Rezension: Die Blutlinie von Cody McFadyen

3:11:00 PM


Autor: Cody McFadyen
Titel: Die Blutlinie
Teil einer Reihe? 1. Teil einer Reihe
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-10: 3404158539 
ISBN-13: 978-3404158539
Preis: 8, 99€
Originaltitel: Shadowman
Genre: Thriller
Themen: Serienmord; Vergewaltigung; Verlust; Tod; Verbrecherjagd
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«Ich atme den Rauch aus und beobachte, wie er nach oben steigt, hier und da von winzigen Luftströmen erfasst, bevor er immer dünner wird und schließlich verschwindet. Wie das Leben, denke ich. Leben ist wie Rauch. Wir machen uns nur etwas vor, wenn wir glauben, dass es anders ist. Es genügt eine kräftige Böe, und wir schweben davon und lösen uns auf, und zurück bleibt nichts außer einem Hauch unserer Existenz in Form von Erinnerungen. Ich huste unvermittelt und lache angesichts all der Assoziationen. Ich rauche. Das Leben ist Rauch, und mein Name ist Smoky. Smoky Barrett.»
[Die Blutlinie von Cody McFadyen; S. 17f.]

Erster Satz:
Ich habe einen meiner Träume.

Inhalt:

Special Agent Smoky Barrett hat ihre Familie auf grausamste Art und Weise an einen Serienkiller verloren, der ihre Familie erst folterte und dann tötete. Auch an Smoky hat er physische Narben hinterlassen, in dem er sie mit dem Messer bearbeitete und vergewaltigte. Um den Schmerz unter Kontrolle zu bringen und bald wieder in ihren Beruf zum FBI zurückzukehren, besucht Smoky einen Therapeuten. Als jedoch sechs Monate nach dem Mord an ihrer Familie, ihre beste Jugendfreundin geschändet und ermordet aufgefunden wird, die zehnjährige Tochter traumatisiert an sie gebunden, da weiß Smoky, dass es Zeit für sie ist, wieder zu arbeiten, denn der Killer hat eine Nachricht für sie hinterlassen. Er will nur von ihr und ihrem Team gejagt werden und hält sich selbst für einen Nachfahren von Jack the Ripper. Ein weiterer Mord geschieht, immer wieder hinterlässt Jack Junior Hinweise und bald arbeiten Smoky und ihr Team gegen die Zeit.

Schreibstil:

Der Schreibstil war eines der ersten Elemente, die mich an dem Buch gefesselt haben. Er ist klar und leicht zu lesen, jedoch mit einem Hauch Tiefe, der ihn interessant macht. Die Beschreibungen sind meist sehr detailliert und dabei niemals langatmig. Da die Morde blutig und grausam beschrieben werden, sollte man das Buch nicht unbedingt lesen, wenn man etwas schwächere Nerven hat, obwohl ich sagen muss, dass es im Endeffekt doch nur zwei bis drei Stellen gab, die mich richtig abgeschreckt haben. Ansonsten schafft Cody McFadyen einen sehr guten Schreibstil, der gefühlvoll ist und dennoch die Spannung aufrecht erhalten kann.

Meinung:

Vorerst sei gesagt, dass ich ein Thrillerneuling bin und man "Die Blutlinie" wohl als meinen ersten richtigen Thriller ansehen kann, obwohl ich vorher schon einige wenige Male in diesem Gebiet unterwegs war. Die Art von Buch war nie so mein Genre, weil es meist aus der Sicht irgendeines langweiligen Detektivs geschildert ist. Außerdem sind die Themen in den Büchern meist gar nicht so weit von der Realität entfernt, was natürlich ziemlich unheimlich ist. Trotzdem hatte ich letztens irgendwie Lust etwas spannendes, blutiges und unheimliches zu lesen und habe mich dann für Cody McFadyens "Die Blutlinie" entschieden.

Auf den ersten Seiten wird die FBI-Agentin Smoky Barrett vorgestellt und ihre momentane Situation verdeutlicht. Nach dem Verlust ihrer Familie und ihrer eigenen Verstümmelung hat sie jede Nacht Albträume und außer ihren Therapeuten zu besuchen, macht sie nichts. McFadyen schafft es das Interesse des Lesers zu erwecken, in dem er wahnsinnig gut und stellenweise sogar poetisch von Smokys Gedanken schreibt. Auffällig ist die Tatsache, dass das Buch aus der Ich-Perspektive der Agentin geschrieben und somit näher am Leser ist. Die Ermordung ihrer Familie wird blutig und grausam beschrieben und auch Smokys Gefühle werden dabei genau geschildert, was das Ganze noch viel grausamer erscheinen lässt.

Anfangs war ich sehr begeistert von den persönlichkeitsstarken Figuren, die "Die Blutlinie" ausmachen, doch nach und nach ist es besonders auffällig, dass jeder Charakter in dem Buch (vor allen Dingen aus Smokys Team) auf irgendeine Art und Weise überperfekt ist und dadurch klischeehaft wird. Es gibt den riesengroßen Farbigen, der bedrohlich wirkt, aber ein unglaublich gutes Herz hat, die kühle Schönheit, die alle "Zuckerschnäuzchen" nennt und immer direkt ist, den Arschlochtypen, der aber irgendwie doch gut ist und natürlich die Protagonistin, die ihre ganze Familie und ihre beste Freundin verloren hat und dennoch nach 6 Monaten wieder zu ihrem Dienst antreten kann und sich viel zu schnell wieder normal geben kann. Alle sind außerdem noch sehr intelligent und stark, ganz gleich was ihnen passiert - sie verlieren nicht die Kontrolle. Natürlich ist das bei einem FBI-Team wünschenswert, aber ich denke nicht, dass man in solchen Situationen, die beschrieben werden, so ruhig bleiben kann.

Die Charakter wachsen einem dennoch sehr schnell ans Herz, obwohl sie durch ihre übermenschliche Art teilweise unglaubwürdig wirken. Man fühlt dennoch mit jedem Einzelnen mit und begleitet das Team auf einen Wettlauf gegen die Zeit. Jeder ist auf eine Weise bedroht und will Jack Junior daher um jeden Preis finden. Interessant sind hierbei die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sehr gut herauskommen und viele Charakterfehler wieder wett machen.

Besonders auffällig sind die blutigen und grausamen Beschreibungen der Morde, bei denen wirklich kein Detail ausgelassen wird. Teilweise war ich schon sehr geschockt und ich habe versucht, mir nicht alles zu genau vorzustellen, weil ich sonst mit Sicherheit Albträume gehabt hätte. Gleichzeitig zieht sich auch eine Spannung durch das Buch, die jedoch erst gegen Ende wirklich in Fahrt kommt. Ansonsten gab es wenige Stellen, die wirklich atemberaubend spannend waren, aber dennoch einige Szenen, die mich nervös und ängstlich gemacht haben. Charakteristisch ist einfach die düstere Atmosphäre, die sich durch das gesamte Buch zieht. Als ich es abends gelesen habe, hatte ich danach doch Schwierigkeiten ruhig einzuschlafen, aber genau das habe ich mir ja von dem Buch versprochen.

Die Aufklärung des Mordes braucht einige Zeit und mehrere Leichen und dennoch war mir bereits sehr schnell klar, wer der Mörder war - und ich lese sonst nie Thriller. Einige Schemata sind mir jedoch trotzdem bekannt und wer die kennt, wird auch sehr schnell wissen, bei wem es sich um Jack Junior handelt. Dennoch wurde das Buch dadurch keineswegs langweilig und am Ende war ich trotz der Bestätigung meines Verdachts geschockt und stellenweise überrascht. Vor allen Dingen die Zusammenhänge und Verbindungen zur Vergangenheit sind sehr gut durchdacht und machen eine Gänsehaut nach der anderen. Es gibt auch viele Überraschungs- und Erleuchtungsmomente, die dieses Buch sehr lesenswert machen.

Fazit:
Ein sehr lesenswerter Thriller, der mit starken und teilweise leider überperfekten Charaktern und einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit nichts für schwache Nerven ist. Trotzdem ist er nicht atemberaubend spannend, sondern lebt hauptsächlich durch die sehr blutigen und abschreckenden Morde. Der sehr gut strukturierte Schreibstil sorgt dafür, dass die 480 Seiten nur so dahinfliegen und man eine Menge Spaß mit dem Buch haben kann. Zwar hat es einige Schwächen, doch im Großen und Ganzen erfüllt es seinen Zweck und unterhält den Leser mit Spannung, Blut und Mord.


Zum Autor

Cody Mcfadyen, geboren 1968, unternahm als junger Mann mehrere Weltreisen und arbeitete danach in den unterschiedlichsten Branchen. Der Autor ist verheiratet, Vater einer Tochter und lebt mit seiner Familie in Kalifornien. "Die Blutlinie" war sein erster Roman und sorgte weltweit für Aufsehen. In Deutschland war der Thriller wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Mit "Der Todeskünstler" hat er die außergewöhnliche Thriller-Reihe um Smoky Barrett fortgesetzt. "Das Böse in uns" ist sein dritter Roman mit der Protagonistin. [Quelle: Bastei Lübbe]

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