zum Ende sehr gut, gerade, weil man nicht genau weiß, was einen denn nun erwartet - dafür präsentiert sich die Auflösung und das Ende dann doch etwas mau und reichte mir für die eigentlich sehr gut erzählte und atmosphärisch dichte Geschichte nicht aus.

Trotzdem: der Charme dieser Geschichte biegt so einiges wieder gerade und schafft es, mich permanent an die Seiten zu fesseln. Das liegt einerseits an dem bildhaften und flüssigen Erzählstil, und andererseits an der bereits erwähnten Atmosphäre. Doch auch die Figuren, allen voran Jess und Eden, bringen Leben in die Geschichte. Tatsächlich hätte ich mir beinahe noch ein paar mehr Details gewünscht, auch wenn die Beweggründe beider Figuren sehr detailreich erklärt werden. Ein tieferer Blick in die Vergangenheit bezüglich ihrer Freundschaft wäre jedoch definitiv interessant gewesen und hätte eventuell noch mehr Berührungspunkte zu den beiden Protagonistinnen geschaffen. Nichtsdestotrotz sind beide Figuren gut ausgearbeitet und haben mich durchweg interessiert - Eden noch ein winziges bisschen mehr als Jess. Die Nebenfiguren, vor allen Dingen Liam, Edens Freund, der eine größere Rolle einnimmt, waren mir ein wenig zu blass und hätten gerne noch ein wenig mehr in das Geschehen eingebracht werden können.

Generell hatte ich oftmals das Gefühl, das die Geschichte noch mehr Raum gebraucht hätte - so viele Themen werden angeschnitten, aber am Ende viel zu schnell gelöst oder gar nicht mehr erwähnt. Wenn die Figuren hier mehr Freiraum und Entwicklungspotenzial gehabt hätten, hätte die Geschichte mich vermutlich noch um einiges mehr in den Bann ziehen können. So bleibt sie zwar gut erzählt, spannend und atmosphärisch top, jedoch wohl kein Buch, das mich noch lange beschäftigen wird. Dennoch würde ich die Geschichte jenen empfehlen, die für den Sommer noch eine besondere Lektüre suchen und dabei keinen Einheitsbrei, sondern eine weitesgehend tiefgehende und spannende Geschichte lesen wollen, die Themen wie Freundschaft, Verlust, Gewalt und Identität behandelt.

Schon gelesen?

1 Wortmalerei(en)

  1. Ich danke dir für den Tipp. "Eden Summer" hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm, aber es klingt nach einer spannenden, fesselnden Sommer-Lektüre, auch wenn leider nicht alles für dich gepasst hat. Romane, in denen es vordergründig um eine besondere Freundschaft geht, gefallen mir immer gut. Es wäre natürlich klasse gewesen, wenn die Autorin neben der atmosphärischen Erzählweise auch ein gutes Ende zu bieten gehabt hätte, aber ich könnte mir dennoch vorstellen, es damit zu probieren.
    Sehr schöne Rezension!

    ReplyDelete

Lasst mir eure Wortmalereien hier!

Powered by Blogger.

Gefällt dir?

Leser

Die Wortmalerin

My photo
Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]