Rezension: Die Tribute von Panem - Flammender Zorn von Suzanne Collins

4:22:00 PM

Inhalt:
Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol!

Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.

Schreibstil:
Wie auch in den beiden Vorgängern, überzeugt der Schreibstil durch seine Ehrlichkeit. Viel Poesie wäre hier fehl am Platz und würde nicht zu dem Buch oder der Geschichte passen. Auch zu Katniss passt er am besten, denn sie ist einfach ein sehr ehrlicher Mensch. Manchmal wurde mir in diesem Teil zwar zu viel beschrieben, allerdings war das meistens notwendig, um dem Leser überhaupt das Ausmaß der Dinge zu verdeutlichen.

Meinung:
Wo fängt man bei einer solchen Geschichte mit einer derartigen Komplexität und Vielschichtigkeit bloß an? Es fällt schwer, die Geschichte um Katniss, Gale und Peeta, Panem, Leben und Tod in Worten zu beschreiben, denn mir ist bisher keines eingefallen, welches das Buch auch nur annähernd beschreiben könnte. Jedes wäre zu harmlos und könnte nicht ausdrücken, mit wievielen Grausamkeiten der Leser konfrontiert wird. Zuerst einmal sollte man erwähnen, dass das Buch sich von seinen Vorgängern unterscheidet, da es nicht um die Hungerspiele geht, auch wenn man den Krieg als solches im Grunde auch als Hungerspiel bezeichnen könnte. In „Flammender Zorn“ geht es hauptsächlich um die Rebellion, dem Krieg gegen das Kapitol und ist daher um einiges schwerer als seine Vorgänger. Zwar waren diese auch sehr brutal und grausam, doch ich habe den dritten Teil der Trilogie als noch erdrückender empfunden.

Ich hatte oft das Gefühl nicht mehr weiter lesen zu wollen – nicht weil die Geschichte schlecht oder es langweilig gewesen wäre – sondern weil soviel Gewalt, Angst und Schrecken rübergebracht wird, dass der Leser sich alles genau vorstellen kann, was teilweise schon sehr abschreckend war. Des Weiteren hatte ich auch oft Angst vor dem Ende und davor, dass die Trilgie dann abgeschlossen ist. Aufhören zu lesen kann man allerdings auch nicht, dazu will man doch viel zu sehr wissen, was geschieht, wie es alles enden wird. Oft war es auch kaum fassbar, wie brutal und blutig vorgangen wird, wie rücksichtslos und eigennützig beinahe jeder Charakter auftritt.

In diesem Teil gibt es kein Schwarz oder Weiß mehr, die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen völlig, sodass man zwar dem Kapitol immer noch nichts abgewinnen kann, jedoch auch die Taten der Rebellen in Frage stellen muss und sich oft fragt, ob sie nicht teilweise ebenso schrecklich vorgehen, wie das Kapitol, selbst wenn sie jahrelang unterdrückt worden sind. Auch die Rebellen, dazwischen Gale, erweisen sich als brutal und rücksichtlos und scheuen nicht davor Kinder und womöglich Unschuldige zu töten, um das Kapitol zu stürzen. Dabei stürzen derart viele Fragen und moralische Konflikte auf den Leser ein, dass es schwer wird, sich auf eine Seite zu stellen. Es wird gezeigt, dass letztendlich alle gleich sind und auch in vielen Sätzen verdeutlicht, die den Leser zum Nachdenken anregen. Im Vordergrund für Katniss steht demnach auch die Frage, ob der Krieg sinnvoll ist, ob es wert ist soviele Menschenleben zu verlieren und ob man nicht alles so belassen sollte, wenn man bedenkt, wieviele man dadurch schützen könnte.

Viele Charakter haben mich in diesem Teil noch mehr bewegt und viele haben ich mehr in mein Herz geschlossen. Allerdings gab es auch einige, die mich im Nachhinein abschreckten. So hat mir Finnick immer besser gefallen und auch Katniss und ihre Denkweise konnte ich besser nachvollziehen als zuvor. Distanziert habe ich mich in diesem Buch widerrum von Gale, der vor keiner Grausamkeit zurückschreckt und für mich, sowie auch für Katniss viel seines früheren Charmes verloren hat. Peeta hat mir das ganze Buch über sehr gefehlt, da er vom Kapitol gefangen genommen wurde und später, als er befreit wird, auch nicht mehr der Alte ist. Was vorallen Dingen auffällt ist, dass die Liebesgeschichte im Grunde völlig in den Hintergrund tritt und nebensächlich wird. Es geht nicht mehr darum, sich zwischen irgendwelchen Typen zu entscheiden – Es geht um viel mehr. Es geht ums nackte Überleben, ums Beschützen, um Verlust und Rache. Der Tod macht außerdem auch nicht vor denjenigen Charaktern halt, die man mag und von denen man sich in Sicherheit geglaubt hat. So wird das Buch zwar noch grauenvoller, jedoch gleichzeitig auch authentischer macht.

Das Ende habe ich als sehr passend und emotional empfunden. Außerdem hat es mich zu Tränen gerührt. Ich hätte mir kein anderes vorstellen können, denn es wäre nichts richtiger gewesen. Viele sagen, es wäre ihnen nicht glücklich genug, doch was kann man schon erwarten von einem Menschen, der nichts als Tod und Verzweiflung gesehen hat, der alles verloren hat, der nächtelang von Albträumen geplagt wird, der am Krieg beinahe zerbrochen wäre?

Insgesamt unterscheidet sich „Flammender Zorn“ sehr von den beiden Vorgängern und verliert die nervenkitzelnde Spannung und wird durch ein Hoffen und Bangen ersetzt, was aber nicht davon abhält unbedingt weiter lesen zu müssen. Die Bücher haben allesamt eine ganz besondere, wenn auch grausame Atmosphäre, die mich immer wieder überrascht und mitgerissen hat. Man möchte eigentlich nicht das Wort „gut“ verwenden – obwohl die Bücher viel mehr als das sind – denn sie zeigen soviel Tod und Hass auf, dass es schwer fällt, sie mit diesem Wort zu umschreiben. Mich haben sie gleichzeitig verschreckt, sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Ich finde auch nicht, dass das Wort „spannend“ ausreicht um diese Bücher zu beschreiben, denn sie sind gleichzeitig er- und abschreckend und warnend, denn wer weiß, wie unsere Zukunft aussehen wird? Ob wir vielleicht gar nicht so weit davon entfernt sind?

Deswegen verstehe ich allerdings auch die Altersempfehlung auf Amazon überhaupt nicht (ab 12). Wenn diese Bücher allein schon erwachsene Menschen berühren und man Tage danach noch an der Geschichte knabbert, wie kann man sie dann so jungen Menschen emfpehlen? Ich würde diese Bücher keinem in die Hand drücken, der jünger ist als 15 und auch niemandem der schwache Nerven hat, denn hier geht es nicht um kleine Liebesgeschichten oder nur spannende Spiele, sondern um Menschlichkeit und Krieg, sodass auch Dinge wie Folter und Beschreibungen von Verletzungen nicht ausbleiben.

Diese Tatsache hindert mich jedoch nicht daran dem letzten Teil, wie auch den anderen, 5 Sterne zu geben, denn diese Bücher haben frischen Wind, in den derzeitigen Hype um das Fantasy/Science Fiction Genre gebracht und mich berührt und mitgerissen. Ich finde es sehr gut, dass sie derart viel Emotionen auslösen und dabei auch noch viel vermitteln, ehrlich sind und nichts verschönigen. Ich kann die Trilogie daher jedem ans Herz legen (auch wenn es alle schon gelesen haben). Sollte sich irgendjemand noch nicht herangewagt haben, kann ich es sehr empfehlen, wenn man sich mit dystopischen und philosophischen Gedanken und Fragen auseinandersetzten will und kann, die meistens keine klare Antworten erwiedern können und vielschichtig sind. Außerdem sollte man nicht allzu schwache Nerven haben und emotional mitgerissen werden wollen, denn all das wird man in den Tributen von Panem finden können.


Die Trilogie:
Teil 1 - Tödliche Spiele
Teil 2 - Gefährliche Liebe
Teil 3 - Flammender Zorn

Trailer zum Buch:

Autor:
Suzanne Collins
Titel: Die Tribute von Panem. Flammender Zorn.
Gebundene Ausgabe: 430 Seiten
Verlag:
Oetinger; Auflage: 1., Auflage (20. Januar 2011)
Originaltitel: The Hunger Games. Mockingjay.

Vielen Dank für das Zusenden des Rezensionsexemplares an

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