Rezension: Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón

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Autor: Carlos Ruiz Zafón
Titel: Der Schatten des Windes
Gebundene Ausgabe: 526 Seiten
Verlag: Insel  
ISBN-10: 9783458173304 
ISBN-13: 978-3458173304
Preis: 25,00 €
Originaltitel: La Sombra del Viento
Genre: Belletristik
Themen: Bücher; Geheimnisse; Vergangenheit; Nachkriegszeit; Liebe; Leben
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«Einmal hörte ich einen Stammkunden in der Buchhandlung meines Vaters sagen, wenige Dinge prägten einen Leser so sehr wie das erste Buch, das sich wirklich einen Weg zu seinem Herzen bahne. Diese ersten Seiten, das Echo dieser Worte, die wir zurückgelassen glauben, begleiten uns ein Leben lang und meißeln in unserer Erinnerung einen Palast, wie viele Bücher wir lesen, wie viele Welten wir entdecken, wieviel wir lernen oder vergessen.»
[Der Schatten des Windes von Carlos R. Zafón]

Erster Satz:
Ich erinnere mich noch genau an den Morgen, an dem mich mein Vater zum ersten Mal zum Friedhof der vergessenen Bücher mitnahm.

Inhalt:
Als der zehnjährige Daniel Sempere den Friedhof der vergessenen Bücher zum ersten Mal betritt, ist er fasziniert von der Welt aus Büchern, die sich ihm öffnet. Als Wahrer des Geheimnisses darf er sich eines der Bücher aussuchen, doch Daniel hat das Gefühl, dass das Buch ihn auswählt, denn als er den Schatten des Windes in der Hand hält, weiß er, dass es sein Buch ist. Völlig gebannt von der Geschichte, verschlingt er sie in einer einzigen Nacht und versucht interessiert mehr über den Autor Julian Carax herauszufinden, über den kaum etwas bekannt ist. Auf seiner Suche nach Informationen gerät, der inzwischen älter werdende, Daniel in einen Strudel von Ereignissen und Gefahren, denn er wird von Lain Coubert verfolgt, einer Figur - der Teufel - aus dem Buch, dass er adoptierte und dieser will alle Bücher von Carax verbrennen. Wer verbirgt sich hinter der Maske von Lain Coubert? Welche Vergangenheit birgt der Autor des Buches? Immer mehr Parallelen zwischen Daniels Leben und dem des Buches tun sich auf...

Schreibstil:
Wow. Nie hat mich ein Schreibstil derart mitgerissen, fasziniert und süchtig gemacht wie der von Zafón. Und nie habe ich mir einzelne Sätze aus einem Buch rausgeschrieben, weil sie so wunderbar schön und leicht auf der Zunge zergehen. Und nie habe ich in einem Buch Sätze gefunden, die ich irgendwo zitiert habe, die mich von dem Tag an begleiten. Zafóns Schreibstil ist einfach wunderbar poetisch und tiefgehend. Man wird mit sanften, verlockenden Worten in Daniels Welt gezogen, als würde man direkt neben ihm stehen, erlebt seine Geschichte, als gehöre sie einem selbst. So oft bin ich an der Poesie von Zafóns Sprache hängen geblieben und bin zu dem Schluss gekommen, dass er wirklich ein Meisterdresseur der Worte sein muss.

Meinung:
Es liegt bestimmt schon drei Jahre zurück, als ich den Schatten des Windes zum ersten Mal in den Händen hielt und das Buch skeptisch betrachtete. Es sah nicht nach der Art Bücher aus, die ich sonst immer verschlungen hatte und so war ich anfangs doch recht unentschlossen, ob das Buch etwas für mich werden könnte. Ich habe es aufgeschlagen und mit dem ersten Satz war ich in der Geschichte. Mit dem ersten Satz war ich so interessiert und fasziniert, wie ich es nie im Leben erwartet hätte.

Die Geschichte um Daniel Sempere und sein Leben ist nicht nur wunderschön und faszinierend, sondern noch vieles mehr. Gemeinsam mit ihm macht sich der Leser auf eine spannende, verwunschene Reise durch ein Barcelona der Nachkriegszeit auf den Spuren von Julian Carax, dessen Lebensgeschichte mit jedem Kapitel noch verwirrender und schwammiger zu werden scheint. Mit sympatischen und wunderbar ausgefeilten Figuren zieht Zafón seine Leser in den Bann und entführt sie immer tiefer in die Gände des Friedhofs der vergessenen Bücher, sodass man oft das Gefühlt hat, selbst in der Geschichte zu stecken.

Daniel ist ein sehr sympatischer Protagonist und im Laufe der Geschichte wächst er einem auch sehr schnell ans Herz. Er ist neugierig, mutig und interessiert am Leben und der Vergangenheit. Auf seiner Suche nach Carax' Identität, lernt er nicht nur den Autor, sondern auch sich selbst kennen und verliebt sich in die Schwester seines besten Freundes, die jedoch verlobt ist. Auch wenn die Liebesgeschichte zwischen den beiden keine besonders große Rolle einnimmt und auch erst im letzten Drittel des Buches wirklich relevant wird, sind die Szenen mit den beiden immer wunderschön und einfühlsam beschrieben. Doch nicht nur das, auch die Spurensuche in der Vergangenheit wird zu einer schönen, erschreckenden und teilweise sogar unheimlichen Geschichte, in der man sich nur allzu schnell verlieren kann.

Zafón schafft hier nicht nur einen Charakter, der dem Leser von Anfang bis Ende an sympatisch ist, wie beispielsweise Fermin de Torres, der Daniel auf seiner Suche unterstützt, sondern auch einen Bösewicht mit Geschichte, der es in sich hat. Dabei wird man oft in die Irre geführt, denn nicht alles ist, wie es scheint und nicht jeder, der Böse wirkt, ist es am Ende auch. Die Geschichte hat sehr viele Facetten und Handlungsstränge und auch wenn Zafón vielleicht oft etwas sehr viel beschreibt, so war es für mich nie langatmig oder uninteressant. Er schreibt einfach derart schön, dass ich mir viel Zeit gelassen habe, um jedes Wort genießen zu können.

Das Buch verfolgt naütrlich ein altbekanntes Schema und wenn man das kennt, weiß man eigentlich bereits auf den ersten hundert Seiten, um wen es sich bei der Figur des Lain Coubert handelt, doch das ändert nichts an der Spannung und den Gründen für das Handeln. Für mich ist der Schatten des Windes ein Buch voller Poesie und Magie, Liebe und Hass, Schönheit und Hässlichkeit, in dem ich immer wieder schmökern und mich verlieren kann. Es ist eine dieser Geschichten, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Fazit:
Der Schatten des Windes vereint nicht nur viele unterschiedliche Handlungsstränge, sondern auch viele verschiedene Facetten, wie Romantik, Humor, Spannung, Geheimnisse und ist eine Hommage an die Welt der Bücher. Eine Geschichte, in der man sich auf Grund der gut durchdachten Geschichte und des wunderwunderwunderschönen Schreibstils immer wieder verlieren kann und die den Leser träumen und grübeln lässt. Der Schatten des Windes ist auf jeden Fall eins meiner Lieblingsbücher, welches immer geht und ich in meinem Regal, sowie in meinem Herzen nicht mehr missen möchte.


Zum Hörbuch
Das ist wahrscheinlich das allerallerbeste und schöne Hörbuch, was es gibt. Und das sage ich nicht nur, weil ich das Buch liebe und immer wieder lesen könnte, sondern auch weil es unter anderem gesprochen wird voooooon: Matthias Schweighöfer! Der Typ hat einfach so eine unglaublich schöne Stimme, die die Geschichte und die Melancholie, die teilweise auftritt, wunderbar einfangen kann. Mir schöner Musik und Geräuschen ist das Ganze untermalt, sodass es eigentlich eher ein Hörspiel ist. Obwohl es gekürzt ist, kann ich dieses Hörbuch/spiel nur empfehlen, denn es ist wirklich ein Meisterwekt und unterstreicht nochmal, die Stimmung und Atmosphäre des Buches.



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