Goddess of Poison - Tödliche Berührung von Melinda Salisbury

10:56:00 PM

Die siebzehnjährige Twylla ist die Verkörperung der Tochter der Göttin Naeht, die gottgleiche Daunen, und wird vom Volk wie eine Heilige verehrt. Als Rächerin der Königin ist es ihre Aufgabe, die Verräter des Reiches mit ihrer grauenvollen Gabe hinzurichten, denn Twyllas Berührung ist giftig - und in jedem Fall tödlich. Einzig die königliche Familie ist in der Lage, sie zu berühren. Twylla ist außerdem dem Kronprinzen versprochen - eine vorherbestimmte Hochzeit, ihr Schicksal. Doch als Twylla Lief kennenlernt, ihren neuen Wächter, stellt sie sich die Frage, ob ihr Schicksal wirklich von anderen abhängig ist...

EIN BESONDERER AUFTAKT - ANDERS ALS GEDACHT

Eine Berührung, die tötet, ein vorherbestimmtes Schicksal und ein Prinz: was wie ein altbekanntes Fantasyabenteuerschema anmutet, entwickelt sich im Laufe des Buches zu einer ganz eigenständigen Geschichte und ist hier und da ganz anders als gedacht. Dabei beginnt Twyllas Geschichte für meinen Geschmack sehr zäh und braucht seine Zeit, um sich zu entfalten. Ist man jedoch erst einmal im Strudel der Ereignisse gefangen, gibt es so schnell kein Zurück mehr! "Goddess of Poison - Tödliche Berührung" ist der erste Band einer (bisher) dreiteiligen Reihe und bringt eine ganz besondere Geschichte ins Rollen, die viel größer ist, als angenommen. Tatsächlich hat mich Twyllas Geschichte an einigen Stellen überraschen und trotz kleiner Durststrecken gut unterhalten können.

"Goddess of Poison" ist anders, irgendwie mutig. Es geht Wege, die ich von einem Jugendbuch sicherlich nicht erwartet hätte. Klischees lösen sich am Ende anders als gedacht und die Verstrickungen und Intrigen gehen viel tiefer als geahnt. Das beginnt bei der Protagonistin und endet bei klein geglaubten Nebenfiguren. "Goddess of Poison" zeigt dabei eine unerwartete Liebe zum Detail, die dem Buch eine besondere Lebendigkeit und Authentizität verschafft. Hinzu kommt ein angenehmer Schreibstil, erzählt aus Twyllas personaler Perspektive - und das ist auch schon einer meiner kleinen Kritikpunkte, denn ich hätte mir eine Sichtweise aus der dritten Person sehr viel besser vorstellen können, doch das ist nur ein kleiner Gedanke, der mir während des Lesens gekommen ist und sich schließlich auch auflöste. Dennoch: diese Kleinigkeit hat mich zeitweise gestört und die Geschichte wäre dadurch eventuell noch ein bisschen epischer geworden.

EINE PROTAGONISTIN, DIE SICH SELBST FINDEN MUSS

Anfangs fällt es zudem schwer, sich in Protagonistin Twylla hineinzuversetzen, was allerdings in Anbetracht ihrer Lebenssituation nicht unbedingt verwunderlich ist. Im Schloss von Lormere lebt sie im Grunde wie in einem goldenen Käfig und ihr Leben ist seit dem Tag ihrer Geburt immer vorherbestimmt gewesen, wenn auch zuvor auf andere Art und Weise. Twylla macht dadurch oftmals einen sehr uneigenständigen und naiven Eindruck, denn sie hinterfragt nur wenig und selbst wenn sie es doch macht, steht sie nicht dafür ein. Ihre Ängstlichkeit und ihre introvertierte Art ziehen sich bis zu einem bestimmten Punkt, sodass Twylla bis dahin eher schwer zu verstehen ist. Nach ebendiesem Punkt jedoch bekommt sie um einiges mehr Farbe und Dynamik. Im Gegensatz dazu ist ihr Wächter Lief schon von Beginn an eine interessante Figur, die ein deutliches Eigenleben zeigt, was sich vor allen Dingen zum Ende hin bestätigt. Besonders spannend fand ich die vielen liebevoll ausgearbeiteten Nebenfiguren, die alle eine Geschichte haben oder bekommen.


KREATIVER WELTENTWURF, DER VIEL LIEBE ZUM DETAIL BEWEIST

Der Weltentwurf gelingt größtenteils, auch wenn ich mir hier und da noch ein paar mehr Details zum Gesamtbild gewünscht hätte. Im Gegenzug erschafft Salisbury ein plastisches Bild der Sitten, Gebräuche und Traditionen, sowie vor allen Dingen der Geschichte von Lormere. Einige sind hier besonders kreativ und unterstreichen die Detailliebe, sowie beispielsweise die Sündenesserin oder die Märchen und Sagen. Auch die verschiedenen Zeitebenen, die immer wieder Twyllas Vergangenheit beleuchten, geben dem Buch mehr Dynamik und servieren dem Leser ein komplexes und fesselndes Bild.

"Goddess of Poison" ist nicht perfekt. Es hat definitiv seine Schwächen, aber es ist auch eine Geschichte, die sich abhebt und sich ganz anders entwickelt als erwartet. Viele Wendungen und Gedanken haben mich überrascht und fasziniert und vor allen Dingen neugierig auf die Folgebände gemacht. Wer eine besondere Geschichte im jugendlichen High Fantasy Bereich sucht, wird spannende Unterhaltung in diesem Reihenauftakt finden!

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2 Wortmalerei(en)

  1. Guten Morgen liebe Marie,

    das Buch habe ich vor einer Weile geschenkt bekommen und seitdem steht es auch auf meinem SuB, wo es fröhlich vor sich hin verstaubt. Der Klappentext alleine hat meine Neugier einfach nicht wecken können - dafür aber deine Rezension. Gerade weil du schreibst, dass es anders ist als gedacht, bin ich nun sehr neugierig und werde ziemlich sicher bald zu dem Buch greifen, um mich selbst davon überzeugen zu können.

    Ganz liebe Grüße,
    Maike

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    Replies
    1. Hallo liebe Maike,

      das Buch braucht tatsächlich auch einige Zeit, bis es sich entfaltet, aber ich kann dir schon einmal sagen, dass der zweite Band den ersten noch einmal unheimlich aufwertet. Ich habe ihn eben beendet und jetzt bin ich absolut überzeugt von dieser Reihe.

      Berichte doch gerne mal, wenn du das Buch liest, wie es dir gefällt! Und wenn du es am Ende mochtest (wenn auch nicht voll und ganz), dann gib dem zweiten Band eine Chance - der hat mich umgehauen :D

      Viele liebe Grüße ♥
      Marie

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Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz. [aus Tintenherz]