Diabolic von S.J. Kincaid

10:18:00 PM

Nemesis ist eine Diabolic - eine von Menschen erschaffene, übermenschlich starke Kreatur ohne Mitleid und Gefühle, deren einziger Sinn es ist, seinen Besitzer mit seinem Leben zu beschützen. Als ihre Besitzerin Sidonia dem Kaiser ausgeliefert werden soll, geht Nemesis an ihrer statt und muss schon bald feststellen, dass der Kaiser eigene Pläne mit der Zukunft des Universums hat. Und dann ist da noch Tyrus, der intergalaktische Thronfolger, der dem Wahnsinn verfallen ist. Nemesis muss nicht nur ihre Tarnung als Sidonia aufrecht erhalten, sondern wird zudem in ein intrigantes Machtspiel verstrickt, in dem sie niemanden trauen kann.

Intrigen, Gewalt, Machtspiele und Weltraumfeeling - wer diese Elemente in einer Geschichte zu schätzen weiß, der wird mit "Diabolic" von S.J. Kincaid (und den unnötig verkitschten Untertitel lasse ich hier bewusst aus!) garantiert seine Freude haben. Zusätzlich gibt es einen komplexen Weltentwurf, dreidimensionale Figuren und eine spannungsgeladene Atmosphäre, die sich durch die komplette Geschichte zieht. Von der im Klappentext stark angepriesenen Liebesgeschichte sollte man sich hier nicht verunsichern lassen, denn "Diabolic" ist viel, viel mehr als eine intergalaktische Beziehungskiste. Statt romantischen Erwartungen sollte man dafür aber Nerven wie Drahtseile mitbringen, denn diese Geschichte legt die harten Fakten ungeschönt auf den Tisch, ohne dabei vor extrem gewalttätigen Szenen zurückzuschrecken - und die haben es wirklich in sich. Trotzdem sind auch philosophische Fragen in die durchaus komplexe Geschichte eingewebt, die sich rund um Identität, Menschlichkeit und Eigenständigkeit drehen. Diese faszinierende Mischung macht "Diabolic" für mich zu einem unvergesslichen Leseerlebnis, das alles hat, was ich mir von einer guten Geschichte wünsche!


Mehr als nur eine intergalaktische Liebesgeschichte!

Und das obwohl ich dieses Buch eigentlich gar nicht lesen wollte - ja, es sogar bereits von meiner Wunschliste verbannt hatte. Das liegt nicht nur an dem Einheitscover, sondern auch an der Tatsache, dass die Liebesgeschichte im Klappentext so sehr hervorgehoben wird. Nicht falsch verstehen: Ich mag Liebesgeschichten, aber ich mag vor allen Dingen solche, die sich unvorhergesehen in die Geschichte mischen und natürlich wirken, ohne dabei das ganze Buch einzunehmen. Glücklicherweise habe ich "Diabolic" dennoch gelesen - denn obwohl der Inhalt etwas anderes verspricht, dreht sich die Geschichte vor allen Dingen um die politischen Machtverhältnisse und Protagonistin Nemesis, die, in einer Welt voller Intrigen, Gewalt und Hass, zu überleben versucht. Besonders das Setting trägt zu dem Gefühl bei, etwas originelles und weitesgehend unverbrauchtes im Jugendbuchgenre zu lesen, denn "Diabolic" spielt zum größten Teil auf Raumstationen und Raumschiffen mitten im All. Hinzu kommt der Hof des Kaisers mit allen Adeligen und deren verkorkste Lebensweise. Kincaid hat hier ein faszinierendes Gesellschaftssystem entworfen, das scheinbar lange nach der Menschheit auf der Erde spielt.

Protagonistin Nemesis erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, was zwar insgesamt für einen guten Lesefluss sorgt, für mich aber teils nicht zu der epischen Größe des Romans gepasst hat - ich hätte mir tatsächlich einen personalen Erzähler aus der dritten Person sehr viel besser vorstellen können, auch wenn das nur ein kleiner Punkt ist, der mir dennoch öfter in den Kopf gekommen ist. Der Schreibstil ist relativ simpel und bildhaft gehalten, sodass er der Komplexität der Welt gerecht wird und der Leser sich das Szenario gut vorstellen kann. Dazu tragen allerdings auch die Figuren bei, die allesamt plastisch und dreidimensional gezeichnet sind. Ob das nun Nemesis ist, die durch ihre Herkunft als humanoide Lebensform ständig vor der Frage steht, was sie eigentlich wert ist und ob sie Gefühle haben kann, der wahnsinnige Thronfolger Tyrus, hinter dem noch einiges mehr steckt, als man erwartet, oder die Antagonisten, zu denen ich nicht zu viel verraten möchte, die mich aber ein ums andere Mal wirklich überraschen konnten.


Komplexe Figuren, verworrene Machtverhältnisse und Spannung pur!

"Diabolic" ist eine schnelle und spannende Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen konnte und die für mich beinahe rundum perfekt ist. Ein komplexes System mit einem faszinierenden Setting und speziellen Figuren sorgen dafür, dass sich die Geschichte wie ein episches, intergalaktisches Abenteuer liest und dabei mit so einigen Wendungen daherkommt, mit denen man teils nicht gerechnet hätte. Definitiv ein Lesehighlight, das ich nur jedem ans Herz legen kann, der eine originelle und spannende Sci-Fi Geschichte lesen möchte!

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]